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Spezifischer Rückenschmerz: Ursachen abklären und behandeln

Wenn angeborene oder erworbene Erkrankungen der Wirbelsäule oder anderer Organe zu Rückenschmerzen führen, nennen Ärzte die Schmerzen spezifisch. Gezielte Therapien können den Verlauf günstig beeinflussen

aktualisiert am 30.01.2019
Mann im Büro hat Rückenschmerzen

Anhaltende Rückenschmerzen in jüngeren Jahren: Am besten abklären lassen


Dass echte Rückenleiden oft schmerzhaft sind, überrascht kaum, eher schon, dass auch andere Störungen Rückenschmerzen verursachen können. Spezifische Rückenschmerzen stellen nur einen kleinen Anteil an der Gesamtheit aller Rückenschmerzen dar. Dafür können sie umso schwerwiegender sein. Hier mehr zu den wichtigsten Ursachen.

  • Rückenweh in jungen Jahren: Was kommt infrage?

Noch jung und schon "Rücken"? Durchaus. Muskelschwäche bei Bewegungsmangel, Überbelastungen im Leistungssport, zu viele Pfunde auf der Waage, dazu Stress in Schule und Freizeit: Alles dies hat dazu geführt, dass Rückenschmerzen bei jungen Leuten zunehmend ein Thema sind.

Leitsymptom Rundrücken: Scheuermann-Krankheit

An einen Morbus Scheuermann (Morbus, lat., Krankheit) zum Beispiel ist immer zu denken, wenn Jugendliche über Rückenschmerzen klagen. Die Krankheit ist ein Paradebeispiel für spezifische Rückenschmerzen, auch wenn der Rücken manchmal nur "verspannt" erscheint und dies als ein "funktionelles" Problem, etwa als Zeichen der Überbelastung des Rückgrats, wahrgenommen wird.

Zwar spielt das auch hier eine Rolle, aber der wahre Grund sind krankhafte Wachstumsstörungen. Wirbel wachsen unregelmäßig, was zu Verformungen führt. Die Randzonen der wachsenden Wirbelkörper sind teilweise weniger belastbar, sodass Bandscheibengewebe sich in den Wirbel hinein verlagert (sogenannte Schmorl-Knötchen, sichtbar in Röntgenbildern). Oft und vor allem anfangs bleibt die Krankheit aber unbemerkt.

Zu den auffälligsten Symptomen gehört ein Rundrücken (Kyphose) durch eine verstärkt nach hinten gekrümmte Brustwirbelsäule. Außerdem kann sich ein deutliches Hohlkreuz bilden, manchmal auch eine leichte Seitverbiegung der Wirbelsäule.

Betroffene klagen häufig über Muskelverspannungen im Rücken. Später können vermehrt Rückenschmerzen auftreten. Deutlich seltener erkrankt die Lendenwirbelsäule. Dann entstehen andere Verformungen, vor allem ein Flachrücken. Patienten mit dieser Form der Scheuermann-Krankheit sind meist noch anfälliger für Rückenschmerzen.

Die klassische Scheuermann-Krankheit kann durchaus milde verlaufen. Das andere Extrem: stärkere Verformungen mit letztlich unvermeidlichem Korrektureingriff (Aufrichtungsoperation).
Hier noch mehr Informationen zur "Scheuermann-Krankheit".

Andere Ursachen für einen Rundrücken im Kindes- und Jugendalter

Rundrückenbildungen können auch andere Ursachen haben, etwa angeborene Fehlbildungen, Rachitis, Bruchverletzungen, Sinterung von Wirbeln nach Knocheninfektionen (Spitzbuckelbildung), außerdem die Bechterew-Erkrankung (zu Letzterer siehe weiter unten).

Ausgesprochen selten, noch seltener an der Wirbelsäule, kommen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Krebserkrankungen des Skeletts vor. Mehr dazu ganz unten im Abschnitt "Betreffen alle Altersgruppen: Tumore an der Wirbelsäule".

Verbogen und verdreht: Skoliose

Bei einer Skoliose ist die Wirbelsäule zur Seite hin verbogen, die Wirbelkörper sind außerdem im gekrümmten Bereich verdreht. Typische Zeichen sind ein deutlich hervorstehendes Schulterblatt, ein Rippenbuckel und / oder ein Lendenwulst, das heißt ein vorgewölbter Muskelstrang.

Die häufigste Form ist die sogenannte idiopathische Skoliose, und zwar diejenige, die bei Mädchen in der Pubertät entsteht (Adoleszentenskoliose, Hauptkrümmung nach rechts). Idiopathisch bedeutet: Ursache unbekannt. Die Betroffenen haben meist keine Rückenschmerzen. Anders kann das später sein, wenn es vermehrt zu Verschleiß und Funktionsstörungen an der Wirbelsäule gekommen ist.

Skoliosen zeigen sich sehr unterschiedlich ausgeprägt. Leichte Formen müssen nicht grundsätzlich behandelt werden. In anderen Fällen ist eine Physiotherapie, manchmal auch eine zusätzliche Korsettbehandlung, empfehlenswert. Diese kann ein zu erwartendes Fortschreiten der Verformung aufhalten – solange die Wirbelsäule noch wächst. In schweren Fällen werden Ärzte eine Korrekturoperation vorschlagen.

Der Eingriff gehört in speziellen Wirbelsäulenzentren zum Alltag, ist aber dennoch nicht harmlos. Es gibt verschiedene Techniken mit häufig gutem Ergebnis. Die dabei vorgenommene Versteifung ist jedoch unwiderruflich. Sie beeinflusst die Dynamik der Wirbelsäule, die sich im Laufe des Lebens naturgemäß verändert.

Daher sollten die Betroffenen und ihre nahen Angehörigen sich vor der Operation ausführlich über die Vor- und Nachteile informieren. Der Ratgeber "Skoliose" beschreibt das Krankheitsbild und die Therapiemöglichkeiten ausführlich.

Ballerina

Wenn Wirbel "gleiten": Spondylolisthese

Wenn am Wirbelbogen – meist geht es um den fünften Lendenwirbel – ein Spalt entsteht, liegt eine Spondylolyse vor. Meist tritt die Veränderung beidseitug auf. Offenbar begünstigen anlagebedingte und mechanische Einflüsse den Defekt, der sich meistens im Verlauf der Kindheit und Jugend entwickelt. So kommen (neben einer anlagebdingten Komponente) zum Beispiel hohlkreuzfördernde Sportarten wie Delphinschwimmen, Speerwerfen oder Kunstturnen als Schubkräfte der Spaltbildung infrage.

Etwa die Hälfte aller Fälle mit Spondylolyse führt zu Wirbelgleiten (Spondylolisthese). Das bedeutet, dass sich der darüberliegende Wirbel graduell über den darunterliegenden nach vorne verlagert. Allerdings kann sich (in geringerem Umfang) ein Wirbel auch ohne Spalt verschieben, etwa bei ausgeprägtem Bandscheibenverschleiß (degeneratives Wirbelgleiten: Pseudospondylolisthese). Mögliche Begleiterscheinung: Arthrosen der kleinen Wirbelgelenke (siehe weiter unten).

Diese Variante ist in erster Linie ein Problem (älterer) Erwachsener, während echtes Wirbelgleiten auch schon Jugendliche plagen kann, in der Regel aber erst nach Abschluss des Wachstums. Bei Kindern mit höhergradiger Spondylolisthese wird meist ein korrigierender und stabilisierender Eingriff geplant. Bei Erwachsenen ist das Ausmaß der schmerzhaften Instabilität für die Therapieentscheidungen bedeutsam.

