Beim Lama-Wandern Deutschland entdecken

Begleitet von Kleinkamelen durchs Allgäu oder die Rhön? Ein Trekking-Pionier erklärt diese entspannte Art zu wandern – und ob Lamas wirklich spucken

von Armin Herb, aktualisiert am 15.09.2015

Erhobenen Hauptes und mit fast tänzerischer Eleganz schreitet Armando durch Wald und Wiesen. Heute ist wieder Wandertag: Mehrmals in der Woche darf der Lamahengst in der Rhön auf Tour gehen. Und obwohl es mit prall gefüllten Satteltaschen bepackt ist, genießt es das Tier sichtlich, seinen Führer, den "Llamero", und die wanderlustigen Gäste zu begleiten. Diese haben einen der besonders beliebten Halbtagesausflüge gebucht, mit Picknick an einem lauschigen Plätzchen am Wasser. Auf Armandos Programmzettel stehen aber auch einstündige Schnupper-Rundgänge und mehrtägige Trekkingtouren mit Übernachtung.

Lamas sind in Deutschland – ob in der Rhön, in Brandenburg oder im Allgäu – noch immer ein überraschender Anblick, obwohl mittlerweile schon mehrere Tausend dieser Kleinkamele aus den südamerikani­schen Anden bei uns leben. Oft sind es Landwirte, die sich auf die Lama-Zucht und geführte Wanderungen spezialisiert haben.

Geduldige Lastenträger

Die Gäste gewöhnen sich schnell an die wolligen Vierbeiner mit den langen Hälsen. Nach kurzer Anleitung dürfen sie die Lamas sogar selbst führen, auch die Kinder. "Für die Kleinen ist es ein ganz besonderes Erlebnis, ein Lama am Zügel zu halten. Die überschaubare Größe der Tiere, ihr kuscheliges Fell und ihr ruhiges Verhalten geben den Kindern ein sicheres Gefühl", erzählt Walter Egen, erfahrener Llamero aus dem Allgäu. "Sie sind geduldig, treten und beißen nicht." Im Unterschied zu Eseln oder Pferden dienen Lamas den Wanderern allerdings nicht als Reittiere, sondern nur als Gepäckträger.

"Die Lamas werden, wenn sie mit etwa vier Jahren ausgewachsen sind, drei bis vier Monate lang intensiv auf den Umgang mit Menschen vorbereitet", erklärt Johannes Nüdling, Trekking-Pionier aus der Rhön. Auf die Standardfrage der Gäste "Spucken die Tiere uns an?" winkt er ab. Lamas und die etwas kleineren Alpakas bespucken sich höchs­tens gegenseitig bei Rangeleien oder wenn Stuten ihre Jungen beschützen wollen. Menschen gegenüber verhalten sich Lamas äußerst friedlich, weshalb sie sogar in der tiergestützten Therapie eingesetzt werden. Ihre ruhige Ausstrahlung, ihre angeborene Neugier und ihr sanfter Charakter wirken nicht nur auf betreuungsbedürftige Menschen ausglei­chend und entspannend.

Besuch in der Lama-Zucht

Einige Wanderer sind nach dem Ausflug von den wolligen Vierbeinern so begeistert, dass sie sogar überlegen, sich ein Lama als Haustier zuzulegen. Wer mehr über die Tiere erfahren möchte, kann in einer Lama-Zucht einen eintägigen Kurs belegen. Dabei lernen die Teilnehmer beispielsweise, wie man die Tiere einfängt, ihnen die Zehennägel schneidet und die Wolle schert.

Auf anderen Lama-Höfen versuchen sich Gäste am Färben und Filzen der feinen Wolle, oder sie setzen sich nach der Trekkingtour mit Staffelei, Pinsel und Farben auf die Weide, um die grasenden Tiere auf Papier oder Leinwand zu bannen. Spätestens dann sind Lamas für sie ein ganz normaler Anblick – auch bei uns.

Tipps zum Lama-Trekking

  • Lama-Wanderungen werden ganz­jährig angeboten, vom einstündigen Schnupperkurs über die Tageswanderung bis zur mehrtägigen Trekkingtour.
  • Für die Touren empfehlen sich ­Wanderschuhe und Wanderkleidung.
  • In dem Lama-Trekking-Netzwerk www.trekking-lamas.de finden sich Wander-Veranstalter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Adressen für tiergestützte Pädagogik und Therapie veröffentlicht der Verein der Halter, Züchter und Freunde von Neuweltkameliden in Kaufbeuren unter www.therapie-lamas.de