Müdigkeit – Diagnose: Wie der Arzt vorgeht

Die Krankengeschichte gibt erste Hinweise auf mögliche Ursachen von Müdigkeit. Es folgen körperliche Untersuchungen, eventuell Labortests und bildgebende Verfahren
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.07.2017

Der ständigen Müdigkeit auf der Spur: Die Ärztin befragt die Patientin eingehend

Digital Vision/RYF

Wenn Sie über längere Zeit unter Müdigkeit leiden, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn sich die Müdigkeit plötzlich ohne ersichtlichen Grund einstellt oder deutlich über das als normal erlebte Maß hinausgeht. Weitere Warnzeichen sind zusätzliche Beschwerden wie Fieber, Schmerzen, Muskelschwäche, Atemnot, Nachtschweiß, Schwindel, ebenso ein tiefgehendes Erschöpfungsgefühl, Niedergeschlagenheit, erhöhte Ängstlichkeit.

Ständig müde: Was der Arzt wissen sollte

Für den Arzt, in der Regel zunächst der Hausarzt, ist es wichtig zu erfahren,

  • wie genau sich die Müdigkeit äußert,
  • wann und wie oft sie auftritt,
  • ob sie als neu und ungewöhnlich erlebt wird, zum Beispiel nach körperlichen oder beruflichen Aktivitäten, oder
  • ob sie sich auch einstellt, ohne dass besondere Anstrengungen vorausgegangen wären.

Schnarchquelle: Die Zunge sinkt ab und blockiert den Gaumen

W&B/Martina Ibelherr

Grundlegend sind ebenfalls Informationen zum Schlafverhalten, ob sich die Schlafqualität verändert hat, ob Sie selbst oder Mitschläfer heftiges Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer bemerkt haben. Und, ob Sie gar untertags öfter einnicken.


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Von Interesse sind auch Fragen wie: Hat sich privat oder beruflich etwas verändert? Wie häufig bewegen Sie sich und in welcher Form? Essen Sie in letzter Zeit anders und haben Sie zu- oder abgenommen? Erleben Sie vermehrt Stimmungsschwankungen? Trauen Sie sich nicht mehr so viel zu wie früher?

Ein weiterer Punkt ist der Umgang mit Schadstoffen und Chemikalien am Arbeitsplatz, aber auch zu Hause, zum Beispiel wenn Sie gerade die Wohnung renovieren. Außerdem spielt mögliches Suchtverhalten eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, Müdigkeit auf die Spur zu kommen.

Zusätzliche körperliche Symptome geben dem Arzt wichtige Hinweise. Häufig kennt der Hausarzt die Krankengeschichte seines Patienten recht gut. Veränderungen bei schon diagnostizierten Krankheitsbildern oder neu hinzugekommenen Beschwerden wird er aufmerksam nachgehen. Ebenso überprüft er, welche Medikamente Sie einnehmen. Von Bedeutung können außerdem kürzlich oder vor längerem durchgemachte Infekte sein.

Diagnose Müdigkeit: Welche Fachärzte zuständig sein können

Die ersten Untersuchungsschritte nimmt in der Regel der Hausarzt vor. Je nachdem, welche Hinweise sich daraus ergeben, leitet er weitere Untersuchungen ein oder überweist seinen Patienten an einen Spezialisten. Das kann unter anderem ein Facharzt für innere Krankheiten (Internist) beziehungsweise für Herzerkrankungen (Kardiologe), für Diabetes (Diabetologe), für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen (Endokrinologe)  oder Nervenkrankheiten (Neurologe) sein. Manchmal ist auch ein Rheumatologe oder anderweitig spezialisierter Internist gefragt, etwa ein Facharzt für Nierenerkrankungen (Nephrologe) oder Lebererkrankungen (Gastroenterologe/Hepatologe).

Onkologen und das geschulte Personal von onkologischen Abteilungen in Kliniken betreuen Krebspatienten in unterschiedlichen Stadien.

Stehen psychische Probleme im Vordergrund, übernehmen Psychiater und Psychotherapeuten Diagnose und Behandlung. Bei Suchterkrankungen sind zudem die jeweiligen Suchtexperten gefragt.

Schwerwiegende Schlafstörungen mit ausgeprägter Tagesmüdigkeit erfordern manchmal eine gezielte Diagnose und Behandlung in einer darauf spezialisierten Klinik mit Schlafzentrum.