Anzeichen und Symptome: Nicht alle Betroffenen haben Beschwerden. Eine Spondylolyse ist häufig ist ein Zufallsbefund. Bei (höhergradigem) Wirbelgleiten liegt ein deutliches Hohlkreuz vor (Hyperlordose), mitunter auch eine skoliotische Fehlhaltung oder, falls der Gleitwirbel sich dreht, eine Skoliose. Am unteren Rücken zeigt sich bei schlanken Menschen eine Grube, die der Stufenbildung zwischen den verschobenen Wirbeln entspricht ("Sprungschanzenphänomen"). Oft ist der fünfte Lendenwirbel druckschmerzhaft, die Muskulatur im Bereich der Lendenwirbelsäule ist verspannt oder verhärtet.

Alles dies führt zu tiefsitzenden Kreuzschmerzen nach längerem Sitzen oder bei bestimmten Bewegungen. Manchmal strahlen sie in das Gesäß, die Hüfte oder das Bein aus. Das kann, muss aber nicht auf eine Nervenwurzelreizung durch Verengungen am benachbarten Zwischenwirbelloch beziehungsweise im Wirbelkanal hinweisen, begünstigt durch das Wirbelgleiten (radikuläre Schmerzen).

Auch eine Pseudospondylolisthese (siehe oben) bei Bandscheibenverschleiß kann Schmerzen tief im Kreuz (auch mit Ausstrahlung in Richtung Bein) verursachen, etwa bei Drehbewegungen und Beugung beziehungsweise Streckung der Wirbelsäule nach hinten.
Zum Nachlesen gibt es den gleichnamigen Ratgeber "Spondylolisthesis (Wirbelgleiten)".

  • Entzündliche Rückenschmerzen – eine weitere Kategorie des spezifischen Rückenschmerzes

Verantwortlich kann ein Morbus Bechterew sein oder ein anderes Krankheitsbild mit Gelenk- und Wirbelentzündungen, also eine Spondyloarthritis (SPA). Die Abkürzung SPA steht für "seronegative Spondyloarthritis", Seronegativ heißt, dass sich trotz rheumaartiger Beschwerden keine Hinweise auf Rheuma im Blut finden, etwa bestimmte Antikörper.

In der Tat ist der Morbus Bechterew keine Autoimmunkrankheit, wird aber zu den rheumatischen Krankheiten gezählt. Der manchmal verwendete Zusatz "axial" bedeutet, dass es um die Wirbelsäule geht. Andererseits kommen manchmal Infektionen, zum Beispiel mit Bakterien, als Ursache von Entzündungen an der Wirbelsäule mit spezifischen Rückenschmerzen in Betracht. Zu diesen Themen nachfolgend mehr.

Rückenschmerzen

Schmerzen tief im Kreuz, Augenentzündung: Verdacht auf Bechterew-Krankheit

Der Morbus Bechterew führt zu Rückenschmerzen, die von einer Entzündung der Beckenfugen (Kreuzbein-Darmbeinfugen, Fachbegriff: Sakroiliitis) ausgehen. Die Erkrankung beginnt meist im späten Jugend- oder jungen Erwachsenenalter (17 bis 45 Jahre), seltener im Kindesalter oder erst im späteren Leben. Häufig liegt ein bestimmtes Zellmerkmal namens HLA-B27 vor, das sich im Blut bestimmen lässt. Auch ein Antikörper namens Anti-CD74 wird manchmal bestimmt. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Zu den typischen Symptomen gehören Schmerzen und Steifheitsgefühl tief im Kreuz und Gesäß, die sich über Monate entwickeln. Manchmal werden sie zunächst nur auf einer Körperseite empfunden. Die Beschwerden sind nachts und morgens am stärksten, oft stören sie den Schlaf in der zweiten Nachthälfte. Nach den ersten Bewegungen morgens oder im Laufe des Tages lassen sie meist nach. Auch am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule treten häufiger Schmerzen auf.

Bei Frauen beginnen die Schmerzen mitunter im Nacken. Wenn sich Sehnenansätze entzünden, können außerdem Schmerzen an den Fersen, Knien, Hüften, Ellbogen oder Schultern auftreten. Das kommt eher bei Jugendlichen mit Bechterew-Krankheit vor und führt manchmal zu Verwechslungen mit Gelenkrheuma (rheumatoide Arthritis). Noch mehr gilt das für Entzündungen von Gliedmaßengelenken, unter denen etwa ein Drittel der Betroffenen leidet. Viele Bechterew-Patienten machen zumindest einmal im Laufe der Zeit eine Augenentzündung (Uveitis) durch. Anzeichen hier: gerötete Augen, Augenschmerzen, unterschiedlich stark ausgeprägte Sehstörungen und vermehrt lichtempfindliche Augen.
Der Ratgeber "Morbus Bechterew" informiert Sie ausführlicher über die Krankheit einschließlich Diagnose und Therapie.

Es gibt noch weitere seronegative (axiale) Spondyloarthritiden als mögliche Ursachen von Rückenschmerzen, etwa eine Psoriasisarthritis. Diese Gelenkentzündung kommt bei Schuppenflechte (Psoriasis) vor, meist aber erst Jahre, nachdem die Hautkrankheit aufgetreten ist. Auch nach einem Infekt können sich Gelenke entzünden (reaktive Arthritis vom Typ Morbus Reiter). Oder bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (enteropathische Arthritis).

Neben Gliedmaßengelenken können gemäß der Definition einer SPA jeweils Wirbelsäule und Beckenfugen erkranken (Sakroiliitis), womit entzündliche Rücken- und Kreuzschmerzen programmiert sind.

Illustration

Andere Entzündungen am Rückgrat

Wenn Krankheitserreger, zumeist Bakterien, Wirbel oder Bandscheiben befallen, was nicht häufig vorkommt, entsteht dort durch die Infektion eine Entzündung: eine Knochen(mark)entzündung (Osteomyelitis) eines Wirbels (auch Spondylitis), eine Bandscheibenentzündung (Discitis intervertebralis) oder beides (Spondylodiszitis). Die Folgen sind akute, manchmal chronische, je nach Art der Infektion und Abwehrlage des Patienten mitunter auch nahezu "stumme" Krankheitsbilder. Auch heute noch gehört die Osteomyelitis zu den gefürchteten Krankheiten.

Denn mitunter kann sich die Behandlung hier schwierig und langwierig gestalten. Es kann zu Komplikationen wie eitriger Gewebeeinschmelzung (Abszess) oder zu Rückfällen kommen. Nichtansprechen eines Erregers auf geeignete Antibiotika (Resistenz) spielt auchl eine wichtige Rolle. Manchmal verläuft eine Osteomyelitis von Anfang an chronisch.

Im Kindesalter sind mitunter Infektionsherde, etwa ein entzündeter Blinddarm, Ausgangspunkt einer Knochenentzündung. Dabei gelangen Keime über das Blut in den Knochen. Derartige "hämatogene", innere Infektionswege im Körper sind heute eher die Ausnahme. Bei Erwachsenen begünstigt vor allem Abwehrschwäche, etwa bei Dämpfung des Immunsystems durch Medikamente, (Knochen-)Infektionen. Über das Blut kann es selten auch zu einer Knochentuberkulose kommen. Die Erstinfektion, ihrerseits keineswegs alltäglich, kann Jahre zurückliegen. Tuberkulose-Erreger gehören zu sogenannten spezifischen Keimen.

Äußere Eintrittspforten für bakterielle Wirbelinfektionen sind offene Verletzungen, Injektionsbehandlungen, chirurgische Eingriffe an der Wirbelsäule sowie Operationswunden. Bei diesen exogenen Infektionen spielen Hautkeime eine führende Rolle.

Zu möglichen Symptomen bei bakteriellen Wirbelenzündungen zählen je nach Ursache heftige Rückenschmerzen, im Stehen oder beim Gehen noch zunehmend, aber auch in Ruhe stark ausgeprägt. Es zeigt sich außerdem meist eine deutliche Druck- und Klopfschmerzhaftigkeit der Wirbelsäule, manchmal auch eine äußerlich sichtbare Rötung und Schwellung im betroffenen Bereich.

