Schwerhörigkeit – Ursachen: Erkrankungen im Mittelohr

Wegen des komplizierten Aufbaus und seiner Lage ist das Mittelohr recht anfällig für Entzündungen. Schäden im Mittelohr verursachen eine Schallleitungsschwerhörigkeit

aktualisiert am 29.03.2017
Ohr (Schematische Darstellung)

Eingriff am entzündeten Mittelohr: Ein Röhrchen zwischen Paukenhöhle und Trommelfell (Paukenröhrchen) sorgt für eine bessere Belüftung


Über die eustachische Röhre (Ohrtrompete oder Tuba) ist das Mittelohr mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden. Infekte können von dort leicht auf den Mittelohrraum übergreifen und eine akute Mittelohrentzündung auslösen. Die entzündlichen Schleimansammlungen behindern die Schallübertragung über die Gehörknöchelchen, und die für die Weiterleitung notwendige Belüftung wird gestört. Die Entzündung kann auch das Innenohr erfassen oder chronisch werden.

Zu Hörstörungen können zudem Schäden am Trommelfell durch Verletzungen oder Luftdruckveränderungen (Barotrauma) führen. Weitere mögliche Auslöser sind Knochenerkrankungen, vor allem eine Otosklerose.

Tumore sind im Mittelohr eher selten. Sie entstehen vor allem in der Schläfenbeingegend und in der Paukenhöhle und erfassen mitunter die ganze seitliche Schädelbasis. Zu den Symptomen gehören neben einer Schallleitungsschwerhörigkeit insbesondere Tinnitus sowie Schwindel. Einige Tumore verursachen jedoch oft nur allgemeine Entzündungssymptome. Deshalb wird der Hals-Nasen-Ohren-Arzt insbesondere bei chronischen, untypisch verlaufenden Mittelohrentzündungen und entsprechendem Verdacht durch gezielte Untersuchungen prüfen, ob nicht möglicherweise auch ein Tumor vorhanden ist.

Akute Mittelohrentzündung: Ohrschmerzen, Hörprobleme, anfangs auch Fieber

Für eine Entzündung im Mittelohr sind meist übergreifende bakterielle Infekte aus dem Nasen-Rachen-Raum verantwortlich. Ausgangserkrankung ist häufig eine durch Viren hervorgerufene Erkältung mit Schnupfen und Husten oder eine Grippe (Grippeotitis). Die Schleimansammlungen im Mittelohr stören die Belüftung und führen zu weiteren Entzündungen (siehe auch unten: Chronische Mittelohrentzündung). Das Trommelfell kann sich mit entzünden und durchbrechen.

Bei einem Tubenmittelohrkatarrh (auch Paukenerguss) hat sich hinter dem Trommelfell ein entzündlicher Erguss gebildet, der auch chronisch werden kann.

Zu den möglichen Komplikationen der Mittelohrentzündung gehören eine zusätzliche Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis) sowie ein Übergreifen auf die Knochen (Cholesteatom) und das Innenohr (Labyrinthitis, siehe Kapitel "Innenohrschäden"). Ebenso können Gehirnnerven in Mitleidenschaft gezogen werden, vor allem der Gesichtsnerv, was zu Lähmungserscheinungen an einer Gesichtshälfte führen kann (Fazialisparese).

Besonders häufig leiden Säuglinge und Kinder unter akuten Mittelohrentzündungen. Oft begünstigt eine einmal durchgemachte Infektion das Auftreten einer weiteren. Studien weisen darauf hin, dass Kinder von rauchenden Eltern stärker gefährdet sind, an Mittelohrentzündungen zu erkranken. Stillen wirkt sich dagegen wohl schützend aus.

Symptome: Starke Schmerzen im erkrankten Ohr, anfangs oft Fieber. Hörstörungen, mitunter auch Schwindel und Tinnitus. Bei Säuglingen und Kleinkindern zeigt sich eine Otitis neben der Hörstörung – sie wenden sich dann zum Beispiel nicht der Schallquelle zu manchmal nur in Allgemeinsymptomen wie Abgeschlagenheit, Erbrechen und Durchfall.

Ausfluss aus dem Ohr kann dann darauf hinweisen, dass das Trommelfell geschädigt beziehungsweise durchgebrochen ist. Dann lassen auch häufig die Ohrschmerzen nach.

