Ursachen von Leistenschmerzen: Lymphknoten

Kleine Knötchen in der Leiste sind eigentlich normal. Falls ein oder mehrere größere Knubbel dabei sind, die sich merkwürdig anfühlen oder schmerzen, am besten gleich damit zum Arzt
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.03.2017

Scharf gemacht im Lymphknoten: Killerzelle namens Lymphozyt (stachelige Kugel links oben, leuchtend orange gefärbt)

Mauritius Images GmbH/Photokate

Verdickte Lymphknoten, mit oder ohne Begleitsymptome, kündigen mitunter eine ernsthafte Erkrankung an. Wenn sie gleichzeitig schmerzen, kann das jedoch auch dafür sprechen, dass eine gutartige Veränderung vorliegt. Doch wozu brauchen wir Lymphknoten überhaupt? Vorab das Wichtigste in Kürze. Weitere Informationen im Spezial "Lymphsystem".

Das Lymphsystem – gestaffelte Verteidigung

Die Lymphgefäße bilden mit den zwischengeschalteten Lymphknoten ein weit verzweigtes Netz. Lymphknoten sind reich an "schlagkräftigen" Lymphzellen (Lymphozyten), die spezielle Antikörper gegen Fremdstoffe bilden und sie damit unschädlich machen können. Jeder Lymphknoten überwacht einen bestimmten, manchmal eng begrenzten Körperbereich (Lymphabfluss- oder Drainagegebiet). Dort filtert er Erreger und andere krankmachende Stoffe aus der Lymphe heraus. Außerdem setzt er bei Bedarf "scharf gemachte" Lymphzellen in Marsch, damit sie auch im Körper verborgene Feinde stellen.

Flächendeckend: Das Netz des Lymphsystems im Körper

W&B/Jörg Neisel

In Bereichen wie dem Hals, der Achselhöhle oder Leiste ist die Dichte der Checkpoints sehr hoch. Sonst könnte über die ständigen kleinen Schrammen an Füßen und Händen oder Entzündungen im Mund gleich allerhand Unerwünschtes in den Körper gelangen. Vermehrt aktive Lymphknoten schwellen an (Lymphadenopathie). Manchmal können sie sich dabei auch entzünden, eventuell auch schmerzen (Lymphadenitis), die umgebende Haut gerötet sein.

Lymphknotenschwellungen in der Leiste – was sind die Ursachen?

Infektionen

Örtliche Lymphknotenschwellungen haben meist auch eine örtliche oder regionale Ursache. Bei geschwollenen und schmerzhaften Leistenlymphknoten kommen ursächlich vor allem Entzündungen durch Infektionen im entsprechenden Drainagegebiet in Betracht, besonders an den Beinen und Füßen. Außerdem können die Leistenlymphknoten anschwellen, wenn in der Umgebung ein Abszess schwelt (siehe auch Kapitel "Ursachen von Leistenschmerzen: Abszess, Gefäße" in diesem Beitrag). Hier sind mitunter Infektionen im Darm-, After- oder Gesäßbereich der Ausgangspunkt.

Wenn Keime die äußere Hautbarriere überwinden, können sie das Gewebe darunter leicht infizieren. Dazu kann es bei Hautschäden durch Verletzungen oder einen Fußpilz kommen. Auch über Unterschenkelgeschwüre (Ulcus cruris) aufgrund eines Gefäßleidens oder bei Diabetes mellitus verschaffen sich Bakterien leicht Zutritt. Manchmal führt ein eingewachsener Zehennagel zu einer eitrigen Entzündung des Nagelbettes (Panaritium). Schreitet sie fort, kommt es zu angeschwollenen Lymphknoten in der Leiste und Fieber (siehe unten). Eine Infektion durch Keime namens Streptokokken, die sich entlang der Lymphspalten der Haut ausbreitet und ein schweres Krankheitsbild verursachen kann, heißt Wundrose (Erysipel).
Symptome (allgemein): Neben den Beschwerden durch die Entzündung selbst, die je nach Entzündungsort und -art zu einer Rötung der Haut, Schwellung, Überwärmung und Schmerzen führt, stellen sich bei ausgeprägten Wundinfektionen häufig auch Fieber und Schüttelfrost ein. Dazu schwellen die Lymphknoten in der Leiste als regionale Abwehrstationen an und können auch schmerzen.
Diagnose und Therapie (allgemein): In der Regel stellt der Arzt hier die Diagnose klinisch (sogenannte Blickdiagnose). Hinweise kann auch die Krankengeschichte geben. Dazu kommen bei Bedarf technische Untersuchungen: Laboranalysen, eventuell Abstriche, eine Gefäßdiagnostik mit Ultraschall. Die Therapie zielt auf die Ursache oder Grunderkrankung und umfasst örtliche Therapiemaßnahmen, Ruhigstellung des erkrankten Bereiches, Behandlungen mit Medikamenten, etwa Antibiotika zum Einnehmen oder auch über die Blutbahn, manchmal einen chirurgischen Eingriff.