Dazu kommen bei akuten Infektionen Krankheitsgefühl, Schwäche, Fieber und Schüttelfrost (Notfall, Notruf 112). Chronische Knocheninfektionen können vergleichsweise beschwerdearm verlaufen, daher zunächst als Verschleißproblem durchgehen. Noch Jahre nach einem medizinischen Eingriff am Knochen können sie sich erstmals bemerkbar machen oder plötzlich wieder aufflammen.

Mehr über die "Osteomyelitis" lesen Sie hier.

- Eine besondere Form der chronischen Knochenentzündung ist die chronische, nicht bakterielle Osteomyelitis im Kindes- und Jugendalter. Meist findet sich die Entzündung im Schienbein, am Oberschenkelknochen, Schlüsselbein. Ist die Wirbelsäule betroffen, kommt es zu Rückenschmerzen. Auslösende Bakterien lassen sich nicht finden.

Es gibt Überlappungen mit den oben genannten SPA, zumal bei dem Krankheitsbild auch Hautveränderungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) oder Akne mit ausgeprägten Pusteln, manchmal auch Darm- und Augenentzündungen auftreten. Zuständig für die betroffenen Patienten sind Kinderrheumatologen.

  • Spezifische Rückenschmerzen bei Erwachsenen

Gelenkverschleiß und Abnutzungserscheinungen am Rückgrat betreffen früher oder später jeden von uns. An den Bandscheiben setzen sie übrigens schon frühzeitig ein, daher sind Bandscheibenprobleme bei jüngeren Erwachsenen gar nicht so selten.

Einige der weiter oben genannten Erkrankungen, etwa die Bechterew-Krankheit, treten zwar meist erst im Erwachsenenalter auf. Andere können die davon Betroffenen aber schon von jung auf begleiten, so etwa der Scheuermann-Rundrücken, eine Skoliose, ein Wirbelgleiten.

Je nach Krankheitsbild ist in der Spätphase neben Rückenschmerzen manchmal auch mit Bewegungseinschränkungen zu rechnen. Umso wichtiger können hier regelmäßige, passende Übungen sein, um die Wirbelsäule lange Zeit so beweglich wie möglich zu halten.

Seltene Stoffwechselerkrankung, die auf das Skelett zielt: Osteomalazie

Rachitis ist ein Problem des wachsenden, Osteomalazie das Analog des erwachsenen Skeletts. Mit anderen Worten: Rachitis betrifft Kinder, während an Osteomalazie Erwachsene erkranken, meist im mittleren und höheren Lebensalter. Sowohl Rachitis als auch Osteomalazie sind heute eher selten geworden.

Bekannteste Ursache ist (ernährungsbedingter) Vitamin-D-Mangel. Daneben können Störungen des Stoffwechsels oder des Aufbaus von Vitamin D und Probleme an den Nieren mit Veränderungen des Phosphatstoffwechsels verantwortlich sein. Vitamin-D-Mangel kann außerdem bei Darmerkrankungen auftreten, zum Beispiel bei einer Zöliakie. In der Folge ist jeweils die Härtung (Mineralisation) des Skeletts beeinträchtigt. Anders gesagt: Die Knochendichte ist vor allem hinsichtlich des Mineralanteils vermindert. Der Knochen ist weich und verbiegt sich leicht. In Verbindung mit Kalziummangel und entzündlichen Vorgängen kommt es aber bei Zöliakie häufiger zu einer Osteoporose (siehe unten).

Hauptsymptome der Osteomalazie sind Muskelschwäche und
-schmerzen, besonders auch Rückenschmerzen, sowie rasche Ermüdbarkeit der Muskulatur. Neben Beinachsenfehlern – X- und O-Beinen – als Folge der Knochenerweichung können sich – auch bei Erwachsenen – die Rippen verformen, sodass der Brustkorb die Form einer Glocke annimmt. Wie bei der Osteoporose (siehe unten), die nicht selten gemeinsam mit einer Osteomalazie auftritt, verformen sich die Wirbel durch schleichende Brüche. Das Ergebnis sind sogenannte Keil- und Fischwirbel. Eventuell entsteht ein Rundrücken (Kyphose).

Diagnose und Therapie der Osteomalazie (Vitamin-D-abhängige Formen): Neben Blutuntersuchungen – Bestimmung von Vitamin D, der Mineralien Kalzium und Phosphat (beide leicht erniedrigt, bei Nierenstörungen ist der Phosphatspiegel eher erhöht) und des "Markers" alkalische Phosphatase (meist erhöht) – sichert bei unklaren Befunden die feingewebliche Analyse einer kleinen Gewebeprobe aus dem Knochen die Diagnose. Mitunter lässt der Arzt den Spiegel des Parathormons im Blut (siehe weiter unten) und die Werte von Kalzium und Phosphat im Urin bestimmen. Röntgenbilder können sogenannte Loosersche Umbauzonen in den langen Röhrenknochen nachweisen. Das sind horizontale Aufhellungslinien mit verringerter Knochendichte an schleichenden Bruchstellen.

Konsequenterweise sieht die Therapie bei "ernährungsbedingtem" Vitamin-D-Mangel Erwachsener die Einnahme von Vitamin D vor (mindestens 800 IE, im Durchschnitt 1000 IE Vitamin D3 täglich; IE bedeutet Internationale Einheit). Eine ergänzende Behandlung gegen Knochenschwund wird bei begleitender Osteoporose praktiziert (siehe unten). Eine echte Osteomalazie bedarf einer intensivierten Therapie mit Vitamin D3 in speziell angepassten Dosierungen pro Zeit, bei Aufnahmestörungen in Form von Spritzen in einen Muskel. Bei Vitamin-D-Stoffwechseldefekten ist eine Behandlung mit stoffwechselaktiven Vitamin-D-Abkömmlingen wie Calcitriol notwendig.

Zugleich überwacht der Arzt den Kalziumspiegel im Blut und die Kalziumausscheidung im Urin. Ob zusätzlich die Einnahme von Kalzium nötig ist, wird der Arzt individuell entscheiden. Wichtig ist natürlich immer die Behandlung einer möglichen Grundkrankheit (zum Beispiel einer Darmerkrankung). Bei ausgeprägteren Verformungen im Bereich der Gliedmaßen kann ein korrigierender Eingriff angezeigt sein.

Zwei Frauen lachen

Frauenleiden, aber nicht nur: Osteoporose

Wenn die natürliche Balance im Knochen zwischen Aufbau und Abbau gestört ist, kann er an Substanz und Mineralgehalt (Gesamtdichte) verlieren und vermehrt brüchig werden. Schon ab etwa dem 35. Lebensjahr sinkt die Knochenmasse altersabhängig leicht. Frauen haben von vornherein eine niedrigere Knochenmasse als Männer.

Nach den Wechseljahren beschleunigt sich bei Frauen der Knochenabbau. Das Minus betrifft nun auch vermehrt die innere Struktur im Knochen, die Knochenbälkchen. Dadurch vermindert sich die Tragfähigkeit. Schuld daran ist der entstehende Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen, insbesondere der Östrogene.

Männer erkranken weniger als halb so oft an Osteoporose, im Schnitt auch erst zehn Jahre später und weniger stark, sofern nicht andere Erkrankungen das Knochensystem schwächen. Bei der klassischen primären Osteoporose sind Laborwerte wie Kalzium, Phosphat und alkalische Phospatase normal.

Neben einer speziellen, auf das Knochensystem zielenden Therapie sind eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium sowie regelmäßige körperliche Bewegung und Nichtrauchen wichtig. Unter dem Einfluss bestimmter Medikamente, bei einer Überfunktion der Schilddrüse oder Mangelernährung (Malabsorption) und zum Beispiel Mangel an Kalzium und Vitamin D kann es zu einer Folgeosteoporose (sekundäre From) kommen.

