Borderline: Therapie

Verhaltenstherapie hat sich bei Borderline als effektiv erwiesen. Manchmal verordnet der Arzt auch Medikamente

von Sandra Schmid, aktualisiert am 02.07.2014
Jogger

Patienten mit Borderline-Syndrom helfen oft kleine Hilfsprogramme (Skills), die innere Spannung abzubauen oder zu regulieren – zum Beispiel intensives Lauftraining


Die Borderline-Persönlichkeitsstörung kann mit Psychotherapie, insbesondere mit speziellen Formen der Verhaltenstherapie behandelt werden.

Besonders bewährt haben sich die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) und spezielle psychodynamische Therapien wie die Übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP).

Die Gefühle lenken

Bei der DBT handelt es sich um eine Form der Verhaltenstherapie. Das Prinzip: Patienten lernen, ihre Gefühle in normale Bahnen zu lenken, bevor die Emotionen außer Kontrolle geraten. Sie üben unter Anleitung, mit kleinen, individuellen "Tricks" gegenzusteuern: Einem kann es beispielsweise helfen, bewusst bis zehn zu zählen, sobald er spürt, dass die innere Spannung wächst. Der nächste lässt erst einmal eiskaltes Wasser über seine Unterarme fließen. Dem dritten tut ein intensiver Sprint um den Häuserblock gut. Es existieren ganze Listen an Möglichkeiten. Jeder muss die passende für sich finden.

Diese Behandlungsstrategie mag auf den ersten Blick simpel erscheinen, doch sie hat sich bewährt. Patienten lernen durch ihre kleinen "Hilfsprogramme" – auch Skills genannt – negative Emotionen früher wahrzunehmen, zu regulieren und auf unschädlichen Wegen abzubauen.

Die TFP ermöglicht das symptomorientierte Durcharbeiten eingelernter, sich wiederholender, selbstschädigender Muster im Hier und Jetzt. Selbst-destruktive Handlungen werden weniger.

Selbstsicherheit gewinnen

Weitere psychotherapeutische Verfahren leiten Patienten zum Beispiel an, Gefühle besser zu spüren (Achtsamkeitstraining) oder im Umgang mit anderen Menschen sicherer zu werden (Selbstsicherheitstraining). Schädliche Denkmuster ("Ich bin böse", "Ich bin unwürdig") werden durch tragfähige ersetzt.

Die Psychotherapie kann eventuell auch traumatherapeutische Elemente enthalten, wenn es zum Beispiel um die Bewältigung traumatischer Erlebnisse und deren Integration in die eigene Lebensgeschichte geht. Manchmal kommen außerdem Medikamente zum Einsatz, insbesondere wenn weitere psychische Krankheiten wie Depressionen vorhanden sind.

Die meisten BPS-Patienten werden ambulant behandelt. Bei Suizidgefahr oder schweren Selbstverletzungen empfiehlt sich aber zur Krisenintervention unbedingt eine zeitweise stationäre Therapie in spezialisierten Einrichtungen.