10 Tipps gegen Übergriffe in der Bahn

Überfälle in öffentlichen Verkehrsmitteln nehmen zu. Dem ist aber niemand schutzlos ausgeliefert. Welche Verhaltensweisen die Polizei empfiehlt

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 04.04.2016
Sicher Bahn fahren

Privater Streit oder Angriff eines Fremden? Nicht immer leicht zu unterscheiden


Spätabends in der U-Bahn. Ein müder Fahrgast hat sich an einen Platz am Fenster gesetzt und tippt auf seinem Handy. Da steigt ein aggressiv wirkender Herr ein und setzt sich direkt daneben, obwohl sonst viele Plätze im Abteil leer sind. Er baut sich unangenehm nahe und mit ausgestreckten Beinen auf, sodass der Weg zur Gangmitte verstellt ist. Kaum fährt die U-Bahn wieder an, beginnt er auf den Fahrgast einzureden: "Das ist aber ein schönes Handy. Zeig' doch mal her. Komm, lass es mich ausprobieren! Jetzt sei doch kein Snob."

Allein in Berlin haben sich im Jahr 2012 in öffentlichen Verkehrsmitteln circa 480 Fälle von Raub und knapp 3300 Körperverletzungen ereignet. 173 Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wurden so stark angegriffen, dass sie vorübergehend arbeitsunfähig waren. Die Schäden durch Vandalismus bezifferten sich auf vier Millionen Euro.

In München gab es im Jahr 2014 bei 670 Millionen beförderten Fahrgästen insgesamt 230 Gewaltdelikte. Darunter waren 169 Fälle gefährlicher Körperverletzung und 60 Raubüberfälle.

Wie kommt der Fahrgast in unserem Beispiel aus der Nummer wieder heil raus – und zwar mit seinem Handy? Oder hätte er das übergriffige Verhalten schon im Vorfeld verhindern können? Zu solchen Fragen bietet die Aktion Münchner Fahrgäste Schulungen unter dem Titel "Mit Herz und Verstand handeln" an. Auch in anderen Regionen bietet die Polizei solche Selbstbehauptungskurse an.

Kritische Situationen vermeiden

Polizisten zeigen den Teilnehmern dort in Rollenspielen, wie kritische Situationen entstehen und wie sie sich vermeiden lassen. Hier die wichtigsten zehn Tipps von Polizeihauptmeisterin Sandra Schauder und Polizeiobermeister Sebastian Flad aus der Polizeiinspektion 14 München Westend:

Und wie verhält man sich, wenn ein anderer Fahrgast bedroht wird? Hier empfehlen die Experten, nicht denjenigen anzusprechen, von dem die Aggression ausgeht, sondern das potenzielle Opfer, zum Beispiel mit dem Angebot: "Kommen Sie her, setzen Sie sich zu uns." Dadurch entgeht man der direkten Konfrontation mit dem Täter. Wer sich dies nicht zutraut, kann zumindest unter der Telefonnummer 110 die Polizei rufen.

Wer sich nicht sicher ist, ob er die Situation richtig einschätzt, fragt am besten andere Fahrgäste nach ihrer Meinung. Polizeihauptmeisterin Sandra Schauder rät: "Wer sich solidarisiert, kann Täter schon durch die zahlenmäßige Übermacht beeindrucken und abschrecken." Weitere Tipps und Informationen gibt es unter www.polizei-beratung.de.