Schwerhörigkeit – Ursachen: Störungen im Innenohr

Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit ist Folge von Schäden im inneren Ohr. Zu den Ursachen gehören ein Hörsturz, Lärm, Entzündungen oder das Alter

aktualisiert am 29.03.2017

Immer wieder Krach – ob im Beruf oder beim Basteln zu Hause: Lärm ist nichts für die empfindlichen Sinneszellen im Innenohr


Wie es zu einer Schallempfindungsschwerhörigkeit kommt

Im Innenohr findet das eigentliche Hören statt. Das Hörorgan, die Cochlea, ist die Schaltstelle, in der die eintreffenden Schallwellen verarbeitet und in Nervenimpulse umgewandelt werden. Die empfindlichen Sinneszellen des Hörorgans, die Haarzellen, benötigen ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe, ebenso wie der weiterleitende Hörnerv und die Hörbahnen im Gehirn. Sind einzelnene dieser Stationen zum Beispiel aufgrund von Durchblutungsstörungen unterversorgt, können sie nicht mehr reibungslos funktionieren. Lärm, Entzündungen oder schädigende Substanzen belasten das Innenohr übermäßig. Sie greifen das Hörorgan unmittelbar an und hinterlassen möglicherweise dauerhafte Schäden. Darüber hinaus spielen natürlich auch Schädelverletzungen sowie ererbte Schwerhörigkeiten eine Rolle. Darauf wird in diesem Ratgeber jedoch nicht näher eingegangen.

Je nachdem, welcher Bereich geschädigt ist, unterscheiden Mediziner zwischen unterschiedlichen Formen der Schallempfindungsschwerhörigkeit. Die Hauptursachen für Schwerhörigkeit überhaupt sind Störungen im Innenohr (Innenohrschwerhörigkeit, auch kochleäre oder sensorische Schwerhörigkeit). Liegt der Schaden am Hörnerv, entsteht eine neurale Schwerhörigkeit. Erkrankungen im Gehirn können für eine zentrale Schwerhörigkeit verantwortlich sein (mehr zu diesen beiden Formen im Kapitel "Nervenschäden").

Die einzelnen Formen lassen sich nicht immer eindeutig voneinander abgrenzen. Häufig sind mehrere Hörstationen betroffen. Die Bezeichnung sensorineurale Schwerhörigkeit weist darauf hin, dass sowohl das Hörorgan, hier vor allem die Sinneszellen, als auch Nervenanteile in ihrer Funktion eingeschränkt sind.

Ursachen für Innenohrschwerhörigkeit

Abgesehen von Lärmschäden oder Entzündungsfolgen ist es nicht immer möglich, die Ursachen genau zu bestimmen. Das trifft zum Beispiel auf einen Großteil der Altersschwerhörigkeiten zu. Unterschiedliche Faktoren bewirken hier, dass oft neben der Schallempfindung auch die Schallleitung in Außen- und Mittelohr beeinträchtigt ist.

Ebenso spielt die Psyche eine Rolle (siehe auch Kapitel "So hören wir"). Das, was wir hören, löst Gefühle aus und aktiviert über zahlreiche Vernetzungen unterschiedliche Steuerzentren für körperliche und seelische Vorgänge. Umgekehrt wirken innere Körperfunktionen sowie unser seelisches Befinden auf die Hörfähigkeit. Unter Stress hören wir oft schlechter als wenn wir gelassen und entspannt sind. Stress gehört auch mit zu den Risikofaktoren bei Innenohrstörungen wie einem Hörsturz.

Eine gestörte Schallempfindung ist häufig mit verantwortlich für Ohrgeräusche. Tinnitus begleitet sehr oft Schallempfindungsschwerhörigkeiten. Da im Innenohr auch das Gleichgewichtsorgan liegt, können Schäden dort zu Gleichgewichtsstörungen und Schwindel führen. Eine Innenohrerkrankung noch nicht geklärter Ursache, die mit anfallsartigem Schwindel, Tinnitus und Schwerhörigkeit einhergeht, ist die Menière-Krankheit.