Ein Tubenmittelohrkatarrh verursacht weniger Schmerzen als vielmehr ein unangenehmes Druckgefühl im Ohr und Schwerhörigkeit.

Diagnose: Bei der Ohrspiegelung sieht der Arzt Veränderungen am Trommelfell. Fließt Sekret, wird er es gegebenenfalls auf Bakterien untersuchen lassen. Eventuell schließt sich eine Hörprüfung an, die eine Schallleitungsschwerhörigkeit ergibt (siehe auch Kapitel "Diagnose"). Es können weitere Untersuchungen des Ohres sowie des Nasen-Rachen-Raums folgen, auch um eine mögliche Knochenerkrankung (Otosklerose, siehe unten) oder einen Tumor auszuschließen. Hierbei kommen auch bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen und eine Computertomografie infrage.

Therapie: Lindernd wirken schmerzstillende und entzündungshemmende Mittel. Auch ist meist Bettruhe angesagt. Wichtig ist es außerdem, dass der Mittelohrraum wieder ausreichend belüftet wird. Hier helfen abschwellende Nasentropfen und eventuell Nasenspülungen. Manchmal spült der HNO-Arzt auch den Gehörgang aus oder saugt eitriges Sekret ab.

Der Arzt entscheidet je nach Einzelfall über die Therapie. Bei Säuglingen unter sechs Monaten und bei Kleinkindern unter zwei Jahren mit beidseitiger akuter oder einseitig ausgeprägter Mittelohrentzündung zum Beispiel setzt der Arzt Antibiotika ein. Diese sind auch generell angezeigt bei bakteriellen Infektionen mit schwereren Krankheitsbildern, etwa eitrigem Ohrfluss oder immer wiederkehrenden Entzündungsschüben. Einen fortbestehenden Erguss muss der Spezialist gegebenenfalls mit einem operativen Eingriff ableiten. Das geschieht zum Beispiel über das Trommelfell mit einem sogenannten Paukenröhrchen (siehe dazu auch Grafik oben).

Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber "Akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta)".

Chronische Mittelohrentzündung: Schwerhörigkeit, eitriger Ausfluss aus dem Ohr

Neben übergreifenden Infekten aus dem Nasen-Rachen-Raum spielt die Belüftung im Mittelohr eine zentrale Rolle bei entzündlichen Vorgängen. Der Mittelohrraum (Paukenhöhle) ist mit Luft gefüllt, damit Trommelfell und Gehörknöchelchen beweglich sein können. Die Belüftung erfolgt hauptsächlich über die Ohrtrompete (eustachische Röhre). Ist die Paukenhöhle anhaltend schlecht belüftet, etwa weil die Schleimhaut in der Ohrtrompete durch einen Infekt geschwollen ist, durch Luftunterdruck geschädigt oder durch einen Tumor eingeengt wird, dann entzündet sich dort die Schleimhaut und schwillt an. Dadurch verstärkt sich das Belüftungsproblem, was sich ungünstig auf das Trommelfell auswirkt.

Hat das Trommelfell Risse oder ein Loch bekommen, das nicht mehr von selbst zuheilt, haben es Bakterien leicht, von außen einzudringen und im Mittelohr chronische Entzündungen hervorzurufen. Diese können auch den Knochenraum betreffen und zu einem Cholesteatom, einer Knocheneiterung mit Wucherungen im Knochen führen.
Möglicherweise bleibt ein Erguss, ein Tubenmittelohrkatarrh, ebenfalls bestehen.

Dauerhafte Schwerhörigkeit, Schwindel und Tinnitus stellen sich mitunter ein, wenn eine chronische Otitis nicht gezielt behandelt wird. Äußerstenfalls können die entzündlichen Prozesse als Komplikation das Innenohr erfassen (Labyrinthitis) oder sich bis ins Gehirn ausbreiten und eine Hirnhautentzündung verursachen (Meningitis).

Symptome: Im Vordergrund stehen hier nicht die Schmerzen, sondern die Schwerhörigkeit und ein schleimig-eitriger Ausfluss aus dem erkrankten Ohr. Der Gehörgang ist mitunter entzündlich geschwollen. Es gibt auch eine sogenannte trockene Form ohne Infektion und ohne Ohrfluss. Die Betroffenen verspüren dann häufig einen Druck im Ohr und hören schlecht. Kommen Fieber, Schwindel und Ohrgeräusche dazu, sind das Alarmzeichen, die auf eine mögliche Innenohrentzündung oder andere Komplikationen hinweisen.

