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Wann ein Trommelfellriss gefährlich wird

Kleinere Verletzungen heilen meist gut. Manchmal drohen jedoch ernste Folgen. Wie Ärzte einen Trommelfellriss behandeln

von Dr. Karoline Stürmer, aktualisiert am 09.08.2018
Wann ein Trommelfellriss gefährlich wird

Tabu: Wattestäbchen können das Trommelfell verletzen


Ein stechender Schmerz, eine plötzliche Hörverschlechterung, ein hohles Gefühl im Ohr – so macht sich eine Verletzung des Trommelfells typischerweise bemerkbar. Manchmal rinnt auch etwas Blut aus dem Ohr, oder es schwindelt einen. Kleinere Trommelfellverletzungen heilen meist gut. Sind aber Mittel- oder Innenohr beschädigt, kann ein dauerhafter Hörverlust bis hin zur Taubheit drohen. Einen Verdacht auf Trommelfellverletzung sollte daher stets ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt abklären.

Das Trommelfell ist ein dünnes Häutchen, das den äußeren Gehörgang vom Mittelohr trennt. Es schützt das Ohr vor Krankheitserregern und spielt beim Hören eine wichtige Rolle: Es nimmt die Schallwellen auf. Die Gehör­­knöchelchen leiten sie dann weiter an Sinneszellen im Innenohr.

Risiko Flugzeugstart und -landung

Das Trommelfell kann aus unterschiedlichen Gründen Schaden nehmen – etwa, wenn ein Wattestäbchen oder ein spitzer Gegenstand beim Reinigen zu tief ins Ohr eindringt. Öfter wird es aber durch plötzliche Luftdruckänderungen verletzt. Der Grund: Im Mittelohr hinter dem Trommelfell befindet sich ein mit Luft gefüllter Hohlraum. Verändert sich der Luftdruck in der Umgebung, passt sich der Innendruck normalerweise rasch an. Dies geschieht über einen feinen Verbindungskanal zwischen Mittelohr und Rachen: die sogenannte Ohrtrompete oder Tube. Nur manchmal müssen wir nachhelfen, indem wir schlucken oder kauen.

Gelingt dies nicht, etwa weil die Tuben bei einer Erkältung zugeschwollen sind, leidet das Trommelfell – besonders, wenn der Umgebungsdruck ansteigt. Dann wird das Trommelfell in Richtung Mittelohr gesaugt. Als Folge kann das feine Häutchen einreißen. Zu einer schnellen Druckänderung kommt es bei Start und Landung eines Flugzeugs, beim Auf- und Abtauchen im Wasser, bei einer Explosion oder einer heftigen Ohrfeige.

Vorsicht bei chronischer Mittelohrentzündung

Ein weiteres Risiko: eine Entzündung des Mittelohrs. Dabei kann sich eitri­ges Sekret bilden, das auf das Trommelfell drückt. Hält dieses nicht mehr stand und reißt ein, fließt das Sekret ab, Schmerz und Druckgefühl lassen schlagartig nach. "Das Loch wächst in diesem Fall meist nach kurzer Zeit von selbst wieder zu", sagt Dr. Frank Waldfahrer, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Universitätsklinikum ­Erlangen.

Anders bei der chronischen Mittelohrentzündung: Auch wenn diese anfangs oft wenig Beschwerden macht, kann sie Schleimhäute, Trommelfell und Gehörknöchelchen massiv schädigen und l­ebensgefährliche Komplikationen verursachen. Diese Form der Mittelohr­entzündung heilt nicht von selbst. Besonders riskant wird sie mit Löchern im Randbereich des Trommelfells. "Diese chronische Knocheneiterung genannte Form kann im schlimmsten Fall auf Hirnhäute und Gesichtsnerven übergreifen", warnt Professor Roland Laszig, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. Chronische Mittelohrentzündun­­gen müssen chirurgisch versorgt werden.

Verletzungen am Trommelfell richtig behandeln

Um zu sehen, ob das Trommelfell verletzt ist, blickt der Arzt mithilfe eines Ohrenspiegels oder eines Ohrmikroskops in den Gehörgang. Hörtests zeigen, ob ein Hörverlust besteht und Mittel- und Innenohr beteiligt sind. Die Behandlung richtet sich nach Art und Ausmaß der Schädigung. Kleine Risse nach einer akuten Entzündung oder einer Verletzung durch Druck­­änderung heilen oft innerhalb weniger Tage bis Wochen. Ein Antibiotikum hilft gegebenenfalls, einem bakteriellen Infekt vorzubeugen. Patienten sollten das Ohr sauber und trocken halten.

Größere Risse erfordern meist eine Operation. In manchen Fällen genügt es, die Ränder des eingerissenen Trommelfells glatt zu ziehen und mit einer speziellen Silikon-Folie zu schienen, sodass sie zusammenwachsen können. Führt dieser Eingriff nicht zum Erfolg oder sind die Ränder des Trommelfells ebenfalls geschädigt, ist eine Tympanoplastik notwendig. "Dabei wird das Trommelfell durch eine Transplanta­tion von körpereigenem Gewebe aus Muskeln oder Knorpel des Patienten rekonstruiert", so Laszig. Das ist bei Menschen mit chronischer Mittelohrentzündung notwendig. In schweren Fällen müssen außerdem die benachbarten Gehörknöchelchen durch Prothesen ersetzt werden, um die Hör­fähigkeit zu verbessern.

Um Rissen vorzubeugen, sollte man die Ohren vorsichtig säubern, etwa mit einem Handtuch die Ohrmuschel auswischen. Im Zweifel weiß der Arzt, ob zudem Tropfen aus der Apotheke nötig sind. Vor einem Tauchgang ist eine Ohr­untersuchung ratsam, bei einer Erkältung lieber an Land bleiben. Vor einer Flugreise sollte zum Arzt, wer eine Erkältung, eine Mittelohrentzündung oder enge Tuben hat. Im Extremfall muss die Reise verschoben werden, oft reicht abschwellendes Nasenspray vor Start und Landung.