Hörsturz: Plötzlich schwerhörig auf einem Ohr

Ein Hörsturz ereilt die Betroffenen mitunter in Stresssituationen oder belastenden Lebenslagen. Gerne war deshalb auch von "Managerkrankheit" die Rede. Die Ursachen sind aber noch nicht eindeutig geklärt (idiopathischer Hörsturz). Welche Rolle Stress hierfür wirklich spielt, ist unter Fachleuten umstritten. Als mögliche Auslöser dieser akuten Innenohrstörung werden unter anderem Gefäßprobleme, Infektionen, Autoimmunreaktionen sowie psychische Faktoren diskutiert. Einem Hörsturz vergleichbare einseitige Ohrbeschwerden kann zum Beispiel unter anderem auch ein gutartiger Tumor am Gehörnerv (siehe unten "Akustikusneurinom") verursachen.

Die plötzliche, intensiv erlebte Hörminderung auf einem Ohr, oft mit Ohrgeräuschen und einem Druckgefühl im Ohr verbunden, sollte möglichst bald von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder in der Klinik behandelt werden. Es besteht zwar die Chance, dass ein Hörsturz von selbst und ohne Folgen ausheilt. Da sich aber auch andere Erkrankungen dahinter verbergen oder bleibende Hörschäden einstellen können, raten viele Ärzte, rasch zu reagieren.

Symptome: Eine plötzlich auftretende, dramatische Schwerhörigkeit, manchmal Ertaubung, meist auf einem Ohr, seltener auf beiden Seiten. Bedrängend ist das Gefühl, dass "nichts mehr normal ist". Zu der Hörstörung kommen heftige Ohrgeräusche, ein Druckempfinden tief im Ohr, manchmal auch Schwindel und der Eindruck, die Töne doppelt zu hören (Diplakusis). Die eigene Stimme kann verzerrt klingen.

Diagnose und Therapie: Zeigen sich die Beschwerden sehr stark und belastend, kann der Arzt gegebenenfalls zuerst eine Sofortbehandlung einleiten, eventuell in einer Klinik.  Bei leichteren Symptomen beobachtet der Arzt manchmal zunächst ein, zwei Tage, wie sich die Beschwerden entwickeln. Das geschieht in Absprache mit seinem Patienten. Wichtig ist es meist, dass der Betroffene erst einmal zur Ruhe kommt.

Ist der Hörsturz zum ersten Mal aufgetreten, untersucht der HNO-Arzt in der Regel seinen Patienten eingehend, es sei denn, der Hörsturz ist die wiederholte Folge einer schon bekannten Erkrankung, etwa einer Menière-Krankheit (siehe unten) oder einer Multiplen Sklerose. An eine Ohruntersuchung und eingehende Hörprüfungen schließen sich mitunter Gleichgewichtstests an (siehe Kapitel "Diagnose").

Bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen des Kopfes beziehungsweise eine Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) des Gehirns können ebenfalls angezeigt sein. Je nach Verdacht prüft der Arzt die Funktionen innerer Organe, etwa des Herzens, und lässt den Blutdruck messen. Blutuntersuchungen geben Aufschluss über eventuelle entzündliche Prozesse, Fett- oder Zuckerstoffwechselstörungen.

Einen ausgeprägteren idiopathischen Hörsturz behandeln die Fachärzte in erster Linie mit Kortison. Bestehende Grunderkrankungen werden entsprechend therapiert. Meist ist es zudem empfehlenswert, wenn Hörsturz-Betroffene die eigene Lebensführung überprüfen und Stress abbauen (siehe auch Kapitel "Therapie und Selbsthilfe").

Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber "Hörsturz".

Lärmschwerhörigkeit: Vorübergehend wie ertaubt, dazu Tinnitus

Auf übermäßige Lautstärke reagiert das Gehör höchst sensibel, ob es sich nun um eine dauerhafte Lärmbelastung handelt, oder um eine einzelne, heftige Schalleinwirkung. Trifft extrem lauter Schall mit einem Schalldruckpegel von über 140 Dezibel auf das Ohr, etwa bei dem Knall eines Silvesterkrachers oder aus einer Schusswaffe beziehungsweise bei einer Explosion, können direkte Schäden entstehen (Knall- oder Explosionstrauma). Das Trommelfell kann durch den hohen Druck reißen, weitere Verletzungen und Blutungen im Innenohr sind möglich.

