Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Was die Sitzanatomie mit sich bringt

Wenn Sie erfahren möchten, was es mit den Sitzknochen und Kreuzbein-Darmbein-Gelenken auf sich hat, sind Sie hier richtig
aktualisiert am 14.06.2017

Stabiles Sitzen: Teamwork von Rumpf, Beinen und Haltungskontrolle

Digital Vision/ RYF

So setzt sich unser "Beckengerüst" zusammmen

W&B/Martina Ibelherr

Zwei Sitzbeine und mehr

Wer weiß schon, dass wir über zwei Sitzbeine und damit auch zwei Sitzknochen verfügen? Hat doch, wer an den "verlängerten Rücken" denkt, spontan meist den großen Gesäßmuskel oder Glutaeus-maximus-Muskel im Blick. Dieser Glutäus reicht vom Kreuzbein – ziemlich weit oben, etwa dort, wo die Pofalte beginnt, liegen innen die beiden Muskelkuppeln – und den Beckenschaufeln bis zum Oberschenkel hinten und seitlich.

Bei gutem Trainingszustand ist der Glutäus nicht nur Garant für einen wohlgefälligen Po. Er gibt uns Halt im Stehen und hilft kräftig beim Gehen und Treppensteigen mit.

An die Sitzknochen wiederum denken vor allem Radler oft mit Missvergnügen – aus nahe liegenden Gründen. Beim Stehen werden die kufenartigen Sitzknochen von den Gesäßmuskeln bedeckt. Normaler Körperbau vorausgesetzt, liegen die Sitzknochen beim Sitzen direkt unter der Haut, weil die Gesäßmuskeln dann zur Seite rücken. Die Sitzknochen gehören zum Sitzbein. Das ist wiederum der untere Teil des Hüftbeins.

Unbekannt, aber von tragender Bedeutung: Die Iliosakralgelenke

Die oberen Teile des Hüftbeins bilden die Beckenschaufeln. Sie heißen auch Darmbeine. Diese verbinden sich mit dem Kreuzbein zu den Kreuz-Darmbein- beziehungsweise Kreuzbein-Darmbein-Gelenken oder Iliosakralgelenken, kurz ISG. Das Kreuzbein ist nockenwellenartig in die Beckenschaufeln eingelassen, damit es durch das Körpergewicht nicht nach unten rutscht.

Bei manchen Krankheitsbildern, die Ärzte bei Rheuma einordnen, können sich diese festen, gelenkartigen Verbindungen entzünden. Dann sind Kreuzschmerzen, besonders in der zweiten Nachthälfte, ein verdächtiges Krankheitszeichen. Mehr dazu im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Entzündlicher Kreuzschmerz – Bechterew & Co." in diesem Beitrag.

Beim Gehen, Laufen und Springen wirken auf diese gelenkartigen Verbindungen am Kreuz starke Kräfte ein. Daher geben straffe Bänder zusätzlich Halt. Den Iliosakralgelenken bleibt dadurch allerdings wenig Spielraum für Bewegungen. Ihre Restbeweglichkeit überträgt aber noch eine gewisse Elastizität auf das Becken und federt die Bewegungen der Wirbelsäule ab. Vom Kreuzbein aus teilt sich die Körperachse auf die beiden Hüftbeine auf.

Hier gibt es ja rechts und links noch zwei weitere, diesmal sehr bekannte Gelenke, nämlich die Hüftgelenke. An diesem Punkt geht die – mitunter sehr große – Traglast auf die Beine über. Außerdem haben die Hüftgelenke motorisch einen großen Spielraum. Daher müssen die vorgeschalteten ISG stabile Bezugspunkte sein.


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