Schilddrüsenszintigrafie: Knoten abklären

Die Schilddrüsenszintigrafie ist eine nuklearmedizinische Methode. Sie misst, wie stark einzelne Bereiche der Schilddrüse Jod aufnehmen

von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 10.04.2017

Bei einer Szintigrafie werden die Bilder per Gammakamera aufgenommen


Jod ist ein fester Bestandteil von Schilddrüsenhormonen. Deshalb muss das Schilddrüsengewebe Jod aus dem Blut aufnehmen, um die Hormone bilden zu können.

Wie funktioniert die Schilddrüsenszintigrafie?

Für die Szintigrafie (von Lateinisch "scintilla", der Funke) verwenden Mediziner radioaktives Jod oder jodähnliche radioaktive Substanzen, die das Schilddrüsengewebe ebenfalls wie das normale Jod aufnimmt. Weil diese radioaktiven Substanzen laufend Gamma-Strahlung aussenden, kann eine Gamma-Kamera diese Strahlen messen und die Anreicherung der Substanz in der Drüse bestimmen. So sieht der Arzt, wie stark die einzelnen Bereiche der Schilddrüse Jod aufnehmen. Das entspricht in der Regel der Aktivität des Gewebes, also dem Ausmaß, wie viel Schilddrüsenhormone es produziert.

Wurden vorab per Ultraschall in der Schilddrüse knotige Veränderungen der Schilddrüse festgestellt, kann die Szintigrafie die Knoten genauer einordnen: Sogenannte heiße Knoten nehmen mehr Jod auf als das unveränderte Schilddrüsengewebe, kalte Knoten weniger.

Schilddrüsenerkrankungen sind zahlreich und weit verbreitet

Millionen von Menschen leiden weltweit an einer Erkrankung der Schilddrüse: Gerade in Gebieten, die weit weg vom Meer liegen, kann leicht durch einen relativen Jodmangel eine Vergrößerung der Schilddrüse auftreten, auch Kropf oder Struma genannt. Aber auch eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse sind häufig. Oft sind sie Folge von Autoimmunerkrankungen, Entzündungen oder gutartigen Wucherungen. Auch knotige Veränderungen der Schilddrüse kommen oft vor und können zum Beispiel Zysten oder gutartigen und bösartigen Tumoren entsprechen.

Um eine Schilddrüsenerkrankung erfolgreich zu behandeln, muss zuerst eine exakte Diagnose gestellt werden. Dies ist in vielen Fällen mit einer Schilddrüsenszintigrafie möglich.

Welche Mittel werden in der Schilddrüsenszintigrafie eingesetzt?

Die Schilddrüsenszintigrafie stellt mit Hilfe von speziellen radioaktiven Substanzen die Aufnahme von Jod in die Schilddrüse bildlich dar. Diese schwach strahlenden Substanzen, sogenannte Radionuklide, sind in ihren chemischen Eigenschaften mit Jod identisch oder ähneln ihm. Am häufigsten verwenden die Nuklearmediziner dazu 99mTechnetium-Pertechnetat (PTT) oder Jodid mit 123Jod.

So läuft die Schilddrüsenszintigrafie ab

Zur Untersuchung spritzt der Arzt dem Patienten die Radionuklide in eine Vene, zumeist am Arm. Nach zehn bis zwanzig Minuten haben sich die Stoffe in der Schilddrüse angereichert und können gemessen werden. Dafür zeichnet die Gamma-Kamera die von den Radionukliden ausgesandte Strahlung auf.

So kann die Aktivität der einzelnen Schilddrüsenbereiche abgebildet und ihre Funktion beurteilt werden. Zusätzlich misst die Untersuchung, welcher Anteil der verabreichten Radionuklidmenge von der Schilddrüse aufgenommen und verarbeitet wird. Der Arzt spricht von "Uptake". Die Messung dauert etwa zehn Minuten und ist im Sitzen und Liegen möglich.

Wozu dient die Schilddrüsenszintigrafie?

