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Reizdarmsyndrom: Symptome und Diagnose

Typisch für einen Reizdarm sind Bauchschmerzen, aufgeblähter Bauch, Blähungen sowie unregelmäßiger Stuhlgang – von Verstopfung bis Durchfall. Ärzte teilen die Krankheit anhand bestimmter Kriterien in verschiedene Subtypen ein

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 07.01.2019
Mann mit Verdauungsbeschwerden

Viele Reizdarmpatienten haben Probleme mit dem Stuhlgang


Charakteristisch für das Reizdarmsyndrom ist ein häufiger, oft krampfartiger Bauchschmerz. Er kann mal intensiver, mal weniger intensiv sein. An manchen Tagen fühlen sich Patienten wohl, an anderen nicht. Intensität und Häufigkeit variieren von Mensch zu Mensch.

Häufig tritt der Bauchschmerz in Zusammenhang mit dem Stuhlgang auf. Dieser kann die Beschwerden verbessern, teilweise aber auch verschlimmern. So berichten Reizdarmpatienten von dem Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung – sie müssen, können aber nicht oder sie haben sich erleichtert, aber nicht ganz. Typisch ist zudem ein unregelmäßiger Stuhlgang. Betroffene neigen entweder zu Durchfall oder zu Verstopfung. Zum Teil wechselt dies auch.

Neben diesen Symptomen haben viele Patienten einen aufgeblähten Bauch, fühlen sich voll, haben den Eindruck, zu viel Luft im Bauch zu haben. Sie leiden unter teilweise starken Blähungen, müssen häufig aufstoßen. Andere berichten, dass der Bauch angespannt ist. Zusätzlich zu den Darmbeschwerden kann es unter anderem zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erschöpfung und gedrückter Stimmung kommen.

Stress, Essen allgemein sowie bestimmte Lebensmittel triggern die Symptome bei einem Teil der Betroffenen. Frauen berichten, dass der weibliche Zyklus einen Einfluss auf den Reizdarm hat.

Die typischsten Reizdarm-Symptome

  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Neigung zu Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
  • Blähungen, Blähbauch, Völlegefühl
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung

Reizdarm erkennen: Gründliche Ärztliche Diagnostik notwendig

Die Diagnose Reizdarmsyndrom zu stellen, ist für Ärzte oft eine Herausforderung. Erstens unterscheiden sich die Beschwerden von Patient zu Patient ziemlich und können sich im Laufe der Zeit verändern. Zweitens können andere Krankheiten ähnliche Symptome hervorrufen. Drittens gibt es bislang keinen Test, mit dem sich ein Reizdarm eindeutig nachweisen lässt.

In einem ersten Gespräch geht der Arzt (am besten ein Gastroenterologe) mit dem Patient oder der Patientin die Beschwerden durch. Er fragt unter anderem, wie lange die Symptome schon bestehen und ob bestimmte Faktoren wie Lebensmittel diese verstärken. Der Arzt oder die Ärztin klärt zudem ab, ob der Patient zum Beispiel unter nächtlichem Stuhldrang leidet, Blut im Stuhl ist, in der Familie Darmkrebs oder entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn vorkommen. Auf diese Weise lassen sich die möglichen Ursachen eingrenzen.

Je nachdem, welche Vermutung der Arzt hat, kann er eine Reihe von Untersuchungen vornehmen. Zum Beispiel:

  • Blutuntersuchungen (Entzündungswerte, Leberwerte, Bauchspeicheldrüsen- und Gallenwerte)
  • Test auf Blut im Stuhl
  • Rektale Tastuntersuchung (Austastung des Enddarms mit dem Finger)
  • Untersuchung des Stuhls auf Parasiten wie Würmer, aber auch auf Entzündungsmarker und gegebenenfalls Gallensäuren
  • Gynäkologische Untersuchung

Wenn diese Untersuchungen eine andere Erkrankung ausschließen und typische Reizdarmbeschwerden vorliegen, wird die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt. Es handelt sich nicht um den reinen Ausschluss einer anderen Erkrankung, sondern um eine Positivdiagnostik aufgrund der erhobenen Krankengeschichte. Internationale Magen-Darm-Experten hatten sich vor einigen Jahren in Rom zusammengefunden und gemeinsam Kriterien dafür erarbeitet. Inzwischen wurden sie mehrfach aktualisiert.

Die Rom-IV-Kriterien definieren den Reizdarm so:

Wiederkehrender Bauchschmerz, der mindestens einmal pro Woche auftritt und seit mindestens drei Monaten besteht. Er geht mit wenigstens zwei der folgenden Kriterien einher:

  • Es besteht ein Zusammenhang mit dem Stuhlgang
  • Die Häufigkeit des Stuhlgangs ist verändert
  • Die Form des Stuhls ist verändert

Anhand dieser Kriterien lassen sich derzeit vier verschiedene Reizdarm-Subtypen identifizieren:

  • Reizdarm, der vorwiegend mit Verstopfung einhergeht
  • Reizdarm, bei dem Durchfall vorrangig auftritt
  • Reizdarm, der mit Verstopfung und Durchfall im Wechsel verbunden ist
  • Reizdarm, der momentan nicht zu den oberen drei Typen passt

Woher weiß man, ab wann man Verstopfung oder Durchfall hat, und was noch normal ist? Dazu wurde die sogenannte Bristol Stool Form Scale entwickelt, eine Skala, die gemäß der Beschaffenheit des Stuhls sieben verschiedene Stuhltypen unterscheidet:

Typ 1 und Typ 2 (Verstopfung): Einzelne, recht harte Klumpen oder zusammenhängend, aber bestehend aus Klumpen, schwer auszuscheiden

Typ 3 und Typ 4 (normal): Weiche Würstchen, mit Rissen oder glatter Oberfläche

Typ 5: Nicht zusammenhängende, weiche Klümpchen, leicht auszuscheiden

Typ 6 und Typ 7 (Durchfall): Lose, lockere Stücke, breiartig oder wässrig, flüssig

Je nachdem, welche Stuhlformen der Patient am häufigsten beschreibt, können Ärzte den Reizdarm-Subtyp eingrenzen und Therapiemöglichkeiten besprechen.

Schweregradeinteilung: Beurteilung der Lebensqualität

Die deutsche Leitlinie zum Reizdarmsyndrom fordert als zusätzliches Diagnosekriterium, dass der Patient wegen seiner Beschwerden Hilfe sucht, weil diese so ausgeprägt sind, dass die Lebensqualität relevant beeinträchtigt wird.

Eine Expertengruppe des Rome Foundation Working Teams schlägt auf der Basis einer systematischen Literatursuche und eigener in Auftrag gegebener Studien eine Schweregradeinteilung vor, deren Verwendung – in vereinfachter Form – empfohlen wird. Die Einteilung in leichte, mittelschwere und schwere Verlaufsformen lässt sich anhand eines ausführlichen Gesprächs stellen.

Ausprägung der Beschwerden*: Leicht / Mittel / Schwer

Beeinträchtigungen im Alltag**: Gering / Mäßig / Stark

*Zum Beispiel Intensität der Bauchschmerzen auf einer 10-stufigen numerischen Skala: Leicht: 1-3; Mittelschwer: 4-7; Schwer: 8-10
**Zum Beispiel Fehltage in Schule; Krankschreibungen: Leicht: 0-5%; Mittelschwer: 6-10%; Schwer: > 10%