Sodbrennen – Ursachen: Magenleiden und weitere Erkrankungen

Sodbrennen kann auch infolge einer Erkrankung außerhalb der Speiseröhre aufteten. Mögliche Ursachen sind Magenprobleme, Unverträglichkeiten, Diabetes, Autoimmunkrankheiten

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 05.09.2017
Magenkrankheiten (Schematische Darstellung)

Grafik: Sodbrennen und häufige Erkrankungen des Magens


Magenerkrankungen: Sodbrennen und Blähungen

Reizmagen
Für einen Reizmagen, auch als nervöser Magen bezeichnet, sind häufig ungesunde Lebensgewohnheiten, etwa Rauchen und ein hoher Alkohol- und Kaffeekonsum verantwortlich. Eine wichtige Rolle spielen zudem psychische Faktoren wie Stress, Aufregung, Ärger, Angst. Für so eine funktionelle Verdauungsstörung (funktionelle Dyspepsie) lassen sich keine organischen Erkrankungen nachweisen.

Symptome: Ein Reizmagen verursacht Sodbrennen, Völlegefühl, Blähungen, oft auch Übelkeit mit Brechreiz und Oberbauchschmerzen. Dazu können Kopfschmerzen, Schlafstörungen, allgemeine Müdigkeit und Leistungsabfall sowie Schwindel kommen.

Magenspiegelung (Gastroskopie)

Magenschleimhautentzündung

Zu viel Alkohol, Nikotin oder schwer verdauliche Speisen können akut und chronisch eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) verursachen. Darüber hinaus kommen als Auslöser Lebensmittelvergiftungen, bestimmte Medikamente sowie das Bakterium Helicobacter pylori, Staphylokokken oder Salmonellen infrage. Auch Stress und übermäßige körperliche Belastung, zum Beispiel durch Leistungssport, wirken sich aus. Bei einer chronischen Gastritis hat sich die Magenschleimhaut entzündlich verändert und beginnt, sich zurückzubilden.
Symptome
: Bei einer akuten Gastritis stehen starke Schmerzen im Oberbauch und Übelkeit mit Brechreiz im Vordergrund. Eine chronische Schleimhautentzündung hat oft keine Krankheitszeichen. Mögliche Symptome sind wie bei einem Reizmagen Sodbrennen, Blähungen, Völlegefühl, Oberbauchschmerzen. In besonderen Fällen kann es zu Magenblutungen kommen.

Magengeschwür

Ein Magengeschwür führt manchmal dazu, dass sich der Magenausgang verengt (Magenausgangsstenose). Auch kann es einen Rückfluss von Magensäure (Reflux) mit Sodbrennen begünstigen. Häufig bereitet ein Magengeschwür keine Beschwerden oder äußert sich typischerweise durch Oberbauchschmerzen, die nachts oder bei nüchternem Magen einsetzen können. Es gibt auch Geschwüre, die während des Essens zu Schmerzen führen.

Magenkrebs

Magenkrebs entwickelt sich häufig, ohne typische Anfangsbeschwerden zu bereiten. Manchmal gibt es im Frühstadium auch gar keine Krankheitszeichen. Die Symptome können denen einer Gastritis (siehe oben) ähneln. Dazu gehören Völlegefühl, Sodbrennen, Magenschmerzen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sowie mitunter auch Magen-Darm-Blutungen. Einige Betroffene empfinden auch eine ausgeprägte Abneigung gegen Fleisch. Je früher ein bösartiger Tumor im Magen festgestellt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Das Risiko für Magenkrebs ist unter anderem durch chronische Entzündungen durch das Bakterium Helicobacter pylori erhöht.

Magenmuskelschwäche

Ebenso beeinträchtigt eine Magenmuskelschwäche die Magenentleerung und verursacht dann unter anderem auch Sodbrennen. Magenentleerungsstörungen können zum Beispiel infolge einer Diabeteserkrankung auftreten (siehe auch unten). In diesem Fall steht die Behandlung des Diabetes mit einer guten Blutzuckereinstellung im Vordergrund.

