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Schwerhörigkeit – Ursachen: Medikamente, Suchtmittel, Schadstoffe

Bestimmte Arzneimittel, Genussgifte wie Alkohol, Drogen und Schadstoffe können das Innenohr angreifen. Dabei treten vorübergehende oder bleibende Hörprobleme auf

aktualisiert am 16.10.2018
Gebrauchshinweise bei Medikamenten beachten

Auf die Dosis kommt es an: Schmerz- und andere Arzneimittel nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen


Medikamente, Alkohol, Schadstoffe: Wie es zu Hörproblemen kommt

Einige Arzneimittel und auch einige giftige Substanzen wirken schädigend auf den Stoffwechsel im Innenohr oder auf am Hörvorgang beteiligte Nervenfunktionen. Daher sind von möglichen Folgen zumeist beide Ohren betroffen. Eine einseitige Hörminderung können allerdings Ohrtropfen verursachen, die nur auf einem Ohr angewandt wurden.

Symptome, die das Ohr betreffen: Die Erkrankten hören meist auf beiden Ohren schlechter, in der Regel anfangs die höheren Töne. Dazu kommen Sprachverständnisschwierigkeiten und Tinnitus. Ist das Gleichgewichtsorgan mit angegriffen, treten Gleichgewichtsprobleme wie Drehschwindel und ein allgemeines Unsicherheitsgefühl auf. Möglich ist zudem eine gestörte Wahrnehmung. Die Betroffenen haben dann den Eindruck, dass die Umgebung oder bestimmte Gegenstände wackeln oder zittern.

Diagnose und Therapie: Krankengeschichte und Symptome stellen wichtige Helfer bei der Suche nach den verantwortlichen Auslösern dar. Hörtests zeigen eine beidseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit. Der HNO-Arzt wird durch gezielte Untersuchungen eine Innenohrentzündung sowie andere Nervenschädigungen ausschließen. Die Behandlung zielt darauf ab, auslösende Faktoren zu beseitigen und die Innenohrfunktion zu stärken.

Bier nach Wein

Medikamente: Wann und warum einige das Gehör beeinträchtigen

Ob ein Arzneimittel im Innenohr eine giftige (toxische) Wirkung entfaltet, hängt meist nicht nur davon ab, um welches Präparat es sich handelt, sondern in welcher Menge und wie lange es eingenommen wird. Medikamentenmissbrauch, zum Beispiel von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln, spielt hier nicht selten eine Rolle. Aber auch individuelle Faktoren wie der allgemeine Gesundheitszustand, schon bestehende Innenohrschäden und bestimmte Grunderkrankungen haben einen Einfluss.

Medikamentenbedingte Gehörschäden können vorübergehender Natur oder dauerhaft sein. Auch der Gleichgewichtssinn kann Schaden nehmen. Für Kinder bringen oftmals schon leichtere Hörminderungen Nachteile für die weitere Entwicklung mit sich.

Die infrage kommenden Mittel sollten deshalb immer unter Kontrolle eines Arztes eingenommen werden. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Schwerhörigkeit mit der Einnahme eines bestimmten Medikaments aufgetreten ist, unterbrechen Sie die Behandlung nicht einfach, sondern sprechen Sie baldmöglich mit Ihrem Arzt darüber. Meist vergehen die Beschwerden, wenn das Mittel abgesetzt oder die Dosis verändert wird. Es kann manchmal auch angebracht sein, das Präparat zu wechseln.

Zu den Medikamenten, die eine (bestenfalls rückbildungsfähige) Innenohrschwerhörigkeit auslösen können, gehören

  • bestimmte Schmerz- und Rheumamittel wie Acetylsalicylsäure, nicht steroidale Antirheumatika und Paracetamol. Studien zufolge kommt es dabei aber sehr auf die Einnahmedauer und die Dosierung an.
  • sogenannte Schleifendiuretika (Mittel zur Ausschwemmung von Wasseransammlungen im Körper).
  • Malariamittel, hier vor allem Chinin,
  • Zytostatika wie zum Beispiel Cisplatin oder Carboplatin zur Behandlung von bösartigen Tumoren.

