Schlafstörungen – Ursachen: Schnarchen, Schlafapnoe

Nach den Insomnien stellen nächtliche Atmungsstörungen eine gesonderte Form von Schlafstörungen dar. Eine Schlafapnoe ist weitaus folgenreicher für die Gesundheit als normales Schnarchen
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 29.03.2017

Lautes Sägen oder gefährliche Atemnot: Lassen Sie es überprüfen

Jupiter Images GmbH/Comstock Images

Schnarchen: Stört nicht nur den Schlaf der anderen

Das nächtliche Schnarchkonzert weckt meist nur den Bettnachbarn. Der Schnarcher selbst nimmt es in der Regel nicht oder nur selten wahr. Im Schlaf erschlaffen die Muskeln im Rachenraum, weiche Gaumenteile beginnen im Luftzug des Atems zu vibrieren. Sie verengen zudem die Atemwege, vor allem in Rückenlage, wenn der Zungengrund zurückfällt. Das verstärkt das Geräuschproblem noch.

Vergrößerte Rachenmandeln, Kieferfehlstellungen gehören zu den anatomisch bedingten Ursachen. Auch Übergewicht fördert die lautstarke Atemtechnik, wenn Fettablagerungen im Zungen-, Rachen- und Nackenbereich die räumlichen Verhältnisse der oberen Luftwege verändern. Weitere Gründe für nächtliche Sägekonzerte sind eine behinderte Nasenatmung durch Infekte sowie chronische Nasennebenhöhlenentzündungen. Alkohol lässt die Muskeln erschlaffen, Kaffee oder Rauchen die Schleimhäute nachts anschwellen. Das Atmen ist entsprechend erschwert und geräuschvoll. Im Alter wird die Muskulatur auch in Rachenraum schwächer. Deshalb schnarchen ältere Menschen häufiger. Betroffen sind meist Männer ab 50.

Symptome: Oft wirkt sich das Schnarchen nicht spürbar auf die Schlafqualität des Schnarchers selbst aus. Außer seine Mitschläfer wecken ihn immer wieder. Es kann auch vorkommen, dass er sein Sägen im Schlaf unterschwellig hört und dadurch kurz wach wird, ohne sich dessen bewusst zu werden. Der Schnarcher meint dann, gut geschlafen zu haben, fühlt sich untertags jedoch müde, abgeschlagen und leistungsschwach. Auch ein trockener Mund am Morgen kann ein Hinweis sein.

Diagnose: Für die Diagnose zählt der Bericht von Mitschläfern. Hier ist es wichtig für den Arzt, lästiges, aber harmloses Schnarchen von nächtlichen Atemaussetzern abzugrenzen (siehe unten). Krankengeschichte und körperliche Untersuchungen geben weitere Hinweise, vor allem auch auf Risikofaktoren für eine Schlafapnoe.

Therapie: Tipps und Tricks gegen die unerwünschten Störtöne gibt es viele, etwa wie der Schnarcher es vermeidet, in Rückenlage zu kommen (siehe unter Schlafapnoe). Liegen anatomische Besonderheiten wie zu große Rachenmandeln oder Kieferprobleme vor, können Arzt und Patient erwägen, ob diese nicht ohnehin behandelt werden müssen. Hier ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt beziehungsweise ein Kieferorthopäde gefragt. Auch eine Operation am Gaumensegel kann angezeigt sein, allerdings nur, wenn besondere anatomische Gegebenheiten vorliegen. Chronische Nebenhöhlenentzündungen wird der HNO-Arzt begutachten und die entsprechende Behandlung empfehlen.

Meist sind es jedoch allgemeine Maßnahmen, die ein Schnarcher ergreifen kann, um mehr nächtliche Ruhe zu schaffen: bei Übergewicht abnehmen, möglichst auf Alkohol verzichten, nicht rauchen, wenig Kaffee trinken. Und: ausreichend schlafen. Denn wer übermüdet ist, schnarcht häufiger. Es gibt auch spezielle Nasenpflaster oder Nasenspreizer, die manchmal die Atmung erleichtern.

