Scheidenausfluss: Wann zum Arzt?

Schützendes Sekret oder Symptom einer Krankheit: Der Scheidenausfluss verändert sich manchmal. Was ist normal, und wann sollten Frauen besser zum Arzt gehen?

von Silke Droll, 23.05.2018

Bei ungewöhnlichem Vaginalsekret nicht schämen, sondern besser den Arzt aufsuchen


Tritt Sekret aus der Scheide aus, empfinden das Frauen mitunter als unangenehm, vielleicht sogar als eklig. Doch der Zervixschleim, wie Mediziner die Flüssigkeit nennen, erfüllt wichtige Funktionen.

Gebildet wird das durchsichtige Sekret von Drüsen am Gebärmutterhals (Zervix) und von Zellen der Vagina. Es schützt die empfindliche Schleimhaut der Scheide vor Infektionen. Mit dem Sekret werden Keime sowie alte Hautzellen ausgeschwemmt.

Hilfreiches Glykogen

Bestimmte Inhaltsstoffe verstärken die Schutzfunktion noch, zum Beispiel Glykogen. "Der Vielfachzucker ist das ideale Nährmedium für die zur gesunden Scheidenflora gehörenden Keime", sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte.

Das Glykogen wird außerdem zu Milchsäure umgewandelt und erzeugt so einen sauren pH-Wert von 4 bis 4,5. Dieses Milieu verhindert, dass sich krank machende Keime vermehren und in die Gebärmutter oder den Eileiter wandern.

Schutz beim Geschlechtsverkehr

Beim Geschlechtsverkehr dient der Zervixschleim ebenfalls als Schutz. Ist eine Frau sexuell erregt, bildet sich vermehrt Sekret am Scheideneingang. "Es dient als Gleitschicht zwischen Penis und Vaginalwand. So können keine Risse in der Vagina entstehen", sagt Albring.

Nach den Wechseljahren wird der Schleim weniger oder verschwindet ganz. Eine trockene Scheide fühlt sich häufig unangenehm an – vor allem beim Sex. Gynäkologen empfehlen betroffenen Frauen Befeuchtungscremes.

Wegbereiter für Spermien

Eine große Rolle spielt der Zervixschleim bei einer Befruchtung. In den Tagen vor dem Eisprung wird das ­Sekret klarer, flüssiger, ähnlich wie ­Eiklar. Die gute Befeuchtung hilft Spermien auf ihrem Weg zur Eizelle.

"Sie müssen ja vom Gebärmutterhals bis zum Eierstock, das ist ein ordent­licher Weg", sagt Dr. Lisa-Maria Wallwiener, Frauenärztin am Klinikum der Universität München. "Außerdem finden sie im Gebärmutterhals-Schleim alle Nährstoffe, die sie brauchen, und können sich damit bis zu fünf Tage lang halten." Wer schwanger werden will, kann anhand von Ausfluss und Körpertemperatur das fruchtbare Zeitfenster ermitteln.

Das erste Mal

Mädchen bemerken meist etwa ein Jahr vor ihrer ersten Periode einen Ausfluss. "Das ist das Zeichen dafür, dass die hormonelle Maschine anläuft", sagt Expertin Wallwiener. Das Sekret ist dann noch nicht transparent, sondern eher weißlich. "Für ­Eltern ist das ein guter Zeitpunkt, um mit ihren Töchtern über die Themen Periode, Fruchtbarkeit und Verhütung zu sprechen", so Wallwiener.

Die Menge an Scheidensekret kann sich von Frau zu Frau stark unterscheiden und ist von der hormonellen Situation abhängig. Sie schwankt innerhalb des Zyklus, nimmt in der Pubertät, bei hormoneller Verhütung sowie in der Schwangerschaft zu.

Tipps zur Intimhygiene

Normalerweise hat das Sekret nur einen sehr milden Geruch. "Er hängt auch ab von der Intimhygiene", betont Gynäkologe Albring. "Eine täg­liche Reinigung mit Wasser sollte selbstverständlich sein. Zwischen den Schamlippen ohne Seife."

Intimwaschlotionen halten Experten für überflüssig. Mitunter stören sie die Vaginalflora sogar und führen zu ­­vermehrtem Ausfluss. Auch Gleitmittel und spermienabtötende Präparate können die Scheide reizen und den Ausfluss verändern.

Signal für Arztbesuch

Generell gilt: Wechselt das Sekret seine Farbe oder seinen Geruch, sollten Frauen die Ursache beim Gynäkologen abklären lassen. "Selbstversuche mit Spülungen, Joghurt oder Ölen in der Vagina sind grundsätzlich abzulehnen", sagt Gynäkologe Albring.

Eine grünliche Färbung etwa kann auf eine bakterielle Infektion hindeuten, weiß-krümeliger Ausfluss auf eine Pilzinfektion. Sexuell übertragbare Krankheiten wie Chlamydien, Genitalherpes, Trichomonaden und weitere Infektionen verursachen manchmal einen fischigen Geruch.

Eine rosa-bräunliche Färbung des Scheidensekrets weist eventuell auf ein erfreuliches Ereignis hin. Ärztin Wallwiener: "Das kann eine leichte Blutung sein, die bei der Einnistung eines Embryos in die Gebärmutter auftritt."