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Therapie: Wie wird Morbus Basedow behandelt?

Gegen die Beschwerden helfen Medikamente, die die Schilddrüse "bremsen". Weitere Therapiemöglichkeiten sind eine Operation oder Radio-Jod-Therapie (RIT)

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 16.05.2018
Frau nimmt Tablette mit einem Glas Wasser ein

Bestimmte Medikamente ("Schilddrüsen-Blocker") helfen gegen die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion


Welche Medikamente helfen bei Morbus Basedow?

Die vorherrschenden Symptome bei Morbus Basedow werden durch den Überschuss an Schilddrüsenhormonen im Körper ausgelöst. Zur Behandlung eignen sich deshalb Medikamente, die den Spiegel der Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut absenken (Thyreostatika, "Schilddrüsen-Blocker").

Häufig verordnete Wirkstoffe sind Carbimazol, Methimazol und Propylthiouracil. Zur Therapie des Morbus Basedow ist eine längerfristige Medikamenteneinnahme notwendig, üblicherweise über mindestens ein Jahr, teilweise auch länger. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hautausschläge (Exantheme), Magen-Darm-Probleme, Juckreiz und eine Leberwert-Erhöhung. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Verminderung der weißen Blutzellen kommen (Leukozytopenie, Agranulozytose), sodass regelmäßige ärztliche Kontrollen notwendig sind.

Unterstützend – oder wenn die Thyreostatika nicht vertragen werden – verschreibt der Arzt in einigen Fällen einen Beta-Blocker (Propranolol). Dieser Wirkstoff, der auch bei Bluthochdruck zum Einsatz kommt, verlangsamt den zu schnellen Puls und kann sich positiv auf weitere Symptome wie beispielsweise Zittern auswirken. Er reicht zur Stabilisierung der Schilddrüsenüberfunktion jedoch nicht aus.

Ist Morbus Basedow heilbar?

In knapp der Hälfte der Fälle bessern sich die Beschwerden nach längerfristiger Einnahme der Schilddrüsenmittel dauerhaft. Bei der anderen Hälfte der Patienten kommt es zu einem Rückfall: Die Schilddrüsenüberfunktion stellt sich wieder ein. Deshalb sollten auch nach einer thyreostatischen Behandlung ärztliche Kontrollen erfolgen.

Bessert sich die Situation mit Medikamenten nicht oder ist eine rasche Therapie nötig, weil die Schilddrüse zum Beispiel stark vergrößert ist und dadurch Beschwerden auslöst, wird der behandelnde Arzt entweder eine Operation oder eine Radiojodtherapie (abgekürzt RIT oder auch RJT) vorschlagen – eine sogenannte definitive Therapie.

Operation der Schilddrüse

Bei einer Operation wird die Schilddrüse praktisch vollständig entfernt (ausgedehnte Strumaresektion, "near total"). Der Eingriff erfolgt über einen kleinen Schnitt vorne am Hals. Nur nach vollständiger Entfernung der Schilddrüse lässt sich ein erneuter Rückfall der Überfunktion vermeiden. Die OP kann insbesondere dann angebracht sein, wenn gleichzeitig der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs besteht und ausgeräumt werden soll. Diese Krebsart kommt nur sehr selten vor.

Nach der Operation stellt sich üblicherweise und gewollt eine dauerhafte Schilddrüsenunterfunktion ein. Diese lässt sich durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen einfach ausgleichen.

Wie bei jeder OP kann es auch bei einer Schilddrüsenoperation zu Komplikationen wie Blutungen oder Infektionen kommen. In seltenen Fällen wird bei dem Eingriff der Stimmbandnerv verletzt, der in der Nähe der Drüse verläuft, was anhaltende Heiserkeit zur Folge haben kann. Auch eine Verletzung der Nebenschilddrüsen kann vorkommen. Sehr wichtig ist es, dass der Chirurg / die Chirurgin große Erfahrung mit Schilddrüsenoperationen hat.

Radio-Jod-Therapie (RIT, RJT)

Morbus Basedow kann auch mit einer 131-Radio-Jod-Therapie behandelt werden. Dabei erhält der Patient während eines kurzen stationären Aufenthalts im Krankenhaus ein Präparat mit radioaktivem 131-Jodid. Der Stoff lagert sich vor allem in der Schilddrüse ein, wo er radioaktive Strahlung abgibt. Sie zerstört allmählich das Schilddrüsengewebe und verkleinert es somit. Das beseitigt die Überfunktion dauerhaft. Die Strahlung wird genau berechnet und exakt dosiert. Sie wirkt örtlich begrenzt auf das Drüsengewebe. Der restliche Körper wird so nicht belastet. Für Schwangere und Stillende eignet sich die RIT nicht.

Nach einer RIT kommt es gewollt zur Schilddrüsenunterfunktion, die durch die dauerhafte Einnahme von Schilddrüsenhormonen ausgeglichen werden muss. Augensymptome können sich selten kurzfristig verschlechtern. So ist eine Nachsorge durch den Arzt mit regelmäßigen Kontrollen nötig.

Therapie der Augenprobleme bei Morbus Basedow

Bei Morbus Basedow können bei circa 50 Prozent der Erkrankten die Augen(-höhlen) betroffen sein (siehe Kapitel Symptome). Diese Orbitopathie ist nur schwer zu behandeln. Entscheidend ist, das Hormongleichgewicht möglichst rasch und gut wieder herzustellen. In Abhängigkeit vom Schweregrad verschreibt der Arzt außerdem Kortisonpräparate (Glukokortikoide). Künstliche Tränen helfen bei trockenen Augen, dunkle Brillen bei Lichtempfindlichkeit und spezielle Prismenbrillen bei Doppelbildern. In bestimmten Fällen kann eine Strahlentherapie an den Augen Linderung verschaffen. Auch bestimmte Augenoperationen sind manchmal angebracht. Dabei wird beispielsweise das Lid korrigiert oder der Druck auf den Augapfel verringert (Orbitadekompression).

Rauchen verschlechtert den Verlauf und die Wirksamkeit der Therapie bei endokriner Orbitopathie deutlich und sollte vermieden werden.

Vorsicht mit Jod

Jodhaltige Medikamente sollten Menschen, die Morbus Basedow haben, vermeiden. Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Desinfektionsmittel, Hustensäfte und Nahrungsergänzungsmittel. Jodhaltiger Seefisch, Sushi und Ähnliches sollten während der Schilddrüsenüberfunktion nicht gegessen werden. Dazu am besten individuell beim Arzt informieren.

Quellen:

Herold, G., und Mitarbeiter: Innere Medizin, Gerd Herold, Köln 2017

Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin, Elsevier, Urban&Fischer Verlag, 2009

Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2014

Siewert, J.R.: Praxis der Viszeralchirurgie: Endokrine Chirurgie. Springer, Heidelberg 2007

Hallbach, J.: Klinische Chemie für den Einstieg. Thieme, 2006

Silbernagl, S.: Taschenatlas der Pathophysiologie. Thieme, Stuttgart 2005

Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV): S2k-Leitlinie Operative Therapie benigner Schilddrüsenerkrankungen: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/088-007l_S2k_operative_Therapie_benigner_Schilddr%C3%BCsenerkrankungen_2015-10.pdf (abgerufen Januar 2018)

Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin: S1-Leitlinie Radioiodtherapie bei benignen Schildrüsenerkrankungen: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/031-003l_S1_Radioiodtherapie_benigne_Schilddruesenerkrankungen_2015-10.pdf (abgerufen Januar 2018)