Nasale Überdruckbeatmung: Hilfe bei Schlafapnoe (ein Klick auf die Lupe links oben zeigt die ganze Grafik)

Illustration: W&B/Ulrike Möhle

Schlafapnoe: Wenn im Schlaf der Atem aussetzt

Heftiges, unregelmäßiges Schnarchen kann allerdings ein Zeichen für eine schwerwiegende nächtliche Atmungsstörung sein, für eine Schlafapnoe (griech. apnoia = Atemlosigkeit). Mediziner sprechen von Schlafapnoe-Syndrom, weil hier mehrere Krankheitsfaktoren zusammenwirken. Die Schlund- und Rachenmuskeln erschlaffen im Schlaf wesentlich stärker als beim normalen Schnarchen.

Bei der gefährlichsten und häufigsten Form der Atmungsstörung, der obstruktiven Schlafapnoe, blockieren sie die oberen Atemwege nahezu vollständig, so dass die Atemluft für kurze Zeit nicht mehr hindurch kann. Es kommt zu Atemstillständen. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, die Kohlendioxidkonzentration steigt an. Es werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet. All das wirkt sich auf andere Organfunktionen wie Herz und Kreislauf oder die Lunge aus. Mit Hilfe der Atemmuskulatur von Brust, Bauch und Zwerchfell gelingt es dem Betroffenen schließlich, teils unter erheblicher Anstrengung, die verlegten Atemwege durch Luftdruck von unten zu öffnen. Der Schläfer schnappt nach Luft, wobei er laut prustend schnarcht.

Nach kurzer Erholung beginnt der Kreislauf von Neuem. Dabei hat das Herz vermehrte Arbeit zu leisten, der Blutdruck steigt. Auch erhöht sich das Risiko für Diabetes mellitus. Die Qualität der einzelnen Schlafphasen verändert sich, der Schlaf wird insgesamt oberflächlicher, der Schläfer wacht durch die Atemnot immer wieder auf, meist ohne es selbst zu bemerken.

Zwischen Schlafapnoe und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegskrankheiten, Schlaganfällen sowie Depressionen besteht eine enge Wechselbeziehung. So leiden Herzkranke häufig auch unter Schlafapnoe, Schlafapnoe-Patienten sind ihrerseits stärker gefährdet, eine Herzerkrankung zu entwickeln. Risikofaktoren sind zudem Übergewicht – am häufigsten sind übergewichtige Männer im Alter zwischen 40 und 65 von der Erkrankung betroffen –, vergrößerte Rachenmandeln, Tumoren im Nasen-Rachen-Raum, enge Kiefer. Alkolhol sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel verstärken die Problematik.

Symptome: Sehr lautes Schnarchen, das mit Atempausen und heftigem Luftholen wechselt. Die Atemstillstände können fünf- bis zehnmal und öfter in einer Stunde auftreten und zehn Sekunden und länger anhalten. Der Schläfer selbst bemerkt die nächtlichen Episoden meist nicht, entwickelt aber häufig ein übermäßiges Schlafbedürfnis (Hypersomnie) und fühlt sich tagsüber müde, abgeschlagen und nur eingeschränkt leistungsfähig. Die ausgeprägte Tagesschläfrigkeit erhöht die Unfallgefahren erheblich. Begleitsymptome sind häufig Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen, Ängste. Atemaussetzer und Luftschnappen ohne Schnarchen sind kennzeichnend für die sogenannte zentrale Schlafapnoe.

Diagnose: Nur bei bestimmten Formen der Schlafapnoe wachen die Betroffenen durch ihre Atemnot auf und nehmen sie somit bewusst wahr. Bei den meisten sind es die Tagesbeschwerden, die den Arzt veranlassen, auch dem Verdacht auf eine Schlafapnoe nachzugehen. Besonders wichtig sind hier die Informationen der Mitschläfer.