Die Schilddrüsenszintigrafie kann das Ausmaß der Hormonproduktion in einzelnen Bereichen der Schilddrüse abbilden. Dies ist unter anderem wichtig, um vorher im Ultraschall gefundene knotige Veränderungen der Schilddrüse zu beurteilen. So kann die Szintigrafie zwischen heißen Knoten, kalten Knoten und warmen Knoten mit normaler Funktion unterscheiden. Heiße Knoten entsprechen oft gutartigen Wucherungen von Schilddrüsenzellen, die ungebremst Hormone produzieren, sogenannten autonomen Adenomen. Kalte Knoten können Folge einer Zyste oder einer Entzündung der Schilddrüse sein. In seltenen Fällen kann sich hinter einem kalten Knoten auch eine bösartige Veränderung verbergen. Warme Knoten reichern ebensoviel radioaktive Substanz an wie die Umgebung und entsprechen in der Regel normal funktionierendem Schilddrüsengewebe.

Neben Ultraschall und Szintigrafie spielen bei der Schilddrüsendiagnostik auch die körperliche Untersuchung und die Bestimmung der für die Schilddrüse spezifischen Laborwerte aus dem Blut eine Rolle.

Welche Risiken hat die Schilddrüsenszintigrafie?

Viele Patienten machen sich vor einer Szintigrafie Sorgen, da radioaktives Material verwendet wird. Die verwendeten Radionuklide haben jedoch nur eine kurze Halbwertszeit. Das heißt, sie zerfallen schnell zu nicht radioaktiven Substanzen. Dadurch ist die Szintigrafie auch nur mit einer geringen Strahlenexposition für den Patienten verbunden. Sie ist mit der Belastung durch eine Röntgenuntersuchung vergleichbar.

Abgesehen von der Strahlenbelastung werden die sehr geringen verwendeten Mengen von 99mTc-Pertechnetat und 123Jod sehr gut vertragen, so dass Nebeneffekte praktisch nicht auftreten. Meist haben auch Patienten, die allergisch auf Jod reagieren, keine Probleme bei der Untersuchung. Dennoch sollten Sie den Arzt vorab auf Ihre Allergie hinweisen.

Bei Schwangeren führt man in der Regel keine Schilddrüsenszintigrafie durch, allenfalls in dringenden Ausnahmefällen. Stillende Mütter sollten das Stillen in Absprache mit dem Nuklearmediziner für eine gewisse Zeit aussetzen.

Wie bereite ich mich auf die Untersuchung vor?

Generell ist für eine Schilddrüsenszintigrafie keine besondere Vorbereitung notwendig. Für bestimmte Untersuchungen, speziell bei Patienten mit heißen Knoten, kann es erforderlich sein, vorher Schilddrüsenhormone in Tablettenform über mehrere Tage oder Wochen einzunehmen. Ihr Arzt wird Sie darüber rechtzeitig informieren.

Zusätzlich sollte der Nuklearmediziner über die Einnahme von Medikamenten oder vorherige Untersuchungen mit jodhaltigen Röntgenkontrastmitteln Bescheid wissen, weil viele Substanzen das Ergebnis einer Szintigrafie beeinflussen können, zum Beispiel Schilddrüsenhormone, Thyreostatika und jodhaltige Medikamente.

Die Szintigrafie beeinträchtigt normalerweise nicht die Verkehrstauglichkeit.

Was zahlt die Krankenkasse?

Bei entsprechender medizinischer Indikation übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen die Kosten für eine Schilddrüsenszintigrafie. Weil bei der Szintigrafie radioaktive Stoffe zum Einsatz kommen, darf die Untersuchung nur unter der Leitung von speziell ausgebildeten Ärzten erfolgen, den Nuklearmedizinern.

Beratender Experte: Prof. Dr. Burkhard Riemann, Facharzt für Nuklearmedizin,
Professur für Molekulare Bildgebung und Leiter Sektion Schilddrüsenkarzinom der Klinik für Nuklearmedizin im Universitätsklinikum Münster

Quellen:
1. Dietlein M,  Dressler J, Eschner W et al. Verfahrensanweisung für die Schilddrüsenszintigrafie (Version 3) für die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) und die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Physik (DGMP). Juni 2007
2. Schicha H, Schober O, Nuklearmedizin: Basiswissen und klinische Anwendung, Schattauer Verlag, 7. Auflage, Januar 2013
3. Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. Online: www.nuklearmedizin.de (Abgerufen am 18.1.2017)
4. Informationen des Universitätsklinikums Heidelberg: Schilddrüsenszintigrafie und Uptake. Online: www.klinikum.uni-heidelberg.de/Schilddruesenszintigrafie.394.0.html (Abgerufen am 18.1.2017)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.