Glossar:
Das deutsche Gesundheitssystem

Zu diesem Thema gibt es eine Vielzahl von schwer verständlichen Fachbegriffen. Unser Glossar hilft
19.12.2012
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Altersrückstellung

Rücklagen für jeden Versicherten in der privaten Krankenversicherung. Sie dienen dazu, steigende Kosten im Alter abzufedern, um starke Beitragserhöhungen zu vermeiden.


"Ambulant statt stationär"

Beschreibt das Bestreben, Operationen – wenn möglich – ambulant durchzuführen, um Kosten zu sparen.


Aut-idem-Regelung/Aut-simile-Substitution

Verpflichtet Apotheken, ein preisgünstiges alternatives Arzneimittel (Generikum) abzugeben, wenn der Arzt die Ersetzung eines Arzneimittels durch ein wirkstoffgleiches nicht ausgeschlossen hat.


Beitragssatz (einheitlicher)

Seit dem 1. Januar 2009 gilt für alle Gesetzlichen Krankenkassen der gleiche Beitragssatz.


Belastungsgrenze

Für bestimmte chronisch Kranke gibt es eine Obergrenze, was zum Beispiel die Zuzahlung zu Medikamenten betrifft – damit die Betroffenen durch Zuzahlungen nicht übermäßig finanziell belastet werden.

 

Bewertungsausschuss

Erarbeitet die Honorarordnung, nach der Ärzte von Gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden


Bonus-Malus-Regelung

Vereinbarung zwischen Krankenkassen und Ärzten, Reize für wirtschaftliches Behandeln von Patienten zu schaffen. Ein Arzt erhält also ein Bonus, wenn er Patienten kostengünstig behandelt. Er muss mit unter Umständen eine Strafe zahlen, wenn er zu teuer behandelt.

Disease-Management-Programme (DMP)

Festgelegte Behandlungspläne für chronisch kranke Patienten, deren Ziel es ist, den Patienten mehr Lebensqualität zu geben und möglichst vor Spätfolgen zu bewahren


Diagnosis Related Groups

Ein Klassifikations-System, nachdem Patienten und die Therapie ihrer Krankheiten in so genannte Fallgruppen eingeteilt werden. Das soll die Berechnung der Kosten vereinfachen.


Direktverträge

Üblicherweise findet die Abrechnung von erbrachten Leistungen eines Arztes über die  Kassenärztlichen Vereinigungen statt. Seit gut zwei Jahren können die Kassen mit Ärzten und Krankenhäusern aber auch Direktverträge zur Abrechnung der Leistungen abschließen – ohne Einbeziehen der Kassenärztlichen Vereinigungen.


Elektronische Gesundheitskarte

Auf der Krankenversichertenkarte sind Daten wie Namen, Adresse und Geburtsdatum gespeichert. Die elektronische Gesundheitskarte soll einige Daten mehr enthalten, unter anderem medizinische Daten für die Notfallversorgung, persönliche Arzneimittelunverträglichkeiten und einen elektronischen Arztbrief. Derzeit durchläuft die elektronische Gesundsheitskarte noch Testphasen.


Fallpauschalengesetz

Statt einzelen Leistungen eines Krankenhauses für eine Therapie zu bezahlen, gibt es für viele Behandlungen so genannnte Fallpauschalen, mit denen eine Behandlung komplett abgedeckt ist.


Festbeträge für Arzneimittel

Festbeträge sind Höchstpreise für bestimmte Medikamente, die Gesetzliche Krankenkassen zahlen. Übersteigt der Preis des Arzneimittels den Festbetrag, muss der Versicherte die Mehrkosten selber tragen.


Gemeinsamer Bundesausschuss

Der Gemeinsame Bundesausschuss bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung.


Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds organisiert seit dem 1. Januar 2009 die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenkassen neu. Wesentliche Merkmale sind: Es gibt für alle Kassen einen einheitlichen Beitragsatz (den das Bundesministerium für Gesundheit festlegt); die Beiträge der Versicherten fließen allesamt in einen gemeinsamen Topf, aus dem die Kassen pauschale Zuweisungen für jeden Versicherten erhalten, sowie ergänzende Zu- und Abschläge je nach Alter, Geschlecht und Krankheit ihrer Versicherten.


Hausarztversorgung (Hausarztvertrag)

Versicherte können sich ihrer Krankenkasse verpflichten, einen Facharzt nur mit einer Überweisung durch den Hausarzt aufzusuchen. Als Gegenleistung erhalten die Versicherten einen günstigeren Tarif.


IGeL-Liste

Abkürzung für "Individuelle Gesundheitsleistungen". Therapieangebote von Ärzten, die von gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden. Versicherte können diese aber auf eigener Rechnung in Anspruch nehmen. Vielfach fehlt bei diesen Behandlung aber wissenschaftliche Beweise über den tatsächlichen Nutzen.


