Leistenschmerzen in der Schwangerschaft

Vom Leistenbruch bis zu Unterleibserkrankungen: Auch in der Schwangerschaft gibt es diese Ursachen von Leistenschmerzen. Einige andere kommen noch hinzu

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.03.2017

Eine Schwangerschaft verändert den Körper in vielerlei Hinsicht


Unter dem hormonellen Einfluss in der Schwangerschaft verändert sich Vieles im Körper. Das betrifft nicht nur die Geschlechtsorgane. So lockert sich zum Beispiel das Bindegewebe auf. Viele Frauen haben deshalb im Verlauf der Schwangerschaft vermehrt Probleme mit den Venen. Auch die normalerweise sehr straffe Bandkonstruktion des Beckens gibt nach – eine an sich sinnvolle Veränderung, denn das Ungeborene braucht zunehmend Platz, und der natürliche Geburtsweg auch. Manchmal bereiten die Veränderungen jedoch Probleme.

Hormonell bedingte Gewebelockerung: Vor-und Nachteile

Ist der Leistenkanal von Geburt an weit geblieben, entwickelt sich manchmal in der Schwangerschaft ein Leistenbruch (mehr dazu im Kapitel "Ursachen von Leistenschmerzen: Leistenbruch, Schenkelbruch" in diesem Beitrag). Aus einem ähnlichen Grund geben aber auch in der Schwangerschaft mögliche Nierensteine weniger Anlass zu Beschwerden: Sie verabschieden sich meist spontan auf natürlichem Weg, da auch die Harnleiter geweitet sind (mehr zu Nierensteinen als Auslöser von Leistenschmerzen im Kapitel: "Ursachen von Leistenschmerzen: Harnsteine, Hoden & Co.").

Blasenprobleme: Häufige Schwangerschaftsbeschwerden

Blasenentzündungen treten vergleichsweise häufig in der Schwangerschaft auf, da die sich vergrößernde Gebärmutter auf die Blase drückt und deren Kapazität abnimmt. Falls es zu Beschwerden kommt, sind Symptome wie Brennen beim – im Verlauf der Schwangerschaft ohnehin häufigeren – Wasserlassen und Druck in der Blasengegend kennzeichnend. Leistenschmerzen als solche sind weniger typisch, doch lässt sich das Schmerzbild gefühlsmäßig nicht immer genau abgrenzen. Bei den Vorsorgeuntersuchungen Schwangerer wird der Urin regelmäßig überprüft. Mehr dazu unter "Untersuchungen in der Schwangerschaft" (auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de). Dort finden Sie auch Informationen darüber, wie sich Wehen äußern können und was jeweils zu tun ist.

Schmerzen im Unterleib, manchmal bis zur Leiste: Was sonst noch bei Schwangeren Probleme bereiten kann

Eine Eileiterschwangerschaft ist natürlich eine schwangerschaftsbezogene Störung, sie kann sich aber sehr unterschiedlich äußern. Zu den Symptomen gehören zum Beispiel ab der sechsten bis neunten Schwangerschaftswoche auftretende Schmierblutungen und Schmerzen im Unterleib auf der entsprechenden Seite. Nach unten können sie mitunter bis in die Leiste und nach oben bis zur Schulter hin ausstrahlen. Ansonsten sind in der Schwangerschaft auch Erkrankungen möglich, die man sonst eher normalen Zeiten zurechnet.

So gehören Blinddarmoperationen zu den häufigsten nicht-gynäkologischen Eingriffen bei schwangeren Frauen. Einige Krankheiten betreffen in erster Linie den Unterbauch, wobei Schmerzen wiederum durchaus bis in die Leistengegend reichen können: eben eine Blinddarmentzündung, die sich in der Regel auf der rechten Bauchseite abspielt, eine Zyste am Eierstock, selten eine Darmentzündung. Diese kann als Divertikulitis (vorzugsweise links im Unterbauch) oder als chronisch-entzündliche Darmerkrankung auftreten. So ist zum Beispiel das Risiko für einen Krankheitsschub bei Morbus-Crohn-Patientinnen in der Schwangerschaft etwas erhöht. Mitunter kann sich sogar ein Bandscheibenvorfall mit Schmerzen im unteren Bauch- oder Leistenbereich bemerkbar machen. Je nachdem, was im Einzelnen dahintersteckt, kommt es zu deutlichen Begleitsymptomen, etwa Fieber, Erbrechen, ausgedehnten Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall, Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche am Bein. Einen Gesamtüberblick zu Leistenschmerzen geben die anderen Kapitel dieses Beitrags.

