Osteomyelitis

Eine Osteomyelitis ist eine Infektion des Knochens. Sie verläuft oft chronisch und erfordert dann eine komplexe Behandlung

von Dr. med. Dagmar Schneck, 02.04.2014
Röntgenbild (Symbolbild)

Auf Röntgenbildern findet der Arzt eventuell Hinweise auf eine Osteomyelitis


Streng genommen bedeutet der Begriff Osteomyelitis "Infektion des Knochenmarks". Im medizinischen Sprachgebrauch wird er aber meistens ebenso für eine Entzündung des gesamten Knochens verwendet. Auch die Bezeichnung "Osteitis", also "Knochenentzündung" ist möglich und üblich.

Eine Osteomyelitis kann immer dann entstehen, wenn sich an einem Knochen oder seinem angrenzenden Gewebe Keime wie Bakterien, Viren oder Pilze ansiedeln und zu einer Infektion führen.

Wie entsteht eine Osteomyelitis?

Eine Infektion des Knochens kann auf unterschiedliche Arten entstehen. In manchen Fällen gelangen die Keime aus einem Infektionsherd (zum Beispiel von einem Abszess oder einer infizierten Wunde) in den Blutstrom und setzen sich dann am Knochen fest. Diese Form der Erkrankung ist seit der Einführung der Antibiotika vergleichsweise selten geworden.

Deutlich öfter entsteht eine Osteomyelitis, weil sich eine Infektion in unmittelbarer Nachbarschaft des Knochens ausbreitet. Hierzulande passiert das am häufigsten als Komplikation einer Wundinfektion nach orthopädischen und unfallchirurgischen Operationen. Das höchste Infektionsrisiko besteht bei offenen Knochenbrüchen, die mit stabilisierenden Platten und Nägeln versorgt werden müssen. Seltener sind Infektionen nach geplanten Operationen zum Gelenkersatz – zum Beispiel beim Einsatz einer Hüftprothese. Relativ häufig kommt es zu einer Osteomyelitis des Kieferknochens durch einen Abszess im Bereich eines Zahnes.

Chronische Erkrankungen wie eine Zuckerkrankheit, ein ausgeprägtes Übergewicht, Erkrankungen wichtiger Organe wie Niere oder Lunge sowie eine Immunabwehrschwäche können eine Osteomyelitis begünstigen.

Die wichtigsten Erreger für eine Osteomyelitis sind in unseren Breiten Staphylokokken. Seltener spielen verschiedene andere Bakterienarten wie die Erreger der Tuberkulose oder Pilze eine Rolle.

Welche Beschwerden kommen bei einer Osteomyelitis vor?

Auf eine Osteomyelitis hinweisen können Schmerzen, Schwellung und Absonderung von Wundflüssigkeit. Solche Symptome gehen entweder nach Verletzungen oder Operationen nicht weg – oder treten unter Umständen erst Jahre nach einer abgeschlossenen Behandlung wieder auf. Eine Osteomyelitis kann sich aber auch hinter einer Vielzahl von anderen, oft uncharakteristischen Beschwerden verbergen.

Vor allem, wenn Begleiterkrankungen bestehen oder neu auftreten, kann eine Osteomyelitis auch lange Zeit nach einer entsprechenden Verletzung oder einem Gelenkersatz entstehen oder wieder aufflammen. Darum ist es in solchen Fällen auch bei untypischen oder milden Beschwerden ratsam, nach weiteren Anzeichen für eine Osteomyelitis zu suchen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Wichtige Hinweise erhält der Arzt aus der Vorgeschichte des Patienten und der körperlichen Untersuchung. Röntgenbilder, eine Magnetresonanztomografie (MRT) und bestimmte Blutuntersuchungen (zum Beispiel auf Infektionszeichen) ergänzen die Diagnostik.

Um die Therapie optimal anzupassen, ist ein Nachweis des Erregers wichtig. Ein Wundabstrich ist am einfachsten, aber auch am wenigsten aussagekräftig. Zuverlässiger sind tiefe Gewebeproben, die der Arzt mit Hilfe einer speziellen Nadel (Feinnadelpunktion) oder noch besser durch eine Operation gewinnt.

Je früher die Diagnose feststeht, desto besser. Beginnt eine wirksame Behandlung verzögert, neigt die Osteomyelitis dazu, chronisch zu werden oder sich weiter auszubreiten. Dann drohen unter Umständen schwere und bleibende Schäden.

Chronische nicht bakterielle Osteomyelitis im Kindesalter

Bei sehr seltenen Formen einer Osteomyelitis im Kindes- und Jugendalter ist auch mit modernen Methoden weder eine Ursache der Erkrankung zu finden noch ein auslösender Keim zu identifizieren. Diese Sonderformen fassen Spezialisten unter dem Begriff "chronische nicht bakterielle Osteomyelitis" zusammen. Betroffene mit diesen Krankheitsbildern brauchen meist eine spezielle Behandlung und Betreuung durch einen Kinderarzt, der für Rheumatologie spezialisiert ist.