Wiederholte intensive oder langfristige Beschallung ab 80 Dezibel, aber oft auch schon darunter, überfordert die Funktion des Hörorgans. Die empfindlichen Sinneszellen im Innenohr schützen sich vor hoher Lautstärke, indem sie sich quasi "taub" stellen, das heißt, ihre Aktivitäten zurückfahren. Sie können sich zwar eine Zeit lang immer wieder erholen, wenn die Ruhephasen ausgedehnt genug sind. Wirken aber weiter anhaltend laute Töne und Geräusche auf das Gehör ein, kann das eine chronische Schwerhörigkeit zur Folge haben.

So sind Arbeitgeber dazu angehalten, vorbeugende Maßnahmen einzuleiten, wenn Arbeiternehmer acht Stunden täglich Werten von 80 Dezibel und darüber ausgesetzt sind. Dazu gehören die Informationspflicht über persönlichen Gehörschutz, aber auch Arbeitsschutzmaßnahmen, um die Lärm- und Vibrationspegel zu ermitteln und Belastungen bei Bedarf anzupassen. Auf keinen Fall darf Lärm, der das Ohr erreicht, den Wert von über 85 Dezibel (maximal zulässiger Expositionswert über acht Stunden) überschreiten. Wegen der Gefahr bleibender Hörschäden besteht Gehörschutzpflicht.

Gefährlich werden dem Gehör nicht nur laute Maschinengeräusche am Arbeitsplatz, Bau- und Verkehrslärm, sondern zunehmend auch die starke Beschallung durch Musik in Diskotheken, aus Lautsprechanlagen oder Kopfhörern von MP3-Playern und ähnlichem. Solcher Dauerlärm ist mit verantwortlich dafür, dass heute mehr und mehr junge Leute unter bleibender Schwerhörigkeit leiden.

Symptome: Akute Lärmschädigung: Kennzeichnend sind ein Gefühl der Taubheit – die Betroffenen hören kurz- oder längerfristig gar nicht mehr – und Tinnitus. Dazu können ein Druckempfinden in Ohr und Kopf kommen. Bei einer akuten Lärmschädigung gehen die Symptome nach einer Zeit der Ruhe wieder zurück.
Knall- oder Explosionstrauma: Neben Druck- und Taubheitsgefühlen kann ein stechender Schmerz im Ohr auf Schäden an Trommelfell und Innenohr hinweisen. Auch Blutungen aus dem Ohr sind möglich.
Chronische Lärmschwerhörigkeit: Die Hörminderung und der Tinnitus bestehen dauerhaft. Typisch ist das Problem, nicht nur hohe Töne schlecht zu hören, sondern Gespräche nicht mehr richtig zu verstehen, vor allem wenn Geräusche im Hintergrund dazukommen.

Diagnose: Wenn keine Notfalltherapie, etwa bei einem Knall- und Explosionstrauma, notwendig ist, untersucht der Hals-Nasen-Ohren-Arzt das Ohr und führt die üblichen Hörtests durch. Das Tonaudiogramm zeigt das typische Absinken der Hörschwelle. Zunächst hören die Betroffenen die hohen Töne nicht mehr, später auch Töne aus dem mittleren und schließlich dem tiefen Frequenzbereich. Die Ohrgeräusche wird der Arzt mit speziellen Tests und Befragungen prüfen und einordnen.

Therapie: Ein Knall- und Explosionstrauma behandeln die Ärzte häufig sofort mit Infusionen und gegebenenfalls operativen Eingriffen, um die Schäden am Trommelfell und im Innenohr zu beheben. Eine akute Lärmschwerhörigkeit vergeht in der Regel nach einiger Zeit von selbst. Bleibt sie zusammen mit dem Tinnitus bestehen, kommen Hörgeräte und gezielte Tinnitustherapien zum Einsatz.

