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Welche Rolle spielt Ihr Smartphone im Alltag?

Das Smartphone kann das Leben erleichtern und bereichern. Manche Menschen verwenden es aber intensiver, als ihnen gut tut. Ein Test lädt zum Nachdenken ein

von Dr. Roland Mühlbauer, 23.04.2019
Handysucht

Verwenden wir das Smartphone eher selbst- oder fremdbestimmt? Sich darüber Gedanken zu machen kann sich lohnen und viel Zeit sparen


Sie sind auf dem Weg der Arbeit und haben das Smartphone vergessen. Würden Sie umdrehen und es holen, auch wenn Sie riskieren, dann zu spät zu kommen? So lautet eine der Fragen des Tests zur Smartphone-Nutzung, den Professor Matthias Brand mit seinem Team von der Universität Duisburg-Essen gemeinsam mit der Landesanstalt für Medien NRW entwickelt hat. Aufzurufen ist der Test unter: www.medienanstalt-nrw.de/reset

Herr Professor Brand, wann ist das Smartphone praktisch, wann wird es zur Sucht?

Der Übergang ist fließend. Wenn mir das Smartphone den Alltag erleichtert, ist das prima. Es wird erst problematisch, wenn die Nutzung weniger selbstbestimmt erfolgt, sondern mehr und mehr automatisch. Wenn ich mich lieber mit dem Smartphone befasse, als meine Pflichten für Schule oder Beruf zu erfüllen. Wenn die Apps wichtiger werden, als meinen bisherigen Hobbies nachzugehen oder meine Freunde zu treffen. Oder wenn ich mich durch die Nutzung des Smartphones in riskante Situationen begebe: Wenn ich Nachrichten lese und währenddessen bei Rot über die Ampel gehe. Und wenn ich es trotzdem nicht lassen kann.

Wie viele Menschen sind denn bereits Smartphone-süchtig?

Zwar gibt es noch keine verlässlichen Zahlen. Zurückhaltende Schätzungen gehen jedoch in der deutschen Bevölkerung von mindestens drei Prozent Internetsüchtigen aus. Davon geben viele an, dass sie per Smartphone soziale Medien intensiv nutzen. Tendenz vermutlich steigend.

Geht es also mehr um soziale Medien und Apps als um das Gerät selbst?

Ja, deshalb bevorzuge ich den Terminus "Internet use disorder", also Internet-Nutzungs-Störung, statt Smartphone-Sucht. Ist der Akku leer, ist das Handy für einen Abhängigen nicht mehr interessant.

Welche Inhalte machen besonders leicht abhängig?

Vor allem Apps, die Belohnungsgefühle vermitteln. Zum Beispiel, wenn man in den Sozialen Medien "Likes" erhält oder Kommentare als belohnend erlebt werden. Das führt dazu, dass man das immer wieder macht. Auch viele WhatsApp-Kontakte und Nachrichten führen bei den Nutzern oft dazu, dass sie sich immer auf dem neuesten Stand fühlen. Falls sie das mal nicht haben, bekommen sie Angst, etwas zu verpassen. Oder Spiele, bei denen ich einen Rekord breche oder meine Spielfigur weiterentwickle.

Also besser alles vermeiden, was Belohnungsgefühle verursacht?

Nein, ich bin gar nicht prinzipiell gegen Belohnung! Die Frage ist nur, wie selbstbestimmt der Umgang noch ist. Kann ich selbst angemessen entscheiden, dass ich zwischendurch mal mit jemandem chatte? Aber mich danach wieder völlig auf die Arbeit oder andere Themen konzentrieren? Darum geht es.

Sind eher Frauen oder Männer anfällig?

Bei der allgemeinen Nutzung des Smartphones gibt es zwischen den Geschlechtern keine Unterschiede, bei den Gebieten schon: Spiele und Pornographie sind eher männlich dominiert, Shopping und soziale Netzwerkseiten eher weiblich.

Wie soll Ihr Test dem gegensteuern?

Durch die Fragen sollen die Teilnehmer auf teilweise unbewusste Denkmuster aufmerksam werden und sie hinterfragen. Sie sollen ihr Nutzungsverhalten reflektieren. Der Test entscheidet nicht, welches Verhalten gut und welches schlecht ist. Aber die Teilnehmer sollen überlegen, ob das, was sie am Smartphone tun, wirklich von ihnen so gewollt ist.

Haben Sie die Wirkung des Tests auch überprüft?

Ja, wir haben geprüft, ob das Ausfüllen des Tests dazu führt, dass die Probanden später auch im Alltag an den Test denken. So dass sie anschließend sagen, dass sie jetzt mehr darüber nachdenken, wie sie ihr Smartphone nutzen.

Was tun, wenn man merkt, dass das eigene Verhalten aus dem Ruder läuft?

Man kann, etwa bei der Arbeit, Benachrichtigungstöne abstellen, damit die Verlockung nicht so groß ist, sofort nachzusehen. Diese Töne führen andernfalls dazu, dass man sofort die Aufmerksamkeit auf das Smartphone richtet. Oder bewusste handyfreie Phasen einhalten. Üben, dass man wirklich nur die Funktion des Smartphones nützt, für die man es aus der Tasche geholt hat, und nicht noch drei Nachrichten anzusehen. Man soll sich also nicht von den Angeboten, die es auf dem Smartphone gibt, bestimmen lassen. Sondern selbst bestimmen, wann, wofür und wozu man es nutzt.

Und wenn das nicht ausreicht?

Wenn jemand darunter leidet und nicht von alleine etwas ändern kann, dann gibt es die Möglichkeit, sich an Beratungsstellen zu wenden, zum Beispiel unter http://www.fv-medienabhaengigkeit.de/hilfe-finden.html