Symptome: Typische Zeichen der Osteoporose sind Knochenbrüche aus geringfügigem Anlass, vor allem der Wirbel und des Oberschenkelknochens. Wirbelbrüche können erhebliche Rückenschmerzen verursachen, zum einen durch das Sintern der Wirbel selbst, zum anderen durch die Schonhaltung, die den Rücken überanstrengt. Manchmal verlaufen die Wirbelschäden eher schleichend und bereiten kaum Beschwerden. Eine Abnahme der Körpergröße – manchmal um mehrere Zentimeter –, ein Rundrücken und Hautfalten am Rücken ("Tannenbaumphänomen") sind weitere Hinweise auf die Krankheit.

Im Ratgeber "Osteoporose" lesen Sie mehr über den Knochenschwund und was sich dagegen tun lässt.

Schilddrüse (Schematische Darstellung)

Überfunktion der Nebenschilddrüsen

An der Rückseite der Schilddrüse sitzen auf beiden Seiten oben und unten die vier reiskorngroßen Nebenschilddrüsen. Ihr Parathormon sorgt dafür, dass das Kalzium im Blut konstant bleibt. Das Mineral ist lebensnotwendig – nicht nur für das Skelett, sondern beispielsweise auch für die Herz- und Muskeltätigkeit. Sind die winzigen Drüsen krankhaft überaktiv (Hyperparathyreoidismus), steigt der Kalziumwert im Blut unkontrolliert. Das kommt teilweise dadurch zustande, dass die Nieren mehr Kalzium zurückhalten. Vor allem aber geben die Knochen vermehrt Kalzium ans Blut ab. Der Überschuss sucht sich neue Wege: Kalzium kristallisiert beispielsweise in den Nieren zu Steinen aus.

Symptome: So zahlreich die Ursachen einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen sein können, so vielfältig sind auch die Symptome, beispielsweise Muskelschwäche und -schmerzen, psychische Veränderungen wie Trugwahrnehmungen (Halluzinationen), im Extremfall ein Koma (hyperkalzämische Krise). Am Skelett kann die Stoffwechselstörung zu Defekten im Knochen (Osteolysen) führen. Die Höhlen oder Zysten werden von entzündlich wucherndem Bindegewebe aufgefüllt. Die betroffenen Knochen, gerade auch die Wirbel, sind dadurch mechanisch weniger belastbar und werden brüchig. Die Folgen: sinternde Wirbelkörper, Verkrümmungen der Wirbelsäule (verstärkte Kyphose, also Krümmung nach hinten), Rückenschmerzen.
Der Beitrag "Hyperparathyreoidismus" beschreibt die Hormonstörung näher.

Osteodystrophie deformans (Paget-Krankheit des Knochens)

Die Krankheit ist nach der Osteoporose die zweithäufigste Knochenerkrankung. Auch hier gehören Rückenschmerzen zu den häufigsten Symptomen. Weitere Bezeichnung der Krankheit: Ostitis deformans. Es kommt hier in bestimmten Skelettbereichen zu einem krankhaften Umbau und Entzündungen. In erster Linie betrifft dies das Becken, die Oberschenkelknochen, Schienbeine, den Schädel und die Lendenwirbel. An den erkrankten Stellen ist der Knochen "minderwertig", neigt zu Verbiegungen und Verdickungen, manchmal auch zu Brüchen. Das kann Gelenk- und Nervenschäden sowie Schmerzen mit sich bringen.

Es erkranken häufiger Männer – nach dem 40. oder 50. Lebensjahr – als Frauen. Die Ursache der Erkrankung ist unklar. In etwa 30 Prozent der Fälle kommt eine bestimmte Genveränderung vor. Zur Debatte steht teilweise auch eine Virusinfektion. Die eigentlich gutartige Knochenerkrankung kann selten in einen Knochenkrebs übergehen (zum Beispiel in ein Osteosarkom, siehe weiter unten, Abschnitt "Betreffen alle Altersgruppen: Tumore an der Wirbelsäule").

Symptome: Bei einem Teil der Patienten verläuft der "Knochen-Paget" in Bezug auf das Knochensystem symptomlos und wird dann höchstens zufällig oder nach dem erstmaligen Auftreten von Schmerzen festgestellt, wenn es durch die langsam fortschreitende Erkrankung zu stärkeren Veränderungen in den erkrankten Skelettabschnitten gekommen ist. Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Anzeichen. Verdickte Lendenwirbel können "Ischias-Beschwerden" (siehe weiter unten) auslösen, wenn sie die benachbarten Wurzeln des Ischiasnervs beengen und reizen. Ein typisches Symptom ist die Beobachtung, dass manchen Betroffenen eines Tages der Hut oder die Kappe nicht mehr passen. Oder dass sich die Beine verbiegen und verkürzen.

Diagnose: Röntgenbilder und Laborwerte wie erhöhte alkalische Knochenphosphatase und Feststellung eines Knochenabbau-Markers im Urin sind hilfreich für die Diagnose. Den Knochenumbau kann außerdem ein Knochenszintigramm aufzeigen. Gegebenenfalls ist eine Gewebeentnahme aus dem Knochen sinnvoll. Bei Tumorverdacht ist zudem ein bildgebendes Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, MRT) üblich.

Therapie: Die Therapie hat zum Ziel, Schmerzen zu bessern, fortschreitende Knochenveränderungen zu verhindern und damit auch Komplikationen wie Verformungen am Skelett und Brüchen vorzubeugen. Bewährte Arzneistoffe sind Bisphosphonate, dazu Kalzium und Vitamin D. Dabei ist ein zeitlicher Abstand zwischen den Medikamenten einzuhalten, falls das Bisphosphonat nicht gespritzt, sondern ebenfalls eingenommen wird. Die genauen Dosierungen und Behandlungszeiträume legt der behandelnde Arzt fest. Bei Bedarf helfen mechanische Stützen (Orthesen, Korsett). Auch Physiotherapie (Krankengymnastik) und physikalische Therapie (außer Wärme!, die erkrankten Skelettbereiche sind bereits überwärmt) gehören zur Therapie. Knochenbrüche und Fehlstellungen von Gelenken erfordern stabilisierende und korrigierende Maßnahmen.

Frau beim Arzt

Wenn’s plötzlich klemmt: Blockierungen der Lendenwirbel und Iliosakralgelenke, Störungen der Muskeln und Faszien

Die kleinen Wirbel- oder Facettengelenke des Rückgrats steuern und begrenzen die Bewegung der Wirbel untereinander. Auf den jeweiligen Wirbelsäulenetagen unterstützen sie auch die Beugung der Wirbelsäule nach vorne und hinten oder das Seitneigen und die (im Bereich der Lendenwirbelsäule nur geringfügig möglichen) Drehbewegungen (Rotation). Das heißt, neben den elastisch-festen Verbindungen zwischen den Bandscheiben und Wirbelkörpern stellen sie eine weitere, wichtige Voraussetzung für die Beweglichkeit des Rückens dar.

Chronische Fehlbelastung wie auch akute Überbeanspruchung können das mechanische Gleichgewicht stören: Die an der Belastungsgrenze angekommenen Muskeln blockieren das zugehörige Gelenk (siehe Abschnitt "Was die Bewegungssegmente leisten", Kapitel "Aufbau der Wirbelsäule und wie hier Schmerzen entstehen"). Dies passiert vor allem auf der Ebene der Lendenwirbelsäule und geht in die Richtung dessen, was oft als Hexenschuss bezeichnet wird. Der Arzt stellt die Diagnose in der Regel klinisch. Krankhafte strukturelle Veränderungen, zum Beispiel eine Wirbelgelenkarthrose (siehe nachfolgend) wird er ausschließen.

