Schlafstörungen: Narkolepsie, Parasomnien

Wer an einer Narkolepsie leidet, hat untertags regelrechte Schlafattacken. Parasomnien sind nächtliche Aktionen des Schlafenden, wie Schlafwandeln, Zähneknirschen, Bettnässen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.04.2018
Mittagsschlaf am Arbeitsplatz

Extreme Müdigkeit: Wer unter Narkolepsie leidet, schläft oft gegen seinen Willen mitten bei einer Tätigkeit ein


Narkolepsie – Schlafsucht

Viele Gesundheitsprobleme, die den Nachtschlaf stören, haben auch eine erhöhte Tagesschläfrigkeit, eine Hypersomnie, zur Folge. Das kommt typischerweise bei Schlafapnoe oder Restless Legs vor.

Die Narkolepsie ist eine ausgeprägte Form von Hypersomnie. Hier quält die Betroffenen ein übermäßiges Schlafbedürfnis am Tage, ohne dass sie zunächst ersichtliche Schlafstörungen hätten. Die chronische Erkrankung beginnt häufig im jugendlichen Alter.

Die Ursache ist noch nicht bekannt. Neben einer erblichen Anlage spielt möglicherweise eine Autoimmunstörung eine Rolle. Fehlgeleitete körpereigene Abwehraktivitäten könnten dabei zu einem Ungleichgewicht zwischen den Nervenbotenstoffen im Gehirn, die den Schlaf-Wach-Rhythmus regulieren, führen. Untersuchungen zeigten, dass bei Narkolepsie-Betroffenen der REM-Schlaf gleich nach dem Einschlafen einsetzt, ohne vorausgehende Leicht- und Tiefschlafstadien (siehe dazu Kapitel "Warum Schlaf so wichtig ist").

Träumen

Im REM-Schlaf erschlaffen normalerweise die Muskeln. Narkolepsie-Betroffenen passiert das auch untertags, wenn sie wach sind. Mediziner sprechen von Kataplexien. Die sozialen Folgen der Erkrankung sind oft erheblich.

Symptome: Eine Narkolepsie zeigt sich zu Beginn meist in starker Tagesmüdigkeit, die auch nach ausreichendem Nachtschlaf auftritt. Mit der Zeit wird allerdings durch den häufigen Schlaf untertags auch die Nachtruhe gestört. Es kommt nachts zu Durchschlafstörungen und am Tag zu regelrechten Schlafanfällen. Die Betroffenen nicken ungewollt in oft völlig unpassenden, ja mitunter höchst gefährlichen Situationen ein, bei der Arbeit, in geselliger Runde mit Freunden, beim Autofahren.

Ein weiteres Hauptsymptom bei Narkolepsie ist die Kataplexie, also das plötzliche Erschlaffen der Halte- und Stützmuskulatur. Die Betroffenen bekommen dann weiche Knie, sacken in sich zusammen, lassen Gegenstände fallen und stürzen leicht. Diese "Schrecklähmungen" geschehen oft, wenn Gefühle mit im Spiel sind, bei Freude, Ärger, Stress.

! Anders als zum Beispiel bei einem Ohnmachtsanfall sind die Betroffenen bei Bewusstsein.

Andere häufige Symptome sind im Halbschlaf automatisch, unbewusst weiter ausgeführte Handlungen, Lähmungszustände auch nachts sowie regelmäßig einsetzende Muskelzuckungen in den Beinen. Vielfach erleben die Betroffenen auch Tagträume oder Trugwahrnehmungen beim Einschlafen beziehungsweise Aufwachen.

Diagnose: Die Erkrankung wird häufig erst spät erkannt. An Narkolepsie Erkrankte haben oft zahlreiche Arztbesuche mit unterschiedlichsten Diagnosen hinter sich. Manchmal vergehen zehn Jahre und mehr, bis die Krankheit richtig festgestellt wird. Und das, obwohl die Symptome, außer im Anfangsstadium, sehr auffallend sind.

Die Krankengeschichte und eventuell Aufzeichnungen aus Schlaftagebüchern liefern oft wichtige Anhaltspunkte. Mit entsprechenden körperlichen Untersuchungen schließt der Arzt mögliche Organerkrankungen aus. Aufschluss bringt meist ein Aufenthalt in einem schlafmedizinischen Zentrum. Im Schlaflabor wird der Verlauf des Nachtschlafs registriert (Polysomnografie). Hier fallen die verfrühten REM-Schlafphasen auf. Den Grad der Tagesschläfrigkeit kann ein multipler Schlaflatenztest (MSLT) erfassen.

