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Reizdarmsyndrom: Therapie – Ernährung

Vielen Patienten hilft eine Ernährungsumstellung. In den letzten Jahren ist vor allem die sogenannte FODMAP-Diät in den Fokus gerückt. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 07.01.2019
Lebensmittel

Eine Pasta aus Hartweizen mit Pilzen und Zwiebeln kann bei Reizdarm problematisch werden


Da Reizdarm eine so vielschichtige Krankheit ist, bei der unterschiedliche Symptome im Vordergrund stehen und die Ursachen noch nicht geklärt sind, gibt es keine Therapie, die an den Ursachen angreift. Derzeit richten Ärzte die Behandlung anhand der hauptsächlichen Beschwerden des Patienten und seinen Lebensumständen aus. In Abstimmung mit dem Arzt muss der Patient oder die Patientin herausfinden, welche Therapien am besten helfen.

Ein erster Schritt ist häufig, Trigger zu erkennen, die die Beschwerden auslösen oder verschlimmern. Dabei kann ein Ernährungsprotokoll hilfreich sein. Auch andere Faktoren, wie stressige Lebensphasen, weiblicher Zyklus, Infekte, psychische Verfassung, gilt es, zu identifizieren.

Teilweise reicht eine veränderte Ernährungsweise aus, um die Reizdarmbeschwerden deutlich zu verbessern. In Abhängigkeit der Schwere der Symptome und des Leidensdrucks, kommen ergänzend Medikamente und/oder psychologische Verfahren zum Einsatz.

Weniger FODMAPs essen oft hilfreich

Viele Reizdarm-Patienten reagieren auf bestimmte Lebensmittel mit Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung, Durchfall. Essen sie weniger FODMAPs, lassen die Beschwerden oft nach. Was sind FODMAPs? Fermentierende (F) Oligosaccharide (O), Disaccharide (D), Monosaccharide (M) und (A) Polyole (P). Es handelt sich dabei also um bestimmte Zuckerarten, die im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt werden, wenn sie nicht in ausreichendem Maße zuvor im Dünndarm abgebaut wurden. Das kann typische Reizdarmbeschwerden hervorrufen. FODMAPs sind zum Beispiel Milchzucker (Laktose), Fruchtzucker (Fruktose), Raffinose, Stachyose, Sorbitol.

In enger Abstimmung mit dem Arzt oder der Ärztin und gegebenenfalls einer Ernährungsberaterin verzichtet der Patient für zirka vier Wochen komplett auf FODMAPs. Bessern sich die Beschwerden dadurch deutlich, wird danach die individuelle Verträglichkeit der einzelnen Lebensmittel stufenweise ausgetestet. Wichtig: Nicht in Eigenregie eine komplette Auslassdiät machen, schon gar nicht über einen längeren Zeitraum. Das kann aufgrund der eingeschränkten Lebensmittelauswahl zu Mangelerscheinungen führen. Außerdem zeigen Studien, dass ein dauerhafter Verzicht auf FODMAPs negative Effekte auf die Darmflora hat, besonders hinsichtlich der "gesunden" Bakterien im Darm. FODMAPs dienen zum Beispiel Milchsäurebakterien als Futter.

Lebensmittel, die viele FODMAPs enthalten:

Weizenbrot, Roggenbrot, Gerste, Couscous, Weizenkleie, Sojamehl, Müsli, Nudeln aus Hartweizen, Süßigkeiten, Kuchen, Milch, Eis, Joghurt, Streichkäse, Buttermilch, Frischkäse, Quark, Mascarpone, Hüttenkäse, Pudding, Pistazien, Cashewnüsse, Artischocken, Spargel, Pilze, Zwiebeln, Lauch, Rote Bete, Pastinake, Knoblauch, Blumenkohl, Erbsen, Bohnen und andere Hülsenfrüchte, Äpfel, Aprikosen, Kirschen, Mangos, Nektarinen, Pfirsiche, Pflaumen, Birnen, Wassermelone, Chutneys, Fruchtaufstriche, Fertigsoßen, Honig, Maissirup, Süßungsmittel, Agavendicksaft, Obstsäfte, Avocado, Kaffee-Ersatz aus Zichorienwurzel, Kokoswasser.

Lebensmittel mit wenigen FODMAPs:

Buchweizen, Hirse, Haferflocken, Polenta, Quinoa, Vollkornreis, Wildreis, glutenfreie Brote und Süßigkeiten, laktosefreie Milchprodukte, Butter, Hartkäse, Schnittkäse, Eier, Fisch, Fleisch, Tofu, Nüsse und Samen, Karotten, Brokkoli, Bambussprossen, Chinakohl, Auberginen, Salat, Oliven, Kartoffeln, Spinat, Kürbis, Zucchini, Bananen, Blaubeeren, Honigmelonen, Kiwi, Zitrone, Erdbeeren, Himbeeren, Tomaten, Papaya, Sojasoße, Senf, Essig, Fruchtsaftschorle (selbst gemischt, wenig Saft), Kokosnuss, Paprika, Gurke, Haushaltszucker, Ahornsirup.