Die Iliosakralgelenke (ISG) im Beckenbereich verbinden das Kreuzbein mit dem Darmbein- beziehungsweise Hüftbein des Beckens und bilden im weitesten Sinne eine Brücke zwischen Wirbelsäule und Hüftgelenk. Allerdings sind die ISG, vereinfacht auch Beckengelenke genannt, aus anatomischen Gründen kaum beweglich, sodass oft von Halbgelenken die Rede ist.

Besonders die Bänder all dieser Gelenke tragen einen nicht geringen Teil der auf die Lendenwirbelsäule einwirkenden Last mit. Kein Wunder also, dass es auch hier leicht zu Funktionsstörungen kommen kann. Muskeln, Faszien, Bänder und Sehnen reagieren bei Überbeanspruchung gereizt, bis Bewegungen nur noch unter Schmerzen möglich sind. Blockierungen sowie Störungen der Muskeln und faszien können für sich genommen auftreten oder eine andere spezifische Rückenschmerzerkrankung begleiten.

Bei der Diagnose und Therapie kommen unter anderem manualmedizinische Techniken und je nach Ursache spezielle Behandlungsmaßnahmen zum Einsatz. Zeichnet sich eine Tendenz zur Entwicklung einer chronischen Funktions- und Schmerzstörung am Rücken ab, kann eine multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein (mehr dazu auch im Kapitel" Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Ursachen, Diagnose, Therapie").

Rückenschmerzen

Verschleißerkrankung Wirbelsäulenarthrose

Wirbelsäulenarthrose oder Spondylarthrose betrifft die Facettengelenke. Die kleinen Gelenke, auch Wirbelbogengelenke genannt, verbinden die Wirbel rückseitig nach oben und unten miteinander. Nach vorne stellen die Bandscheiben eine fest-elastische Verbindung zwischen den Wirbelkörpern her. Die Stabilität ist also doppelt gesichert, wobei zahlreiche Bänder die Gelenkverbindungen festigen und Muskeln das System insgesamt stärken.

Arthrose tritt vor allem an der stark belasteten Lendenwirbelsäule auf, in zweiter Linie an der Halswirbelsäule. Die Überlastung von Muskeln und Bändern, aber auch eine Instabilität bei Wirbelgleiten oder Bandscheibenschäden setzt die Gelenkflächen und den angrenzenden Knochen der Wirbel unter Druck. Es kommt zum Verschleiß des Gelenkknorpels, zu Knochenabrieb und Reizzuständen wie bei jeder anderen Arthrose auch (Spondylarthrose).

Ersatzmäßig bildet sich an den Facettengelenken neuer Knochen in Form von Randzacken und Spornen (Spondylose). Das ist aber eher von Nachteil, denn so können die Wirbelgelenke sich verdicken und die Durchtrittsstellen für die Rückenmarksnerven einengen.

Wenn Bandscheiben verschleißen – prinzipiell ein alterungsübliches Phänomen – und an Höhe verlieren, kann dies ein degeneratives Pseudo-Wirbelgleiten nach sich ziehen (siehe oben: Pseudospondylolisthese). Echtes wie Pseudo-Wirbelgleiten kann die Arthrose an den Facettengelenken verstärken. Eine aktive, entzündliche Arthrose ist auch an der Wirbelsäule schmerzhaft.

Symptome: Möglich ist "alles" – von mäßiger Druckempfindlichkeit im Bereich der betroffenen Lendenwirbeldornen bei der ärztlichen Untersuchung über Schmerzen morgens nach dem Aufstehen und morgendlicher Steifigkeit des Rückens bis hin zu hartnäckigen Schmerzen, vor allem bei Belastungen wie längeres Stehen oder Gehen (sogenanntes lumbales Facettensyndrom). Bücken oder Beugen beziehungsweise Strecken der Wirbelsäule nach hinten kann die Beschwerden verstärken. Beim Beugen nach vorne und im Liegen lassen sie häufig nach.

Die Schmerzen können auch in das Gesäß, die Leiste oder auch seitlich ins Bein bis zur Wade ausstrahlen. Dabei wird der Arzt genau prüfen, ob es Hinweise für eine Nervenwurzelreizung gibt oder nicht. Sehr große Knochenwülste an den Facettengelenken zum Beispiel können die Nervenwurzeln am Lendenwirbelkanal durchaus beengen (vgl. weiter unten, Anschnitt "Bandscheiben auf Wanderschaft...": "Wurzelkompressionssyndrom", "Spinalkanalstenose").

Diagnose: Die Art der Beschwerden und der ausführliche körperliche Untersuchungsbefund ergeben meist die Diagnose. Weitere Untersuchungen, etwa bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, kurz: MRT), um das Rückenmark, die Nervenwurzeln, Nervendurchtrittsöffnungen, Wirbel und Bandscheiben genauer zu beurteilen, können die Diagnose stützen. Bei kurzfristiger Zunahme von Schmerzen oder deutlichen Beschwerden, die trotz angemessener Behandlung über ein bis zwei Monate weiterbestehen, sind diese technischen Untersuchungen unerlässlich (siehe unten).

Therapie: Häufig wird der Arzt zunächst zunächst eine konservative Therapie mit einem geeigneten entzündungshemmenden Medikament wählen. Gegebenenfalls setzt er auch ein muskelentspannenden Medikament (Muskelrelaxans) ein. Nach Abklingen des akuten Schmerzbildes ist im Allgemeinen eine muskelaufbauende Physiotherapie empfehlenswert.

Sogenannte perkutane Schmerztherapien umfassen Injektionen ins oder nahe ans Wirbelgelenk. Dazu gehören Facettengelenkinfiltrationen mit einem örtlich betäubenden Mittel unter bildgebender Kontrolle (Röntgen-Durchleuchtung oder Computertomografie; mitunter werden die Injektionen auch ultraschallgeleitet durchgeführt) und die Verödung des Facettengelenks (Denervierung) mittels Radiofrequenz.

Ergänzende Informationen zu den Behandlungsmöglichkeiten gibt das Kapitel "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien".

Schematische Darstellung von einem Bandscheibenvorfall
  • Engpass im Wirbelkanal: Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose, Wirbelgelenkzyste

Bei einem Bandscheibenvorfall kann es eng werden im Wirbelkanal. Auch knöcherne Anbauten an den Wirbeln (Randzacken und Sporne, Spondylose, siehe oben) und verdickte Bänder – eine Reaktion auf den Verschleiß an der Wirbelsäule – können den Rückenmarkskanal einengen.

Eine solche Enge heißt Spinalkanalstenose. Dabei kann auch eine hier abgehende Nervenwurzel beeinträchtigt werden.

Beides – Bandscheibenvorfälle und Spinalkanalstenosen – betreffen neben der Halswirbelsäule auch häufig die Lendenwirbelsäule.

Bandscheiben auf Wanderschaft: Unschöne Vorfälle

Bandscheiben wirken als Stoßdämpfer und halten die Wirbelsäule elastisch. Da die Scheiben zwischen den Wirbelkörpern selbst nicht durchblutet werden, neigen sie schon recht früh zur Abnutzung (Degeneration), vor allem bei Überlastung.

Die Quellfähigkeit des Kerns in der Bandscheibe nimmt im Laufe des Lebens natürlicherweise ab, er trocknet aus. Die Bandscheibe verliert an Höhe. Der auf ihr lastende Druck verteilt sich nun ungünstiger, sodass der den Kern umgebende Faserring leichter verschleißt: Er wird brüchig und bildet kleine Einrisse, in die bei entsprechendem Druck Material aus dem Kern entweichen kann.

Der Faserring ist besonders im rückwärts gelegenen Bereich gut mit schmerzempfindlichen Nervenfasern ausgestattet. Sie haben auch Verbindungen zum hinteren Längsband. Dieses ist fest mit der Bandscheibe verbunden und bei Bandscheibenvorfällen in der Regel mitbetroffen.