Therapie: Die Erkrankung ist nicht vollständig heilbar, aber es gibt Behandlungsmöglichkeiten, die den Betroffenen helfen, die Symptome besser in den Griff zu bekommen. Den Behandlungsweg stellt in der Regel ein Schlafmediziner individuell für seinen Patienten zusammen. Häufig ist eine Kombination von Medikamenten angezeigt. Das sind, je nach vorherrschenden Symptomen, zum Beispiel anregende Mittel (Stimulanzien), die gegen die Tagesmüdigkeit wirken. Die Ärzte setzen sie aber nur unter Kontrolle und zeitlich gesteuert ein, da sonst ein Gewöhnungseffekt eintritt.

Strenge Dosierungsvorgaben gibt es auch für Natriumoxybat (Gamma-Hydroxy-Buttersäure), das für die Behandlung von Narkolepsien zugelassen ist. Außerdem können Antidepressiva einmal gegen die Kataplexien wirken, aber auch bei Halluzinationen oder Schlaflähmungen sinnvoll sein. Sorgfältige fachmedizinische Diagnose geboten!

Hilfreich sind Verhaltensmaßnahmen, die den Schlaf auch am Tage regulieren, wie etwa kurze Nickerchen zwischendurch nach einem festen Zeitplan. Damit gelingt es Narkolepsie-Kranken oft, einige Stunden am Stück wach zu bleiben.

Als grundlegende Unterstützung gehört eine eine gesunde Lebensweise dazu, mit Sport, keinem oder wenig Alkohol sowie einer vernünftige Schlafhygiene. Familie, Freunde und Arbeitgeber sollten über die Erkrankung informiert sein, damit sie das Verhalten des Betroffenen nicht falsch deuten.

Parasomnien – Störaktionen im Schlaf

Unter dem Begriff Parasomnien fassen Mediziner störende Ereignisse zusammen, die dem Schlafenden widerfahren oder an denen er selbst aktiv beteiligt ist. Dabei kommt es im Schlaf zu unangepassten Impulsen der Nerven, die das Bewegungssystem oder unwillkürliche Körpervorgänge steuern. In der Regel wacht der Betroffene dadurch nicht auf, sein Schlaf ist manchmal beeinträchtigt, aber nicht immer. Häufig sind die Erscheinungen harmlos, bei einigen allerdings, wie Schlafwandeln und nächtlichen Schreckzuständen, können die Betroffenen sich oder andere gefährden.

Mit Parasomnien haben Kinder und Jugendliche öfter als Erwachsene zu tun. Aber auch diese können sehr darunter leiden. Es gibt Aufwachstörungen aus dem Tiefschlaf sowie Aktionen, die im REM-Schlaf stattfinden oder mit dem Einschlafen verbunden sind. Medikamentenmissbrauch, Stress, psychische und einige körperliche Erkrankungen können als Symptome Parasomnien nach sich ziehen.

Alptraum

Albträume, Schlaflähmungen: Diese Aufwachstörungen treten aus dem REM-Schlaf heraus auf. Sie können sich etwa nach einem lebhaften Traum ereignen und den Betroffenen selbst erschrecken.

Manchmal begleitet der Schlafende auch seine Träume mit unbewussten Aktionen, im Zuge derer er sich und anderen Schaden zufügen kann. REM-Schlaf-Verhaltensstörungen treten häufiger ab dem 60. Lebensjahr auf.

Schlafwandeln

Zu den wichtigsten nächtlichen Störfällen gehören:

Schlafwandeln: Hier liegt eine Aufwachstörung aus dem Tiefschlaf heraus vor. Der Schlafende wacht nur zum Teil auf und führt Handlungen aus, ohne sich dessen bewusst zu werden. Er kann sich dann im Bett aufrichten, es auch verlassen und umhergehen. Die meisten Schlafwandler legen sich nach kurzer Zeit wieder von selbst hin und schlafen weiter.

Einige jedoch sind höchst aktiv, verräumen Gegenstände in der Wohnung, gehen aus dem Haus. Am Morgen können sie sich nicht an ihre nächtlichen Aktionen erinnern. Manche Menschen haben im schlafwandlerischen Zustand auch regelrechte Essattacken. Sie stehen immer wieder auf, um etwas zu sich zu nehmen, mitunter so häufig, dass sie erheblich an Gewicht zulegen.

