Thema: Scheidenpilz

Juckende Scheide: Pilz oder nicht?

Pilze in der Vagina sind normal. Ist das Immunsystem nicht fit, kann daraus jedoch eine Infektion entstehen. Es gibt aber auch andere Ursachen, wenn es im Schambereich juckt oder brennt
von Diana Engelmann, 21.07.2017

Bei Beschwerden in der Genitalzone am besten die Gynäkologin aufsuchen

W&B/Martina Ibelherr, Fotolia/Brilt

Wenn Vagina oder Vulva brennen und jucken, kann eine Pilzinfektion die Ursache sein. Muss aber nicht. Denn auch andere Krankheiten verursachen diese Symptome. "Nur in der Hälfte der Fälle liegt eine Pilzinfektion zugrunde. Weitere Möglichkeiten sind Neurodermitis oder andere Infektionen. Seltener mal etwas wie Lichen sclerosus, eine Autoimmunerkrankung der Haut", sagt Professor Werner Mendling, Leiter des Deutschen Zentrums für Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universitätsklinik in Wuppertal.

Oder eine Vulvodynie. Gemeint ist damit ein Brennen und Schmerzen im Intimbereich, für das Ärzte keine Ursache finden. Ruft eine Pilzinfektion die Beschwerden hervor, lassen sie sich gut behandeln. Setzen Frauen pilzabtötende Medikamente ein, verschwindet der Juckreiz in der Regel nach drei Tagen. Häufig wird der Wirkstoff Clotrimazol eingesetzt.

Therapie per Tablette, Creme oder Zäpfchen

Frauen können ein bis sieben Tages-Therapien durchführen; insgesamt benötigen sie eine Dosis von mindestens 500 Milligramm, damit die Behandlung anschlägt. "Egal ob Tabletten, Creme oder Zäpfchen – die verschiedenen Darreichungsformen wirken gleich gut", sagt Mendling. Lassen die Beschwerden nach drei Tagen nicht nach, handelt es sich nicht um eine Pilzinfektion. Dann sollten Frauen erneut zur Ärztin gehen, um weiter untersuchen zu lassen, was die Probleme verursacht. 

Pilzinfektionen sind immer die Folge einer Abwehrschwäche. Besonders oft bringen Antibiotika das Gleichgewicht im bakteriellen Milieu der Scheide durcheinander. Die Medikamente machen nicht nur unerwünschte Keime unschädlich, sondern häufig auch Milchsäurebakterien (Laktobazillen). Diese wehren Erreger in der Scheide ab. Sind sie geschwächt, haben Pilze wie der Hefepilz Candida albicans mehr Chancen, sich zu vermehren.

Angeschlagene Abwehr

Doch die Abwehr kann auch geschwächt sein durch Erkrankungen wie Diabetes oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Betroffene Frauen sollten immer zuerst zur Gynäkologin gehen, wenn es anfängt zu brennen und zu jucken. Das gilt auch für Schwangere. Darüber hinaus scheint eine bestimmte Genvariante ständig wiederkehrende Infektionen zu begünstigen.

Der Hormonspiegel spielt ebenfalls eine Rolle: "Hefepilze brauchen Östrogene, um sich in der Scheide wohlzufühlen", erklärt Mendling. Eine gute Nachricht für Frauen nach den Wechseljahren, die keine Hormonpräparate einnehmen: Sie leiden sehr selten an den lästigen Infektionen. Ebenso bleiben Mädchen, die noch nicht in der Pubertät sind, davon verschont.

Häufigster Auslöser: Stress

Seit etwa zehn Jahren weiß man, dass vor allem psychosozialer Stress die Infektionen auslöst. "Frauen berichten häufig, dass sie einen Scheidenpilz bekommen, wenn sie unter Stress stehen", berichtet Mendling. Die Pilze an sich stellen kein Problem dar. "Bei etwa der Hälfte aller gesunden Frauen findet man sie", sagt er. Solange die körpereigenen Abwehrmechanismen funktionieren, stuft der Organismus sie nicht unbedingt als Fremdkörper ein. Pilze und Bakterien zu haben ist also ganz normal.

Insofern kann man die Infektion nicht beim Sex übertragen – lediglich die Pilze werden weitergegeben. Auch im Schwimmbad, in der Sauna oder im Whirlpool ist es nicht möglich, sich eine Genitalpilzinfektion einzufangen. Gechlortes Wasser kann allerdings die ohnehin schon empfindliche Haut an der Vulva irritieren, sodass bereits vorhandene Pilze spürbar werden.

Schützende Lactobazillen

Die Scheidenhaut wehrt ebenfalls Erreger ab, so Frauenarzt Mendling. Sie steht im Wechselspiel mit den schützenden Laktobazillen. Wird es gestört, können Pilze leichter in die Oberfläche der Scheidenhaut eindringen. In der Folge juckt es, und die Haut rötet sich.

Hilfreich sind dann schützende Fettsalben. Vaseline eignet sich nicht, sie lässt die Haut nicht atmen. Wer will, kann Zäpfchen mit Milchsäurebakterien verwenden. Sie sollen Schleimhaut und Scheidenflora stärken und entzündungshemmend wirken.

Und natürlich ist angemessene Hygiene im Intimbereich angesagt. Lauwarmes Wasser verwenden, besser keine Seife. Dann sollte nach drei Tagen alles vorbei sein.


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