Eine wesentliche Rolle nimmt die Vorbeugung ein. Lärmschutz am Arbeitsplatz sollte selbstverständlich sein, ebenso in der Freizeit. Die Musik leiser zu stellen, ist sicher ein manchmal mühsamer Appell an Jugendliche, doch letztlich die einzig wirksame Möglichkeit, das Gehör gesund zu erhalten (siehe Kapitel "Therapie und Selbsthilfe").

Alterschwerhörigkeit: Das Gehör lässt allmählich nach

Nicht jeder wird im Alter schwerhörig. Viele Menschen hören auch mit achtzig noch gut, während mancher 40-jährige schon eine Hörhilfe braucht. Natürlich altert auch das Gehör, die damit zusammenhängenden Vorgänge wirken sich jedoch unterschiedlich aus. Deshalb sind die Ursachen für eine Hörminderung im Alter auch noch nicht eindeutig geklärt. Durchblutungsstörungen, Ablagerungen im Ohrbereich, sich verändernde Bindegewebsstrukturen können eine Rolle spielen, ebenso Alterungsprozesse im Gehirn. Familiäre Veranlagungen sind offenbar von Bedeutung, ebenso wie schädigende Einflüsse, die im Laufe des Lebens auf das Gehör einwirken. Dazu gehören vor allem Lärm, Dauerstress, Umweltgifte, Medikamentenmissbrauch, ungesunde Ernährung mit viel Alkohol und Nikotin, Bewegungsmangel. Nachteilige Folgen haben möglicherweise auch häufige oder chronische Entzündungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich.

Alterschwerhörigkeit (Presbyakusis) gehört zu den typischen Innenohrschwerhörigkeiten. Betroffen sind vor allem die Sinneszellen des Hörorgans auf beiden Seiten. Zu der fortschreitenden Schallempfindungsstörung kann noch eine Schallleitungsschwerhörigkeit kommen.

Symptome: Eine Alterschwerhörigkeit macht sich schleichend bemerkbar. Anfangs hören die Betroffenen häufig hohe Töne schlechter und haben Probleme mit dem Sprachverständnis. Es fällt ihnen schwer, Gesprächen in der Gruppe oder mit Hintergrundgeräuschen zu folgen. Oft kommt Tinnitus dazu.

Die Hörminderung erfasst allmählich auch mittlere und tiefe Töne. Bei leiseren oder normalen Lautstärken müssen Altersschwerhörige immer häufiger nachfragen und Radio oder Fernseher lauter stellen. Andererseits empfinden sie laute Töne oft als besonders laut und störend.

Diagnose: Die Ergebnisse der Ohruntersuchung sind meist unauffällig. Die geschilderten Hörprobleme sowie die Krankengeschichte geben dem Arzt entsprechende Hinweise. Der Arzt wird zunächst durch gezielte Untersuchungen andere Ursachen für eine Innenohrschwerhörigkeit ausschließen. Dazu gehören etwa Hörschäden durch Lärm, aber auch durch Medikamente und Giftstoffe (hier kommen noch andere Beschwerden dazu, siehe Kapitel "Medikamente & Co."). Ebenso wirken sich Stoffwechselerkrankungen auf das Gehör aus (siehe Kapitel "Kreislauf, Herz, Stoffwechsel").

Das Tonaudiogramm weist beidseitig die typische Kurve bei Alterschwerhörigkeit mit dem Verlust hoher Töne auf, das Sprachaudiogramm zeigt das erschwerte Sprachverständnis (siehe Kapitel "Diagnose").

Therapie: Sehr oft können individuell angepasste, moderne Hörgeräte den Betroffenen helfen, wieder besser zu hören und auch Gespräche zu verstehen. Darüber hinaus tut eine gesunde Lebensweise auch dem Ohr und seiner Funktion gut. Vor Lärm, Stress und schädigenden Substanzen sollten junge wie alte Menschen ihr Gehör soweit wie möglich schützen.