! Tipps zur Vorbeugung von Bandscheibenschäden

Nährflüssigkeit erreicht das Bandscheibengewebe im Wesentlichen bei Bewegungen und in entlastender Liegeposition gut. Daher belastende Haltungen regelmäßig unterbrechen, eine andere Position einnehmen, "muskelaktiv" sitzen. Ideal, wenn man sich zwischendurch kurz in der Horizontalen strecken kann. Eventuell Nacken, Kreuz und Knie mit kleinen Kissen oder aufgerollten Handtüchern stützen.

Achtung: Durch Flüssigkeitsaufnahme in die Bandscheibe, die vor allem in der Ruhelage, also normalerweise nachts stattfindet, kann bei bestehender Protrusion ein Nachtschmerz auftreten, da die Vorwölbung verstärkt wird. Umso wichtiger ist wiederholte Entlastung tagsüber.

An stärker ausgedünnten Stellen kann der Faserring einreißen, sodass Anteile aus dem Bandscheibenkern innerhalb des Faserrings verrutschen und dieser Teil sich vorwölbt (Protrusion). Den Rückseiten der Bandscheiben liegt, wie schon erwähnt, das hintere Längsband an. Es bildet zugleich die Vorderseite des Wirbelkanals. Schon bei leichten Vorwölbungen auch des recht schmerzempfindlichen und nicht sehr widerstandsfähigen Bandes können (müssen aber nicht!) deutliche Schmerzen im Kreuz (Lumbalgie) auftreten.

Das Band kann aber verhindern, dass vorgefallenes Bandscheibengewebe in der Mitte nach hinten, Richtung Rückenmarkkanal, gelangt. Meist landet das Material irgendwo seitlich, wo noch eher etwas Platz ist.

Wenn das vorgewölbte Bandscheibengewebe über den Faserring hinausreicht, handelt es sich um einen Bandscheibenvorfall (gedeckter Prolaps, auch Hernie, nach R. Krämer, 2005). Bei einem Vorfall durch das hintere Längsband hindurch kann die Verbindung zwischen dem Polaps und der restlichen Bandscheibe erhalten bleiben oder getrennt werden (freier Sequester).

Es gibt also unterschiedliche Formen von Bandscheibenvorfällen. Ob sie die Nervenwurzel beengen (Fachbegriff: Wurzelkompressionssyndrom), ist variabel. Jedenfalls wurde festgestellt, dass über die Hälfte aller nachgewiesenen Bandscheibenhernien keine Beschwerden machen. Mechanischer Druck allein muss noch keine Schmerzen an der Nervenwurzel auslösen. Die Schmerzentstehung ist komplex, entzündliche Vorgänge spielen dabei offenbar eine wichtige Rolle.

Symptome (Bandscheibenvorfall Lendenwirbelsäule): Oftmals breitet sich ein Lumbalgie-Schmerz gürtelförmig bis zum Bauch aus. Die Muskulatur ist reflektorisch bretthart und steif, der Betroffene nimmt häufig eine leicht nach vorne-seitlich geneigte Schonhaltung ein (vgl. Abschnitt "Hexenschuss" im Kapitel "Nicht-spezifische Rückenschmerzen: Ursachen, Diagnose, Therapie" sowie Extra-Beitrag "Hexenschuss" auf unserem Gesundheitsportal).

Eine Reizung der Nervenwurzel – häufig ist der Ischiasnerv betroffen – treibt die Schmerzen via Gesäß ins Bein (sogenannter radikulärer Schmerz). Sich nach vorne beugen oder nahezu jede Körperhaltung ist ein Problem, der Betroffene weiß sich oft nicht mehr zu helfen. Gefühlsstörungen in bestimmten Bereichen – Kribbeln, Kältegefühl, herabgesetzte Sensibilität (Berührungsempfindlichkeit) sind möglich. Recht ähnliche Schmerzbilder bei einem Bandscheibenvorfall können allerindings auch ohne Reizung einer Nervenwurzel zustande kommen. Ärzte sprechen dann von pseudoradikulären Schmerzen.

Zunehmende beiseitige Muskellähmungen oder aber Taubheitsgefühle im Intimbereich ("Sattelanästhesie"), Störungen der Blase wie Kontrollverlust, auch Störungen der Mastdarm- und Sexualfunktion weisen auf ein Cauda-Syndrom hin: ein Notfall. Dabei ist es zur Schädigung von Nervenwurzeln im unteren Rückenmarkskanal gekommen. Das heißt: Es ist umgehend ein entlastender Eingriff erforderlich, um bleibende Funktionsstörungen zu vermeiden.

Die Beschwerden bei Bandscheibenschäden sind wie gesagt sehr variabel und hängen vom Einzelfall ab, beispielsweise vom verbliebenen Platz im Wirbelkanal und dessen Beschaffenheit. So gibt es Menschen, bei denen Untersuchungen der Lendenwirbelsäule einen deutlichen Bandscheibenvorfall zutage fördern, der bislang nie Beschwerden gemacht hat (siehe oben). Es kommt aber auch vor, dass jemand einen Bandscheibenvorfall und eine Spinalkanalstenose (siehe unten) hat. Selbst dann können die Beschwerden gering sein.

Reizungen des Ischiasnervs durch vorgefallenes Bandscheibengewebe brauchen meist einige Wochen, um wieder abzuklingen. Ist dem nicht so oder nehmen die Beschwerden zu, wird der Arzt die Diagnose überprüfen beziehungsweise weitere Schritte abwägen, zum Beispiel eine Behandlung mit sogenannten periduralen Injektionen. Grundsätzlich kann vorgefallenes Material im Laufe der Zeit schrumpfen, vernarben oder sogar "verknöchern". Dies dauert meist Monate oder Jahre. Die Verhältnisse am Wirbelkanal können sich also auch stabilisieren. Jedoch sind Rückfälle möglich. Im Beitrag "Bandscheibenvorfall" gibt es weiterführende Informationen.

Arzt hört Patienten ab

Spinalkanalstenose an der Lendenwirbelsäule

Spinalkanalstenose – das bedeutet eine anatomische Einengung des Rückenmarkkanals mit weniger Platz für Nerven und Gefäße. Die Einengung kann an verschiedenen Stellen liegen: mehr zur Mitte oder zum Rand hin oder an der Nervenaustrittsöffnung. Neben angeborenen Ursachen einer Spinalkanalstenose, die hier nicht näher beschrieben werden, stehen chronische Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule im Vordergrund. Das betrifft einmal die weiter oben dargestellte Degeneration der Bandscheiben.

An den Wirbeln bilden sich oft knöcherne Anbauten (Randzacken und Sporne). Es kommt zu Verdickungen der Bänder zwischen den Wirbelbögen und auch der Facettengelenke. Der Spinalkanal kann knöchern zuwachsen und die Zwischenwirbellöcher können eingeengt werden (siehe weiter oben, Abschnitt: "Wirbelsäulenarthrose").

Symptome (Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule): Typische Beschwerden sind anhaltende oder zunehmende Kreuzschmerzen. Abhängig von der Körperhaltung und körperlicher Belastung strahlen sie eigentlich immer in beide Beine aus.

Sie nehmen beim Gehen zu und sind mit Krämpfen, Kribbeln und Brennen, vor allem mit einem Schwächegefühl, eventuell auch vorübergehenden Taubheitsgefühlen im Bereich der Füße und Unterschenkel verbunden.

Dies nennt der Arzt neurogene Claudicatio oder Claudicatio intermittens spinalis (vorübergehendes, vom Rückgrat abhängiges Hinken).

