Müdigkeit – Ursachen: Psychische Erkrankungen, Nervenstörungen

Depressionen und Angststörungen gehen oft mit belastendem Müdesein einher, ebenso Suchtprobleme. Müdigkeit tritt auch verstärkt bei einigen Nervenerkrankungen auf

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.07.2017

Andauernd müde und erschöpft: Das kann ein Zeichen für eine Depression sein


Psychische Erkrankungen als Auslöser für Müdigkeit

  • Burn-out-Syndrom: In der Regel gehen über lange Zeit anhaltende, extreme berufliche oder private Belastungen dem schleichenden Zusammenbruch voraus. Anfangs lassen sich die Phasen der Schwäche, Unkonzentriertheit und Nervosität noch wegwischen. Irgendwann ist das Feuer dann ausgebrannt.

    Symptome
    : Alles lähmende Müdigkeit, Leere im Kopf, Schwere in den Gliedern – so erleben Burn-out-Betroffene ihren Zustand. Sie fühlen sich unfähig, ihren Alltag zu bewältigen, wollen nur noch Ruhe. Doch auch in Erholungspausen gelingt es ihnen nicht, die Akkus wieder aufzuladen. Die Schlappheit, oft verbunden mit Gereiztheit und innerer Unruhe, drückt sie weiter nieder. Kopf- und Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme kommen als körperliche Beschwerden dazu. Schlafstörungen verstärken die Dauermüdigkeit nur noch.


    Welche Ursachen ein Burn-out-Syndrom haben kann, wie es sich äußert, welche Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten es gibt, zeigt der Ratgeber "Burn-out-Syndrom" auf. 
  • Depressionen: Müdigkeit begleitet psychische Tiefs, die seelische Last drückt Geist und Körper nieder. Sei es eine vorübergehende depressive Verstimmtheit oder eine schwere Depression.

    Symptome
    : Antriebslosigkeit und Kräftemangel gehören mit zu den vorherrschenden Kennzeichen von Depressionen. Bei bestimmten Krankheitsbildern, etwa einer bipolaren Depression, wechseln Phasen der Niedergeschlagenheit mit Phasen übersteigerter Leistungsfähigkeit und Wachheit ab
    .

    Es gibt Depressionsformen, bei denen wiederum die körperlichen Symptome im Vordergrund stehen. Diese können die seelische Erkrankung zunächst verbergen
    . Häufig treten neben Energieverlust und Müdigkeit Beschwerden wie Schwindel, Kopf- und Rückenschmerzen, Sehstörungen, Verdauungsprobleme, Hautjucken und vieles mehr auf.

    Wer sich immer häufiger müde und ermattet fühlt, innerlich leer und traurig, sollte mit seinem Arzt offen darüber sprechen, ob nicht eine depressive Erkrankung die Ursache sein könnte. Psychologische Tests und gezielte Untersuchungen geben Aufschluss.

    Über Formen und Ursachen von Depressionen, die Diagnose sowie erfolgreiche Therapien informiert der Ratgeber "Depressionen".
  • Angststörungen: Wenn Ängste, die zu den Urgefühlen des Menschen gehören, überhandnehmen und krankhaft werden, zeigt sich das in vielfältigen psychischen und körperlichen Beschwerden.

    Symptome
    : Deutliche Anzeichen einer Angsterkrankung können zum Beispiel immer wieder auftretende Panikattacken mit Zittern, Herzklopfen, Brustenge, Atemnot und Schwindel gefolgt von völliger Erschöpfung sein. Andere Formen äußern sich durch dauerhaft vorhandene, schleichende Angstgefühle, die sich in innerer Anspannung und Unruhe einerseits sowie lähmender Müdigkeit und Schwäche andererseits äußern
    .

    Es gibt ganz unterschiedliche Ursachen für Ängste. Sie beeinträchtigen das Leben eines Menschen nachhaltig und können weitere psychische Erkrankungen nach sich ziehen. Deshalb ist es so wichtig, Angststörungen rechtzeitig aufzudecken und behandeln zu lassen.

