{{suggest}}


Rauchstopp: Hilfe aus der Apotheke

Wer sich die Zigaretten abgewöhnen will, findet in der Apotheke kompetente Unterstützung

von Barbara Kandler-Schmitt, 05.07.2019
Infografik Rauchentwöhnung

Weg mit der Kippe: Hilfe bei der Entwöhnung bieten Apotheken und spezielle Entwöhnungkurse


Nach fünf Jahren ist ein Kleinwagen drin. So viel lasse sich bei einer Schachtel täglich durch den Rauchverzicht einsparen. Damit spornt Jan Weber künftige Nichtraucher an. Der Apotheken­inhaber aus Salzgitter gibt unter anderem Raucherentwöhnungskurse. Einer seiner Tipps: "Bevor Sie eine Zigarette anzünden, schreiben Sie auf, warum Sie gerade jetzt rauchen wollen." Allein durch das Nachdenken lasse der spontane Impuls oft nach.

Der Glaube an die eigene Unverwundbarkeit

Dass Rauchen der Gesundheit schadet, weiß jeder. "Leider beziehen viele Raucher dieses Wissen nicht auf sich selbst", sagt Professor Stephan Mühlig, Psychologe und Suchtforscher an der Raucherambulanz der Technischen Universität Chemnitz. "Sie unterliegen einer Unverwundbarkeitsillusion und glauben, dass es nur andere trifft. Durch gezielte Beratung können Apotheker viel leisten."

Weber zum Beispiel klärt junge Raucherinnen, die mit der "Pille" verhüten, regelmäßig über ihr dadurch stark erhöhtes Thromboserisiko auf. Auch Raucher, die Rezepte über Blutdrucksenker, Diabetesmedikamente oder bronchienerweiternde Mittel einlösen, spricht er gezielt auf die Wechselwirkungen mit ihrer Sucht an.

Apotheker Jan Weber

Jeder zweite Raucher ist nicht nur psychisch, sondern auch körperlich vom Glimmstängel abhängig. "Ein Nikotinersatz kann die Entzugs­erscheinungen lindern", sagt Mühlig. Von einem langsamen Ausstieg hält der Psychologe nichts. "Entscheidende gesundheitliche Effekte sind nur mit totaler Abstinenz zu erreichen." Zur Entwöhnung gibt es Nikotin in verschiedenen Formen: "Kurz wirksame Mittel wie Kaugummis, Lutschtabletten und Mundsprays eignen sich für Gelegenheitsraucher", sagt Weber.

Im Herdentrieb durch den Entzug

Stärkeren Rauchern empfiehlt er Nikotinpflaster, die den Wirkstoff langsam über die Haut abgeben und die Konzentration im Blut konstant halten. "Sehr starke Raucher können beides kombinieren." Die zugeführte Nikotindosis orientiere sich an der Zahl der zuvor konsumierten Zigaretten und würde innerhalb von zwölf Wochen allmählich gesenkt. Weber: "Wegen der gefäßverengenden Wirkung darf man während einer Nikotinersatztherapie nicht rauchen."

Nach einem verhaltenstherapeutischen Entwöhnungskurs wie in der Chemnitzer Raucherambulanz sind etwa 90 Prozent der Kandidaten rauchfrei. "Aber innerhalb eines Jahres wird etwa die Hälfte wieder rückfällig", sagt Mühlig.

Vor allem abends und beim Konsum von Alkohol lasse die Kontrolle nach. Auch psychische Krisensitua­tionen bergen ein hohes Rückfall­risiko. Mühlig: "Die Teilnehmer sollten sich deshalb im Vorfeld mit kriti­schen Situationen vertraut machen und Strategien für den Umgang damit entwickeln."

Sich nicht scheuen, Hilfe zu suchen

Raucher, die es auf eigene Faust versuchen, scheitern dagegen zu 95 Prozent innerhalb eines Jahres. "Wer es alleine nicht schafft, sollte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen", rät Mühlig.

In Kursen lernen die Teilnehmer, auslösende Reize zu reduzieren, und üben neue Verhaltensweisen ein. Sie belohnen sich für ihre Erfolge und motivieren sich gegenseitig zum Durchhalten. Viele Apotheken bieten ebenfalls solche Gruppentreffen an. Bei Weber beträgt die Erfolgsquote dabei etwa 50 Prozent. Bei jedem Zweiten wäre also ein Kleinwagen drin.

Nichtrauchen spart Arzneimittel

  • Raucher, die regelmäßig Arzneien einnehmen, brauchen nach dem Rauchstopp eventuell weniger davon – auch wenn sie vorübergehend Nikotinersatzpräparate verwenden.
  • Die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe im Tabakrauch regen die Aktivität bestimmter Leberenzyme an, die unter anderem Arzneimittel abbauen. "Deshalb brauchen Raucher oft eine höhere Dosis", erklärt Apotheker Weber.
  • Während der Entwöhnung geht die Enzymakti­vität innerhalb weniger ­­Wochen auf ein normales Maß zurück. Arzneistoffe werden wieder langsamer abgebaut – und können verstärkt unerwünschte Nebenwirkungen verursachen.
  • Bei Psychopharmaka, Antidiabe­tika und dem bronchienerweiternden Theophyllin ist die Gefahr von Überdosierungen und Nebenwirkungen besonders groß. Weber: "Der behandelnde Arzt muss über den Rauchstopp informiert werden, damit er bei Bedarf die Dosis reduzieren kann."
  • Webers Fazit: "Der Ausstieg senkt nicht nur das Herzinfarkt- und Lungenkrebsrisiko, sondern spart auch Arzneimittel."

Ändern Sie Ihr Verhalten aufgrund der stark gestiegenen Zahl an Corona-Neuinfektionen?
Zum Ergebnis