Diagnose: Die bestehenden Ohrbeschwerden sowie vorausgegangene Krankheitsbilder geben dem Arzt wichtige Hinweise. Bei der Untersuchung mit dem Ohrspiegel sieht er bei der trockenen Form das Loch im Trommelfell sowie andere entzündliche Veränderungen. Bei der nässenden Form befindet sich entzündlicher Ausfluss im Gehörgang, der manchmal auch geschwollenen ist. Der Arzt wird einen Abstrich des Sekrets im Labor auf entsprechende Bakterien untersuchen lassen. Hörtests ergeben eine Schallleitungsschwerhörigkeit. Mitunter hat sich bei lange bestehender chronischer Otitis auch eine Innenohrschwerhörigkeit entwickelt. Oft ist es dem Arzt erst möglich, nach weiteren Erkrankungen wie einem Cholesteatom oder gegebenenfalls auch einem Tumor zu fahnden, wenn die Entzündung ausgeheilt ist. Eine Computertomografie gibt dann Aufschluss.

Therapie: Entzündungsschübe behandelt der HNO-Arzt gegebenenfalls mit Antibiotika. Er wird das Ohr fachgerecht reinigen und trocknen. Die Betroffenen müssen ihre Ohren vor eindringendem Wasser und Seife schützen, also beim Duschen, Baden und Schwimmen Ohrstöpsel, eng anliegende Badekappen oder einen speziellen Schwimmschutz tragen. Mit operativen Eingriffen können die Ärzte das Trommelfell verschließen oder Knochenwucherungen abtragen. Halten die Hörprobleme an, bauen HNO-Spezialisten den Schallleitungsapparat gegebenenfalls chirurgisch wieder auf (Tympanoplastik). Damit verbessert sich auch die Hörfähigkeit.

Lesen Sie mehr im Ratgeber "Chronische Mittelohrentzündung (Otitis media chronica)".

Barotrauma: Starke Schmerzen, plötzliche Hörprobleme

Beim Landeanflug eines Flugzeugs, bei einer Gondelfahrt oder beim Tauchen, hier vor allem beim Hinuntertauchen, verändern sich die umgebenden Luftdruckverhältnisse schnell in einem kurzen Zeitraum. Der Druck außen und auch in den Nebenhöhlen erhöht sich und muss über die Ohrtrompete ausgeglichen werden. Hat jemand nun einen Schnupfen, eine Ohrentzündung oder eine Nasennebenhöhlenentzündung, ist die Tuba eingeengt. Der Druckausgleich gelingt nur unvollständig, die Folge ist ein starker Unterdruck im Mittelohr. Die Schleimhaut schwillt an und kann bluten, das Trommelfell unter Umständen platzen. Auch Anteile des Innenohrs werden möglicherweise geschädigt.

Lebensgefährlich wird ein Barotrauma beim Tauchen, da der Taucher durch auftretende Gleichgewichtsstörungen die Orientierung unter Wasser verlieren kann. Ein Barotrauma muss umgehend von einem HNO-Arzt behandelt werden, um Folgeschäden für Gehör- und Gleichgewichtsorgan zu verhindern.

Symptome: Die auftretenden Ohrschmerzen sind besonders heftig. Dazu kommen plötzliche Hörprobleme, mitunter auch Schwindel und Ohrgeräusche. Eventuell kommt als sehr ernstes Zeichen auch Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr.

Diagnose: Die Beschwerden, die Umstände, unter denen sie aufgetreten sind, und eine Ohrspiegelung geben dem Arzt Aufschluss. Er wird seinen Patienten gezielt untersuchen, auch um sicherzugehen, dass keine anderen Ohrprobleme bestehen, etwa eine Mittelohrentzündung, eine Schläfenbeinverletzung oder Störung im Innenohr.

Therapie: Abschwellende Medikamente helfen, die Belüftung über die Ohrtrompete und die Nasenatmung wieder zu normalisieren. Wenn das nicht genügt, schaffen die Ärzte über das Trommelfell eine Abflussmöglichkeit für das gestaute Sekret. Zudem setzen sie oft Schmerzmittel wie nicht steroidale (nicht kortisonhaltige) Antirheumatika ein. Manchmal ist ein operativer Eingriff im Mittelohr angezeigt, um entstandene Schäden zu erkennen und zu beheben.