Besteht der Verdacht, dass die Müdigkeitsauslöser mit der beruflichen Tätigkeit oder Umgebungseinflüssen zusammenhängen könnten, geht ein Arbeits- oder Umweltmediziner entsprechenden Fragestellungen nach.

Mögliche körperliche Untersuchungen bei Müdigkeit

Dem ausführlichen Arzt-Patient-Gespräch folgt in der Regel eine eingehende körperliche Untersuchung. Der Arzt tastet vor allem Bauch, Rücken und Körpergegenden ab, in denen krankhaft veränderte Lymphknoten auffallen können, etwa Achselhöhlen und Leisten. Er fahndet auch an Armen und Beinen sowie am Kopf und Hals nach Schwellungen und auffallenden Veränderungen. Zudem prüft er die Haut, die Gelenke, die Muskelreaktionen, hört Herz und Lunge ab. Ebenso sieht er sich den Mund-Rachen-Raum sowie die Augen an. Zur Routine gehört in der Regel auch Blutdruckmessen. Gegebenenfalls kommen Allergietests und bestimmte Laboruntersuchungen dazu.

Blutwerte stützen bei vielen Krankheiten die Diagnose

iStockphoto/gevende

Ursachen von Müdigkeit im Fokus: Weitere Untersuchungen

Aufschlussreiche Tests im Labor

Blutuntersuchungen bestätigen oft schon eine vermutete Zuckerkrankheit oder Schilddrüsenstörung, wie zum Beispiel eine Unterfunktion (Hypothyreose). Auch andere Hormon- beziehungsweise Stoffwechselunregelmäßigkeiten oder entzündliche Vorgänge im Körper wie etwa Rheuma lassen sich im Blut erkennen. Bestimmte Blutwerte geben außerdem Aufschluss über die Nierenfunktion. Bei Hinweisen auf eine Lebererkrankung sind verschiedene Lebertests angezeigt.

Urintests ordnet der Arzt häufig an, um eine mögliche Nierenkrankheit genauer zu bestimmen oder frühzeitig Hinweise auf Nierenprobleme bei Diabetes zu erhalten.

Weitere Maßnahmen wie eine Nervenwasseruntersuchung sind angezeigt, wenn der Arzt zum Beispiel eine Multiple Sklerose oder eine schwerwiegende Herpes-Infektion vermutet. Eine Knochenmarkspunktion sichert die Diagnose etwa einer Leukämie. Feingewebliche Untersuchungen von Gewebeproben können mitunter bei Herz-, Muskel-, Stoffwechsel- oder Krebserkrankungen notwendig sein.

Apparative Untersuchungen

Welche Untersuchungen der Arzt veranlasst, richtet sich nach schon bestehenden Krankheiten oder danach, in welche Richtung erste Untersuchungsergebnisse weisen. Zu den weiterführenden Untersuchungen können beispielsweise die Aufzeichnung einer Herzstromkurve (Elektrokardiogramm, EKG), ein Belastungs-EKG und/oder Lungenfunktionstests gehören.

Bildgebende Verfahren

Ultraschalluntersuchungen unterschiedlicher Organe kommen je nach Notwendigkeit zum Einsatz. Das kann zum Beispiel eine Sonografie des Herzens (Echokardiografie), der Leber, der Schilddrüse oder des Bauchraums und innerer Lymphknoten sein.

Röntgenaufnahmen des Brustraums beziehungsweise der Lunge gehören zu wichtigen Diagnosehilfen bei Herz- und Atemproblemen, bei der Krebsdiagnostik. Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) sind häufig bei Tumorerkrankungen angezeigt. Ebenso kann ein Herz-MRT in Ergänzung der Herz-Sonografie mitunter die Ursache einer Herzschwäche wie etwa eine spezielle Herzmuskelerkrankung aufzeigen.

Therapie von krankhafter Müdigkeit: Entscheidend ist die Diagnose

Die Behandlung richtet sich nach der Diagnose und wird individuell auf den Patienten ausgerichtet sein. Ein gutes und vertrauensvolles Arzt-Patient-Verhältnis hilft, auch ein belastendes Allgemeinsymptom wie Müdigkeit in den Griff zu bekommen.

Die nächsten Kapitel geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Ursachen von Müdigkeit und weitere kennzeichnende Symptome der jeweiligen Grunderkrankungen. Zu vielen Krankheiten gibt es auf unseren Seiten ausführliche Krankheitsratgeber (siehe entsprechende Links).



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