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Autofahren: Müdigkeitsunfälle vermeiden

Gefährlicher Sekundenschlaf – Müdigkeit am Steuer verursacht schwere Unfälle. Viele Fahrzeuglenker unterschätzen die Gefahr

von Dr. Reinhard Door, 06.03.2019
Nächtliche Autobahn, wenig Verkehr: Monotonie macht müde

Nächtliche Autobahn, wenig Verkehr: Monotonie macht müde


Keine Vollbremsung, kein Ausweichmanöver. Wer am Lenkrad seines Autos einschläft, reagiert nicht mehr. Bei Müdigkeitsunfällen gibt es deshalb überproportional häufig Schwerverletzte und Tote, wie die ADAC Unfallforschung ermittelt hat. Die Erklärung der Experten: Bei diesen Unfällen kommen Fahrzeuge oft mit hohem Tempo von der Straße ab.

Als müdigkeitsbedingt gilt ein Unfall meist nur, wenn der Verursacher dies der Polizei gegenüber einräumt. Dann aber drohen ihm Führerscheinentzug, ein hohes Bußgeld, eventuell sogar eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Viele Experten glauben deshalb an eine hohe Dunkelziffer. Die offizielle Zahl lautet: Bei 1940 Verkehrsunfällen mit Personenschaden war im Jahr 2017 Müdigkeit die Ursache.

Eingenickt am Steuer

Anonyme Befragungen ergeben in der Regel höhere Werte. So räumte in einer Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) jeder vierte Autofahrer ein, schon mindestens einmal am Steuer kurz eingenickt zu sein. Bei Lastwagenfahrern war es sogar beinah die Hälfte.

Meistens passiert es, wenn der Verkehr weniger Aufmerksamkeit verlangt als auf kurvigen Landstraßen oder an einer Ampelkreuzung. "Rechte Spur der Autobahn, Tempomat eingeschaltet, wenig Verkehr – das ist der Klassiker", sagt Dr. Hans-Günter Weeß, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Selbstüberschätzung

Viele Autofahrer denken aber, sie hätten das alles unter Kontrolle. Laut DVR- Umfrage glauben 43 Prozent, sie könnten den Zeitpunkt bis zum Einschlafen sicher vorhersehen. Diese Selbstüberschätzung verursacht beispielsweise Leichtsinn bei Urlaubsfahrten. "Wer mit zwei bis drei Stunden Schlaf losfährt und von München bis Sizilien durchhält, der gilt sogar noch als Held", kritisiert Weeß.

Schlafdauer und -qualität lassen sich jedoch nicht immer gut beeinflussen. Mancher liegt vor Sorgen, Stress oder wegen eines psychischen Leidens wach. Oder die Nachtruhe ist wenig erholsam, etwa wegen Atemaussetzern. Betroffene wachen wie gerädert auf, sind ständig müde, viele schnarchen laut.

Typische Leistungstiefs

Manch einer muss sich zu einer Zeit hinter das Steuer setzen, zu der er sonst noch schlummert. Nicht ohne Grund passieren die meisten ermüdungsbedingten Unfälle zwischen vier und sieben Uhr morgens. Ein zweiter Gipfel findet sich am frühen Nachmittag bis etwa 15 Uhr, wenn die innere Uhr ein Leistungstief verursacht.

Wer an einer Schlafstörung leidet, sollte sie in einem schlafmedizinischen Zentrum abklären und behandeln lassen. Wie viel das bringt, zeigt das Beispiel von Patienten mit Atemaussetzern. Eine Therapie mit der Atemdruck­­maske halbierte in einer französischen Studie die Unfallhäufigkeit.

Maßnahmen gegen Müdigkeit

Was aber lässt sich tun, wenn man einfach schlecht geschlafen und eine lange Fahrt vor sich hat? "Dann sollte man sich nicht überschätzen, sondern bei ersten Müdigkeitssignalen eine Pause machen", sagt Anna-Sophie Börries, ­Referentin gegen Müdigkeitsunfälle beim DVR. Und die Tipps im Kasten (unten) beherzigen. Fenster öffnen oder Radio aufdrehen hilft nur wenig und auch nur kurz.

Mittlerweile gibt es technische Hilfen, die vor dem Sekundenschlaf am Steuer warnen. Assistenzsysteme analysieren vor allem das Lenkverhalten, das bei Müdigkeit unsteter wird, und warnen dann zum Beispiel mit einer blinkenden Kaffeetasse. Sogar in manchen Mittelklassewagen sind solche Systeme inzwischen verbaut, oft sogar serienmäßig.

Recherchieren lassen sich die Müdigkeitswarner und andere Assistenzsysteme in einer Datenbank des DVR (https://bester-beifahrer.de/datenbank/).

So vertreiben Sie die Unfallgefahr

  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit Nachtfahrten.
  • Fahren Sie möglichst ausgeschlafen los.
  • Machen Sie bei längeren Fahrten spätestens alle zwei Stunden eine Pause. Kalkulieren Sie bei der Reiseplanung ­genügend Zeit für diese Unterbrechungen ein.
  • Wenn Sie vorher schon müde werden, fahren Sie rechts ran, oder steuern Sie auf der Autobahn den nächsten Parkplatz oder die nächste Ausfahrt an.
  • Stellen Sie dann die Rückenlehne zurück, und schlafen Sie für 10 bis 20 Minuten. Aber nicht länger, damit Sie nicht in den Traumschlaf fallen.
  • Wenn es Ihnen nicht gelingt zu schlafen, bringen Sie Ihren Kreislauf mit Bewegung in Schwung.