Sodbrennen – Ursachen: Zwerchfellbruch, Achalasie

Ein Zwerchfellbruch kann Sodbrennen verursachen. Ähnliche Beschwerden, dazu Schluckstörungen, können von einem verkrampften Speiseröhrenschließmuskel (Achalasie) oder Ausstülpungen (Divertikel) herrühren

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 05.09.2017

Die Grafik zeigt eine Gleithernie


Zwerchfellbruch (Hiatushernie): Häufiger Auslöser von Sodbrennen

Landläufig ist von einem Bruch die Rede, wenn sich ein Körperanteil durch eine offene Stelle wie ein Sack in einen anderen Köperbereich drückt. Mediziner sprechen von einer Hernie. Bei einer Hiatushernie tritt ein Teil des Magens in den Brustraum aus, und zwar durch das Zwerchfell an der Übergangsstelle (Hiatus) zur Speiseröhre. Die Hernie kann sich entlang der Speiseröhre bilden (axiale Gleithernie, siehe Bild), daneben durchbrechen (Paraösophagealhernie) oder in kombinierter Form vorliegen. Das kann passieren, wenn sich das Zwerchfellbindegewebe im Übergangsbereich gelockert hat und diesen nicht mehr fest genug abschließt oder wenn es durchlässiger geworden ist. Hiatushernien kommen im Alter ab 50 häufiger vor. Auch ein erhöhter Druck auf den Magen, etwa durch Übergewicht, spielt eine Rolle.

Symptome: Mehrheitlich bereiten Zwerchfellbrüche keine besonderen Beschwerden. Es kann zu Sodbrennen mit saurem Aufstoßen, Druckgefühl und Schmerzen hinter dem Brustbein kommen. Eine fortgeschrittene Paraösophagealhernie verursacht mitunter Übelkeit oder Herzbeklemmung vor allem nach dem Essen. Mitunter kann als ernste Folgeerscheinung eine Blutarmut aufgrund von Blutungen durch Gewebeschäden auftreten. Eine sehr seltene, bedrohliche Komplikation ist eine Einklemmung eines Teils des Magens. Sie geht mit Würgereizen und starken Schmerzen in der Magengrube einher.

Diagnose: Gleithernien erkennt der Arzt meist im Zuge einer Spiegelung von Speiseröhre und Magen (Gastroskopie), die er zur Diagnose einer Refluxkrankheit durchführt. Paraösophagealhernien kann er mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung in Kopftieflage feststellen, für die der Patient zuvor einen Kontrastmittelbrei schluckt.

Therapie: Gleithernien behandeln die Ärzte in der Regel nur, wenn sie mit einer Refluxkrankheit einhergehen und Beschwerden verursachen. Die Therapie zielt dann darauf ab, die Refluxsymptome zu beseitigen, häufig durch säurehemmende Medikamente (siehe Kapitel "Refluxkrankheit"). Paraösophagealhernien werden meist operiert, um möglichen Komplikationen vorzubeugen.

Achalasie (Verkrampfung des Speiseröhrenschließmuskels): Schluckbeschwerden und Sodbrennen, oft im Liegen

Bei dieser seltenen Störung des Schluckvorgangs ist der Speiseröhrenschließmuskel (Ösophagus-Sphinkter) nicht mehr in der Lage zu erschlaffen, damit die Nahrung in den Magen gelangen kann. Im Gegenzug versuchen die Speiseröhrenmuskeln durch verstärkte Aktivität, die Nahrung weiterzubefördern (erhöhte Motilität). Bestimmte Nervenzellen, die die zuständigen Muskelfunktionen mit steuern, sind hier geschädigt oder untergegangen. Die Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt. Mediziner vermuten eine familiäre Veranlagung und/oder autoimmunlogische Prozesse als Auslöser. Betroffen sind vor allem Erwachsene mittleren Alters. Bei Kindern und jungen Erwachsenen gehört eine Achalasie mitunter zum Symptomenkreis einer genetischen Erkrankung. Ein Speiseröhrenkrebs kann ebenfalls zu dieser Verkrampfung (Achalasie) führen.

Seltene Komplikationen können auftreten, wenn Nahrungsbestandteile in die Lunge geraten und eine Lungenentzündung verursachen. Weitere Probleme entstehen gelegentlich, wenn die Betroffenen durch die erschwerte Nahrungsaufnahme zu stark abnehmen oder Mangelerscheinungen aufweisen.

Symptome: Im Vordergrund stehen Schluckbeschwerden. Die Betroffenen müssen häufig zusätzlich etwas trinken, um die Nahrung herunterzubringen. Im Liegen, vor allem nachts, können Essensteile wieder hochkommen. Sodbrennen, Schmerzen hinter dem Brustbein, die oft weiter ausstrahlen, Völlegefühl sowie Hustenattacken kommen dazu. Ist die Motilität erhöht, kann sich Speiseröhre schmerzhaft verkrampfen. Atembeschwerden, Fieber und Gewichtsverlust weisen auf ernstere Folgeerscheinungen hin.

