Schnupfen – Ursachen: Übersensible Nase, vasomotorische Rhinitis

Wenn die Nasenschleimhaut überreagiert, hat das viele Ursachen. Besondere Schnupfenformen sind auch der hormonell bedingte Schnupfen und die nicht-allergische eosinophile Rhinitis
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 23.05.2017

Rauchen: Reizstoff für die Nase

Jupiter Images/Thinkstock

Übersensible Nase reagiert sofort mit Schnupfen

Wenn die Nasenschleimhaut übermäßig empfindlich auf äußere wie innere Reize reagiert, sprechen Mediziner auch von nasaler Hyperreaktivität oder Hyperreagibilität. Der Begriff schließt je nach Experten den allergischen Schnupfen mit ein. Meist bezieht er sich jedoch auf Schnupfenformen, die weder durch Allergien noch durch Infektionen ausgelöst werden. Dazu gehört zum Beispiel die vasomotorische Rhinitis oder hyperreflektorische Rhinopathie. Hier wirken bestimmte Nervenbotenstoffe, Hormone, Eiweißstoffe und andere Faktoren auf Gefäße und Steuerelemente der Schleimhautzellen in der Nase. In der Folge wehren diese sich unmittelbar und heftig gegen ganz unterschiedliche, manchmal harmlose Einflüsse.

Die Auslöser für eine nasale Hyperreaktivität können Umweltfaktoren sein wie Luftverschmutzung, Ozon, Feinstäube, Abgase, Tabakrauch oder Reizstoffe, etwa aus Putzmitteln. Manche Betroffene bekommen zudem Beschwerden, wenn sie ihre körperliche Lage verändern, zum Beispiel sich im Bett umdrehen. Bei der hyperreflektorischen Rhinopathie sprechen die übersensiblen Schleimhäute stark auf Gerüche, Alkohol, heiße Getränke und gewürzte Speisen an. Typisch sind oft auch unmittelbare Reaktionen bei Temperaturwechsel sowie bei körperlicher Aktivität in kalter Luft, etwa beim Skifahren. Eine weitere Rolle spielen Stress und seelische Belastungen.

Symptome: Die Reize lassen die Nasenschleimhaut anschwellen, lösen Niesreiz und eine Fließnase aus. Oft juckt es in der Nase, die Atmung durch die Nase ist erschwert. Fließt das Nasensekret nach innen ab, kann Husten dazukommen.

Nicht selten entwickelt sich aus akuten Reaktionen ein chronischer Schnupfen, der weitere Krankheiten begünstigt wie eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder eine chronische Bronchitis.

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Auch wiederholter, durch Viren verursachter Schnupfen kann die Nasenschleimhaut überempfindlich werden lassen. Manchmal lassen sich allerdings keine eindeutigen Auslöser ausmachen (idiopathische Rhinitis).

Werden die Schleimhäute zu trocken, etwa durch kalte, trockene Luft oder andere Einflüsse, reagieren sie ebenfalls gereizt. Eine besondere Rolle spielt hier der ständige Gebrauch von abschwellenden Nasentropfen und -sprays (siehe Kapitel "Medikamente als Ursache"). Das kann zu einem chronischen Schnupfen, Geruchsstörungen sowie unter Umständen auch zu einer sogenannten Rhinitis sicca oder atrophischen Rhinitis führen. Hier trocknen die Schleimhäute stark aus, es bilden sich Krusten und Borken. Schreiten die Veränderungen fort und siedeln sich Keime an, entsteht ein unangenehmer Geruch aus der Nase ("Stinknase"; siehe dazu auch Ratgeber "Mundgeruch").

Diagnose und Therapie: Zunächst prüft der Arzt, ob den Symptomen nicht eine allergische oder infektiöse Ursache zugrundeliegt. Die chronischen Beschwerden, die Krankengeschichte sowie eine Inspektion der Nase geben ihm oft schon erste Hinweise (siehe auch Kapitel "Diagnose"). Es können Allergietests, Blutanalysen sowie eine Endoskopie der Nase und Laboruntersuchungen von Nasensekret folgen.

Legen die Ergebnisse eine nicht allergisch und nicht infektiös bedingte nasale Hyperreaktivität nahe, besteht die Behandlung einmal darin, auslösende Faktoren möglichst zu meiden, zum Beispiel abschwellende Nasentropfen. Wichtig ist es, die Nasenschleimhaut zu befeuchten und zu pflegen. Häufig erweisen sich auch Nasenspülungen mit Salzlösungen als sinnvoll. Zudem verordnen Hals-Nasen-Ohren-Ärzte gegebenenfalls Medikamente, in erster Linie Kortison-Nasensprays.

Keine Seltenheit: Eine verstopfte Nase in der Spätschwangerschaft

W&B/Forster & Martin

Hormonell bedingter Schnupfen

Verändert sich das Gleichgewicht bestimmter Hormone, etwa der Östrogene, schwellen mitunter die Nasenschleimhäute an. Ein ganz typisches Beispiel ist der "Schwangerschaftsschnupfen". Schwangere klagen besonders in den letzten Schwangerschaftsmonaten über eine verstopfte Nase, die vor allem nachts das Atmen erschwert. Diese Form der Rhinitis vergeht nach der Geburt wieder. Allerdings sollten Schwangere auf abschwellende Nasentropfen verzichten. Erleichterung bringen hier natürliche Maßnahmen (siehe auch Krankheitsratgeber Erkältung).

Zudem kann ein hormonell bedingter Schnupfen im Zusammenhang mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auftreten. Leitsymptome für eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen sind beispielsweise Wärmeempfindlichkeit, Schweißneigung, Gewichtsverlust trotz gesteigerten Appetits, erhöhte Erregbarkeit.

Nicht-allergische eosinophile Rhinitis (NARE-Syndrom)

Hier bestehen Schnupfenbeschwerden über das ganze Jahr. Sie ähneln allergischen Symptomen, aber der Arzt kann keine Allergie feststellen. Eine Laboruntersuchung von Schleimhaut- und Sekretproben weist jedoch wie bei allergischen Erkrankungen eine erhöhte Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen (eosinophile Granulozyten) auf. Häufig haben die Betroffenen gleichzeitig Nasenpolypen und einige reagieren mit teils heftigen Symptomen auf bestimmte Schmerzmittel, insbesondere auf Analgetika wie Acetylsalicylsäure (ASS-Intoleranz-Syndrom, siehe Kapitel "Medikamente").

Symptome: Die Nasenschleimhäute zeigen sich allgemein überempfindlich, bestimmte auslösende Reize sind oft nicht auszumachen. Typisch sind Niesattacken, verstopfte Nase und Nasenausfluss, Juckreiz in Nase und Rachenraum. Oft stellen sich dazu ausgeprägte Geruchsstörungen ein, die den Geschmackssinn beeinträchtigen. Asthmatischer Husten kann dazukommen.

Für die Therapie eines NARE-Syndroms setzen die HNO-Ärzte meist Kortison ein, vor allem in Form von Nasensprays. Diese haben sich auch bei Nasenpolypen bewährt. In speziellen Fällen erwägen die Ärzte zudem einen operativen Eingriff beziehungsweise eine langfristige Behandlung mit Kortison und bei Bedarf Antibiotika.


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