Schlafstörungen: Restless Legs und andere Bewegungsstörungen im Schlaf

Ruhelose, kribbelnde Beine zwingen die Betroffenen nachts aufzustehen und umherzugehen. Periodische Beinbewegungen im Schlaf unterbrechen dagegen oft unbemerkt die Nachtruhe

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.04.2018

Ungewollte Nachtwanderung: Bei Restless Legs lindert Bewegung die Beschwerden


Restless Legs – Syndrom der ruhelosen Beine

Missempfindungen in den Beinen lassen zwischen fünf und zehn Prozent der Bevölkerung über einen begrenzten oder längeren Zeitraum in ihrem Leben nicht einschlafen. Kribbeln und Ziehen in den Waden bringt auch häufig untertags Probleme. Ältere Menschen klagen öfter darüber, aber auch jüngere Menschen. Vor allem Schwangere leiden hin und wieder unter unruhigen Beinen.

Darüber hinaus können schwankende Temperaturen, Alkoholmissbrauch, Rauchen sowie die Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, zum Beispiel von Antidepressiva, eine auslösende Rolle spielen.

Ein Restless-Legs-Syndrom tritt mitunter auch im Zusammenhang mit Diabetes, Eisenmangel, Darmerkrankungen, Multipler Sklerose oder Depressionen auf. Vielfach liegt eine familiäre Veranlagung liegt vor, insbesondere bei Menschen, die schwerer von der Störung betroffen sind.

Medizinforscher gehen davon aus, dass fehlerhafte Nervenimpulse die Beschwerden auslösen. Das Restless-Legs-Syndrom geht oft auch gemeinsam mit periodischen nächtlichen Beinbewegungen einher (siehe unten).

Symptome: Unangenehmes Kribbeln, "Ameisenlaufen", ziehende Schmerzen hauptsächlich in der Wadenmuskulatur stellen sich in ruhiger Haltung ein, vor allem abends vor dem Einschlafen. Durch Bewegen der Beine und Umhergehen lassen sich die Beschwerden meist milden. Der damit verbundene Bewegungsdrang erschwert nicht nur das Einschlafen, sondern zwingt die Betroffenen auch nachts immer wieder aufzustehen. Der Tiefschlafanteil ist verkürzt oder entfällt manchmal ganz. Ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Konzentrations- und Leistungsstörungen sind die Folge.

Das Kribbeln und Stechen kann tagsüber das Alltagsleben erheblich beeinträchtigen. Es fällt dann schwer, länger ruhig zu sitzen, etwa beim Autofahren, in beruflichen Besprechungen, im Kino oder bei anderen Gelegenheiten.

Diagnose: Krankengeschichte und Beschwerdebild geben dem Arzt meist schon wesentliche Hinweise für die Diagnose eines Unruhige-Beine-Syndroms. Um andere Erkrankungen auszuschließen, folgen körperliche Untersuchungen sowie Bluttests, die auch bestimmte Eisenwerte (vor allem Ferritin) aufzeigen. Eventuell bringt zudem ein Test mit L-Dopa, einem Parkinsonmedikament, Aufschluss. Bei Verdacht auf Nervenschädigungen können auch neurologische Untersuchungen angezeigt sein. Mitunter zieht der Arzt eine Überprüfung in einem Schlaflabor in Betracht (siehe dazu auch Kapitel "Diagnose").

Therapie: Leichtere, vorübergehende Beschwerden lassen sich oft schon mit allgemeinen Maßnahmen eindämmen. Dazu gehören sportliche Aktivitäten sowie der Verzicht auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke. Bestehende Erkrankungen und Störungen, etwa Eisenmangel und eine Blutarmut, wird der Arzt gezielt behandeln. Gegen stärkere, anhaltende Beschwerden kommen in der Regel Medikamente zum Einsatz, vor allem Präparate, die eigentlich für die Parkinson-Krankheit bestimmt sind, wie Dopaminergika und Dopaminagonisten. Eine weitere Möglichkeit ist die Kombination Oxycodon/Naloxon.

Weitere Informationen zum Krankheitsbild, zu Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Restless Legs Syndrom (RLS, unruhige Beine)".

Periodische Bewegungen der Gliedmaßen im Schlaf

Es sind in erster Linie die Beine, seltener die Arme, die nachts aktiv sind, ohne dass der Schläfer die Aktivitäten seiner Extremitäten bewusst wahrnimmt. Die Schlafqualität leidet allerdings stark darunter, tiefere Schlafphasen sind gestört. Vor allem ältere Menschen über 60 haben damit zu tun, viele gleichzeitig auch mit einer Schlafapnoe und einer Narkolepsie (zu Letzterem siehe Kapitel "Narkolepsie, Parasomnien").

Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Wie bei Restless Legs liegt offenbar eine erbliche Anlage vor. Ebenso kommen auch hier bisweilen bestimmte Medikamente wie Antidepressiva, Rauchen, Alkohol, Koffein, Mineralstoffmangel oder körperlicher wie seelischer Stress als auslösende Faktoren infrage. Die Beschwerden können auch mit Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen zusammenhängen, die oft eine schlechtere Durchblutung der Beine nach sich ziehen.

Abzugrenzen sind die periodischen Bewegungsstörungen von harmlosen Muskelzuckungen, die viele Menschen vor dem Einschlafen erleben, die sich aber nach kurzer Zeit legen und den Schlaf nicht weiter beeinflussen.

Symptome: Die Beinmuskeln, manchmal auch die Arme, beginnen in regelmäßigen Abständen (periodisch) zu zucken. Das Muskelzucken hält einige Sekunden an und tritt gehäuft in der ersten Nachthälfte auf. Die Betroffenen nehmen es nur selten wahr, wachen jedoch kurz auf, ohne sich dessen bewusst zu werden. Der so ständig unterbrochene Schlaf hat eine erhöhte Tagesmüdigkeit mit teilweise regelrechten Schlafattacken zur Folge.

Diagnose: Häufig sind es die Bettpartner, die von den manchmal heftigen Bewegungen gestört werden und entsprechende Angaben machen können. Der Arzt befragt den Betroffenen zunächst eingehend und untersucht ihn körperlich, um mögliche, noch nicht bekannte Begleiterkrankungen feststellen zu können. Für eine endgültige Diagnose der periodischen Bewegungen kann der Arzt mitunter eine Untersuchung in einem Schlaflabor erwägen. Dort wird aufgezeichnet, wie häufig nachts Muskelzuckungen auftreten und in welcher Form sie den Schlaf stören.

Therapie: Die Behandlung richtet sich danach, welche Beschwerden ein Betroffener aufgrund der nächtlichen Bewegungsstörung hat. Viele fühlen sich dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt und benötigen keine spezielle Behandlung. Grundsätzlich hilfreich sind ein gesunder Lebensstil und ein Verhalten, das dem Schlaf zugute kommt. Treten zum Beispiel auch nächtliche Atemaussetzer auf, legt sich die Beinaktivität oft mit der Behandlung der Schlafapnoe durch nasale Überdruckbeatmung (siehe Kapitel "Schnarchen, Schlafapnoe").

Ebenso gehen die Beschwerden meist zurück, wenn eine vorhandene Grunderkrankung konsequent behandelt wird. Bleiben die Beinbewegungen hartnäckig bestehen und ist die Tagesmüdigkeit besonders ausgeprägt, können manchmal auch Medikamente, wie Mittel gegen die Parkinson-Krankheit, helfen.