Ohrenschmerzen: Therapie und Selbsthilfe

Bei Ohrenschmerzen sollte immer zuerst ein Arzt die Ursache feststellen und die Behandlung vorgeben. Zusätzlich können Betroffene selbst oft viel zur Gesundung beitragen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 14.11.2016

Ohrstöpsel können die Ohren vor Lärm schützen


Ohrenschmerzen: Zuerst ist immer der Arzt gefragt

Ist die Ursache für die Ohrenschmerzen gefunden, wird der Arzt – in der Regel der Hausarzt, Kinderarzt oder Hals-Nasen-Ohrenarzt – die Therapie individuell auf seinen Patienten und das Krankheitsbild ausrichten.

Die Behandlung von Ohrerkrankungen zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, mögliche Infektionsherde zum Ausheilen zu bringen oder zu entfernen, eine gestörte Belüftung im Ohrraum wieder zu normalisieren und zu verhindern, dass sich die Erkrankung ausbreitet. Dazu setzen die Ärzte zielgerichtet Medikamente ein, wie zum Beispiel Schmerzmittel, desinfizierende oder abschwellende Arzneien, etwa abschwellende Nasentropfen. Gegebenenfalls sind auch Antibiotika, Mittel gegen Viren oder Kortison angezeigt. Mitunter ziehen Fachärzte chirurgische Eingriffe in Betracht, etwa um Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohrraum abzuleiten, Eiterherde oder Wucherungen zu entfernen oder Trommelfellschäden zu beheben.

Gegen entzündliche Vorgänge im Rachenraum wählen die Ärzte ebenfalls die dem Krankheitsverlauf und möglichen Krankheitserregern entsprechenden Medikamente aus. Treten zum Beispiel immer wieder hartnäckige Mandelentzündungen auf, kann es manchmal auch notwendig sein, die Rachenmandeln zu entfernen. Bei Geschwulsten in diesem Bereich sind in der Regel stets chirurgische Maßnahmen angezeigt.

Probleme im Kiefer-Zahn-Bereich behandelt der Zahnarzt oder der Kieferorthopäde. Ein Orthopäde wird Störungen an der Halswirbelsäule mit den dafür geeigneten Maßnahmen angehen. Dazu gehören häufig Krankengymnastik, Schmerzmittel, Wärme- und Kältetherapien. Die Behandlung von Nervenstörungen liegt in der Regel bei einem Facharzt für Nervenerkrankungen, einem Neurologen.

Selbsthilfe bei Ohrenschmerzen: Nur in Absprache mit dem Arzt

Allgemein gilt für viele Erkrankungen, die mit Ohrschmerzen verbunden sind, dass die Kranken sich schonen und den Empfehlungen ihres Arztes folgen. Viele Menschen schwören bei Ohrerkrankungen auf bewährte Hausmittel wie Wärmeanwendungen oder die berühmten Zwiebelsäckchen. Allerdings sind nicht alle Anwendungen bei allen Ohrschmerzen hilfreich oder sinnvoll. Deshalb: Fragen Sie immer zuerst Ihren Arzt!

Grafik: So sehr belastet Lärm

Ohrproblemen vorbeugen: Mit behutsamer Ohrpflege und Badeschutz

  • Wattestäbchen haben im Ohr nichts zu suchen. Ebenso wenig harte, oder gar spitze Gegenstände. Viele Menschen verursachen mit ihren Reinigungsbemühungen kleine, oft folgenreiche Verletzungen. Über diese können sich Krankheitserreger ausbreiten. Es genügt, angesammelten Schmutz aus der Ohrmuschel sanft mit einem feuchten Tuch zu entfernen. Der Gehörgang reinigt sich in der Regel selbst. Wer versucht, hier mit Wattestäbchen zu operieren, entfernt zudem entweder zu viel von dem schützenden Ohrenschmalz oder drückt es zu einem harten Pfropf zusammen.
  • Versuchen Sie auch nicht, einen Ohrenschmalzpfropf oder einen Fremdkörper selbst zu entfernen, weder bei sich noch bei Ihren Kindern. Hier ist immer ein HNO-Arzt gefragt.
  • Wasser in den Ohren schadet zwar nicht, lässt aber Bakterien leichter vordringen. Ebenso können Reste von Shampoo oder Badezusätzen die feine Ohrhaut aufweichen. Tupfen Sie ihre Ohren nach dem Duschen vorsichtig mit einem weichen Tuch trocken. Auch mit warmer, nicht zu heißer Fönluft können Sie die Ohren trocknen.
  • Ohrenschutz ist vor allem für Menschen wichtig, die viel in gechlortem oder kaltem Wasser schwimmen. Das Chlor reizt mitunter die Gehörgangshaut und begünstigt so Entzündungen. Auch der häufige Kontakt mit kaltem Wasser wirkt sich nachteilig aus. Damit das Wasser nach dem Schwimmen besser aus dem Ohr ablaufen kann, ziehen Sie ein paar Mal mit zur Seite geneigtem Kopf am Ohrläppchen. Schwimmer mit empfindlichen Ohren tragen am besten Badekappen oder passende Stöpsel. Es gibt auch spezielle Ohrentropfen, die Wassersportler vor und nach dem Schwimmen anwenden können. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem HNO-Arzt beraten.
  • Wer Ohrstöpsel als Lärmschutz in der Nacht verwendet, sollte darauf achten, die Stöpsel nicht zu tief und fest in den Gehörgang zu drücken. Wechseln Sie die Stöpsel auch häufig, damit sich keine Keime auf ihnen vermehren und so ins Ohr gelangen.
  • Gehörschutz am Arbeitsplatz ist unerlässlich für alle, die zum Beispiel an lauten Maschinen oder auf Baustellen tätig sind, um Ohrschäden vorzubeugen.

Eine starke Immunabwehr gehört zu den grundlegenden Vorbeugemaßnahmen, wenn es um Infekte und damit um die häufigsten Ursachen von Ohrenschmerzen geht. Stärken Sie Ihre Abwehrkräfte, indem Sie nicht rauchen, sich ausgewogen ernähren, sich ausreichend körperlich bewegen und gezielt Stress abbauen.

Tipps für Flugreisende: Was gegen Ohrenschmerzen beim Landeanflug hilft

Wenn die Maschine startet oder landet und Ihre Ohren weh tun, unterstützen oft schon einfache Maßnahmen den Druckausgleich über die eustachische Röhre. Hilfreich sind oft Kaugummikauen, Bewegen der Kiefer, regelmäßiges, bewusstes Schlucken sowie das sogenannte Valsalva-Manöver: Halten Sie sich die Nase zu. Dann atmen Sie bei geschlossenem Mund durch die "verstopfte" Nase aus, so als wollten Sie sich schnäuzen. Vorsicht allerdings bei akutem Schnupfen, erst recht bei akuter Mittelohrentzündung. Wenn Sie erkältet sind, ist es oft ratsam, einige Zeit vor der Landung abschwellende Nasentropfen und -sprays anzuwenden. Kinder mit einer Erkältung oder Mittelohrentzündung sollten nach Möglichkeit nicht fliegen. Sprechen Sie sich dazu immer mit dem Arzt ab.

Vermeiden Sie es in jedem Fall, mit einer Erkältung oder Ohrentzündung zu tauchen.


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