    Welche Auslöser hinter krankhaften Ängsten stecken, welche Formen und Symptome es gibt und wie Angsterkrankungen behandelt werden können, erfahren Sie im Ratgeber "Angst und Angststörungen". Speziell über Phobien informiert der Ratgeber "Phobien".
  • Essstörungen: Bei psychischen Erkrankungen, die durch ein gestörtes Essverhalten gekennzeichnet sind, tritt Müdigkeit verstärkt auf. Denn zu den Folgen von Magersucht, Bulimie oder Esssucht gehören körperliche und seelische Störungen, die ihrerseits häufig mit Müdigkeit verbunden sind.

    Beispiel Magersucht
    : Hier führt die extrem verminderte Nahrungsaufnahme zu starkem Untergewicht und zu lebensbedrohlichen körperlichen Schäden. Auslöser für häufiges Müdesein und viele andere Beschwerden sind Mangelzustände wie Mineralstoff- und Vitamin-D-Mangel. Hormonstörungen, Depressionen, Herzprobleme vermindern ebenfalls Wachheit und Leistungsfähigkeit. Blutdruck und Körpertemperatur fallen ab, es kommt zu Veränderungen im Gehirn, an den Nieren und im Immunsystem. Auch damit ist unter anderem zunehmende Müdigkeit verbunden. Letztlich sind alle lebenswichtigen Körpersysteme betroffen. Nach neuen Erkenntnissen spielen bei Magersucht auch genetische Faktoren eine Rolle.

    Mehr über Magersucht, Ursachen, Symptome und Folgen sowie über Diagnose und Behandlung können Sie nachlesen im Ratgeber "Magersucht (Anorexie)".

    Starkes Übergewicht
    (Adipositas) ist häufig die Folge von Esssucht. Müdigkeit, Schwitzen, Atemnot, Gelenkschmerzen gehören zu den kennzeichnenden Beschwerden (siehe dazu Kapitel "Lebensstil, Umwelt"). Mehr Informationen zu krankhaftem Übergewicht und Esssucht finden Sie im Ratgeber "Adipositas und Esssucht".

Somatoforme Störungen: Häufig von Müdigkeit begleitet

Müdigkeit kann neben anderen typischen körperlichen Symptomen auch im Rahmen sogenannter psychovegetativer, funktioneller oder somatoformer Störungen auftreten. Hierbei handelt es sich um Störungsbilder, bei denen die Betroffenen an unterschiedlichen körperlichen Beschwerden leiden, für die es jedoch keine nachweisbaren körperlichen Ursachen gibt. Krankheitssymptome zeigen sich vor allem im Magen-Darm-Bereich (Reizdarmsyndrom), im Herz-Kreislauf-System (Herzneurose) und an den Atmungsorganen (Hyperventilationssyndrom).

Die Ursachen sind vielfältig. Belastende Erlebnisse in der Kindheit wie Missbrauch, Lebenskrisen, erbliche Anlagen, ein übersensibles vegetatives Nervensystem spielen möglicherweise eine Rolle. Auslöser kann außerdem eine vorausgegangene körperliche Erkrankung sein, die erhöhte Ängstlichkeit und angespannte Selbstbeobachtung zur Folge hat. Da die Erkrankten sich zudem oft auch körperlich übermäßig schonen, verstärkt sich ein Gefühl von Müdigkeit und Erschöpfung noch zusätzlich.

Müde durch Alkoholmissbrauch und andere Suchterkrankungen

  • Alkoholabhängigkeit: Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA, 2016) ist der Alkoholkonsum zum Beispiel bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland etwas rückläufig, aber immer noch auf hohem Niveau. Menschen, die übermäßig viel Alkohol trinken, sind aus mehreren Gründen häufig müde und abgespannt, gleichzeitig nervös und überreizt. Einmal sind es die täglichen Entzugserscheinungen wie Zittern, Schweißausbrüche, Müdigkeit, innere Unruhe, Konzentrationsstörungen, die Suchtkranke dann wiederum mit dauerhaftem Alkoholkonsum bekämpfen. Zum anderen greift das Gift Nerven sowie Verdauungs- und Stoffwechselorgane an. Alkoholbedingte Leberschäden wie alkoholische Fettleber und Leberzirrhose führen unter anderem zu anhaltender Müdigkeit, Leistungsschwäche, Druckgefühl im Oberbauch, Übelkeit und Gewichtsverlust (siehe auch Kapitel "Innere Krankheiten").