Eine wichtige Rolle kommt der Vorbeugung zu: Wer einen Schnupfen oder anderen Infekt hat, sollte auf keinen Fall tauchen. Auf Flugreisen sind abschwellende und befeuchtende Nasensprays sinnvoll. Mit Gähnen, Kaugummikauen kann man zudem während der Landung den Druckausgleich über die Tuba unterstützen. Das gelingt manchmal auch, wenn man sich die Nase zuhält und mit geschlossenem Mund quasi gegen die geschlossenen Nasenflügel ausatmet.

Weitere Informationen gibt der Ratgeber "Tauchunfall (Dekompressionskrankheit)".

Otosklerose: Wenn das Gehör immer schlechter wird

Eine Schallleitungsschwerhörigkeit ist das Hauptsymptom einer Knochenerkrankung, die vom inneren Ohr ausgeht und zu Veränderungen im Mittelohr führt. Hier versteift ein Gehörknöchelchen, genauer die Fußplatte des Steigbügels, die an das ovale Fenster, dem Übergang zum Innenohr, anschließt. Ist der Steigbügel nur mehr eingeschränkt beweglich, werden die Schallwellen nicht mehr ausreichend an das Innenohr übertragen. Zusätzlich zu der Schallleitungsschwerhörigkeit kann sich eine Innenohrschwerhörigkeit entwickeln.

Die Ursache für diese Knochenveränderung, an der vor allem Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, häufig auch in der Schwangerschaft, erkranken, ist noch nicht geklärt. Eine familiäre Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen, ebenso hormonelle Veränderungen sowie frühere Infektionen, etwa Masern.

Symptome: Auffallend ist eine allmählich stärker werdende Schwerhörigkeit auf einem oder beiden Ohren. Manche Betroffenen haben dazu auch Tinnitus.

Diagnose: Meist gibt erst ein Hörtest Aufschluss, der die Schallleitungsschwerhörigkeit belegt und teilweise Besonderheiten aufweist. Die Ohrspiegelung zeigt in der Regel keine auffälligen Veränderungen. Um die Diagnose zu sichern, prüft der Arzt auch, ob nicht andere mögliche Störungen der Schallleitungskette vorliegen, etwa Fehlbildungen, Entzündungsfolgen oder Verletzungen.

Therapie: Eine Behandlung der Ursache gibt es nicht. Gegen die Schwerhörigkeit kommen Hörgeräte zum Einsatz. Die Hörminderung bessert sich häufig auch durch eine Operation. Dabei ersetzen die Spezialisten den Steigbügel durch eine Prothese.

Tumore im Mittelohr als Ursache für Schwerhörigkeit

Tumore, die vom Schläfenbein ausgehen, können ebenfalls eine Schallleitungsschwerhörigkeit sowie Ohrgeräusche auslösen. Dazu gehört zum Beispiel ein Paragangliom. Der eher seltene Tumor kann sich in der Paukenhöhle entwickeln. Der Arzt erkennt ihn oft schon bei der Ohrspiegelung. Genaueren Aufschluss geben bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie). Auch Gefäßuntersuchungen können angezeigt sein. Die Geschwulst wird operativ entfernt.

Autoimmunerkrankungen, die mit Hörproblemen verbunden sein können

Die Wegener-Granulomatose (Granulomatose mit Polyangiitis) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der fehlgeleitete Immunreaktionen im Körper sich auf die Blutgefäße richten. Dort kommt es zu Entzündungen und je nachdem, welche Gefäße betroffen sind, erkranken die damit verbundenen Organe. Im Anfangsstadium sind das vor allem die Atemwege, das heißt der Mund- und Nasen-Rachen-Raum, die Ohren sowie gegebenenfalls Bronchien und Lungen. Chronische Mittelohrentzündungen und Schwerhörigkeit gehören zu den häufigen Folgen. Die Erkrankung kann auch Hirnnerven und damit den Hörnerven befallen.

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt lässt bei auffälligen Anzeichen im Nasenrachenraum das Nasensekret im Labor feingeweblich untersuchen. Blutuntersuchungen sowie bildgebende Verfahren sichern die Diagnose. Die Therapie erfolgt anfangs mit Kortisonpräparaten sowie das Immunsystem unterdrückenden Mitteln.

Informieren Sie sich eingehend im Ratgeber "Granulomatose mit Polyangiitis".