Die Beschwerden zwingen den Betroffenen, stehen zu bleiben, bessern sich aber erst im Sitzen oder bei Beugung nach vorne, weil sich dann der beengte Spinalkanal etwas weitet (sogenannte Entlordosierung).

Typisch sind auch Schmerzen beim Bergab- oder Treppabgehen, während die Gegenrichtung – bergauf, treppauf – leichter fällt. In sehr schweren Fällen haben die Betroffenen sogar in Ruhelage Beschwerden.

Dass es in Verbindung mit den Schmerzen auch zu einem Conus-Cauda-Syndrom kommen kann, ist ein seltene, wenn auch sehr ernste Entwicklung (siehe oben, Abschnitt "Bandscheiben..., "Symptome:... Cauda-Syndrom...Notfall"). Mehr zu den Hintergründen im Ratgeber "Spinalkanalstenose (lumbale)".

Wirbelgelenkzyste (Synovialzyste an der Lendenwirbelsäule)

Im Zuge von Verschleißerscheinungen an den kleinen Wirbelgelenken entstehen selten Zysten an der entzündeten Gelenkinnenhaut (Synovialis). Sie können sich unter bestimmten Voraussetzungen in den Wirbelkanal vorstülpen und diesen, ähnlich wie vorgefallenes Bandscheibengewebe, einengen.

Das Krankheitsbild lässt sich sowohl der Wirbelgelenkarthrose als auch der Spinalkanalstenose zuordnen.

Zu den Symptomen gehören teilweise ausgeprägte Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung ins Bein, eventuell Gefühlsstörungen und Lähmungsanzeichen, also Beschwerden, wie sie auch bei einem Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelreizung vorkommen können. Die Symptome am Bein können manchmal auch ohne Rückenschmerzen auftreten.

Diagnose, Therapie: Die genaue Diagnose ergibt sich in der Regel aus der Anamnese (Arztgespräch, Krankengeschichte) und aus den bei der klinischen Untersuchung (körperliche Untersuchung, neurologische Untersuchung) sowie mittels Magnetresonanztomografie festgestellten Befunden.

Die Therapie umfasst zunächst eine Schmerzbehandlung. Sollten die Beschwerden nicht darauf ansprechen oder zunehmen, was häufig der Fall ist, wird die Zyste operativ entfernt. Der Eingriff behebt allerdings das Grundproblem, nämlich die bestehende Wirbelgelenkarthrose, nicht. 

Rückenverletzungen – vielfältige Folgen

Wirbelbrüche nach Verletzungen können akut und chronisch zu Verformungen der Wirbelsäule und damit verbunden zu Fehlstellungen, Fehlhaltungen und Rückenschmerzen führen.

Der Arzt wird den Schmerzauslösern nachgehen und versuchen, sie so gezielt wie möglich zu beeinflussen. Dabei richtet sich die Behandlung nach dem jeweiligen Befund. Es können auch Rehabilitationsmaßnahmen nötig werden.

Betreffen alle Altersgruppen, sind aber selten: Tumore an der Wirbelsäule

Geschwülste – gut- oder bösartige Tumoren – gibt es auch im Skelettsystem, darunter an der Wirbelsäule. Beide können von Strukturen des Rückgrats selbst ausgehen (primäre Geschwülste). Bösartige Gewebeneubildungen können aber auch von bösartigen Tumoren anderer Organe (Metastasen) abstammen.

Unter den primären Tumoren an der Wirbelsäule finden sich häufiger gutartige Neurinome (wachsen in Nervenhüllen, etwa an den Nervenwurzeln von Rückenmarksnerven), Meningeome der Rückenmarkshäute oder gutartige Zysten. An den Wirbelbögen können sich Osteoblastome bilden, in den Wirbelkörpern entstehen mitunter Knochenhämangiome, ausgehend von kleinsten Blutgefäßen.

Gutartige Geschwülste wachsen häufig langsam. Dennoch kann es wegen der Größenzunahme zu behandlungsbedürftigen Störungen kommen.

Zu den bösartigen Knochengeschwülsten, also Knochenkrebs, gehören Sarkome, zum Beispiel Osteosarkome (sie treten in erster Linie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, meist aber an langen Röhrenknochen) oder auch Plasmozytome. Insgesamt sind primäre bösartige Tumoren der Wirbelsäule eher selten.

Wie verhalten sich Skelettmetastasen? Sie gehen hauptsächlich von Brustkrebs, Lungen-, Prostata-, Nieren- und Schilddrüsenkrebs aus, also von Krebsgeschwülsten, die primär außerhalb des Skeletts entstanden sind. Nach Ansiedlung im Knochen wird aus den zunächst locker organisierten Zellen ein Verband.

Vom Primärtumor ausgehend ist dann eine Tochtergeschwulst entstanden. Sie kann die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) des umgebenden Knochens dazu veranlassen, wachstumsfördernde Stoffe zu bilden, von denen sie selbst profitiert, während örtliches Knochengewebe sich auflöst (osteolytische, den Wirbel schädigende Metastase).

Andererseits können Metastasen auch "osteoplastisch" wirken. Dabei verdichtet sich der Knochen an den erkrankten Stellen, allerdings "minderwertig". In beiden Fällen ist die Knochenbrüchigkeit erhöht, bei osteoplastischen Metastasen aber weniger.

Mögliche Symptome: Falls zum Beispiel die Lendenwirbelsäule oder das Becken von einem Tumor oder Metastasen befallen ist, sind Rückenschmerzen möglich, eventuell auch Sensibilitätsstörungen und Muskelschwächen. Die ausstrahlenden Beschwerden können als "Ischiassymptome" interpretiert werden, sind aber als solche spezifische Beschwerden und machen immer eine genaue Untersuchung notwendig. Akute Lähmungen oder Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion sind immer Notfälle (siehe oben, Abschnitte "Bandscheiben..." und "Spinalkanalstenose").

! Wichtig: Ein Wirbelbruch ohne adäquaten Verletzungshergang, aber zum Beispiel nach schwerem Heben, muss immer abgeklärt werden. Das liegt eher nahe, wenn starke Schmerzen vorhanden sind. Manchmal besteht nur ein Gefühl der Instabilität. Möglicherweise gibt es aber noch andere Anzeichen oder Hinweise, etwa Rückenschmerzen auch in Ruhe oder nachts, Größenabnahme, Appetitstörungen, Gewichtsverlust, auffallende Müdigkeit, Nachtschweiß. Eine Behandlung mit Kortison begünstigt zum Beispiel eine Osteoporose. Auch hier ist das Knochenbruchrisiko erhöht.

Diagnose und Therapie: Zur Diagnose zieht der Arzt den sorgfältig erhobenen körperlichen Untersuchungsbefund heran, sodann eine ausführliche Befragung zur Krankengeschichte, Blutanalysen, Röntgenaufnahmen, Schnittbildtechniken wie Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT).

Auch nuklearmedizinische Verfahren (Szintigrafie und Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die auch mit der CT kombiniert werden können (PET-CT), sind unter Umständen für die Diagnose wichtig.

Gutartige Geschwülste kontrolliert der Arzt regelmäßig und entfernt sie meistens nur bei sich abzeichnenden Komplikationen, beispielsweise wenn sie wegen Größenzunahme Beschwerden bereiten können. Bei bösartigen Geschwülsten und Metastasen richtet sich die Therapie nach den für die jeweilige Tumorart geltenden Regeln.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei bösartigen Erkrankungen haben inzwischen große Fortschritte gemacht. Dies reicht von chirurgischen Eingriffen oder endoskopischen und katheterbasierten Maßnahmen über Chemotherapien und gezielte Behandlungen mit neuen Substanzen bis hin zu strahlentherapeutischen und nuklearmedizinischen Verfahren.

Bei gefährdeter Skelettstabilität können spezielle Maßnahmen helfen, etwa Ruhigstellung im Gipsbett, Versorgung mit einer Orthese oder ein das Rückenmark schützender (entlastender beziehungsweise stabilisierender) Eingriff.