Im Falle bekannter oder eventuell möglicher Medikamentennebenwirkungen auf den Hör- und Gleichgewichtssinn wird der Arzt Nutzen und Risiko der Therapie sorgfältig abwägen. Es gilt immer auch mögliche schädliche Wirkungen der Grundkrankheit selbst auf das Ohr zu bedenken. Daher sind unter bestimmten Medikamentenbehandlungen (siehe Liste oben) Hörprüfungen empfehlenswert.

Dauerhafte Hörschäden sind unter einer Behandlung mit bestimmten Antibiotika, den Aminoglykosiden, geläufig. Auch Vancomycin, ein Glykopeptid-Antibiotikum, kann das Innenohrorgan ernsthaft schädigen. Die Ärzte werden während dieser Therapien die Nieren und die Innenohrfunktion unbedingt regelmäßig kontrollieren, um gleich auf eventuell auftretende Störungen reagieren zu können.

Alkohol, Nikotin, Drogen: Langfristige Folgen auch für das Gehör

Alkohol wirkt auf die Nervenzellen im Gehirn und im Innenohr. Schwindel ist eine bekannte unmittelbare Folge von übermäßigem Alkoholgenuss. Durchblutungsstörungen und Gefäßschäden durch dauerhaften Missbrauch von Alkohol beeinträchtigen ebenfalls die Funktion der Sinnesorgane im Innenohr. Das gilt ebenso für Drogen, die in den Nervenstoffwechsel im Gehirn eingreifen, wie Heroin oder Kokain.

Schädlich für das Gehör ist zudem das Rauchen. Mit jedem Zug an einer Zigarette gelangen Nikotin und zahlreiche andere Giftstoffe in den Körper, die auf das Gefäß- und Nervensystem einwirken.

Dazu kommen aus dem Tabakrauch Kohlenmonoxid und Teerstoffe. Die Lungen und andere Organe werden oft folgenreich belastet, die Durchblutung wird nachhaltig beeinträchtigt. Auch das führt zu Schäden in vielen Körperfunktionen, Hör- und Gleichgewichtssinn nicht ausgenommen.

Schadstoffe: Vielfach auch giftig für die Ohren

Toxisch wirken vor allem chemische Substanzen in Farben, Lösungsmitteln und Baustoffen. Stoffe wie Kohlenmonoxid, Schwefelkohlenstoff, Methylalkohol (Methanol) und andere nimmt der Körper je nachdem über die Atemwege, die Haut und Schleimhäute sowie über den Verdauungstrakt auf.

Die Gifte greifen, wenn sie entsprechend stark oder dauerhaft eindringen, unterschiedliche Organe und Nervensysteme an. Das gilt ebenso für Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Kadmiumverbindungen.

Symptome: Es können akute bis chronische Vergiftungserscheinungen auftreten. Sie äußern sich je nach Substanz unterschiedlich. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Atemnot sowie häufig Sehstörungen gehören vielfach zu den typischen Symptomen. Auch das Hörvermögen kann mit beeinträchtigt sein. Blässe und Hautveränderungen sind weitere mögliche Zeichen.

Gefährdet sind vor allem Menschen, die beruflich entsprechenden Stoffen intensiver und langfristig ausgesetzt sind. Es ist daher unerlässlich, Arbeitsschutzmaßnahmen einzuhalten und bei auftretenden Beschwerden und Hörproblemen einen Arzt aufzusuchen.

Verzichten Sie auch privat, wo immer es geht, auf Schadstoffe, verwenden Sie bevorzugt etwa lösungsmittelfreie Farben und Lacke. Hausbesitzer müssen veraltete, bleihaltige Wasserleitungen in der Regel austauschen, um den inzwischen geltenden Grenzwert für Bleibelastung einzuhalten.