Was hilft gegen einen Mausarm?

Mausarm oder Tennisellenbogen: Gleichförmige Handbewegungen begünstigen das. Orthopäden setzen auf verschiedene Methoden, um die Schmerzen zu behandeln
von Katrin Hertzer, aktualisiert am 30.03.2016

Tennisarm oder Mausarm: Schuld ist eine Fehlbelastung

Masterfile/pzaxe

Wenn beim Tragen schwerer Einkaufstüten, beim Aufschrauben eines Marmeladenglases, manchmal sogar schon beim Händeschütteln brennende Schmerzen in der Hand und im Unterarm auftreten, ist oft ein Tennisellenbogen die Ursache.

Das hört sich zunächst etwas verwirrend an, weil sich nur wenige Menschen diese mittlerweile weit verbreitete Erkrankung auf dem Tennisplatz zuziehen. An den Beschwerden, die sich vom Ellenbogen bis zur Hand ausbreiten, ist heutzutage meist die gleichförmige Arbeit am Computer schuld. Daher sprechen viele auch von einem Mausarm.

Professor Ulrich Brunner

W&B/Privat

Der Auslöser ist derselbe: "Für jede Handbewegung werden die Muskeln im Unterarm aktiv. Da sie zusammen mit den Sehnen im Bereich des Ellenbogens am Knochen befestigt sind, kann sich die Knochenhaut bei einer Überbelastung entzünden", erklärt Professor Ulrich Brunner, der als Chefarzt der Abteilung Unfall-, Schulter- und Handchirurgie am Krankenhaus Agatharied in Hausham (Bayern) arbeitet.

Beim Tennisellenbogen werden vor allem die Strecker und außendrehenden Muskeln beansprucht, beim Mausarm mehr die Strecker der Finger. Überbelastungen treten auch beim Hausputz, beim Handwerken oder Schneeschippen auf.

Brunner weist darauf hin, dass der Tennisellenbogen eine selbst begrenzende Erkrankung ist: "Das bedeutet, dass die Beschwerden in den meisten Fällen nach ein bis zwei Jahren mit Entlastung und ohne spezielle weitere Therapien zurückgehen."

Geduld ist gefragt

Im ersten Schritt ist es wichtig, die ursächliche Fehlbelastung zu finden und die Hand wieder "richtig" zu halten oder zu bewegen: Eine vertikal gebaute Computermaus und ein Gelpad, das vor der Tastatur liegt, verändern die Haltung des Handgelenks. Bei handwerklichen Tätigkeiten entlastet beispielsweise ein Akkuschrauber die Muskulatur.

Dr. Martin Schindera

W&B/Privat

"Es gibt keine Methode, die sofort und auf Dauer die Schmerzen eines Tennisellenbogens beseitigt", sagt Dr. Martin Schindera, der eine Praxis für Orthopädie und Sportmedizin in München leitet. Der Orthopäde, der ebenfalls als Konsiliararzt an der Paracelsus-Klinik in München operiert, geht nach einem Stufenplan vor: Wer sich im Beruf nicht sofort schonen kann, sollte tagsüber eine Epikondylitis-Spange anlegen. Sie umfasst den Unterarmmuskel knapp unterhalb des Ellenbogens und entlastet so die gereizten Sehnenansätze. Hilfreich sind auch Übungen, die der Patient öfter am Tag ausführt.

Starke Schmerzen versuchen einige Orthopäden durch Injektionen mit örtlichen Betäubungsmitteln zu lindern. Wenn die Beschwerden nach wenigen Tagen nicht verschwinden, kann eine Überweisung zur Physiotherapie sinnvoll sein. Die Therapeuten dehnen und massieren die Unterarmmuskulatur mit speziellen Griffen und behandeln den Bereich mit Ultraschall oder Kälte, zuweilen auch Wärme.

Stoßwellen und Operation

Viele Orthopäden bieten zusätzlich eine kostenpflichtige Stoßwellentherapie an. Dabei sollen kurze, heftige Schallstöße die körpereigene Heilung anregen. "Das dauert nur ein paar Minuten, ist etwas schmerzhaft und soll sich erst nach ein paar Behandlungen auswirken", sagt Schindera. Auch mit der Akupunktur hat er gute Erfahrungen gemacht.

Eine interessante Behandlungsalternative bieten zunehmend auch Injektionen mit dem Nervengift Botulinumtoxin (Botox) in die schmerzhafte Muskulatur oder aber mit angereichertem Eigenblutplasma. Wichtig zu wissen: Beide Anwendungen muss der Patient selbst bezahlen. Von Injektionen mit Kortison oder Eigenblut wird abgeraten.

Wenn alles nicht hilft, bleibt als letzte Möglichkeit die Operation – eine Erfolgsgarantie gibt es aber auch hier nicht. Zu den unangenehmen Folgen eines solchen Eingriffs können in seltenen Fällen Infektionen und Verletzungen der Nerven gehören. In Einzelfällen bleiben die Schmerzen bestehen. Bei der klassischen Technik unterbricht der Orthopäde die feinen Nerven an der Knochenhaut und löst die Sehnen am Ansatz teilweise ab, damit die Spannung nachlässt. Dieser Eingriff ist mit sehr geringem Aufwand in Form einer Arthroskopie realisierbar.

Wenn Professor Brunner ausgeschlossen hat, dass eine Instabilität des Ellenbogengelenks vorliegt oder eine Schleimhautfalte im Gelenk eingeklemmt ist (Plica-Syndrom), zieht er folgende Methode vor: "Bei einer Operation entfernen wir die geschädigten Muskelansätze und fixieren die Muskelfaszien erneut. Dadurch wird der betroffene Streckmuskel des Unterarms nur wenig geschwächt. Sportliche Belastungen sind nach drei Monaten wieder möglich."

3 Tipps gegen verspannte Muskeln und Sehnen

1. Strecken Sie den schmerzenden Arm waagerecht vor dem Körper aus. Drehen Sie die Handfläche nach oben. Mit der anderen Hand die Fingerspitzen des gestreckten Arms nach unten zum Körper hin drücken.

 

2. Lassen Sie die Arme im Stehen oder im Sitzen seitlich herunterhängen. Pendeln Sie mit den Armen, schütteln Sie die Hände aus, und lassen Sie die Handgelenke kreisen.

 

3. Drücken Sie mit dem Daumen mehrmals fest auf die schmerzenden Stellen des Unterarms.



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