Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose

Aus den Beschwerden, der Kranken- und Familiengeschichte und der körperlichen Untersuchung ergibt sich oft schon die Diagnose. Und wenn nicht?

aktualisiert am 14.06.2017
Röntgenbild

Wirbelsäule, Rippen, Becken und (knapp) die Hüften im Röntgenbild


Erste Hinweise auf die Diagnose: Beschwerden und Krankengeschichte

Bei der Schilderung der Beschwerden (Anamnese) kommen meist schon an früher Stelle im Dialog mit dem Arzt Hinweise zu den Auslösern zur Sprache. Im Hinblick auf Gesäßschmerzen können das beispielsweise ungewohnte Sitzbelastungen auf einer Fahrradtour, beim Autofahren oder am Computer sein. Die Angewohnheit vieler Männer, die Geldbörse ständig in einer Hosentasche über dem Gesäß zu tragen, kann zur Druckbelastung des Ischiasnervs im Rahmen eines Piriformis-Syndroms führen.

Außerdem möchte der Arzt mehr über den Schmerz selbst wissen: Wo er sich genau befindet, ob er zum Beispiel eine oder beide Körperseiten betrifft, und wann er auftritt. Ist es ein Ruhe- oder Nachtschmerz, nimmt er bei Bewegung zu oder schmerzen vor allem die ersten Schritte nach einer Ruhephase (Anlaufschmerzen)? Können die Oberschenkel schmerzfrei abgespreizt werden (Grätschstellung), oder gibt es hier Einschränkungen? Auch nach möglichen Begleitsymptomen wie Morgensteifigkeit, Nachtschweiß, Fieber, gerötete und schmerzende Augen, Schmerzen und Schwellungen an Gelenken wie Finger, Knie, Sprunggelenk, Hüftgelenk wird der Arzt fragen.

Darüber hinaus ist die Kenntnis der Kranken- und Familiengeschichte des Patienten für die Diagnose wichtig. Der Hausarzt ist natürlich damit vertraut. Wichtig ist dieser Punkt immer dann, wenn jemand erstmals in die Sprechstunde eines Arztes kommt. Dass der neue Arzt über bereits festgestellte oder zurückliegende Erkrankungen informiert sein muss, ist selbstverständlich.

So kann beispielsweise eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, eine rheumatische Krankheit oder eine Infektion, insbesondere des Darms oder der Harnwege durchaus etwas mit Schmerzen im Kreuz- oder Gesäßbereich zu tun haben, auch wenn diese erst im Nachhinein auftreten.

Schließlich geht es darum, zu eruieren, ob die Beschwerden möglicherweise auch eine psychische Erklärung finden. Spätestens ist das geboten, wenn das Schmerzbild trotz angemessener Therapie länger als vier Wochen andauert.

Was der Arzt untersucht

Bei der körperlichen Untersuchung geht es um die Statik, das Körpergewicht, das Steh- und Gehvermögen, die Form und Beweglichkeit der Wirbelsäule und hier eventuell vorhandene Klopf- und Druckschmerzen.

Im Fokus sind außerdem das Gangbild, die Länge der Beine, Achsabweichungen wie zum Beispiel X- oder O-Beine, die Stellung und Ausrichtung des Beckens und seiner Eckpunkte. Alle Gelenke werden genau untersucht. Auf mögliche äußerliche Veränderungen wie Schwellungen, Verformungen, Knoten oder Knötchen sowie Überwärmung und Rötung der Haut richtet der Arzt ebenfalls sein Augenmerk.

Eingehend untersucht er bei Gesäß- und Kreuzschmerzen natürlich auch die Kreuzbein-Darmbein- und Hüftgelenke, sodann die Muskeln: ihren Spannungszustand, Kraft und Reflexe sowie hier vorhandene spezielle Schmerzpunkte und Seitenunterschiede. Dazu gehören zum Beispiel auch die Valleix-Druckpunkte im Verlauf des Ischiasnervs an der Rückseite des Oberschenkels.

In Bauchlage kann die passive Streckung der Hüfte (der Arzt hebt das gestreckte Bein an) deutlich schmerzhaft sein, in Rückenlage Beugen der Hüfte (der Arzt hebt wiederum das gestreckte Bein, eventuell auch den Fuß an): Tests auf sogenannte Nervendehnungsschmerzen.

Geprüft werden außerdem das Berührungs- und Schmerzempfinden sowie die Beschaffenheit der Haut. Schließlich entscheidet der Arzt dann auch, ob es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen nicht spezifischen oder einen spezifischen Schmerzzustand handelt. Im ersteren Fall liegt die Ursache höchstwahrscheinlich in muskulären Verspannungen, und es sind meist keine weiteren Untersuchungen notwendig. Die Beschwerden klingen im Allgemeinen bald wieder ab. Gegebenenfalls hilft ein nach Rücksprache mit dem Arzt kurzfristig eingenommenes Schmerzmittel dabei, dass es schneller geht.

Bei unklarer Diagnose hilft Medizintechnik weiter

Technische Verfahren wie Analysen des Blutes und anderer Körperflüssigkeiten, Röntgen- und Ultraschall-Untersuchungen, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT), eine vertiefende neurologische oder orthopädische Untersuchung sind angezeigt, wenn der Arzt ein spezifisches körperliches Krankheitsbild vermutet. Natürlich auch im unklaren Akut- oder Notfall. Die Maßnahmen können die erste Verdachtsdiagnose eingrenzen und meist auch sichern.

Eine bildgebende Diagnostik soll überdies einmal gezielt erfolgen, wenn die Beschwerden trotz angemessener sechswöchiger (sogenannter subakuter Kreuzschmerz) oder nach zwölfwöchiger Therapie (chronischer Kreuzschmerz) fortbestehen oder zunehmen. Vorher sollen psychische oder soziale Faktoren, die ein Chronischwerden der Schmerzen begünstigen, ausgeschlossen worden sein.

Weitere Informationen dazu in den Ratgebern "Bandscheibenvorfall", "Rückenschmerzen" und "Hexenschuss".

Zuständig sind Ärzte in den Bereichen Orthopädie und Rheumatologie oder auf Fachgebieten wie innere Medizin, Dermatologie (Haut- und Geschlechtskrankheiten), Neurologie, Schmerztherapie und Psychosomatik. Rheumatologen können sowohl Internisten als auch Orthopäden oder Kinder- und Jugendärzte sein. Bei Augenproblemen bitte zeitnah zum Augenarzt. In der Regel koordiniert der Hausarzt den Ablauf.