Schlaganfall: Spezielle Risiken bei Frauen

Bei Frauen äußert sich ein Hirnschlag oft unspezifisch. Deshalb wird er von Ärzten nicht immer gleich erkannt. Wissenswertes über die Risiken des weiblichen Schlaganfalls

von Dr. Christian Guht, 15.07.2016

Kopfschmerzen oder Schwindel: Ist es ein Schlaganfall?


Ladies first. Das gilt in der Medizin offenbar nicht unbedingt: So stellten Neurologen der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (USA) fest, dass bei Frauen die Symptome eines Schlaganfalls öfter fehlgedeutet werden als bei Männern. Beschwerden, die im Vorfeld auftreten, werden nicht richtig eingeordnet. Um ein Drittel höher liegt bei Frauen die Quote solcher Fehleinschätzungen.

Professor Thomas Els erklärt das auch damit, dass Schlaganfallpatientinnen etwas öfter unspezifische Symptome haben: "Bei Kopfschmerzen, diffusem Schwindel oder Schluckauf denkt man nicht als Erstes an einen Schlaganfall als Auslöser", meint der Leiter der Klinik für Neurologie am Marien-Krankenhaus in Bergisch Gladbach. Das gilt sowohl für die behandelnden Ärzte als auch für die betroffenen Frauen. Diese suchen deshalb oft zunächst keine medizinische Hilfe.

Vorbeugen: ASS bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft

Doch es gibt weitere Besonderheiten bei Frauen. Deshalb haben zwei medizinische Fachgesellschaften in den USA eine spezielle Leitlinie für den "weiblichen Schlaganfall" erstellt. Diese beinhaltet Maßnahmen gegen besondere Schwangerschaftskomplikationen und die Gefahren mancher Hormonpräparate. Außerdem sollen Ärzte beachten, dass bestimmte schlaganfallträchtige Erkrankungen wie Migräne mit vorübergehenden Ausfallserscheinungen (Aura) bei Frauen häufiger auftreten.

"In Deutschland wird vieles davon bereits regelhaft umgesetzt", betont Professor Klaus Friese, ärztlicher Direktor der Gynäkologie der Klinik Bad Trissl. So sollen Frauen, bei denen es während einer Schwangerschaft zu Bluthochdruck kommt, Acetylsalicylsäure (ASS) erhalten. Das Medikament beugt der Bildung von Blutgerinnseln und damit Schlaganfällen zu einem gewissen Grad vor. Wächst sich der Bluthochdruck zu einer sogenannten Präeklampsie aus, kommen also noch Wassereinlagerungen und Eiweißverlust hinzu, verdoppelt sich das Schlaganfallrisiko sogar langfristig. "Die betroffenen Frauen müssen sich regelmäßig kontrollieren lassen und gegebenenfalls neben ASS mit weiteren Blutdruckmitteln behandelt werden", rät Friese.

Bei Schlaganfall-Symptomen handeln

Die Notrufnummer 112 sollte jeder wählen, wenn plötzlich folgende Beschwerden eintreten:

1. einseitige Lähmung, Taubheitsgefühle, Kraftminderung

2. Seh-, Sprech-, Ausdrucks-, Verständnis-, Gleichgewichtsstörungen

3. Bewusstlosigkeit

Die Einnahme von Hormonen zur Empfängnisverhütung oder zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden birgt ebenfalls eine gewisse Gefahr. "Antibabypillen, insbesondere die neueren Präparate, können ein Problem werden, wenn zusätzliche Risikofaktoren bestehen wie Diabetes, Nikotinkonsum, familiäre Veranlagungen oder starkes Übergewicht", sagt Friese.

"Frauen brauchen viel öfter fremde Hilfe als Männer"

Kritisch sehen Mediziner seit gut zwölf Jahren die Hormontherapie zur Vorbeugung von Beschwerden wie Osteoporose oder Hitzewallungen, sodass diese grundsätzlich nur nach entsprechender Aufklärung empfohlen wird. "In besonderen Fällen können Hormongaben, zeitlich begrenzt, sehr sinnvoll sein", so Friese, "man muss nur die Gefahren kennen und abwägen." Bestimmte internistische Erkrankungen wie Diabetes erhöhen bei beiden Geschlechtern das Risiko für einen Schlaganfall, jedoch bei Frauen mehr als bei Männern.

Der Hauptunterschied ergibt sich aber daraus, dass Frauen im Schnitt später erkranken und länger leben. Oft trifft sie der Schlag, wenn sie bereits verwitwet sind – woraus sich zusätzliche Probleme ergeben. "Frauen brauchen viel öfter fremde Hilfe als Männer, die meist noch ihre Partnerin haben, die für sie sorgt", sagt Els.