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Stoßwellentherapie: Wann bringt sie etwas?

Energiereiche Schallwellen können Nierensteine zerkleinern und Fersenschmerzen günstig beeinflussen. Was Sie wissen sollten

von Barbara Erbe, aktualisiert am 27.01.2020
Stoßwellentherapie bei Fersensporen

Die Stoßwellentherapie kann beispielsweise bei Fersenschmerzen helfen


Ob bei Nierensteinen, Fersenschmerzen oder Kalkschulter: Wer sich für eine Stoßwellentherapie entscheidet, tut dies oft, um eine Operation zu vermeiden. Die außerhalb des Körpers (= extrakorporal) erzeugten Druckwellen setzen in tiefer gelegenen Körperregionen gezielt Energie frei, ohne die darüber liegende Haut, das Fettgewebe oder die Muskeln zu beschädigen.

Fokussierte und radiale Wellen

Je nach Dosierung können Stoßwellen Nierensteine zertrümmern oder auch "nur" erkranktes Gewebe reizen und damit Durchblutung und Zellstoffwechsel anregen. "So ist es möglich, geschädigtes Gewebe nicht nur zu reparieren, sondern auch eine Regeneration zu erreichen", sagt der Orthopäde und Schmerztherapeut Dr. Martin Ringeisen aus Augsburg.

Mediziner unterscheiden zwischen fokussierten und radialen Stoßwellen, erläutert Dr. Stefan Heidl, stellvertretender Landesvorsitzender Westfalen-Lippe im Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie. "Der Druck der fokussierten Stoßwelle ist kürzer, intensiver und deutlich zielgenauer als die radiale Stoßwelle."

Radiale Stoßwellen sind energieärmer und eher flächig ausgerichtet. Entsprechend arbeite man im ärztlichen Bereich vor allem mit der fokussierten Stoßwelle, während die radiale Stoßwelle oft auch in der Physiotherapie Anwendung findet, etwa um Muskelverspannungen zu lösen. "Zwar sind radiale Stoßwellen wesentlich kostengünstiger, was sie vor allem für Selbstzahler interessanter macht – aber es gibt kaum wissenschaftliche Untersuchungen zu ihrer Wirksamkeit."

Gute Erfolgsaussichten bei Fersenschmerzen

Wissenschaftlich untersucht hat der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) drei orthopädische Einsatzgebiete der fokussierten Stoßwellentherapie: Fersenschmerz, Kalkschulter und Tennisarm. Die Nebenwirkungen sind in allen drei Fällen gleich und in aller Regel harmlos: beispielsweise können Schmerzen während oder auch kurzzeitig Rötungen, Schwellungen oder Blutergüsse nach der Behandlung auftreten. Der jeweilige Nutzen für den Patienten war je nach Anwendung aber unterschiedlich.

Vielversprechend ist eine Stoßwellentherapie vor allem bei Fersenschmerzen durch entzündete Sehnen an der Fußsohle oder beim Fersensporn. Insgesamt kam der IGeL-Monitor für die Stoßwellentherapie bei Fersenschmerzen zu der Bewertung "tendenziell positiv". Inzwischen ist die Behandlung keine IGe-Leistung mehr, sondern die Kosten werden seit Januar 2019 von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Bei der Behandlung schmerzhafter Kalkdepots in der Schulter stufte der IGeL-Monitor den Nutzen der Stoßwellentherapie dagegen als "unklar" ein. Eine Bewertung, die Ringeisen nicht versteht. Seiner Erfahrung nach sei es wichtig, geeignete Patienten auszuwählen, dann erziele man gute Ergebnisse mit der Methode. "Wenn alle Bedingungen passen und tatsächlich der Kalk das Problem ist, sind 80 Prozent der behandelten Patienten bei mir anschließend beschwerdefrei."

Die wenigsten Belege für einen Patientennutzen verzeichneten die Studien bei der Stoßwellenbehandlung des sogenannten "Tennis-Arms". Darunter versteht man Ellbogenschmerzen durch überlastete Sehnen von Streckmuskeln des Unterarms, etwa Handgelenkstreckern. Die Leistung wird deshalb vom IGeL-Monitor mit tendenziell negativ bewertet.

Kosten

Die Stoßwellentherapie bei Fersenschmerzen wird seit Januar 2019 von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Ansonsten ist sie in der Orthopädie eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Die Kassen übernehmen die Kosten damit nicht. Der Preis liegt üblicherweise pro Sitzung zwischen 80 und 198 Euro.

Nicht angezeigt ist die Stoßwellentherapie beispielsweise bei Gerinnungsstörungen, sagt Ringeisen, oder einer gerinnungshemmenden Therapie. Während der Schwangerschaft ist die Behandlung möglich, allerdings dürfen die Schallwellen keinesfalls an den Fötus dringen. "Das heißt, einen Fersensporn kann auch eine Schwangere mit Stoßwellen behandeln lassen."


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