Leistenschmerzen: Diagnose

Einen Patienten mit Schmerzen in der Leiste wird der Arzt detektivisch genau untersuchen, denn es gilt, einen möglicherweise gefährlichen Krankheitsverlauf abzuwenden

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.03.2017

Zentrale Untersuchungsmethode bei Leistenschmerzen: Ultraschall


Ärztliches Gespräch und körperliche Untersuchung

Der Arzt lässt sich bei der Untersuchung des Patienten vom Beschwerdebild, beim ersten Patientenkontakt auch von den Angaben zur Krankengeschichte (Anamnese) leiten. Gerade bei Leistenproblemen ist die gründliche körperliche Untersuchung mit den ärztlichen Sinnen – Sehen, Hören, Fühlen, Testen, Messen – besonders wichtig, da sie direkt zur Diagnose führen kann. Dies gilt namentlich für Leisten- oder Schenkelbrüche, aber beispielsweise auch für einige Hodenerkrankungen.

In der Leistengegend, bei Männern auch an den Hoden, schaut der Arzt nach Vorwölbungen. Anschließend tastet er gezielt beide Bereiche einschließlich der "Bruchpforten" ab, und zwar im Liegen und Stehen – im Stehen zudem ohne und mit Pressmanöver des Patienten. Stellt er eine Schwellung fest, prüft er, ob sie sich nach innen schieben lässt, also reponibel ist. Außerdem tastet er die Gefäßpulse an den Beinen und Handgelenken, misst den Blutdruck, hört Herz, Lungen, gegebenenfalls auch bestimmte Gefäße ab, überprüft mittels Klopftest die Nieren und mittels Abtasten auch Leber und Milz.

Kommt nach Ausschluss anderer Ursachen das Bewegungssystem als Auslöser der Schmerzen infrage, tragen im Vorfeld einfache klinische Bewegungstests zur Verdachtsdiagnose bei. Ein hinzugezogener Orthopäde kann dies vertiefen (siehe auch unten, Hüftgelenk).

Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder und Kinder untersucht der Kinderarzt von Kopf bis Fuß – bei kleinen Jungen selbstverständlich auch die Leisten- und Hodengegend – routinemäßg im Rahmen der Kinder- und Jugenduntersuchungen (U1 bis U10, für die 13- bis 14-Jährigen die Jugenduntersuchung J1 und zusäztlich für Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren die J2; Letztere wird bislang nicht von allen Krankenkassen bezahlt). Angeborene und bestimmte erworbene Auffälligkeiten werden in der Regel rechtzeitig erkannt.

Zusätzliche technische Untersuchungen

Obwohl die klinische Untersuchung des Arztes bei Leistenschmerzen meist aufschlussreich ist, werden bei Bedarf noch technische Untersuchungen dazukommen, etwa Laboranalysen des Urins und Blutes und bildgebende Untersuchungen, allen voran Ultraschall. 

Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) ist heute – auch dank Erweiterungen wie dem farbkodierten Doppler zur Klärung der Durchblutung (Angiodynografie) – oft das Instrument der ersten Stunde. Mittels Ultraschall lassen sich heute viele Verdachtsdiagnosen bestätigen, die Befunde gleich auch im Bild festhalten und versenden. Wenn bei fettleibigen Patienten das Tasten nicht weit führt, kann Ultraschall auf die Sprünge helfen. Auch bei einem akuten, schmerzhaft geschwollenen Hoden leistet die Sonografie wertvolle Dienste. Denn sie hilft erkennen, ob zum Beispiel eine akute Hodenstieldrehung (Hodentorsion), eine Hodenentzündung oder aber ein Leistenbruch vorliegt.

Mit Ultraschall oder Durchleuchtens mit einer Lichtquelle, einer Diaphanoskopie, sondieren Urologen zudem die Hoden- und Leistengegend, wenn zu vermuten steht, dass eine dort festgestellte Schwellung Flüssigkeit enthält. Das könnte zum Beispiel für einen Wasserbruch (Hydrozele) sprechen. Eine Hydrozele macht aber nur selten Beschwerden und wenn, dann eher am Hoden als in der Leiste. Es kann ab und zu ein Druckgefühl auftreten, Schmerzen sind jedoch nicht typisch (mehr zu akuten Erkrankungen der Hoden im Kapitel "Harnsteine, Hoden & Co.").

