Halsschmerzen: Komplikationen

Ärzte unterscheiden bei Halsentzündungen eitrige und nicht eitrige Komplikationen. Insgesamt sind diese heute jedoch sehr selten
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 09.03.2017

Tastuntersuchung: Schwellung am Hals?

BrandXPictures/ RYF

Eitrige Komplikationen

  • Mandelabszess: Infolge einer akuten oder chronischen Gaumenmandelentzündung, etwa durch Bakterien wie Streptokokken A (S. pyogenes), kann die Gaumenmandel vereitern. Der Prozess kann sich in das umgebende Bindegewebe ausdehnen. Wird das nicht spätestens jetzt durch eine Antibiotikagabe über die Blutbahn unterbunden, droht ein Abszess in der Umgebung, zum Beispiel ein Peritonsillarabszess. Als Komplikation kann unter anderem eine Blutvergiftung auftreten (beides sind Notfälle!). Sehr selten entsteht ein Mandelabszess spontan, ohne nachweislich vorausgegangene Angina tonsillaris. Auch ein beidseitiges Vorkommen ist beschrieben.
    Symptome
    sind starke Halsschmerzen, die sich beim Kauen und Schlucken verstärken, rasch zunehmende Schluckbeschwerden sowie hohes Fieber über 39 °C oder erneuter Fieberanstieg nach vorausgegangener Mandelentzündung. Der Schmerz strahlt auf der betroffenen Seite ins Ohr und in den Nacken aus. Wegen der starken Schmerzen verweigert der Patient meist das Essen. Er neigt den Kopf zur kranken Seite, oft auch äußerlich stark geschwollenen Seite und vermeidet jedwede Kopfbewegung. Die Stimme ist kloßig, eventuell kann der Mund nicht richtig geöffnet werden (Kieferklemme), und der Speichel "läuft über". Durch die Schwellung im Rachen kann es zu erheblicher Atemnot kommen. Manchmal verschlechtert sich das Befinden rapide. Gelegentlich kann es aber auch vorkommen, dass ein Abszess eher wenig Beschwerden bereitet.

Nebenhöhlen (Schemazeichnung): Nur selten geht eine bakterielle Halsentzündung auch auf eine Nebenhöhle über

W&B/ Jörg Kühn

Die Diagnose stellt der HNO-Arzt durch Betasten der geschwollenen Halslymphknoten, und, soweit angesichts der Beschwerden möglich, durch eine Spiegeluntersuchung. Weiterführende Untersuchungen sind Probenentnahmen zur bakteriologischen Diagnostik und bildgebende Verfahren.

Die Therapie besteht je nach Befund und Zustand des Patienten in einer Punktion, einer Abszessspaltung und -Drainage oder einer Abszess-Tonsillektomie, also der Entfernung der vereiterten Mandel mit gleichzeitiger Abszesseröffnung. Zusätzlich wird mit Antibiotika behandelt.

Nicht eitrige Komplikationen

Sie entsprechen speziellen Folgekrankheiten bei Pharyngitis und / oder Tonsillitis durch Streptokokken-A und Scharlach. Dabei geht es um immunvermittelte, sogenannte streptokokkenallergische Nacherkrankungen wie das akute rheumatische Fieber und akute Nierenentzündungen. Das rheumatische Fieber folgt auf eine Streptokokken-A-Angina oder -pharyngitis. Dagegen kann sich eine akute Nierenentzündung, Poststreptokokken-Glomerulonephritis genannt, auch nach Streptokokken-A-Infekten der Haut und Weichteile entwickeln. Die Hautinfektionen sind allerdings kein Thema dieses Beitrags.

  • Rheumatisches Fieber: Aufgrund des hohen Lebensstandards und Veränderungen im Keimspektrum ist die Erkrankung bei uns heute eine Seltenheit.
    Symptome: Etwa zwei Wochen nach dem akuten Streptokokkeninfekt treten Allgemeinsymptome – Kopfschmerzen, Fieber, Schwitzen sowie Gelenkschmerzen und -schwellungen – auf, vor allem an großen Gelenken. Die Schmerzen wechseln von Gelenk zu Gelenk. Neben Rheumaknötchen unter der Haut (etwa ein Drittel der Fälle) oder – noch seltener – ringförmigen Hautausschlägen (Erythema anulare rheumaticum) kann es auch zu einer Herzbeteiligung kommen. Hinweise darauf geben unter anderem ein beschleunigter Puls, Brustschmerzen und Herzrhythmusstörungen. Bedeutsam für die Prognose ist auch, dass sich infolge einer Herzinnenhautentzündung ein Herzklappenfehler entwickeln kann.
  • Chorea minor: Diese ebenfalls als "rheumatisch" bezeichnete Komplikation tritt selten, womöglich erst Monate nach dem Streptokokkeninfekt, auf. Es kommt zu neurologischen Bewegungsstörungen, vor allem zu unkontrollierten Handbewegungen. Unter der üblichen Therapie der streptokokkenallergischen Nacherkrankung mit Penicillin und entzündungshemmenden Medikamenten klingen diese Veränderungen in der Regel ab.
  • Eine akute Nierenentzündung (akute Poststreptokokken-Glomerulonephritis) als Folge der Streptokokken-A-Infektion betrifft hauptsächlich Schulkinder. Die Krankheit kann etwa zwei bis drei Wochen nach der Halsentzündung auftreten.
    Verdächtige Symptome sind Gewebeschwellungen. Am besten sind sie an den Augenlidern (Lidödeme) zu erkennen. Die Kinder haben meistens kein hohes Fieber, aber sie klagen eventuell über Kopfweh und fühlen sich krank. Der Urin kann durch Blutbeimengungen bräunlich verfärbt sein (Makrohämaturie). Der Arzt stellt einen erhöhten Blutdruck und einen krankhaften Urinbefund fest. Im Einzelfall kann es zu Komplikationen wie krisenhafter Blutdruckanstieg, Krämpfe, Benommenheit und Atemnot kommen.
    Therapie: Die Patienten sind in der Akutphase einer rheumatischen Erkrankung nach Streptokokken-A-Infekt oder einer entsprechenden Nierenentzündung zur Diagnostik und Therapieplanung am besten in der Klinik aufgehoben.
  • Neurologische Komplikationen bei Masern: Auch wenn die Masern in den nicht industrialisierten Ländern viel stärker verbreitet sind und weitaus mehr Todesfälle fordern als hierzulande: An der gefürchteten akuten Gehirnentzündung (postinfektiöse Enzephalitis erkrankt schätzungsweise immerhin etwa einer von tausend Masernpatienten. Die lebensbedrohliche Komplikation kann sich wenige Tage nach Auftreten des Ausschlags abzeichnen.
    Warnsignale sind Symptome wie starke Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen. Nach dieser schwierigen, oftmals auch mit einem Koma einhergehenden Phase können geistige oder körperliche Behinderungen bestehen bleiben.


    Besonders schwerwiegend ist eine sehr seltene Spätkomplikation namens subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Diese Entzündung des gesamten Gehirns verläuft tödlich. Forscher vermuten, dass eine sogenannte slow-virus-Infektion mit genetisch veränderten Masernviren zugrunde liegt. Es kommen zirka zehn Fälle auf 100.000 Erkrankte vor. Kinder unter fünf Jahren haben ein etwas höheres Risiko. Sechs bis acht Jahre nach der Infektion setzen fortschreitende geistige, psychische und neurologische Störungen ein. Schließlich kommt es zum Versagen der Hirnfunktionen.

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