Welche Möglichkeiten gibt es, eine Osteomyelitis zu behandeln?

Das Ziel der Behandlung ist, den Infekt zum Abklingen zu bringen, Schmerzen zu lindern und die betroffenen Gliedmaßen und ihre Funktion so weit wie möglich zu erhalten.

Meistens strebt der Arzt eine Heilung der Erkrankung an (kurative Behandlung). Manchmal erlaubt der Gesundheitszustand eines Betroffenen aber auch nur eine weniger einschneidende und lediglich lindernde Behandlung.

Wichtigster Pfeiler der heilenden Behandlung von Erwachsenen ist eine chirurgische Sanierung. Das bedeutet, dass der Arzt Fremdkörper (wie Gelenkprothesen, Platten und Schrauben) und alles entzündete Gewebe, sowohl Knochen als auch umgebende Weichteile in einer Operation entfernt. Bis zur Wiederherstellung stabiler Verhältnisse von Knochen und Gelenken sowie des umgebenden Weichteilgewebes (Muskel und Haut) sind meist mehrfache Operationen im Verlauf von vielen Wochen nötig. Zusätzlich erhält der Betroffene eine an die Erreger angepasste Therapie mit Antibiotika und Schmerzmedikamente.

Darüber, wie lange die Behandlung mit Antibiotika nötig ist, sind sich nicht alle Experten einig. Bei Kindern sind kürzere Behandlungen üblich als bei Erwachsenen. Experten empfehlen nach Möglichkeit Wirkstoffe in Form von Tabletten.

Eine Behandlung ohne Operation ist nur in bestimmten Situationen erfolgversprechend. Dazu gehört die akute Osteomyelitis im Kindesalter. Beginnt die Therapie des betroffenen Kindes mit einem geeigneten Antibiotikum bereits innerhalb von drei Tagen nach dem Beginn der ersten Symptome, ist in den meisten Fällen eine Heilung ohne Operation möglich.

Gibt es vorbeugende Maßnahmen?

Wichtigste vorbeugende Maßnahme ist eine angemessene und zeitnahe Versorgung von Verletzungen an Knochen und Weichteilen. Behandeln Ärzte akute Wundinfektionen möglichst optimal, senken sie das Risiko für einen chronischen Verlauf. Gegenwärtig liegt die Infektionsrate bei geplanten orthopädischen und unfallchirurgischen Operationen bei etwa einem bis zwei Prozent. Bei Notfalleingriffen kann die Rate deutlich höher sein.

Um das Risiko für eine Osteomyelitis weiter zu senken, untersuchen Wissenschaftler derzeit, ob spezielle Beschichtungen auf Implantaten wie Platten oder Endoprothesen eine Besiedelung mit Bakterien verhindern können. Ein weiterer Ansatz ist, das Immunsystem für die Abwehr bestimmter Bakterien zu aktivieren. Im medizinischen Alltag stehen diese Verfahren jedoch noch nicht zur Verfügung.

Dr. med. Gerhard Walter

Beratender Experte: Dr. med. Gerhard Walter

Dr. med. Gerhard Walter ist Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie. Er ist Chefarzt der Abteilung für septische Chirurgie der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt am Main.

Quellen:

Dietel M, Suttorp N, Zeitz M (Hrsg.) Harrions Innere Medizin (Deutsche Ausgabe) 18. Auflage, Berlin 2012, ABW Wissenschaftsverlag

Walter G, Kemmerer M, Kappler C, Hoffmann R, Behandlungsalgorithmen der chronischen
Osteomyelitis Dtsch Arztebl Int 2012; 109(14): 257–64. Online:
http://www.aerzteblatt.de/archiv/124585/Behandlungsalgorithmen-der-chronischen-Osteomyelitis (Abgerufen am 25.02.2014)

Al-Nawas B
Antiinfektive Therapie der Osteomyelitis MKG-Chirurg 2013, 6:88–91. Online: http://www.hsk-wiesbaden.de/fileadmin/redaktion/HSK/MKG/Dateien/4_Al-Nawas_Antiinfektive_Therapie_der_Osteomyelitis.pdf (Abgerufen am 25.02.2014)

Leitlinie der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie und der
Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
Akute hämatogene Osteomyelitis und bakterielle Arthritis; Stand, Januar 2013, AWMF-Registriernummer 027/054. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/027-054l_S1_Akute_h%C3%A4matogene_Osteomyelitis_bakterielle_Arthritis_2013-01.pdf (Abgerufen am 25.02.2014)

Leitlinie der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie und der
Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
 Chronisch nicht-bakterielle Osteomyelitis, Stand, Januar 2013, AWMF-Registriernummer: 027/055. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/027-055l_S1_Chronisch_rezidivierende_multifokale_Osteitis_2013-01.pdf (Abgerufen am 25.02.2014)

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.