Beckenringlockerung in der Schwangerschaft: Meist helfen einfache Therapien

Bis zu einem gewissen Maß – etwa zehn Millimeter – ist eine schwangerschaftsbedingte Beckenlockerung noch normal. Denn das Kind braucht zunehmend Platz im Mutterleib und muss während der Geburt durch den Kanal tief im Becken gleiten. Die Lockerung betrifft unter anderem die Fuge vorne am Schambein (Symphyse), die Verbindung zwischen den beiden Hüftbeinen, und die Kreuzbeindarmbeingelenke hinten im Kreuz. Besonders in der Zeit vor und nach der Geburt können sich eine vermehrte Lockerung und damit verbundene Beschwerden für manche Frauen jedoch zum Problem auswachsen. Besonders wichtig ist eine gute Geburtsvorbereitung. Nehmen Sie bei Schmerzen auf keinen Fall auf eigene Faust ein Schmerzmittel ein, sondern gehen Sie zum Frauenarzt.

Weitere Ursachen einer übermäßigen Beckenringerweiterung sind eine ungewöhnliche spontane Geburtslage des Kindes (etwa die sogenannte Schulterlage, auch Schulterdystokie), überbewegeliche Gelenke und spezielle Bindegewebserkrankungen der (werdenden) Mutter – alles Seltenheiten.

Symptome: Die Beschwerden äußern sich recht unterschiedlich. Manchmal schon im letzten Drittel der Schwangerschaft, manchmal erst kurz vor der Geburt oder aber danach spüren manche Betroffenen zunehmend Beschwerden vorne im Schambereich, mitunter auch in der Leistengegend und innen am Oberschenkel, zudem häufig im schwangerschaftsbedingt ohnehin überlasteten Kreuz. Vor und nach Entbindung können Bewegungen wie Gehen, Treppensteigen, Einbeinstand oder das Umdrehen auf die andere Seite im Liegen mehr oder weniger starke Beschwerden bereiten.

Diagnose: Lassen die Symptome ein stärkeres Auseinanderweichen der Schambeinfuge nach vaginaler Entbindung (sogenannte Symphyseninsuffizienz oder -diastase, es existieren noch weitere Fachbegriffe wie Symphysiolyse oder -ruptur) vermuten, führt ein Orthopäde weitere Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen, eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanztomografie durch. Eine "regelwidrige" Lage des Ungeborenen lässt sich anhand der Ultraschalluntersuchung rechtzeitig feststellen.

Therapie: Die Behandlung umfasst neben körperlicher Schonung eine behutsame Physiotherapie, vor allem Übungen für die Muskeln des Beckenbodens. Physiotherapeuten können Betroffenen auch Übungen und Kniffe zeigen, um sich im Alltag schmerzvermeidend zu bewegen. Teilweise wird auch Akupunktur eingesetzt. Eventuell ist ein Symphysengürtel, ein spezielles Stützmieder, das die Darmbeine einander annähert, zur Stabilisierung des Beckens und Schmerzlinderung angezeigt. Bei stärkerer Überdehnung der Schambeinfuge – manche Experten setzen bei vier Zentimetern ein Limit – kann eine operative Fixierung notwendig sein. Das soll auch vermeiden helfen, dass die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen chronisch werden.

Selbsthilfe: Nehmen Sie bei anstrengenden Handreichungen und beim Tragen Hilfe an, gehen Sie nicht bis an die Schmerzgrenze. Vermeiden Sie ungünstige Haltungen wie Schneidersitz, langes Stehen oder abruptes Aufstehen aus dem Autositz, vom Sessel oder Bett. Finden Sie die für sich beste Schlafposition, etwa auf der Seite mit leicht angewinkelten Beinen und einem Kissen dazwischen. Machen Sie Ihre Physiotherapie-Übungen regelmäßig.


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