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Schneller zum Arzt – als Kassenpatient

Mit einem neuen Gesetz will die Bundesregierung erreichen, dass gesetzlich Krankenversicherte nicht mehr monatelang auf Arzttermine warten. Wie das funktionieren soll

von Tina Haase, 14.03.2019
Patienten im Wartezimmer

In naher Zukunft sollen bestimmte Fachärzte fünf offene Sprechstunden pro Woche anbieten


Gesetzlich Krankenversicherte sollen künftig schneller einen Termin beim Arzt bekommen. Der Bundestag verabschiedete am 14. März 2019 ein Gesetz, das Ärzte dazu verpflichtet, mindestens 25 Stunden Sprechzeit pro Woche anzubieten, statt wie bisher 20. Bestimmte Fachmediziner, zum Beispiel Augen-, Frauen- oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, müssen pro Woche fünf offene Stunden Sprechzeit anbieten, zu denen Patienten ohne Termin kommen können. Dafür sollen die Ärzte auch besser honoriert werden. Das Gesetz wird voraussichtlich im Mai 2019 in Kraft treten.

"Es ist eines der größten Aufregerthemen, die wir im Gesundheitswesen haben: Der Nachbar, privat versichert, hat nächste Woche einen Termin und der gesetzliche Versicherte muss zu oft zu lange warten", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Das müsse aufhören. SPD-Gesundheitsexperte Professor Karl Lauterbach, selbst Arzt, sprach von einem Gesetz zum Abbau der Zwei-Klassen-Medizin.

Terminvergabe der Zukunft

Das Gesetz sieht vor, dass Terminservicestellen – bundesweit erreichbar unter der Telefonnummer 116117 und online unter www.116117.de – bis 1. Januar 2020 ausgebaut werden. Die Nummer soll dann 24 Stunden täglich an sieben Tagen pro Woche erreichbar sein. Und Patienten haben am anderen Ende der Leitung einen Ansprechpartner, der ihnen Termine bei Haus- und Kinderärzten besorgt – innerhalb von vier Wochen. In Akutfällen werden die Patienten sofort an entsprechende Ärzte, Notfallambulanzen oder Krankenhäuser vermittelt.

Anreize für Fachärzte

Fachärzte, die neue Patienten aufnehmen, bekommen das extra vergütet. Ein Plus von 50 Prozent auf die Versichertenpauschale wird fällig, wenn der Termin innerhalb einer Woche nach der Überweisung durch den Hausarzt zustande kommt. Für eine Behandlung in der zweiten Woche soll es einen Aufschlag von 30 Prozent geben. In der dritten und vierten Woche sind es 20 Prozent.

Es werde für Fachärzte damit lukrativer, neue gesetzlich Versicherte aufzunehmen, so Lauterbach. Die Wartezeiten für Termine verkürzten sich für Kassenpatienten deutlich. Von Überweisungen an andere Ärzte profitieren auch die Hausärzte, die für die erfolgreiche Vermittlung eines Facharzttermins künftig jeweils zehn Euro bekommen.

Versorgung auf dem Land

Auch die ärztliche Versorgung auf dem Land soll sich verbessern. Dort sind unter anderem höhere Zuschläge für Ärzte vorgesehen. Wenn es in einer bestimmten Region nicht genügend Arztpraxen gibt, müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen tätig werden, um die gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten. Arztbusse oder digitale Sprechstunden könnten mit zu einer Lösung beitragen.

Kritische Stimmen

Die Opposition lehnte das Gesetz ab. Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP Christine Aschenberg-Dugnus sagte, Ärzte seien schon jetzt mehr Stunden in der Woche für ihre Patienten da. Sie forderte vor allem weniger Belastungen der Ärzte durch Bürokratie. Für Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, kommt die Versorgung von älteren, mehrfach erkrankten Patienten zu kurz. Krankenkassen befürchten durch die Reform höhere Kosten.