    Welche Symptome und Ursachen eine Alkoholkrankheit hat und welche Behandlungswege aus der fatalen Abhängigkeit führen können, zeigt der Krankheitsratgeber "Alkoholabhängigkeit (Alkoholsucht)" auf.
  • Drogensucht: Drogenkranke spüren lähmende Müdigkeit und Erschöpfung häufig, wenn die Wirkung der Droge nachlässt. Die Entzugssymptome treiben den zerstörerischen Suchtkreislauf weiter an.

    Das gilt auch für Medikamentenabhängigkeit. Der Missbrauch von Beruhigungs-, Schlaf- und Aufputschmitteln führt in eine bedrohliche Spirale von Müdigkeit, Gereiztheit, Übererregung sowie zu zahlreichen körperlichen Beschwerden.

    Bei allen Suchterkrankungen kann nur eine konsequente Suchttherapie, häufig in speziellen Entzugskliniken, helfen, körperlichen, geistigen und seelischen Verfall aufzuhalten und neue Lebensenergien aufzubauen. Weitere Informationen dazu im Spezial "Sucht".

Neurologische Erkrankungen und Müdigkeit

Unter neurologischen Erkrankungen (von griech. neuron = Nerv) fassen Mediziner Störungen und Erkrankungen der verschiedenen Nervensysteme zusammen. Das zentrale Nervensystem umfasst Gehirn und Rückenmark, das periphere durchzieht von dort ausgehend die übrigen Körperbereiche. Das Gehirn regelt nahezu alle Körpervorgänge. Ebenso laufen psychische und geistige Vorgänge über spezielle Nervenaktivitäten im Gehirn ab. Dabei sind jeweils bestimmte Gehirnbereiche für unterschiedliche Funktionen zuständig. Die Nervenaktivitäten sind jedoch untereinander eng vernetzt. Von einem Areal im sogenannten Zwischenhirn erhält das vegetative Nervensystem seine Impulse. Es ist für großteils unwillkürlich ablaufende Lebensfunktionen zuständig, wie Kreislauf, Hormonhaushalt, Verdauung, Wärmeausgleich – Funktionen, die auch Wachheit und Müdigkeit entscheidend beeinflussen.

Zu den Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS; je nach Krankheitsbild kann neben dem Gehirn auch das Rückenmark betroffen sein) gehören unter anderem die Parkinson Krankheit, die multiple Sklerose und Demenzerkrankungen. Je nachdem, welche Gehirnnerven erkrankt sind, kommt es zu unterschiedlichen Beschwerden und Ausfällen. Bei Parkinson oder bei der multiplen Sklerose sind häufig zunächst in erster Linie bestimmte Bewegungsabläufe beziehungsweise Motorik und Muskelaktivitäten gestört, bei Demenzen vornehmlich geistige Funktionen wie das Gedächtnis. Da die verschiedenen Nervenzentren eng miteinander verschaltet sind, haben Krankheiten des ZNS sehr oft auch Störungen im vegetativen Nervensystem und in der Psyche zur Folge.

Häufige Begleitsymptome der aufgeführten neurologischen Erkrankungen: Tagesmüdigkeit, Antriebslosigkeit, Schwächegefühl, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen.

Ausführliche Information zu den genannten Krankheitsbildern geben die Ratgeber "Parkinson Krankheit (Morbus Parkinson)", "Multiple Sklerose (MS)" sowie "Alzheimer Krankheit" und "Vaskuläre Demenz".

Zu den neurogenen Störungen, das heißt zu Erkrankungen, die ihren Ausgang vom zentralen Nervensystem nehmen, zählt auch die Migräne. Starke Müdigkeit kann neben anderen Zeichen wie Schwindel, Heißhunger, Reizbarkeit, Spannungsgefühl im Nacken und schließlich Sehstörungen sowie Gefühlsstörungen ein Vorbote eines Migräneanfalls sein. Wissenswertes hierzu im Ratgeber "Migräne".