Rückenschmerz-Arten: unspezifisch oder spezifisch?

Bei Überlastung von Muskeln, Sehnen & Co. sind Rückenschmerzen unspezifisch. Entstehen sie durch Erkrankungen der Wirbelsäule oder andere Krankheiten, sind sie spezifisch. Mehr zu den Hintergründen
aktualisiert am 13.11.2017

Überbelastung unspezifisch: Snacks & Sitzen am laufenden Band. Das tut nicht gut, auch dem Rücken nicht

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Bei unspezifischen Rückenschmerzen: Ausgangspunkt in der Regel harmlos

Probleme mit der Wirbelsäule kommen in allen Altersgruppen vor. Die Mehrzahl der Betroffenen hat unspezifische Rückenschmerzen. Experten nennen sie auch nichtspezifisch oder funktionell: Sie sehen darin in erster Linie eine harmlose, vorübergehende Gesundheitsstörung und noch keine Krankheit –  eine zuverlässige Diagnose vorausgesetzt. Wichtig ist allerdings, dass die Beschwerden sich nicht festsetzen und chronisch werden (siehe Kapitel "Rückenschmerzen: Ein Überblick").

Die Schmerzen gehen von den weichen aktiven Bewegungselementen des Rückens aus – das ist, im Gegensatz zu den harten knöchernen Anteilen, nach derzeitiger Auffassung vor allem die Rückenmuskulatur. Es kommt hier zu Verspannungen, Verkürzungen oder Überdehnungen, Verhärtungen und Reizungen. Auch die passiven Haltestrukturen, Sehnen, Bänder und Faszien, können mit angegriffen sein.

Wer ist betroffen?

Unspezifische Beschwerden im Bereich des Rückens plagen recht häufig die Altersstufe der 30- bis 50-Jährigen. Doch sind inzwischen auch immer mehr Schüler – zwei von drei zwischen zehn und sechzehn Jahren –, Leidtragende. Mädchen geben bei entsprechenden Befragungen in verschiedenen Altersgruppen bis 17 Jahren häufiger Rückenschmerzen an als Jungen. Mehr noch machen Kindern und Jugendlichen nur Kopf-, Bauch- und Gliederschmerzen zu schaffen. Wobei die Rückenschmerzen im Erwachsenenalter zunehmend in den Vordergrund treten. Keineswegs lassen bei älteren Menschen Klagen über Rückenschmerzen nach. Im Unterschied zu jüngeren Jahrgängen werden aber häufiger stärkere Beschwerden angegeben.

Welche Ursachen gibt es?

An der Mehrzahl aller funktionell bedingten Schmerzen im Rücken sind Fehlbelastungen im Alltag schuld: Heben oder Tragen zu schwerer Lasten einschließlich überschüssiger eigener Pfunde, dauernde Überkopfarbeit (zum Beispiel Malerarbeiten), Tätigkeiten mit ständig gebeugtem Oberkörper oder häufigem Bücken, übertriebener Sport oder aber Bewegungsmangel. Sitzende Tätigkeit allein wird heute nicht mehr als relevante Ursache angesehen, es sei denn, es liegen deutliche ergonomische Fehler am Arbeitsplatz vor, also falsche Maße, fehlerhafte Positionierungen und Körperhaltungen, zum Beispiel auch durch unzureichend korrigierte Fehlsichtigkeit.

Meist hilfreich: Sanfte Aktivität und Entspannung

Unspezifische Rückenschmerzen reagieren meist gut auf vorübergehende Schonung, rechtzeitige Korrektur der Haltung und des Bewegungsverhaltens sowie ausgleichende körperliche Aktivität. Geht das wegen der anfänglichen Schmerzen nicht gleich, hilft ein über kurze Zeit eingenommenes Schmerzmittel. Lassen Sie sich hierzu vom Arzt oder Apotheker beraten. Im Anschluss können eventuell gezielte Übungen dazu beitragen, den Rücken zu kräftigen.

Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung oder moderate sportliche Aktivität sind oft gute Helfer, um zum Beispiel Rückenschmerzen in Verbindung mit Übergewicht zu vermeiden oder in den Griff zu bekommen. Regelmäßige Bewegung hilft auch, Stress abzubauen und das Essverhalten zu regulieren. Mehr zum unspezifischen Rückenschmerz im Kapitel "Ursachen unspezifischer Rückenschmerzen" und "Unspezifische Rückenschmerzen: Diagnose, Therapie" in diesem Beitrag.

Spezifische Rückenschmerzen

Rückenschmerzen bei Erkrankungen oder Verformungen der Wirbelsäule, bei bestimmten entzündlichen Muskel- und Bindegewebskrankheiten oder anderen Erkrankungen werden spezifisch genannt. Viele strukturelle Wirbelsäulenleiden nehmen mit dem Alter zu, unspezifische Rückenschmerzen tendenziell ab.

Schwieriger einzuordnen sind verschleißbedingte Krankheiten wie Arthrose an der Wirbelsäule (Spondylarthrose). Bis zu einem gewissen Grad ist die Abnutzung der Gelenke mit den Jahren normal und kaum schmerzhaft. Allerdings kann eine Arthrose der Wirbelgelenke je nach auslösendem Mechanismus auch erheblich sein und beträchtliche Rückenschmerzen bereiten. Wirbelgelenkarthrosen können Folge funktioneller wie auch struktureller Störungen sein, etwa bei Wirbelgleiten. Solange die Schmerzen keinen Reizmustern von Rückernmarksnerven zuzuordnen sind, bewegen sie sich noch im unspezifischen Bereich. Kommt es zu maßgeblichen Ischiasbeschwerden, weil die entsprechende Nervenwurzel zum Beispiel durch Verdickungen am entzündeten Wirbelgelenk oder vorgefallenes Bandscheibengewebe eingeengt wird, ist ein spezifischer Schmerz entstanden.

Werden Rückenschmerzen von Symptomen wie Fieber, Müdigkeit, Appetitverlust, Gelenkschmerzen oder -schwellungen, Nervenstörungen, Hautausschlägen, Veränderungen des Körpergewichts, Blutes oder anderen Krankheitszeichen begleitet, so ist das immer verdächtig auf eine spezielle Erkrankung, die sich entweder am Rücken selbst abspielt oder ihn mit einbezieht.

Die Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft", "Diagnose bei spezifischen Rückenschmerzen" und "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien" informieren Sie genauer.


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