Gesund in den Urlaub: Reisen ohne Strapazen

Gute Fahrt! Der Weg ans Urlaubsziel kann belastend sein – muss er aber nicht. Die besten Tipps für unterwegs, wenn Sie per Auto, Schiff oder Flugzeug reisen

von Konstanze Faßbinder, 04.09.2018
Flugzeug

Endlich angekommen: Fliegen ist zwar meist die schnellste, aber nicht immer die angenehmste Art zu reisen


Reisekrankheit, auf Englisch "Motion Sickness", wird durch Bewegung verursacht. Sie ereilt uns als Mitfahrer im Auto oder Bus, als Passagier im Flugzeug – und am hef­tigsten in Form von Seekrankheit auf dem Wasser. "Auf Segelschiffen werden an den ersten Tagen bis zu 90 Prozent der Passagiere seekrank", sagt Dr. Bettina Vahlbruch, Reisemedizinerin und Kreuzfahrt­ärztin aus Lippstadt. Nach spätestens drei Tagen habe sich der Körper angepasst.  

Die Symptome sind Kopfschmerz, Schwindel und Erbrechen, kalter Schweiß und Muskelschmerzen. Doch wie entsteht Reisekrankheit? "Das Gehirn erhält widersprüchliche Signale", sagt der Apotheker und Arzt Dr. Martin Fischer aus Essen. Das Auge sieht zum Beispiel im Zug die schnell vorbeiziehende Landschaft, die Muskelrezeptoren spüren aber keine Bewegung. "Fahrzeugführern wird in der Regel nicht schlecht, da sie am Steuer sitzen, Kurven oder Wellen voraussehen und mit den Bewegungen mitgehen", erklärt Expertin Vahlbruch.

Das hilft bei akuter Reisekrankheit

Im akuten Fall hilft Kaugummi mit Dimenhydrinat, der ­in der Apotheke rezeptfrei erhältlich ist. Der Wirkstoff kann auch als Dragee, Kapsel oder Sirup geschluckt werden. Pflaster mit Scopolamin sind verschreibungspflichtig und nur für Erwachsene zugelassen.  Lassen Sie sich am besten in der Apotheke beraten.

Beide Wirkstoffe machen müde und benommen und sind für Fahrzeugführer sowie für Patienten mit Prostata­problemen und grünem Star nicht geeignet.

Unsere drei wichtigsten Tipps gegen Reiseübelkeit

Ingwer als natürliche Alternative

Kinder bis drei Jahre sollten Dimenhydrinat nur exakt dosiert und auf keinen Fall gegen Brechdurchfall oder fieberhafte Infekte erhalten. Laut Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker besteht der begründete Verdacht, dass es sonst schwere Nebenwirkungen wie Krampf­anfälle verursachen kann.

Als natürliches Mittel gegen Reiseübelkeit halten manche Experten Ingwer für wirksam – als Tee, Kapsel oder Dragee. Ausreichend wissenschaftlich belegt ist der Effekt allerdings nicht. Gleiches gilt für die vorbeugende Einnahme von Vitamin C.

Strategien für ein besseres Bauchgefühl

  • Ruhigen Platz wählen: im Flugzeug am Mittelgang sitzen, in einer Reihe zwischen den Tragflächen. Im Bus ganz vorne hinsetzen, im Auto auf den Beifahrersitz. Auf See ist eine Kabine in der Mitte des Schiffs optimal.
  • Abstinent bleiben: schon am Vorabend keinen Alkohol trinken und nicht rauchen
  • Etwas im Magen haben: direkt vor Abreise eine leichte Mahlzeit zu sich nehmen, zum Beispiel etwas Obst oder ein paar Kekse
  • Entspannt losfahren: Wer Angst hat, dass ihm übel wird, dem wird erfahrungsgemäß auch tatsächlich schneller übel.
  • Ruhe auch für die Augen: nicht lesen, mit dem Handy daddeln oder Filme ansehen.
  • Besser in die Ferne gucken, einen Punkt fixieren. Auf dem Schiff unter Deck hinlegen, die Augen schließen
  • Für Frische sorgen: wenn möglich regelmäßig lüften

Schwere Beine vermeiden und Thrombose-Risiken minimieren

Stillstand mag auf Reisen niemand. Nicht auf der Straße – und auch nicht in den Blutgefäßen. Doch die werden durch das lange Sitzen stark beansprucht. "Für Menschen mit Venenproblemen kann es sinnvoll sein, vorbeugend Stütz- oder Kompressionsstrümpfe zu tragen", sagt Vahlbruch. Dies sollte vorab mit dem Arzt besprochen werden, genauso wie vorbeugende Medikamente.