Innenohrentzündung (Labyrinthitis): Hörprobleme mit Tinnitus und Schwindel

Eine Mittelohrentzündung kann auf das Innenohr übergreifen und dort Entzündungen hervorrufen, die teilweise schwer verlaufen und manchmal bleibende Hörstörungen zur Folge haben. Oft sind auch andere Infektionen verantwortlich für eine Labyrinthitis. Infrage kommen hier zum Beispiel eine Hirnhautentzündung (Meningitis), Erkrankungen wie Masern, Mumps oder eine Gürtelrose (Herpes zoster). Seltener gehören Tumore zu den Verursachern. Eine chronische Mittelohrentzündung führt mitunter zu einer chronischen Innenohrentzündung. Durch die Entzündung kann sich zwischen Mittel- und Innenohr eine offene, röhrenförmige Verbindung, eine Labyrinthfistel, bilden.

Die entzündlichen Vorgänge greifen die Hörsinneszellen im Hörorgan in einem oder, je nach Ursache, in beiden Ohren an und schädigen sie bisweilen dauerhaft. Deshalb ist es wichtig, bei den ersten Anzeichen für eine Innenohrentzündung möglichst rasch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen. Alarmierend ist es auch, wenn bei einer akuten Mittelohrentzündung Schwindel auftritt. Das kann darauf hinweisen, dass das Innenohr beteiligt ist.

Symptome: Die Erkrankten hören auf einem oder auf beiden Ohren schlechter und haben Schwierigkeiten, Gesprochenes richtig zu verstehen. Gleichzeitig leiden sie unter Tinnitus und Schwindel, vor allem Drehschwindel. Dazu können Übelkeit, Fieber, ein allgemeines Schwächegefühl und Kopfschmerzen kommen. Ohrenschmerzen und Ohrenlaufen treten vor allem auf, wenn das Mittelohr ebenfalls akut entzündet ist.

Diagnose: Wie immer lässt sich der Arzt zuerst die Symptome schildern und nimmt die Krankengeschichte auf. Der HNO-Arzt untersucht das Ohr, dabei zeigt sich häufig schon eine ursächliche Mittelohrentzündung. Es folgen verschiedene Hörtests, die meist eine typische Schallempfindungsschwerhörigkeit ergeben. Je nach Verdacht kommen weitere Untersuchungen infrage, etwa Gleichgewichtsprüfungen. Eine Computertomografie des Schläfenbeins dient dazu, mögliche Wucherungen oder eine Labyrinthfistel zu erkennen. Außerdem veranlasst der Arzt gegebenenfalls Blutuntersuchungen, um bestimmte Infektionen mit Viren oder Bakterien ausschließen zu können. Mit einer Nervenwasseruntersuchung (Liquorpunktion) stellen die Ärzte fest, ob eventuell eine Hirnhautentzündung vorliegt.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Liegt eine durch Bakterien hervorgerufene, schwere Mittelohrentzündung zugrunde, behandelt der Arzt mit Antibiotika. Gegen eine mögliche Vireninfektion setzt er Mittel gegen Viren ein. Auch Kortison kann angezeigt sein. Heftige Schwindelbeschwerden mit Erbrechen können Medikamente gegen Übelkeit und Brechreiz wie Antiemetika und andere lindern.

Manchmal müssen HNO-Spezialisten das Innenohr umgehend durch operative Eingriffe am Mittelohr entlasten, etwa durch Einsetzen eines Paukenröhrchens (siehe Kapitel "Mittelohrschäden"). Eventuelle Wucherungen oder eine Labyrinthfistel beseitigt ebenfalls ein auf solche Eingriffe spezialisierter HNO-Arzt.

Menière-Krankheit: Attacken mit Schwindel, Tinnitus und Schwerhörigkeit

Kennzeichnend für diese relativ seltene Innenohrerkrankung ist das gleichzeitige, anfallsartige Auftreten von drei Symptomen: Hörminderung, Drehschwindel und Tinnitus, meist auf einem Ohr. Die Ursachen der Menière-Krankheit (Morbus Menière) sind noch nicht geklärt. Experten gehen davon aus, dass sich im Hör- und im Gleichgewichtsorgan Flüssigkeit ansammelt und sich dadurch der Druck erhöht. Das führt dazu, dass die Sinneszellen nicht mehr reibungslos funktionieren. Möglicherweise vermischen sich auch die unterschiedlichen Flüssigkeiten, die sich in den beiden Organen befinden. Der Grund könnte ein Riss in der sie trennenden Membran sein. Eine weitere Vermutung legt Gefäßschäden im Bereich der Hör- und Gleichgewichtsnerven nahe.