Diagnose von Magenerkrankungen

Es ist in jedem Fall wichtig, Magenbeschwerden ernst zu nehmen und einen Arzt aufzusuchen, damit dieser maßgebliche Erkrankungen des Magens oder der Speiseröhre ausschließen kann. Die Krankengeschichte, das Beschwerdebild und eine erste körperliche Untersuchung geben dem Arzt wichtige Hinweise. Laboruntersuchungen können sich anschließen. Hierbei wird das Blut auf Entzündungszeichen überprüft, der Urin auf Anzeichen einer Leber- oder Nierenerkrankung, der Stuhl auf verborgene Blutungen. Weitere Tests gelten dem Bakterium Helicobacter pylori, das bei der Entstehung einer Gastritis oder eines Magengeschwürs eine Rolle spielt. Spezialisten für Magen-Darm-Erkrankungen sind Gastroenterologen.

Bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie) kann der Facharzt Magen und Zwölffingerdarm von innen inspizieren und Gewebeproben zur feingeweblichen Untersuchung entnehmen. Weitere Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen, Messungen des Säurewerts (pH-Metrie) oder der Druckverhältnisse (Manometrie) veranlasst der Arzt zusätzlich je nach Verdachtsdiagnose.

Therapie von Magenerkrankungen

Für die meisten Magenbeschwerden gilt, fette, schwer verdauliche Speisen, Genussgifte wie Nikotin, übermäßigen Alkohol- und Kaffeekonsum zu meiden. Stressabbau und regelmäßige Entspannung können den angegriffenen Magen entlasten.

Bei einem Reizmagen helfen je nach Diagnose auch säurehemmende Medikamente, Protonenpumpenhemmer (PPI, siehe Kapitel "Refluxkrankheit").

PPIs sind mitunter ebenso bei einer Magenschleimhautentzündung oder einem Magengeschwür angezeigt, sofern das Bakterium Helicobacter pylori sicher und in großer Menge nachgewiesen wurde. Dann setzt der Arzt oft gleichzeitig Antibiotika ein.

Wichtig ist es auch, in Absprache mit dem Arzt, keine Medikamente einzunehmen, die die Magenschleimhaut angreifen können. Wenn entsprechende Mittel zur Behandlung einer Erkrankung absolut unvermeidbar sind, wird der Arzt zusätzlich ein säurehemmendes Medikament verschreiben, um den Magen ausreichend zu schützen.

Bei Magenkrebs richtet sich die Behandlung nach Stadium und Ausprägung des Tumors, ebenso nach dem Allgemeinzustand des Erkrankten. Chirurgische Maßnahmen stehen an erster Stelle. Weitere Behandlungsmaßnahmen sind darauf ausgerichtet, die Beschwerden und die Nahrungsaufnahme zu erleichtern.

Zitronentorte

Weitere Erkrankungen, die Sodbrennen verursachen können

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Manche Menschen vertragen bestimmte Lebensmittel beziehungsweise Bestandteile in Lebensmitteln nicht. Sie reagieren darauf mit Magen-Darm-Beschwerden und weiteren körperlichen Reaktionen wie Schwäche oder Müdigkeit. Viele Unverträglichkeiten hängen mit bestehenden Magen- oder Darmerkrankungen zusammen, etwa mit einem Reizmagen (siehe oben) oder einem Reizdarm. Sind Muskelfunktionen im Bereich der Speiseröhre, des Magens und des Darms beeinträchtigt, kann auch das dazu führen, dass Nahrungsbestandteile schlechter vertragen werden. Häufig stellen sich die Beschwerden nach dem Essen ein.

Sodbrennen zusammen mit Schmerzen im rechten Oberbauch, Durchfall und Völlegefühl nach fettreichen Mahlzeiten kann auf eine Fettunverträglichkeit hinweisen.