Auch bei einem mutmaßlichen Harnstein gibt eine Ultraschalluntersuchung dem Arzt eine erste Orientierung. Weitere Informationen liefern Untersuchungen des Urins und Blutes, eventuell auch komplexere bildgebende Verfahren, Röntgenuntersuchungen und endoskopische Techniken (Spiegelungen).

Außerdem ist Ultraschall ein wichtiges Instrument, wenn es um die Diagnose von Gefäßerkrankungen geht, die bei Leistenproblemen selten eine Rolle spielen können. Besondere Fragestellungen können hier noch besondere Untersuchungstechniken erforderlich machen, um die Adern (Arterien, Venen) genauer abzubilden.

Vermutet der Arzt eine Erkrankung im Bereich des Hüftgelenkes, gehen die Untersuchungen meist gleich in diese Richtung. Röntgenbilder spielen dann eine wichtige Rolle, dazu spezielle Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder ein Knochenszintigramm.

Falls sich die Ursache nicht auf Anhieb erkennen lässt, zielen weitere technische Untersuchungen auf die mutmaßliche Grunderkrankung. Dies können sowohl Bluttests als auch spezielle bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder wiederum eine Computertomografie sein. Der MRT stellen Ärzte insbesondere zum Aufspüren verborgener Leistenbrüche ein gutes Zeugnis aus. Insgesamt sind die Anwendungsmöglichkeiten sowohl der MRT als auch der CT sehr vielseitig. Auch die Hauptkomponenten des Bewegungssystems wie Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln bilden diese Verfahren sehr detailgenau ab.

Manchmal muss ein kleiner Eingriff sein

Mitunter ist die Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) zur feingeweblichen Analyse unter dem Mikroskop unerlässlich. Bei Verdacht auf eine Erkrankung des Lymphsystems kann neben Laboruntersuchungen und bildgebenden Verfahren die vollständige Entnahme eines Lymphknotens notwendig sein. Diesen untersucht dann ein spezialisierter Pathologe detailliert.

Welcher Facharzt ist zuständig?

So vielschichtig die Anatomie der Leistengegend ist, so vielfältig sind die Ursachen von Leistenschmerzen, wie auch die Übersicht im Kapitel "Leistenschmerzen: Überblick" zeigt. Demnach können verschiedene Fachärzte gefragt sein. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt. Er wird den Betroffenen untersuchen und ihn je nach Verdachtsdiagnose an einen Spezialisten weiterleiten. Bei einem Leistenbruch zum Beispiel ist das ein Chirurg. Auch einen Abszess, also eine Eiterabsenkung in der Leistengegend, behandelt der Chirurg. Harnsteinleiden gehören in die Hand des Urologen.

Orthopäden kümmern sich generell um Störungen am Skelett, an Muskeln, Bändern und Gelenken, somit auch um Bein-, Becken- und Fußfehlstellungen. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen unter anderem auch sportmedizinische Probleme.

Für Erkrankungen der Lymphknoten sind Internisten zuständig, die sich auf das Gebiet der Hämatologie und Onkologie (Blutkrankheiten und bösartige Tumorerkrankungen) spezialisiert haben. Mitunter kann hier aber auch ein Infektiologe oder Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) beziehungsweise ein Facharzt für Enddarm-Erkrankungen (Proktologe) zuständig sein.

Gelegentlich entpuppt sich eine (schmerzhafte) Schwellung in der Leiste als Krampfaderknoten (sogenannter Varixknoten) einer Beinvene. Mit Venenerkrankungen beschäftigt sich der Facharzt für Venenkrankheiten (Phlebologe). Aber auch andere Gefäßprobleme, etwa Aussackungen (Aneurysmen) an einer Schlagader am Oberschenkel, kommen gelegentlich vor. Hier ist ein Angiologe beziehungsweise Gefäßchirurg gefragt. Mehr dazu im Kapitel "Abszess, Gefäße".


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