Sodbrennen gezielt behandeln

Sodbrennen lässt sich oft durch Medikamente lindern. Wirken sie nicht ausreichend, soll ein neuer Schrittmacher helfen. So funktioniert das Verfahren
von Christian Krumm, 18.08.2015

Ein unangenehmes Brennen hinter dem Brustbein ist das typi­sche Symptom der Reflux-Krankheit. Die Ursache ist meist ein schwacher Schließmuskel am Übergang der Speiseröhre in den Magen. Aggressive Magensäure kann so nach oben in die Speiseröhre gelangen und deren empfindliche Wand reizen.

Die Auslöser für den als Sodbrennen bezeichneten Schmerz können allerdings vielfältig sein. Besonders häufig betroffen sind Menschen mit Über­­gewicht, Raucher und Schwangere. ­Zudem kann psychischer Stress die ­­Beschwerden fördern, die in schwereren Fällen mitunter auch mit Heiserkeit, chronischem Husten und sogar nächtlichen Aufwachphasen einher­gehen. Sehr oft tritt Sodbrennen nach dem übermäßigen Genuss fett- und zuckerreicher Speisen auf. "Nicht immer vermischt sich die Nahrung perfekt mit der Magensäure, und es bildet sich auf dem Speisebrei eine Art Säureteich, der dann leichter zurückfließen kann", erklärt Professor Peter Malfertheiner, Gastroenterologe an der Universitätsklinik Magdeburg und Präsident der Gastro-Liga.

Medikamente gegen Übersäuerung

Oft lassen die Beschwerden schon nach, wenn man die Mahlzeiten auf mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt und auf Genussmittel wie Alkohol, Nikotin oder zu viel Kaffee verzichtet. Weit oben auf der Liste sinnvoller Maßnahmen steht auch der Abbau von Übergewicht und Stress. "Hilfreich kann es auch sein, mit etwas erhöhtem Oberkörper zu schlafen, um den Rückfluss von Säure in der Liegeposition zu verhindern", rät der Apotheker Henrik Scholten aus Kleve. Leichte unspezifische Magenbeschwerden lassen sich manchmal mit pflanz­lichen Mitteln lindern, zum Beispiel mit Schleifenblume.

In den meisten Fällen lässt sich auch das Sodbrennen mit Medikamenten effektiv bekämpfen. "Bei gelegentli­chen Beschwerden genügen säurebindende Mittel", sagt Scholten. Sie neutralisieren überschüssige Magensäure meist innerhalb weniger Minuten. Treten die Beschwerden häufiger auf, rät der Apotheker zu Säureblockern wie Omeprazol und Pantoprazol. "Solche Protonenpumpenhemmer verhindern, dass sich zu viel Säure bildet. Zudem sind sie gut verträglich, sodass sie heutzutage als Goldstandard bei der Behandlung von Refluxbeschwerden gelten."

Omeprazol nicht immer geeignet

Patienten, die auf den Gerinnungshemmer Clopidogrel oder auf manche andere Wirkstoffe wie Diazepam oder Digitoxin angewiesen sind, dürften Protonenpumpenhemmer jedoch nicht ohne Weiteres nehmen, betont Apotheker Scholten. Ihnen können gegebenenfalls ähnlich wirkende H2-Blocker wie Ranitidin oder Cimetidin gute Dienste leisten.

Genügt die medikamentöse Behandlung nicht, um die Refluxbeschwerden zu lindern, erhoffen sich Patien­ten Hilfe durch eine Operation. Bei dem als Fundoplicatio bezeichneten Eingriff wird aus dem oberen Teil des Magens eine Art Manschette geformt, die um den Magenschließmuskel ­herum vernäht wird. Professor Karl-Hermann Fuchs, Chirurg am Agaplesion-Markus-Krankenhaus in Frankfurt/Main, bevorzugt die Methode, weil sie in wissenschaftlichen Studien am besten untersucht wurden. "Die Manschette drückt auf den schwachen Schließmuskel und hilft so, einen Reflux zu verhindern."

Schrittmacher für den Magenschließmuskel

Ein völlig neues Verfahren soll die ­Risiken und Nebenwirkungen einer Operation weiter verringern. Ärzte pflanzen dem Patienten dazu im Rahmen eines minimal-invasiven Eingriffs ein Stimulationsgerät ein, das über zwei Sonden nach einem einprogrammierten Zeitschema kleine Impulse an den Magenschließmuskel abgibt. "Das soll quasi den Muskel trainieren, sodass er den Reflux besser zurückhalten kann", erklärt Experte Fuchs. Er sehe die Methode eher als Lösung für leichte Fälle, wenn die Patienten partout keine Medikamente einnehmen wollen. Die Kassen erstatten den Eingriff bislang auch nur in wenigen Fällen.

"Das Prinzip klingt zwar bestechend, aber wer möchte schon in jungen Jahren an der Bauchdecke eine Beule von einem Schrittmacher haben?", resümiert Fuchs. Zudem lägen noch keine Langzeitergebnisse vor. Diese fordert auch Gastroenterologe Malfertheiner: "Vor jedem Eingriff ist unbedingt eine ausgefeilte Dia­gnostik und intensive interdisziplinäre Zusammmenarbeit an einem spezialisierten Zentrum wichtig." Mit­unter stelle sich dann heraus, dass ­eine Fundoplicatio doch die geeignetere Methode sein könne. Fakt sei aber: In den meisten Fällen braucht man keine Operation zur Behandlung der Refluxkrankheit.


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