Zu Beginn der Erkrankung treten die plötzlichen Anfälle nur vereinzelt auf. Dazwischen liegen teilweise längere beschwerdefreie Phasen. Im weiteren Verlauf bleiben oft Schwerhörigkeit und Tinnitus bestehen, während die Schwindelanfälle zurückgehen. Da die Attacken völlig unerwartet einsetzen und stark belasten können, entwickeln nicht wenige Betroffene Ängste und Depressionen. Sie leiden unter den Hörproblemen und den Ohrgeräuschen und ziehen sich mehr und mehr aus dem sozialen Leben zurück.

Symptome: Unerwartet einsetzende Anfälle mit mal mehr, mal weniger ausgeprägter Schwerhörigkeit und Sprachverständnisproblemen, meist auf einem Ohr, sowie Tinnitus und Schwindel in Form von heftigem Drehschwindel. Dazu kommen oft Übelkeit bis hin zum Erbrechen und ein Druckgefühl im Ohrbereich. Später fallen die Betroffenen während der Attacke auch häufig zu Boden.

Diagnose: Wichtige Anhaltepunkte liefern dem Arzt die Krankengeschichte und die Schilderung der Symptome. Während der beschwerdefreien Zeit lässt sich die Krankheit nicht immer eindeutig diagnostizieren. Wegweisend ist oft der Ausschluss anderer Erkrankungen. Hörtests ergeben eine Schallempfindungsschwerhörigkeit, bei der zunächst die tieferen Töne schlechter gehört werden, mit der Zeit dann auch mittlere und höhere. Dazu kommen ausgeprägte Sprachverständnisprobleme. Weitere Hörtest folgen, ebenso Gleichgewichtsprüfungen, die kennzeichnende Ergebnisse liefern.

Der Arzt wird durch geeignete Untersuchungen andere Innenohrerkrankungen ausschließen, etwa einen Hörsturz, einen Tumor an den zuständigen Nerven oder Gefäßerkrankungen im Gehirn. Mitunter sind dazu bildgebende Verfahren wie eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie) vom Kopf- und Halsbereich sowie weitere neurologische Untersuchungen angezeigt.

Therapie: Die Phasen akuter Attacken behandeln die Ärzte häufig mit Medikamenten gegen Schwindel (Antivertiginosa) und Erbrechen (Antiemetika). Es kann auch eine Infusionsbehandlung infrage kommen, um den Flüssigkeits- und Salzhaushalt zu regulieren und die Innenohrdurchblutung anzuregen. Die weitere Therapie erfolgt oft mit Medikamenten, die ebenfalls gegen Schwindel wirken, wie Antihistaminika, Kalziumantagonisten oder manchmal auch Kortison-Präparate.

Bei sehr schweren Krankheitsbildern erwägen die Ärzte Eingriffe, mit denen sie die erkrankten Hörsinneszellen und das Gleichgewichtsorgan ausschalten. Das kann mit Medikamenten oder durch verschiedene Operationsverfahren geschehen. Hier sind Chirurgen an Spezialkliniken gefragt, die mit entsprechenden mikrochirurgischen Methoden Erfahrung haben. Bei Gefäßproblemen können auch Operationen an den Gefäßen, die Hör- oder Gleichgewichtsnerv bedrängen, sinnvoll sein.

Bleibt die Schwerhörigkeit bestehen, kommen Hörgeräte zum Einsatz. Gegen die Ohrgeräusche erweist sich oft ein umfassendes Therapieprogramm als hilfreich. Gezieltes Schwindeltraining stabilisiert das Gleichgewicht. Begleitende psychotherapeutische Unterstützung hilft den Betroffenen vielfach, besser mit ihrer Erkrankung umzugehen und keine psychischen Folgeerkrankungen zu entwickeln.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Morbus Menière (Menière-Krankheit)".