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Vertrauliche Beratung in der Apotheke

Diskretion ist gerade in Gesundheitsfragen wichtig - für Patient und Apotheker. Deshalb gibt es in manchen Apotheken separate Beratungsräume, Abstandsstreifen am Boden oder beschriftbare Karten

von Christian Krumm, 04.04.2019
Apothekerin

Aus Rücksicht auf die Mitmenschen sollte man in der Apotheke einen ausreichenden Abstand zu anderen Kunden wahren


"Die Tabletten sind gegen die Übelkeit, die müssen Sie einmal täglich nehmen", erklärt die junge Apothekerin dem Patienten. Weil dieser aber nicht mehr gut hört, muss sie etwas lauter sprechen. Was zunächst rücksichtsvoll erscheint, hat einen Haken: Die anderen Kunden im Raum sind nun ebenfalls bestens darüber informiert, welches Leiden den älteren Herrn in die Apotheke geführt hat.

Szenen wie diese ereignen sich täglich. Die Problematik ist den Apothekern bewusst. Durch die Betriebsordnung sind sie verpflichtet, Dis­kretion zu gewährleisten. "Bereits seit Jahren rüsten die Apotheken auf, um eine vertrauliche Beratung unter vier Augen sicherzustellen", berichtet Johannes Jaenicke. Als offizieller Pharmazierat hat der Apotheker aus Rhaunen im Hunsrück die Aufgabe, in ­seiner Region die Beachtung der Bestim­mungen zu kontrollieren.

Am einfachsten gelinge deren Umsetzung bei neu gegründeten oder komplett renovierten Apotheken. Da geht der Trend weg vom langen Beratungstisch mit mehreren Plätzen – hin zu separaten Einzelplätzen mit großem Abstand, manchmal sogar mit Trennwänden.

Diskretion, bitte!

Bestandsapotheken tun sich mit baulichen Veränderungen oft schwerer. Das trifft auch auf Jaenickes Offizin zu – den Verkaufsraum. "Wir lösen das mit deutlich erkennbaren Streifen auf dem Boden, um die Diskretionszone zu verdeut­lichen." Das funktioniere in der Regel gut. Manche Kunden würden schelmisch fragen, ob sie jetzt "über die Grenze dürften".

Zudem sind alle Mitarbeiter ange­halten, möglichst leise zu sprechen. Selbstverständlich ist auch, dass ­Dokumente wie Rezeptkopien oder Notizen nicht sichtbar herumliegen und so schnell wie möglich vernichtet werden. "Wir stellen sicher, dass ­solche Unterlagen nie von fremden Personen wie Lieferanten oder Handwerkern eingesehen werden können", sagt Jaenicke.

Heikle Waren wie etwa Inkontinenzprodukte werden in ausreichend großen, blickdichten Tüten übergeben. Auch der Lieferbote der Apotheke bekommt nur verschlossene und versiegelte Tüten. Streng genommen sei das nicht nötig: "Die Boten unterliegen wie das gesamte Apothekenpersonal der Schweigepflicht."

Diskrete Beratung

Schamgefühle beim Beratungsgespräch

Manche Menschen haben dennoch ein ungutes Gefühl, wenn sie über gesundheitliche Probleme sprechen sollen – besonders bei mit Scham behafteten Themen wie Leiden im Intimbereich. Dafür gibt es in den Apotheken speziell eingerichtete Beratungsecken oder -zimmer, in denen ein Gespräch unter vier Augen möglich ist (siehe Kasten).

Das kann sich der Patient jederzeit wünschen. "Vielleicht hat er aber bereits Hemmungen, dieses Anliegen überhaupt auszusprechen", sagt Jaenicke. Deswegen hatte er eine krea­tive Idee: An einem Aufsteller am Eingang seiner Apotheke liegen kleine Diskretionskarten bereit. Patienten können sich eine nehmen und zu Beginn der Beratung einfach auf den Tisch legen. Jaenicke ist zufrieden: Die Idee funktioniert.

Vertrauliches Gespräch

  • Termin vereinbaren: Jede Apotheke verfügt über einen separaten Beratungsraum. Rufen Sie vorab an, um sicherzustellen, dass Sie zur gewünschten Zeit einen Termin in diesem Zimmer bekommen. ­Melden Sie es auch an, wenn Sie mit einem bestimmten Mitarbeiter sprechen möchten.
  • Abstand halten: Wahren Sie ­einen ausreichenden Abstand zu den Kunden vor Ihnen – auch wenn die Diskretionszone in der Apo­theke nicht eindeutig markiert ist.
  • Hinweis geben: Sagen Sie es dem Mitarbeiter in der Apotheke freundlich, wenn Sie das Gefühl ­haben, dass Ihr Bedürfnis nach ­Diskretion verletzt wird. Oft ist das einfach der Hektik des Tages geschuldet.