Diabetes mellitus

Im Verlauf eines Diabetes mellitus können Nervenstörungen auftreten, die unterschiedliche Nervenfunktionen betreffen (diabetische Polyneuropathie). In Mitleidenschaft gezogen sind häufig auch die Aktivitäten des vegetativen Nervensystems, das vor allem die inneren Organe steuert. Es regelt zum Beispiel Herzschlag, Blutdruck, Atmung und Verdauung. Ebenso leiden verschiedene Muskelfunktionen. Ob es zu Nervenschäden kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Dauer der Stoffwechselstörung spielt eine Rolle, aber vor allem auch, wie gut oder wie schlecht der Blutzucker eingestellt ist.

Neben Gefühlsstörungen an den Gliedmaßen, insbesondere der Füße (diabetisches Fußsyndrom) sind unter anderem auch Magen-Darm-Probleme eine Folge der beeinträchtigten Nervenimpulse. So haben Diabetiker nicht selten mit Magenentleerungsstörungen zu tun. Zudem kann die Nahrungspassage durch die Speiseröhre erschwert sein. Schluckbeschwerden, Sodbrennen und Wiederhochkommen der Speisen gehören zu den damit zusammenhängenden Beschwerden. Menschen mit Diabetes entwickeln öfter eine Refluxkrankheit.

Erfahren Sie mehr zu Formen, Ursachen, Diagnose, Folgen und Therapiemöglichkeiten einer Zuckerkrankheit in den Ratgebern "Diabetes mellitus Typ 1" und "Diabetes mellitus Typ 2" auf www.diabetes-ratgeber.net.

Autoimmunerkrankungen

Ein sekundärer Reflux kann auch im Rahmen bestimmter Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) auftreten, bei denen sich das Immunsystem aus unbekannter Ursache gegen körpereigene Strukturen richtet.

Beim Sjögren/Sicca-Syndrom bewirkt diese Fehlsteuerung der Abwehrkräfte eine chronische Entzündung von schleimhautbildenden Drüsen. Das Drüsengewebe wird geschädigt, die Schleimhäute trocknen mehr und mehr aus. Die Krankheit erfasst zunächst vor allem Tränen- und Speicheldrüsen, später auch andere Organe. Entzündete Augen, Husten, Heiserkeit sind oft auffallende Anzeichen. Die Schleimhaut von Speiseröhre und Magen kann sich entzünden. Mundtrockenheit, Sodbrennen, Schluckbeschwerden gehören dann zu den vielfältigen Symptomen. Lesen Sie Weiteres dazu im Ratgeber "Sjögren-Syndrom" (siehe Hinweis unten).

Kennzeichnend für die Sklerodermie ist es, dass sich das Bindegewebe der Haut und auch innerer Organe entzündlich verändert und zunehmend verhärtet. Durchblutungsstörungen an Händen und Füßen sowie verdickte, grobe Hautstellen auch im Gesicht und am Oberkörper sind typische Folgen. Unter anderem kann auch die Speiseröhrenwand starr und unbeweglich werden. Damit kommt es zu Schluckbeschwerden und Refluxbeschwerden mit Sodbrennen. Genauere Informationen gibt Ihnen der Ratgeber "Systemische Sklerodermie".

Krebserkrankungen

Bestimmte hormonproduzierende Tumore, wie etwa Tumore in der Bauchspeicheldrüse oder im Dünndarm beim Zollinger-Ellison-Syndrom, führen zu einer erhöhten Säureproduktion im Magen und Geschwüren im Magen und Dünndarm. Die Folge dieser eher seltenen Tumoren sind neben anderen Symptomen wie Bauchschmerzen und Durchfällen insbesondere Refluxbeschwerden mit Sodbrennen.

Neuromuskuläre Erkrankungen

Ebenso wirken Erkrankungen und Behinderungen, die das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln beeinträchtigen, mitunter auch negativ auf die Funktionen von Speiseröhre und Magen. Diagnose und Therapie richten sich nach den zugrunde liegenden Krankheitsbildern.