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Kreuzfahrt trotz chronischer Erkrankung

Gut vorbereitet können auch Menschen mit chronischen Erkrankungen den Urlaub an Bord genießen. Sogar auf Dialyse oder Chemotherapie sind einige Schiffshospitäler eingestellt

von Christian Krumm, aktualisiert am 18.11.2019
Reisen in ferne Länder: Das Schiffshospital ist immer dabei

Reisen in ferne Länder: Das Schiffshospital ist immer dabei


Abends in Marseille einschlafen und am nächsten Morgen entspannt in Barcelona aufwachen: Die Reize einer Kreuzfahrt können auch viele Menschen mit gesundheit­lichen Einschränkungen genießen – vorausgesetzt, die Planung stimmt. So können sogar Krebskranke ihre Chemotherapie auf manchen Schiffen weiterführen, Nierenpatienten erhalten ­ihre Blutwäsche, und Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen profitieren womöglich von der Seeluft.

Denn die modernen Ozeanriesen sind nicht nur weitgehend barrierefrei, sondern verfügen über bestens ausgestattete Krankenstationen, die mehr bieten als Erste Hilfe. Speziell ausgebildete Schiffsärzte und Pflegeschwestern kümmern sich um kranke Passagiere.

Schiffshospitäler mit allen wichtigen Geräten

Auch Professor Berthold Petutschnigg, chirurgischer Notarzt und Intensivmediziner am Klinikum Graz, heuert regelmäßig bei einem großen deutschen Kreuzfahrtkonzern an und behandelt kranke Touristen auf hoher See. "Uns stehen in den Schiffshos­pitälern alle wichtigen Geräte zur Verfügung, die für eine Versorgung er­forderlich sind", berichtet der Grazer Mediziner.

Lediglich Passagiere, die schwerer erkrankt sind oder Herzkatheter­­-Untersuchungen, CT- oder MRT-Aufnahmen benötigen, müssen im nächsten Hafen von Bord – zumindest für die Untersuchung. Ob sich eine Seereise aber für einen Patienten mit chronischer Grunderkrankung überhaupt eignet, müsse immer individuell geklärt werden.

Ärztliches Attest einholen

Deshalb rät Petutschnigg dazu, vor der Reisebuchung eine Bestätigung des behandelnden Arztes einzuholen und damit bei der Reederei anzu­fragen, ob eine Behandlung an Bord möglich ist. Das gilt auch für Patienten, die auf eine Blutwäsche (Dialyse) angewiesen sind.

"Urlaub und Dialyse schließen sich nicht aus", meint Dr. Benno Kitsche, leitender Arzt des KfH-Nierenzentrums in Köln-Merheim. "Zudem ist eine Kreuzfahrt ein besonderes Erlebnis, welches sich ­sicherlich sehr positiv auf das Lebensgefühl auswirkt." Aber schon allein weil Dialysen sehr geräte- und materialaufwendige Verfahren sind, sollte man sich unbedingt vorab mit der Reederei in Verbindung setzen.

Experte Prof. Dr. Berthold Petutschnigg

Zudem sei es unerlässlich, so Schiffsarzt Petutschnigg, dass der Urlauber die Kreuzfahrtroute entsprechend seiner Erkrankung auswähle. Denn wenn das Schiff beispielsweise auf einer ­interkontinentalen Reise mehrere Tage auf hoher See unterwegs ist, kann der Patient im Notfall nicht so einfach an Land gebracht werden.

Kostenfrage klären

Auf einer siebentägigen Kreuzfahrt mit rund 2500 Urlaubern sei mit mindestens ein bis zwei lebensbedrohlichen Notfällen unter den Passagieren zu rechnen, berichtet ­Petutschnigg. Darüber hinaus gelte es, auch die An- und Abreise im Flugzeug sowie die medizinische Infrastruktur in der Reiseregion zu berücksichtigen.

Allerdings sind Behandlungen an Bord oft deutlich teurer als in der heimischen Arztpraxis. Nicht jede Krankenkasse erstattet die Kosten. Umso wichtiger ist eine gute Auslandskrankenversicherung mit Rückholschutz, die im Fall der Fälle einspringt. Wer schon vorher weiß, dass er medizinische Hilfe an Bord benötigt, sollte auch die Kostenfrage unbedingt rechtzeitig mit Reederei und Versicherung abklären.

Weitere Informationen zur Dialyse im Urlaub finden Sie auf der Internetseite des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation www.kfh.de/reisen

Bloß nicht seekrank werden

Schiffsarzt Berthold Petutschnigg nennt seine drei wichtigsten Tipps gegen Seekrankheit:

 

  • Stets mit den Augen einen festen Punkt am Horizont fixieren
  • Den Magen nicht leer lassen, sondern ordentlich essen
  • Rechtzeitig Reisetabletten (Antihistaminika) einnehmen, sobald rauere See angekündigt wird