Aufschlussreich können erste Selbstmessungen im Rahmen des ambulanten Schlafapnoe-Screenings sein (siehe dazu auch Kapitel "Körperliche Erkrankungen - Herzerkrankungen"). Die Betroffenen erhalten ein tragbares Gerät für zu Hause, das sie nachts an sich befestigen. Es zeichnet Schnarchgeräusche, Atembewegungen von Brust und Bauch, Sauerstoffsättigung des Blutes und Körperlage auf. Endgültige Sicherheit über Form und Ausmaß der Apnoe bringt bei Bedarf dann eine Untersuchung im Schlaflabor (siehe dazu Kapitel "Diagnose").

Zusätzlich überprüft ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ob die Atemwege verengt sind. Eine eingehende internistische Untersuchung deckt Erkrankungen der inneren Organe wie Herz oder Lunge auf. Auch Anzeichen auf eine bestehende Depression werden die Ärzte ernst nehmen und gegebenenfalls einen Psychotherapeuten mit hinzuziehen.

Therapie: Jede Behandlung beinhaltet zunächst grundsätzliche Maßnahmen, die Lebensstil und Schlafgewohnheiten betreffen. Oft helfen Veränderungen in diesen Bereichen schon, eine leichte Schlafapnoe zu bessern. An erster Stelle heißt es für Menschen mit Übergewicht abnehmen. Da Alkohol und Schlafmittel die Atemtätigkeit nachts dämpfen, verzichten die Betroffenen hierauf besser. Das gilt auch für das Rauchen. Auch ist es sinnvoll, nach Möglichkeit nicht auf dem Rücken zu schlafen. Dazu hilft es oft, einen kleinen Ball, ein erhöhtes Schaumstoffteil oder ähnliches in die Rückseite des Schlafanzugs einzunähen. Der Druck zwingt den Schläfer dann automatisch immer wieder in die Seitenlage. Manchmal tragen spezielle Aufbissschienen dazu bei, den Atemraum zu vergrößern.

Helfen solche Maßnahmen bei schwerer ausgeprägten Krankheitsbildern alleine nicht, kann eine Ventilationstherapie der Atmungsstörung entgegenwirken. Meist kommt hier die sogenannte positive nasale Überdruckbeatmung (nCPAP steht für engl. nasal Continuous Positive Airway Pressure) zum Einsatz. Der Schläfer trägt eine kleine Atemmaske, die an einen Kompressor auf dem Nachttisch angeschlossen ist. Hierüber strömt nachts die Luft mit leicht erhöhtem Druck in die Atemwege, die auf diese Weise offen bleiben (siehe Bild). Studien zufolge bessern sich die Beschwerden wie Tagesmüdigkeit, depressive Verstimmung oder Bluthochdruck mit der nCPAP-Atmung rasch und nachhaltig. Wesentlich: Der Betroffene atmet bei dieser Form der Ventilationstherapie selbst, ebenso wie bei der BiPAP-Therapie. Sie unterscheidet sich durch den Beatmungsdruck und stellt eine wichtige Variante dar, zum Beispiel für Menschen mit Herzschwäche. Meist ist eine Ventilationstherapie als Langzeitbehandlung angelegt, vor allem bei den Formen der obstruktiven Schlafapnoe, die nicht anders behandelbar sind. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Betroffenen ihr nCPAP-Gerät  kontinuierlich einsetzen, zum Beispiel auch auf Reisen.

Der Arzt wird nötigenfalls bestehende Grund- beziehungsweise Folgeerkrankungen der Schlafapnoe, wie Herzprobleme oder einen Diabetes, gezielt behandeln. Operative Maßnahmen sind bei nächtlichen Atmungsstörungen nur dann angezeigt und auch erfolgreich, wenn spezielle Fehlstellungen im Kiefer-Rachenbereich vorliegen.


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