Auch Flüssigkeit ist wichtig, damit das Blut nicht eindickt. Am besten eignet sich Wasser oder eine Schorle. "Tomatensaft im Flugzeug lieber ohne Wodka bestellen", empfiehlt Apotheker Fischer. Alkohol weitet die Gefäße, das Blut kann nicht so gut zirkulieren.

Dr. med. Martin Fischer

Bei Vorerkrankungen den Arzt fragen

Generell sollten Urlauber mit erhöhtem Risiko für Blut­gerinnsel eine geplante Reise mit dem Arzt besprechen, insbesondere Menschen, die bereits eine Thrombose hatten.

Wer schwache Venen hat und deshalb zu dicken Beinen neigt, kann Stützstrümpfe tragen. "Generell gilt: So oft wie möglich aufstehen und ein paar Schritte gehen", rät Fischer. Er empfiehlt zudem lockere Kleidung ohne ein­engende Elemente wie etwa eine Gürtelschnalle, die in den Bauch drückt.

Verkühlt! Das schützt vor der Klimaanlage

Auch wenn es bei Abfahrt und Ankunft heiß ist: Unterwegs wird es wegen der Klimatisierung oft sehr kühl", warnt Apotheker Fischer. Er empfiehlt Oberteile mit langen Ärmeln, Kragen und nicht zu weitem Ausschnitt. Idealerweise sei ein Halstuch im Handgepäck.

Wen es kalt erwischt, dem droht ein steifer Hals. Salben und Tinkturen mit Arnika oder Cayennepfeffer können Verspannungen lindern.

Druckausgleich erleichtern mit Nasenspray

Wessen Schleimhäute generell häufig geschwollen sind, der kann Start und Landung als sehr unangenehm empfinden. "Der Druckausgleich zwischen Nase und Ohr funktioniert dann nicht richtig", sagt Fischer. Er rät im akuten Fall zu einem abschwellenden Nasenspray.

"Wer nach dem Flug schnupft und niest, hat meistens gar keinen Infekt", sagt Reise­medizinerin Vahlbruch. Vielmehr setze die trockene Luft den Schleimhäuten zu. Sprays mit Meerwasser helfen; künstliche Tränen befeuchten trockene Augen. Salbeibonbons lindern Halskratzen und Heiserkeit, ebenso Pastillen mit Isländischem Moos.

Trockene Haut sollte man unterwegs regelmäßig einschmieren. Lippen, Gesicht und Hände sind am schnellsten betroffen.

Kleine Reisegymnastik

Weniger Verspannungen, bessere Durchblutung: Wie das geht, erklären die Sportbiologin Professorin Annette Schmidt von der Universität der Bundeswehr in München und der Sport­wissenschaftler Manuel Wasserzier.

Auf dem Sitzplatz: Spannen Sie die Muskeln in Armen, Bauch, Po, Beinen und Füßen gezielt nacheinander kurz an.

Nehmen Sie die Arme gestreckt vor den Körper, und verschränken Sie die Finger, machen Sie einen Katzenbuckel. Anschließend als Gegenbewegung Rücken durchdrücken und Schulterblätter fest nach unten und zusammenziehen.

Greifen Sie mit beiden Händen eine Armlehne, und ziehen Sie den Oberkörper in diese Richtung. Dann beidseitig auf den Lehnen abstützen und den Rumpf nach oben stemmen. Je nach Kraft mit den Füßen am Boden mithelfen. 

Während einer Pause: Heben Sie die Arme V-förmig an und lehnen Sie sie gegen den Rahmen einer offenen Tür. Oberkörper nach vorne drücken, Brustbereich aufdehnen.

Arme senkrecht nach oben strecken, an der Wand abstützen, wieder nach vorne drücken und dadurch Wirbelsäule entlasten.

Mehrmals in die Hocke gehen und wieder aufstehen. So kommt der Kreislauf in Schwung.