Wenn Rabatte Ärger machen

Peter Kanzler, Chefredakteur der Apotheken Umschau, über Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen und die Folgen für Patienten und Apotheker
von Peter Kanzler, Apotheken Umschau, aktualisiert am 08.11.2016

Die Sparerfolge aufgrund der Rabattverträge sind unumstritten. Die Möglichkeit der gesetzlichen Krankenkassen, mit Pharmafirmen diese individuellen Verträge abzuschließen, spart dem deutschen Gesundheitswesen jährlich schätzungsweise 1,6 Milliarden Euro ein.

Doch diese Einsparungen haben für die Apotheken gravierende Folgen. Sie müssen ihre Patienten – oft in langwierigen Gesprächen – darüber aufklären, dass sie künftig nicht mehr ihr gewohntes Medikament, sondern ein Produkt eines anderen Herstellers mit demselben Wirkstoff erhalten.

Vor allem bei älteren Patienten führen die Änderungen zu Verunsicherung. Nicht selten werden nach dem Wechsel wichtige Medikamente falsch, mitunter sogar überhaupt nicht eingenommen. Und es ist nie auszuschließen, dass ein bestimmtes Arzneimittel nicht lieferbar ist.

Neben der intensiven Beratung der Patienten ist zudem der Verwaltungsaufwand extrem hoch. Die Anzahl der individuell geschlossenen Verträge zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern stieg in den vergangenen Jahren auf 16.400. Betroffen sind etwa 28.500 Medikamente – verständlich, dass bei diesen Mengen Irritationen nicht ausbleiben.

"Die Apotheken tragen die Last dieser gesetzlichen Bestimmungen", kritisiert Thomas Preis. Sein Credo: Der Patient muss im Mittelpunkt stehen und nicht wirtschaftliche Überlegungen der Krankenkassen. Ein großes Ziel, doch angesichts der Sparvorgaben der Politik schwer realisierbar.

(Erschienen im Editorial der Apotheken Umschau, Ausgabe Juni B 2012)


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