Wichtig: Diese Liste ist nicht vollständig. Außerdem kann es sein, dass manche Menschen Lebensmittel mit vielen FODMAPs gut vertragen und solche mit wenigen nicht. Des Weiteren spielt die Menge eine Rolle sowie die Kombination der Lebensmittel.

Nur Fruchtzucker und/oder Milchzucker meiden?

War ein Test auf Fruchtzucker und/oder Milchzucker beim Arzt positiv, kann es zunächst reichen, in Abstimmung mit einem Ernährungsexperten für einige Wochen auf Fruktose und/oder Laktose zu verzichten. Eine laktose- oder fruktosearme Ernährung sollte aber nach vier Wochen nur fortgeführt werden, wenn sich die Beschwerden darunter deutlich gebessert haben. In diesem Fall liegt kein Reizdarm vor, sondern eine Unverträglichkeit auf einen oder beide Zucker.

Weizenunverträglichkeit spielt vermutlich Rolle

Dass einige Betroffene weniger Beschwerden haben, wenn sie auf weizenhaltige Lebensmittel verzichten, muss nicht mit einer Glutenunverträglichkeit zusammenhängen. Hier haben wohl auch andere Inhaltsstoffe von Getreide, zum Beispiel sogenannte Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) einen Einfluss. Diese werden von den Getreidepflanzen als Abwehrstoff gegen Parasiten produziert. Der Gehalt an ATI kann bei verschiedenen Weizenarten variieren. Studien legen nahe, dass manche Patienten zum Beispiel alte Weizensorten besser als neue vertragen. Auch Fruktane (Zucker, die aus vielen Fruchtzuckermolekülen bestehen) im Weizen, die zu den FODMAPs zählen, können bei der Weizenverträglichkeit eine Rolle spielen.

Kann ein Verzicht auf Histamin helfen?

Möglicherweise kann eine Unverträglichkeit auf Histamin reizdarmähnliche Symptome hervorrufen, auch wenn dies unter Ärzten umstritten ist. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der unter anderem bei Allergien eine Rolle spielt. Er kommt aber auch in Lebensmitteln vor. Es gibt keinen wissenschaftlich anerkannten Test auf diese Unverträglichkeit. Wenn die Krankengeschichte Hinweise auf eine mögliche Histaminintoleranz liefert, empfehlen Ärzte, sich für sechs bis acht Wochen histaminarm zu ernähren. Lindert dies die Beschwerden deutlich, verträgt die Patienten möglicherweise tatsächlich Histamin schlecht und sollte sich weiterhin histaminarm ernähren. Lebensmittel, die viel von dieser Substanz enthalten, sind unter anderem Thunfisch, Makrele, geräucherte Wurst, Hartkäse, Tomaten, Rotwein, Bier und Spinat.

Ballaststoffe nach Verträglichkeit austesten

Ballaststoffe gelten als sehr gesund. Sie fördern die Verdauung und sollen vor Krankheiten wie Diabetes und Darmkrebs schützen. Dennoch vertragen einige Menschen keine zu großen Mengen davon. Hier gilt es, die individuelle Verträglichkeit auszutesten. Reizdarmpatienten, die überwiegend mit Verstopfung kämpfen, können allerdings von Flohsamenschalen aus der Apotheke profitieren.

Probiotika: Noch vieles unklar

Probiotika sind bestimmte Darmbakterien, die man in Form von Kapseln, Tabletten oder Trinklösungen einnimmt. Bei einigen Menschen mit gereiztem Darm wirken sich die Bakterien wohl günstig auf die Symptome aus. Allerdings fehlen noch große Studien, die einen Nutzen eindeutig belegen könnten. Außerdem hängt die Wirkung stark vom verwendeten Bakterienstamm, der Dosis und der Darmflora des Patienten ab. Wer seine Ernährung verändert, beeinflusst damit auch seine Darmflora. Hier ist noch viel zu wenig über die potenziellen Effekte bekannt.

Allgemeine Essenstipps

  • Langsam essen, gründlich kauen, so schlucken Sie nicht so viel Luft beim Essen. Denn das bläht den Bauch auf
  • Nicht zu große Portionen essen. Drei oder fünf Mahlzeiten täglich? So, wie Sie es besser vertragen!
  • Kaffee und Schwarztee nur in Maßen trinken
  • Wenig oder am besten keinen Alkohol zu sich nehmen
  • Genügend trinken, circa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich
  • Abends nur leicht verdauliche Speisen essen und wenn möglich keine Rohkost

Video: Das hilft gegen Blähungen