Integrierte Versorgung

Unter dem Stichwort "integrierte Versorgung" wird das Konzept zusammengefasst, alle Beteiligten in der medizinischen Versorgung (also niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser, Reha-Kliniken, etc.) möglichst optimal miteinander zu vernetzen – zum Vorteil des Patienten


Kassenärztliche Bundesvereinigung

Sie sind die politischen Interessenvertretungen der Ärzte, die eine Kassenzulassung haben


Kassenwechsel

Obwohl seit Januar 2009 alle gesetzlichen Krankenkassen einen Einheitstarif haben, kann sich ein Wechsel von einem Anbieter zum anderem lohnen – denn zahlreiche Kassen bieten Zusatzangebote und Wahltarife. Der Wechsel ist problemlos für alle möglich, die mindestens 18 Monate bei ihrer bisherigen Kasse Mitglied waren.


Kosten-Nutzen-Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) führt solche Analysen bei Arzneimittel durch. Die Bewertungen sollen Aussagen über den Beitrag neuer Arzneimittel zur Verbesserung der medizinischen Behandlung von Patienten beinhalten.


Leistungskatalog

Eine Auflistung aller Therapien, die gesetzliche Krankenkassen einem Patienten bezahlen, wenn ein Arzt die entsprechenden Diagnosen dafür gestellt hat. Die Liste wird fortlaufend dem sich ständig ändernden medizinischen Wissen angepasst.


Leitlinien

Systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für Ärzte, damit diese Patienten angemessen versorgt. Sie werden regelmäßig aktualisert.


OTC-Arzneimittel

OTC steht für "Over The Counter". Dabei handelt es sich um Medikamente, die frei verkäuflich sind, das heißt, man braucht kein Rezept dafür.


Pflichtversicherung (Versicherungspflicht)

Seit dem 1. Januar 2009 besteht in Deutschland eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Diese kann entweder bei einer Gesetzlichen Krankenkasse abgeschlossen werden, bestimmte Bevölkerungsgruppen haben auch die Möglichkeit, sich privat zu versichern


Praxisgebühr

Sie beträgt derzeit 10 Euro und wird bei gesetzlich Versicherten einmal pro Quartal bei einem Arztbesuch fällig. Bei einer Überweisung von Arzt zu Arzt muss die Gebühr nicht noch einmal bezahlt werden. Eine Ausnahme stellen Zahnarztbesuche dar – für sie muss pro Quartal einmal extra 10 Euro gezahlt werden. Ausgenommen von der Praxisgebühr sind zudem bestimmte Vorsorgeuntersuchungen. Ab 2013 entfällt die Gebühr.


Rabattverträge

Ein Rabattvertrag ist eine Vereinbarung zwischen einzelnen Pharmaherstellern und gesetzlichen Krankenversicherungen über die Belieferung der Versicherten mit bestimmten Arzneimitteln des Herstellers. Die Hersteller gewähren den Kassen dabei üblicherweise Preisnachlässe.


Regelleistungen

Arzneimittel und Therapien, die alle gesetzlichen Krankenkasse ihren Versicherten zahlen müssen. Sie sind im Leistungskatalog aufgeführt. Der Begriff ist eigentlich veraltert, wird aber immer noch gebraucht.


Solidaritätsprinzip

Erklärt ein Grundprinzip der Gesetzlichen Krankenkassen: Die Beiträge zur Versicherung richtet sich nach dem Einkommen des Versicherten und nicht nach derem medizinischen Bedürfnissen. Damit soll gewährleistet werden, das jeder die Versorgung bekommt, die er braucht, und nicht nur die, die er bezahlen kann. Die Gemeinschaft aller Versicherten kommt also für die Bedürfnisse aller auf.


Steuerzuschuss

Neben den Beiträgen der Versicherten erhalten Gesetzliche Krankenkassen auch Steuergelder vom Staat. Dieser Zuschuss soll unter anderem dazu dienen, die kostenlose Versorgung von Kindern in den Gesetzlichen Krankenkassen zu ermöglichen.

 

Versicherungspflichtgrenze

Stellt die Einkommenshöchstgrenze dar, bis zu der in der Gesetzlichen Krankenversicherung Versicherungspflicht besteht. Wer mit seinem Einkommen über dieser Grenze liegt, hat die Wahl zwischen Gesetzlichen und Privaten Kassen.


Versorgungsverträge

Krankenhausbehandlungen werden von Gesetzlichen Krankenkassen nur in zugelassenen Krankenhäusern bezahlt. Die Zulassung regelt der so genannte Versorgungsvertrag.


Vertrags(zahn)arzt

Ärzte, die eine Zulassung von Gesetzlichen Krankenversicherungen haben, deren Mitglieder zu behandeln.


Wahlleistungen

Ein Begriff, der vor allem bei einem Aufenthalt im Krankenhaus zur Anwendung kommt. Will ein Patient mehr Leistungen, als es seine Krankenkasse bezahlt – zum Beispiel ein Zweibettzimmer – muss er das aus eigener Tasche bezahlen. Für einige solcher Leistungen gibt es Kranken-Zusatzversicherungen.


Zusatzbeitrag

Mit der Einführung des Gesundheitfonds im Jahr 2009 haben Gesetzliche Krankenkassen die Möglichkeit bekommen, bei ihren Mitgliedern Zusatzbeiträge zu erheben, sollte der Finanzbedarf der Kassen den Zuwendungen aus dem Fonds übersteigen.


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