Chemotherapie kann zum Beispiel einen Tumor verkleinern, sodass er im Anschluss vollständig entfernt werden kann. Das durchgängige Konzept und die Planung der Therapie bei Tumorerkrankungen werden heute in Krebszentren mithilfe sogenannter Tumorboards, interdisziplinärer ärztlicher Arbeitsgruppen, festgelegt.

Fibromyalgie – typische Tender Points

Vielfältige Schmerzen und mehr: Fibromyalgie-Syndrom

Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist eine nicht entzündliche Erkrankung mit Schmerzen, die länger als drei Monate andauern und mehrere Körperbereiche betreffen. Sie wird auch als funktionelles somatisches Syndrom bezeichnet.

Darunter versteht man ein Zusammentreffen körperlicher Symptome über eine bestimmte Zeit bei Fehlen eines diese Symptome ursächlich erklärenden körperlichen Krankheitsfaktors.

Allerdings wurden vor einigen Jahren im Zusammenhang mit der Fibromyalgie Schädigungen kleiner Nervenfasern mit Veränderungen ihrer Dichte und Funktion beschrieben. Somit lässt sich das Fibromyalgie-Syndrom teilweise als neuropathische – also von den Nerven ausgehende – Erkrankung verstehen.

Rheumatische Erkrankungen, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel sowie traumatische Erfahrungen in der Kindheit und im Erwachsenenalter können die Krankheitsentwicklung begünstigen.

Symptome: Zu den Leitsymptomen gehören Schmerzen in mehreren Körperbereichen, zum Beispiel Gelenk- und Muskelschmerzen wechselnder Lokalisation, etwa am Rücken, an Beinen und Armen. Außerdem kann es zu Beschwerden an den Händen und zu Bauchschmerzen kommen.

Daneben treten Schlafstörungen beziehungsweise nicht erholsamer Schlaf und Müdigkeit oder Neigung zu geistiger oder körperlicher Erschöpfung auf. Das Krankheitsbild kann mit depressiven Störungen verbunden sein. Auch Beschwerden wie Kopfschmerzen, Beklemmungsgefühle, Darmunregelmäßigkeiten, verstärktes Schwitzen, kalte Hände, Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Herzjagen und Pulsunregelmäßigkeiten machen den Betroffenen häufiger zu schaffen.

Es sind dies aber alles Allgemeinsymptome, die für sich allein oder bei vielen anderen Krankheiten auftreten können und daher sorgfältig abgeklärt werden müssen. Auch spezielle Fragebögen tragen zur Klärung bei. Eine fachpsychotherapeutische Untersuchung ist empfehlenswert.

Der Ratgeber "Fibromyalgie-Syndrom" informiert Sie ausführlicher über das Krankheitsbild.

Weitere Ursachen von Rückenschmerzen

- Erkrankungen innerer Organe

Innere Krankheiten können mit Schmerzen einhergehen, die manchmal in den Rücken ausstrahlen. Mitunter werden sie dort sogar hauptsächlich empfunden, in einigen Fällen besonders im Kreuz oder in der Flanke. Typisches Beispiel für den Flankenschmerz sind Koliken durch Nierensteine, die über das Nierenbecken zum Harnleiter gelangt sind. Begleitend können Fieber und Schüttelfrost auftreten.

Auch andere akute Krankheitsentwicklungen – vom Herzinfarkt über einen Riss der Hauptschlagader (Aorta), etwa an einer ausgebuchteten Stelle (Aneurysma), oder eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung bis hin zur Gallenkolik – können mit ausgeprägten Rückenschmerzen einhergehen. Je nach Ursache liegt der Hauptschmerz hier in der Regel im Brustkorb beziehungsweise Oberbauch. Außerdem kann es im Akutfall zu mehr oder weniger ausgeprägten vegetativen Begleiterscheinungen kommen, zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Unruhe oder Schweißausbrüche. Ein Herzinfarkt oder ein eingerissenes Aortenaneurysma können einen akuten Kreislaufschock auslösen. In der Regel sind bei diesen Krankheiten, die einen Notfall darstellen, ein notfallmäßiger Gefäßeingriff und eine intensivmedizinische Betreuung in der Klinik notwendig.

Ein Zwerchfellbruch mit eingeklemmter Dickdarmschlinge gehört eher zu den seltenen Notfallereignissen. Leitsymptom hier sind starke Rückenschmerzen und Schulterschmerzen auf der betroffenen Seite.

- Frauenkrankheiten

Myome sind gutartige Wucherungen des Muskelgewebes (Myometrium) der Gebärmutter. Nicht immer bereiten sie Beschwerden. Zu den Leitsymptomen gehören Störungen der Monatsblutung (Menstruationsstörungen): deutlich verlängerte Blutungen, Zwischenblutungen oder Dauerblutungen. Je nach Größe, Anzahl und Lage der Geschwülste kann es durch Druck auf die Umgebung auch zu Symptomen wie Blasen- oder Darmentleerungsstörungen oder zu Kreuzschmerzen kommen.

Akute Unterleibserkrankungen bei Frauen wie Eileitererentzündung oder Eileiterschwangerschaft sind vor allem durch heftige bis hochakute Bauchschmerzen gekennzeichnet. Insbesondere die Eileiterschwangerschaft kann sich zu einem Notfall mit Schockgefahr entwickeln. Diese Aspekte stehen gegenüber möglichen Schmerzausstrahlungen in das Kreuz klar im Vordergrund.

Eine Eileiterentzündung verursacht nicht selten auch Fieber. In der Folge entstehende Narben können das Befinden in verschiedener Hinsicht stören, etwa in Form von Kreuzschmerzen, die häufig nach dem Geschlechtsverkehr auftreten.
- Neurologische Erkrankungen

Entzündungen der Nervenwurzeln (Polyradikulitis), Beispiel: Guillain-Barré-Syndrom: Polyradikulitis-Erkrankungen haben vielfältige Ursachen, darunter Infektionen mit Bakterien wie Borrelien (Borreliose) oder Herpes-Zoster-Viren. Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine mehr oder weniger akute Entzündung von Rückenmarkswurzeln (Polyradikulitis) und peripheren Nerven (Polyneuritis). Dabei kommt es zu entzündlichen Schäden an Nervenhüllen und / oder Nervenfortsätzen. Zu den Beschwerden gehören hartnäckige Rückenschmerzen. In der Hälfte der Fälle treten sie in der frühen Krankheitsphase auf.

Meist geht ein Atemwegsinfekt oder eine Durchfallerkrankung voraus, die aber bald wieder vergessen ist. Etwa zwei Wochen später sich können erste Anzeichen des GBS wie Muskelschwäche in den Beinen bemerkbar machen. Die genauen Zusammenhänge mit dem Infektionsgeschehen sind unklar, vermutlich spielen Immunvorgänge eine Rolle.

Symptome: Die häufigsten Formen der Erkrankung beginnen mit Lähmungen symmetrisch auf beiden Körperseiten, die in den Beinen beginnen, von ziehenden Rückenschmerzen begleitet werden und in Arme und Oberkörper aufsteigen können. Bei manchen Betroffenen erkranken auch Hirnnerven, seltener kommt es zu lebensbedrohlichen Funktionsstörungen wie Atemschwäche oder Herzproblemen. Das ist einer der Gründe, weshalb die Betroffenen auf einer Intensivstation behandelt und überwacht werden müssen.
Frühe Therapie mit Immunglobulinen oder einer speziellen Blutwäsche (Plasmapherese) kann die Erkrankung durchbrechen. Im Durchschnitt dauert es bis zur Beschwerdefreiheit etwa 66 Tage. Mitunter halten Störungen wie Muskelschwäche, seltener Schmerzen, länger an.