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Tipps für Wellnessurlaube

Ein Wellnessurlaub verspricht Erholung und neue Energie. Die Suche nach dem passenden Angebot kann allerdings in Stress ausarten

von Lisa Meyer, 04.01.2019
Nordsee

Die Seele auslüften: Spaziergang entlang der Dünen


Zur Ruhe kommen. Den Körper verwöhnen. Die Batterien neu aufladen. Das wünschen sich viele Menschen, wenn die Mehrfachbelastung durch Arbeit, Familie oder auch Freizeit zu groß wird. "Die Nachfrage nach Wellnessleistungen im Hotel steigt kontinuierlich", beobachtet Michael Altewischer, Geschäftsführer der Wellness-Hotels & Resorts, die auch ein Gütesiegel vergeben.

Ein Ende des Trends sei nicht in Sicht. Laut dem Global Wellness Institute (USA) gab es 2017 in Deutschland 66 Millionen Well­ness­­reisen, bei denen umgerechnet fast 50 Milliarden Euro ausgegeben wurden. Zwischen 2015 und 2017 stieg ihre Zahl um 7,5 Millionen. Laut GfK Travel­Scope, einer Erhebung zum Urlaubsverhalten, hält jeder dritte Deutsche Wellness­urlaub für attraktiv. Über die Hälfte der Befragten ist der Meinung, solche Reisen lägen voll im Trend.

Mehr und früher informieren

Doch wie aus dem riesigen Angebot auswählen? Gütesiegel (siehe Kasten Seite 104) können helfen. Daneben empfiehlt Lutz Hertel vom Deutschen Wellness-Verband die Beurteilungen anderer Gäste auf Bewertungs- und Buchungsportalen. "Wellness" ist kein geschützter Begriff. Hertel: "Es gibt keine gesetzlichen Qualitätsstandards speziell für Wellnessbetriebe. Deshalb tummeln sich im Markt leider viele, die Ihnen die Urlaubsfreude so richtig verderben können."

Um sich im Angebotsdschungel zu orientieren, sollte man neben zeit­lichem Rahmen und Budget die eigenen Bedürfnisse ausloten. Will ich mich entspannen? Etwas für die Fitness tun? Oder für die Gesundheit? Zwischen diesen Wellnesstypen können Sie wählen:

Genießer

"Sie suchen Urlaubsorte in schöner Natur, ein ansprechendes Hoteldesign, eine gute Küche, Verwöhnprogramm im Spa – und das alles mit ein wenig Luxus", sagt Lutz Hertel vom Deutschen Wellness-Verband. Es gehe darum, sich etwas Gutes zu gönnen, die kost­bare Zeit zu genießen und gepflegt zu entspannen.

Wer sich davon angesprochen fühlt, sollte zum Wellnessen ins Grüne fahren. Auf dem Land laden Wälder, Wiesen, Berge oder Gewässer rund um das Hotel zum Flanieren ein. Eine Küche, die auf regionale Spezialitäten setzt, versüßt die Rückkehr an den Esstisch. Wenn Sie sich mit einem besonderen Erlebnis verwöhnen möchten, können Sie außerdem darauf achten, dass der Spa-Bereich ein paar Extras bietet: etwa einen Panoramapool oder eine Erlebnisgrotte.

Gesundheitsbewusste

Urlauber, die etwas für ihren Körper tun möchten, ­finden unter dem Schlagwort "Medical Wellness" das ­passende Angebot. "Die Anwendungen sollen die ­Gesundheit fördern und Krankheiten verhindern", sagt Professorin Anja Brittner-Widmann von der Dualen Hoch- schule Baden-Württemberg in Ravensburg. "Sie werden auf eventuelle Vorerkrankungen abgestimmt."

Gäste ­können Fastenkuren oder Ernährungsberatungen buchen. Zudem erlebt laut der Tourismusforscherin gerade eine Renaissance, was lange als ­altbacken galt: Heilanwendungen mit Tradition. Etwa die tradi­tionelle chinesische Medizin, die kneippsche Lehre oder die Kräuterkunde Hildegard von Bingens. Außerdem sind Sole-, Fango- und Moor-Behandlungen für Gesundheitsbewusste interessant.

