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Schmerz lass nach! Wie Tabletten helfen

Schmerzmittel: Wann hilft welches rezeptfreie Präparat am besten? Ein Überblick über die vier bekanntesten Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (abgekürzt ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Paracetamol

von Roland Mühlbauer, 10.01.2020
Frau nimmt Tablette mit einem Glas Wasser ein

Schmerztablette: Zwar helfen viele Wirkstoffe gegen Schmerz. Trotzdem sollte man das Mittel mit Bedacht auswählen


Die Nacht war kurz, der Kopf ist schwer, nun wünsche ich mir eine Tablette her. Nur welche? Bei den vielen rezeptfreien Schmerzmitteln, die es gibt, ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Eins ist jedoch klar: Viel hilft nicht immer viel. Und bei lang anhaltenden, sehr starken oder bisher nicht gekannten Schmerzen: immer zum Arzt! Das gilt auch, wenn zu den Schmerzen weitere ungewöhnliche Beschwerden hinzukommen.

Aber nach einer durchzechten Nacht, bei Erkältung oder gelegentlichen Spannungskopfschmerzen kann man sich in der Regel mit rezeptfreien Schmerzmitteln ganz gut selber helfen. Vorausgesetzt, man weiß, welches Präparat wann am besten wirkt und welche Fallstricke es gibt.

Deutliche Unterschiede von Wirkstoff zu Wirkstoff

Das erlösende Quartett Acetylsalicylsäure (abgekürzt ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Paracetamol sind die in Deutschland bekanntesten Schmerzmittel. Allerdings unterscheiden sie sich deutlich sowohl in der Wirkung als auch in den Wechsel- und Nebenwirkungen. Während sich beispielsweise die ersten drei Substanzen in entzündetem Gewebe anreichern und so die Entzündung stark bremsen, gilt das für Paracetamol weniger. Der Stoff greift mehr im Gehirn und Rückenmark an, lindert dadurch Schmerzen und senkt Fieber.

Entscheidend ist auch, wo der Schmerz auftritt. In manchen Körperregionen wirken einige Mittel besser, andere schlechter. Weil ASS die Blutgerinnung hemmt, sollte der Wirkstoff bei blutenden Verletzungen nicht eingesetzt werden. Sonst kann sich ein sehr großer Bluterguss bilden, zum Beispiel in einem Gelenk. Hat eine Frau Regelschmerzen, kann ASS die Monatsblutung verstärken. Auch wenn ein Zahn schmerzt und der Zahnarzt eventuell bohren muss, sollte man kein ASS einnehmen.

Nicht alle Mittel eignen sich für jeden Schmerz: Tippen Sie bei dieser interaktiven Tabelle auf das entsprechende Feld, um nachzusehen, welche Hinweise und Warnungen man beachten muss

Die Beipackzettel der Schmerzmittel enthalten eine Reihe weiterer Warnhinweise: Wer zu Asthma neigt, sollte sich bewusst sein, dass ASS, Diclofenac und Ibuprofen Asthmaanfälle auslösen oder verstärken können. Und wer schon mal überempfindlich auf eine der Substanzen reagiert hat, muss gegebenenfalls auf ein Präparat mit einem anderen Wirkstoff umsteigen. Außerdem können die Mittel bei regelmäßigem Gebrauch selbst Schmerzen auslösen: sogenannte medikamenteninduzierte Kopfschmerzen.

Vorsicht in der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten: In den letzten drei Monaten können drei der Substanzen die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Nur Paracetamol ist in dieser Zeit erlaubt, sollte aber zurückhaltend angewendet werden. (Genaue Informationen, wie ein Medikament sich bei Schwangeren auswirkt, gibt es unter www.embryotox.de.)

Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren sollten ohne Rücksprache mit dem Arzt kein ASS einnehmen, weil das bei fieberhaften Erkrankungen zu einer seltenen, aber schweren Komplikation führen kann: dem Reye-Syndrom, bei dem Gehirn und Leber Schaden nehmen.

Hat man über die Jahre eine Vorliebe für ein bestimmtes Schmerzmittel entwickelt, kann ein Wechsel nötig sein. Vielleicht kommen chronische Krankheiten hinzu, oder es treten mit der Zeit individuelle Schwachstellen auf. "Die häufigsten Risiken der Mittel sind Nebenwirkungen, die Magen und Darm oder die Blutgefäße betreffen", so Professor Dieter Steinhilber vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt.

Wichtig zu merken:

  • Schmerzmittel können, wenn man sie regelmäßig einnimmt, selbst Beschwerden auslösen: sogenannte medikamenteninduzierte Kopfschmerzen
  • Die häufigsten Risiken der rezeptfreien Schmerzmittel sind Nebenwirkungen, die Magen und Darm oder die Blutgefäße betreffen
  • Je mehr Substanzen man einnimmt, desto mehr Nebenwirkungen können auftreten. Darum sind Kombinationspräparate keine Lösung

Angriff auf Magen und Darm

Wer schon einmal ein Magengeschwür oder eine Blutung im Verdauungstrakt hatte, darf kein ASS einnehmen. Dieser Wirkstoff greift die  Magen- und
Darmschleimhaut an. Außerdem hemmt er die Blutgerinnung – was im schlimmsten Fall zum Verbluten durch ein offenes Geschwür im Magen oder Darm führt."Zwar kann eine gleichzeitige Gabe von Säurehemmern die Magenschleimhaut etwas schützen", erklärt der Experte. "Aber im Darm können sich trotzdem Geschwüre entwickeln."

Ibuprofen und Diclofenac sind keine Alternative, weil sie ebenfalls Magen- und Darmprobleme verursachen. Dann bleibt Paracetamol oder ein sogenanntes Coxib. Bei einer stark eingeschränkten Leberfunktion ist allerdings auch  Paracetamol tabu, während Coxibe bei schlecht arbeitenden Nieren problematisch sind. Im Zweifelsfall also Arzt oder Apotheker fragen, welches Schmerzmittel optimal ist.

Dies gilt auch bei Herzkrankheiten oder nach einem Schlaganfall. Selbst wenn nur Risikofaktoren für Gefäßkrankheiten vorliegen, kann die langfristige Einnahme von Ibuprofen oder Diclofenac kritisch sein. "Studien zeigen, dass bei einer Anwendung über 18 Monate das Herzinfarktrisiko deutlich  ansteigt. Bei Patienten mit erhöhten Risikofaktoren für Gefäßkrankheiten ist das sogar schon nach mehreren Monaten der Fall", warnt Steinhilber.

Mehr Wirkstoffe, mehr Nebenwirkungen

Zu den weiteren Risikofaktoren zählen Gefäßerkrankungen in der Familie, Zuckerkrankheit, erhöhte Fettwerte im Blut, Rauchen und Bluthochdruck. Die Wirkung bestimmter Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer kann durch Schmerzmittel beeinträchtigt werden. Deshalb sollten Betroffene häufiger nachmessen, wenn sie Schmerzmittel einnehmen.

Glaubt man der Werbung, dann machen Kombipräparate mit mehreren Wirkstoffen besonders schnell wieder fit. "Das halte ich für wenig sinnvoll, denn die Wirkstoffe haben teilweise denselben Ansatzpunkt im Körper und machen sich gegenseitig Konkurrenz", sagt Dieter Steinhilber. Je mehr Substanzen man einnimmt, desto mehr Nebenwirkungen können auftreten. Oft ist auch Koffein enthalten, das die Wirkung des Schmerzmittels verstärken soll. "Sie können aber auch eine Tasse Kaffee dazu trinken," sagt Steinhilber, "das hat denselben Effekt."


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