Niedlich, manchmal aber riskant: Das Schmusetier kann Erreger übertragen, ohne selbst krank zu sein

Thinkstock/Hemera

Infektionen – zwei Beispiele

Katzenkratzkrankheit (Bartonellose): Mitunter steckt hinter Lymphknotenschwellungen eine Zoonose, das heißt eine Infektion mit einem Erreger, der vom Tier auf den Menschen übergeht und umgekehrt. So kann sich zum Beispiel ein Katzenfreund durch den Biss oder Kratzer seines Kuscheltieres, das den Erreger Bartonella henselae beherbergt, die Katzenkratzkrankheit (Bartonellose) einhandeln – keine Seltenheit. Die Übertragung ist auch über Wund- oder Schleimhauttkontakt mit dem Speichel des infizierten Tieres möglich. Offenbar beherbergen mindestens zehn Prozent der deutschen Hauskatzen die Mikroben, streunende Tiere noch weitaus mehr. An Bartonellose erkranken Erwachsene und Kinder. Kennzeichnend sind meist schmerzhafte Lymphknotenschwellungen in der Nähe der Eintrittspforte, etwa in der Leistengegend.
Symptome: An der Stelle der Verletzung zeigt sich ein rotbraunes Knötchen, etwa zwei Wochen später schwellen die nahegelegenen Lymphknoten an, teilweise schmerzhaft. Sie können wochenlang dick bleiben, sich verfärben, eventuell auch vereitern und aufbrechen. Zu den möglichen Allgemeinsymptomen gehören Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit. Meist verläuft die Infektion ungefährlich. Ausgeprägtere Formen mit Beteiligung der Augen, Gelenke, des Gehirns, Herzens, der Lungen und anderer Organe einschließlich der Haut treten selten auf.
Bei Patienten mit geschwächter Immunabwehr kann es unter Umständen zu einer besonders schwerwiegenden Verlaufsform mit Gefäßwucherungen (bazilläre Angiomatose) in unterschiedlichen Organen – schwerpunktmäßig in der Haut – kommen.

Diagnose: Blutuntersuchungen, ein Ultraschallbefund und die feingewebliche Untersuchung der Lymphknoten zum Ausschluss anderer Ursachen ergeben die Diagnose. Komplikationen erfordern weitergehende Diagnosemaßnahmen.
Therapie: Meistens heilt die Krankheit von selbst aus. Verzögert sich die Heilung, setzt der Arzt Antibiotika ein, bei geschwächter Immunabwehr und/oder schwerem Verlauf unbedingt. Ein vereiterter Lymphknoten wird eventuell entfernt, auch wenn Ärzte mit chirurgischen Maßnahmen eher zurückhaltend sind.
Vorbeugung: Zwar kann der Tierarzt die Katze auf Bartonellen testen und bei positivem Ergebnis mit einem Antibiotikum behandeln. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der Katzenfloh wieder zubeißt und das Tier erneut infiziert, ist hoch. Daher sollten Menschen mit geschwächter Immunabwehr sich besser vom geliebten Vierbeiner trennen oder lieber von vornherein darauf verzichten.

Syphilis (Lues): Für das erste Stadium der Geschlechtskrankheit Syphilis (Lues) sind unter anderem Lymphknotenschwellungen in der Leiste kennzeichnend. Obwohl durchaus existent, in manchen Regionen auch wieder häufiger vorkommend, ist diese Geschlechtskrankheit insgesamt heute bei uns kein Renner mehr. Wen es trotzdem interessiert, findet dazu mehr Informationen im Ratgeber Syphilis (Lues).

Andere Erkrankungen

Verdickte, häufig aber nicht schmerzhafte Lymphknoten sprechen mitunter für eine Krankheit des Lymphsystems. Mehr dazu im Beitrag Lymphdrüsenkrebs. Auch entzündlich-rheumatische Erkrankungen oder spezielle Infektionskrankheiten lassen nicht selten die Lymphknoten anschwellen. In der Regel betrifft das dann aber jeweils mehrere Körperregionen. Mit dabei sind häufig die Lymphknoten am Hals.

Mitunter kommen Tochtergeschwülste von Tumoren (Metastasen) infrage, etwa bei einem Melanom am Bein oder bei anderen Krebserkrankungen. Die Knoten fühlen sich dann eher derb an. Ganz selten findet sich kein Primärtumor (CUP-Syndrom, engl. "Cancer of Unknown Primary Origin", zu Deutsch: Krebs unbekannter Herkunft).

Um die Diagnose zu stellen, können umfassendere Untersuchungen notwendig sein (siehe auch Kapitel "Leistenschmerzen: Diagnose"), insbesondere wenn andere richtungweisende Symptome und Krankheitszeichen fehlen. Möglicherweise bringt dann die feingewebliche Untersuchung von Gewebeproben (Biopsien), zunächst aus dem vergrößerten Lymphknoten, mehr Klarheit. Gelegentlich wird ein Lymphknoten komplett entfernt, um ihn eingehend zu untersuchen. Welches Krankheitsstadium vorliegt, ergibt sich dann aus ergänzenden Diagnosemaßnahmen.

Die Therapie richtet sich nach der Grundkrankheit und folgt den dann üblichen Behandlungswegen beziehungsweise Leitlinien. CUP-Erkrankungen behandeln Ärzte meist mit Chemotherapien.


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