Nächtliche Panikzustände

Schlaftrunkenheit und nächtliche Panikzustände (Pavor nocturnus): Häufig leiden Kinder an Schlaftrunkenheit. Sie wachen scheinbar plötzlich auf, schreien und bewegen sich heftig. In dieser Phase sind Schlaftrunkene nicht zu besänftigen. Nach einer gewissen Zeit beruhigen sie sich und schlafen weiter.

Bedrohlicher zeigt sich die Aufwachstörung beim Pavor nocturnus. Wer so einen nächtlichen Angstzustand erlebt, schreckt oft mit einem durchdringenden Schrei aus dem Schlaf auf und zeigt die Symptome einer Panikattacke wie geweitete Pupillen, angstverzerrtes Gesicht, Herzrasen, Schwitzen. Manche schlagen in diesem Zustand auch heftig um sich, stehen auf, laufen umher und gefährden damit nicht nur sich, sondern auch den Bettpartner. Von ihren Erlebnissen wissen sie morgens nichts.

Nächtliches Einnässen (Enuresis): Meist legt sich diese Form der Schlafstörung mit der Pubertät. Deshalb ist es wichtig, dass vor allem die Eltern nicht zu viel Aufhebens davon machen, wenn ihr Kind nachts einnässt. Entsprechende Matratzenauflagen, eine entspannte Atmosphäre und gegebenenfalls psychotherapeutische Unterstützung helfen, besser mit dem Problem umzugehen. Bei Erwachsenen können körperliche oder psychische Erkrankungen zu dem ungewollten nächtlichen Harnabgang führen.

Nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus): Viele Menschen, die unter starker seelischer Anspannung und Belastung stehen, beißen nachts im Schlaf buchstäblich die "Zähne aufeinander". Sie mahlen und reiben, "knirschen" mit den Zähnen, oft so heftig, dass Schäden am Zahnschmelz entstehen. Stressabbau sowie vom Zahnarzt angepasste Aufbissschienen können dem erfolgreich entgegenwirken. Lesen Sie mehr dazu im Beitrag "Zähneknirschen in der Nacht".

Weitere Parasomnien sind rhythmisches Kopfschlagen und andere gleichmäßige Bewegungen mit einem Körperteil oder dem ganzen Körper, Einschlafzuckungen, Halluzinationen bei Schlafbeginn.

Diagnose von Parasomnien:

Da die Betroffenen meistens keine Erinnerung an ihre nächtlichen Aktionen haben, geben die Berichte der Familie oder des Partners dem Arzt wichtige Hinweise. Der Arzt wird den Betroffenen eingehend befragen, um sich ein Bild von möglichen psychischen Belastungen und Medikamenteneinnahmen zu verschaffen. Außerdem untersucht er ihn gründlich, um eine eventuell noch nicht bekannte körperliche Erkrankung festzustellen.

Für nächtliche Ereignisse, die keinen Bezug zu einem Krankheitsbild haben, kommt mitunter die Abklärung in einem Schlaflabor in Betracht, vor allem, wenn es sich um ausgeprägte, möglicherweise gefährliche Aktionen handelt. Dort schließen die Ärzte zudem mit neurologischen Untersuchungen epileptische Erkrankungen aus.

Therapie von Parasomnien:

Viele Parasomnien sind harmlos und haben auch keine Folgen für die Tagesform. Sie müssen meist nicht behandelt werden. Einen positiven Einfluss auf die Störungen hat es, wenn die Betroffenen besondere Belastungen und Stress vermeiden beziehungsweise abbauen sowie einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmen einhalten.

Bei Aufwachstörungen wie dem Schlafwandeln besteht die wichtigste Behandlungsmaßnahme zumeist in Schutzmaßnahmen, die den Schlafwandler und gegebenenfalls seine Umgebung schützen. Nachts am Körper angebrachte sogenannte Biofeedback-Geräte können besonders heftig Agierende aus dem Schlaf wecken, um so gefährlichen Handlungen vorzubeugen. Bei bestimmten, womöglich verletzungsträchtigen Unruhe- und Bewegungsstörungen aus dem REM-Schlaf heraus setzen Ärzte nach sorgfältiger Diagnostellung möglicherweise Melatonin oder Clonazepam (ein Mittel gegen Krampfanfälle aus der Gruppe der Benzodiazepine) ein.

Mitunter helfen auch Medikamente wie bestimmte Antidepressiva und psychotherapeutische Therapien, etwa bei Schlafpanik, ausgeprägten Albträumen oder Einnässen. Mit kieferorthopädischen Maßnahmen wie Aufbissschienen lässt sich nächtliches Zähneknirschen vermeiden.