Diagnose: Das Beschwerdebild und seine zeitliche Entwicklung geben dem Arzt erste Hinweise. Er wird bei Verdacht auf eine Achalasie eine Röntgenuntersuchung veranlassen, bei der der Patient einen Kontrastmittelbrei schluckt. Die Aufnahmen zeigen die Verengung am Speiseröhrenausgang. Häufig ist der Teil darüber geweitet. Es folgt eine Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie), bei der auch Gewebeproben entnommen werden, um einen bösartigen Tumor auszuschließen, der – allerdings selten – für die Achalasie verantwortlich sein kann. Mit Hilfe der sogenannten Manometrie können die Ärzte unterschiedliche Druckverhältnisse in der Speiseröhre messen. Anhand dieser Ergebnisse ist es möglich, eine Achalasie in ihrer jeweiligen Ausprägung nachzuweisen.

Therapie: An erster Stelle steht die Ballondilatation. Hier wird die Engstelle mit Hilfe eines aufblasbaren Ballons, der in die zuvor gereinigte Speiseröhre eingeführt wird, geweitet. Das Verfahren bringt häufig Erleichterung, muss aber oft nach einiger Zeit wiederholt werden. Aufwändiger, auch aus Kostengründen, ist eine Injektion von Botulinum-Toxin. Das Nervengift hemmt die Muskelaktivität in dem Bereich der Speiseröhre, in den es mit Hilfe des Endoskops gespritzt wurde. Auch diese Anwendung kann wiederholt werden. Sie wirkt anfangs häufig gut, hat sich aber bei jungen Betroffenen und auf lange Sicht als weniger erfolgreich als eine Ballondilatation erwiesen.

Medikamente, die auf den Spannungszustand des Speiseröhrenschließmuskels wirken, setzen die Ärzte meist nur kurzfristig ein. Hier kommt der Kalziumantagonist Nifedipin infrage, den die Betroffenen vor dem Essen einnehmen.

Als langfristige Therapie erwägen die Fachärzte mitunter eine Myotomie. Bei diesem häufig minimal invasivem Eingriff wird der verengte Muskel von außen durchtrennt. Um eine Refluxkrankheit als Folge der Operation zu vermeiden, schließt der Operateur möglicherweise noch einen weiteren Eingriff an (siehe dazu Kapitel "Refluxkrankheit"). Fachärzte empfehlen zudem regelmäßige Nachkontrollen zur Früherkennung einer möglichen Krebsentwicklung.

Speiseröhrendivertikel: Sodbrennen durch Reflux

Sodbrennen ist bei diesem Krankheitsbild zwar nicht das vorherrschende Symptom. Divertikel in der Speiseröhre erschweren aber die Nahrungspassage und fördern somit einen Reflux.

Durch Druck von innen, etwa beim Schlucken, kann die Schleimhaut der Speiseröhrenwand an einer Stelle ausbeulen oder durch eine Lücke in der Muskelschicht austreten. Solche Aussackungen heißen in der Fachsprache Divertikel. Im Bereich der Speiseröhre kommen sie verhältnismäßig selten vor. Am ehesten bilden sich Divertikel oben an der Speiseröhre, gleich unterhalb des Kehlkopfs, sogenannte Zenker-Divertikel. Männer im höheren Alter sind sehr viel häufiger davon betroffen als Frauen.

Symptome: Zu den Hauptsymptomen, die vor allem größere Divertikel verursachen können, zählen häufiges Räuspern, Fremdheitsgefühl im Hals und Schluckbeschwerden, die immer stärker werden, je weiter sich der Divertikel ausbildet. Typisch ist zudem, dass Speisereste noch Stunden nach der Nahrungsaufnahme wieder nach außen gelangen (Regurgitation, nicht zu verwechseln mit Erbrechen; siehe auch Kapitel "Ursachen: Speiseröhre" im Ratgeber "Schluckstörung (Dysphagie)"). Dadurch kann auch die Schleimhaut angegriffen werden. Dazu kommt oft Mundgeruch. Im Extremfall verschließen sehr große Divertikel die Speiseröhre gänzlich.

Diagnose und Therapie: Wichtigste Untersuchungsinstrumente sind eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel sowie eine Endoskopie der Speiseröhre.

Zenker-Divertikel und große Divertikel, die Probleme verursachen, entfernen Fachchirurgen in der Regel operativ.

Weitere Informationen zu Speiseröhrendivertikeln können Sie nachlesen im Ratgeber "Schwellung am Hals (dicker Hals)", im Kapitel "Speiseröhrendivertikel".