Radeln

Sportsfreunde

Sie halten es nicht lange im Liegestuhl aus und kriegen schnell zappelige Beine? Dann sollten Sie auf ein ausreichend großes Aktivprogramm achten. Einige Wellnesshotels und Daily Spas bieten dafür nicht nur die nötige Infrastruktur – wie Schwimmbecken, Golfplatz, Badmintoncourt oder Fitnessstudio, sondern auch eine spezielle Fit-Küche, Personal Training und Sportkurse. Von Nordic Walking über Power-Yoga bis hin zu Aqua-Fitness und Zumba ist alles dabei.

Wichtig ist auch, dass Ihr Reiseziel in schöner Landschaft liegt. So können Sie von der Haustür weg zum Wandern oder Mountainbiken aufbrechen. Und danach die müden Muskeln im Whirlpool lockern, in der Sauna entspannen oder vom Masseur durchkneten lassen.

Stressgeplagte

Wer vor allem abschalten und entschleunigen möchte, tut sich mit Massagen, Fußreflexzonen-Behandlungen, Saunagängen oder Dampfbadbesuchen etwas Gutes. "Das geht sowohl in Hotels als auch in Thermen, Kurbädern oder Day Spas", sagt Brittner-Widmann. Geeignet sind Anbieter mit einem großen Wellness-Bereich, gemütlichen Ruheräumen und passendem Behandlungsangebot.

Wer wirklich ungestört sein und den ­Alltag für eine Weile hinter sich lassen will, sucht sich ein Ziel mit "Digital Detox"- Schwerpunkt. Dort wird das Handy einkassiert und Funkstille verordnet. Soll die Entspannung nicht nur innerlich wirken, sondern auch äußerlich zu sehen sein, empfehlen sich Kosmetikanwendungen wie Gesichtsreinigungen oder Körperpeelings.

Wellness

Selbstfinder

Eine Reise nach innen – auch das kann ein Wellness-Trip sein. Zunehmend mehr Anbieter kümmern sich neben dem körperlichen auch um das psychische Wohlbefinden. "Entspannungs- und Achtsamkeitsmethoden wie autogenes Training und Meditation bekommen mehr Platz", beobachtet Brittner-Widmann.

Unter dem Slogan "MentalWellness" werden dem Urlauber Coaching-Gespräche, Stressmanagement-Vorträge, Atemtrainings und Tai-Chi-Kurse geboten. Gute Ver­anstalter belassen es nicht bei dem Entspannungsprogramm vor Ort. Sie arbeiten mit ihren Kunden auch da­ran, wie die Rückkehr in den Alltag gelingt – sodass die neue Ausgeglichenheit nicht gleich wieder verpufft.

Yoga

Empfohlene Gütesiegel

Ganze 53 Wellness-Siegel hat die Stiftung Warentest identifiziert – doch nur wenige davon als ­hilfreich eingestuft. Tourismusforscherin Anja Brittner-Widmann empfiehlt diese drei:
Deutscher Wellness Verband e.V.
Für die Bewertung spielen folgende Punkte eine Rolle: Informations-
und Servicequalität, Fachkompetenz, Qualität und Funktionalität der
Angebote, Ausstattung und Sauberkeit. Aber auch Kundenorientierung, Gesundheits- und Umweltschutz werden überprüft.
www.wellnessverband.de

Wellness Stars Deutschland

Das Siegel beleuchtet vor allem den Gesamteindruck, das Konzept und die Mitarbeiter des Wellness-­Bereiches. In die Bewertung fließen außerdem die Qualität der Aus­stattung, die Modernität und Funktionalität der Räume, die verwendeten Materialien, die Individualität,
Regionalität und Authentizität ein.
www.wellness-stars.de

Wellness-Hotels & Resorts

Mit seinem "Wellness-Baum" bürgt das Siegel unter anderem für ruhige Naturlage, mindestens Vier-Sterne-Niveau, attraktive und gepflegte Wellness-Bereiche, geschultes Personal, nachhaltigen Umgang mit Energie­ressourcen und eine spezielle Küche. Unabhängig ist es aber nicht: Es wird von einer Hotelkette vergeben.
www.wellnesshotels-resorts.de