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Posttraumatische Belastungsstörung: Ursachen

Ursache der Posttraumatischen Belastungsstörung ist eine Extremsituation, in der sich der Betroffene stark bedroht, hilflos oder ausgeliefert fühlt

29.04.2014
Soldaten

Trauma-Ursache Kampfeinsatz? Manche Berufsgruppen haben ein erhöhtes Trauma-Risiko – Soldaten gehören dazu


Ursache einer posttraumatischen Belastungsstörung ist immer ein Trauma. Ohne Trauma kommt es nicht zu einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Allerdings ist das auslösende Trauma nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Es kann Jahre zurückliegen, wird mit den aktuellen Beschwerden vielleicht gar nicht in Verbindung gebracht. Bei Menschen, die den zweiten Weltkrieg miterleben mussten, beobachten Ärzte mitunter erst heute – Jahrzehnte später – Merkmale einer PTBS. Manche Patienten erinnern sich überhaupt nicht an ein traumatisches Erlebnis, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch kleine Kinder waren oder weil das Trauma Erinnerungslücken verursacht hat. (Mehr im Kapitel Symptome).

Jeder, der eine oder mehrere traumatische Erfahrungen erleben musste, kann theoretisch an einer PTBS erkranken. Die Störung ist also keinesfalls Zeichen für einen "schwachen Charakter", mangelnde Stärke oder fehlende Selbstdisziplin.

Was ist ein Trauma?

Trauma bezeichnet eine sehr belastende, außergewöhnliche Situation, die nahezu jeden Menschen tief erschüttern würde.

Nicht gemeint sind damit Lebensereignisse, die in jedem "normalen" Leben vorkommen können, mit denen letztlich leider immer zu rechnen ist – beispielweise eine Trennung oder der Tod eines nahen Angehörigen.

Bei einem traumatischen Ereignis erlebt der Betroffene eine extreme, katastrophale Situation – etwa eine massive Bedrohung. Sein Leben oder seine Gesundheit sind in ernster Gefahr. Gleichzeitig fühlt er sich ausgeliefert und machtlos, er spürt starke Angst, Hilflosigkeit und Verzweiflung.

PTBS entwickelt sich aber nicht nur bei Personen, die direkt von einem solchen Ereignis betroffen waren. Auch Augenzeugen, die entsprechende starke emotionale Reaktionen erleben, können an der psychischen Störung erkranken.

Mögliche Ursachen für eine PTBS sind:

  • Vergewaltigung
  • Sexueller Missbrauch oder Misshandlung in der Kindheit
  • Verbrechen, gewalttätige Angriffe auf die eigene Person
  • Krieg, Gefangenschaft, Geiselnahme, Folter
  • Terroranschläge
  • Naturkatastrophen
  • Schwerer Unfall
  • Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung

Das Geschehen verändert das Selbst- und Weltverständnis nachhaltig. Das Vertrauen in andere Menschen kann anhaltend verletzt werden.

Was genau bei einem PTBS passiert, warum es dabei zu typischen Symptomen kommt (siehe Kapitel Symptome), wird noch erforscht. Vieles deutet darauf hin, dass das Gehirn das traumatische Erlebnis in irgendeiner Form fehlerhaft – quasi in unsortierten Bruchstücken – abspeichert. Das Ereignis kann daher nicht erfolgreich verarbeitet und in die eigene Biografie eingeordnet werden.

Risikofaktoren für eine posttraumatische Belastungsstörung

Obwohl grundsätzlich jeder Mensch an einer Posttraumatischen Belastungsstörung erkranken kann, löst nicht jedes Trauma zwangsläufig eine PTBS aus. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko:

  • Eine sehr lange Dauer und besondere Schwere des Traumas
  • Mangelnde Unterstützung durch Freunde und Familie, schwaches soziales Netz
  • Vorangegangene Traumen oder psychische Krankheiten
  • Eine Gewalterfahrung durch andere Menschen wird oft schwerer verkraftet als das Trauma durch eine Naturkatastrophe
  • Veranlagung: Wissenschaftler vermuten, dass eine gewisse Bereitschaft für PTBS bereits in den Erbanlagen (Genen) liegen könnte.
  • Manche Berufsgruppen haben ein erhöhtes Trauma-Risiko, da sie häufiger belastende Ereignisse verarbeiten müssen (zum Beispiel Einsatzhelfer, Polizisten, Soldaten)

Ein Trauma kann auch andere Störungen als eine PTBS zur Folge haben – zum Beispiel eine akute Belastungsreaktion oder eine Anpassungsstörung. Diese Diagnosen muss der Arzt von der posttraumatischen Belastungsstörung abgrenzen.