Ohrenschmerzen – Ursachen: Erkrankungen im Nasen-Rachen-Raum und Kehlkopf

Sind Nasenräume, Rachen oder Kehlkopf erkrankt, strahlen oft typische Hals- oder Kopfschmerzen bis in die Ohren aus. Heiserkeit und Husten können dazukommen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 10.10.2018
Erkältung

Bei einer Mandelentzündung können die Schmerzen bis in die Ohren ausstrahlen


1. Erkrankungen im Rachenraum, die zu Ohrenschmerzen führen

Rachenentzündung

Verantwortlich für eine akute Entzündung der Rachenschleimhaut (Pharyngitis) sind oft Grippeviren und Parainfluenza-Viren, die in erster Linie bei Kindern Atemwegsinfekte wie einen Pseudokrupp hervorrufen können. Infektionen mit Bakterien, insbesondere Streptokokken, können dazukommen.

Symptome: Plötzliches Fieber, Kratzen und Schmerzen im Hals, Ohr- und Kopfschmerzen, Schnupfen, eventuell Husten, geschwollene Kieferlymphknoten.

Diagnose und Therapie: Deutliche Hinweise gibt die Spiegeluntersuchung des Mund-Rachen-Raums. Die Schleimhaut ist gerötet und oft mit Belägen überzogen. Möglicherweise entnimmt der Arzt zudem einen Abstrich für einen Streptokokkenschnelltest.

Schmerzlindernde Maßnahmen mit Medikamenten, kalten Halswickeln und warmen Kräutertees zum Gurgeln oder Trinken, zum Beispiel mit Kamille und Salbei, stehen bei der Behandlung mit Vordergrund. Wurden Streptokokken nachgewiesen, wird der Arzt entscheiden, ob Antibiotika angezeigt sind.

Mandelentzündung (Rachenmandelentzündung, auch Angina retronasalis, Gaumenmandelentzündung, Fachbegriff Angina tonsillaris)

Bakterien, vor allem aus der Gruppe der Streptokokken, sind zwar die klassischen Erreger einer akuten Entzündung der Gaumenmandeln. Eine Behandlung mit Antibiotika wird aber nur noch unter bestimmten Voraussetzungen empfohlen, etwa bei Nachweis der genannten oder anderer, seltener verantwortlicher Bakterien vor dem Hintergrund entsprechender Befunde und Krankheitszeichen. Ziel ist immer und hier ganz besonders, die Erkrankung möglichst schnell einzudämmen und zu vermeiden, dass sie sich im Mund- und Rachenraum weiter ausbreitet und zu seltenen späteren Komplikationen führt. Häufig liegen jedoch Virusinfekte vor, bei denen keine Antibiotika angezeigt sind.
Symptome:

Entzündung der Rachenmandel: Starke Halsschmerzen, Krankheitsgefühl, kloßige Sprache, eventuell eitrige Absonderungen aus der Nase, Ohrenschmerzen (zum Beispiel infolge Mittelohrentzündung, Mittelorkatarrh), Fieber; bei wiederholten Entzündungen häufig Vergrößerung der Mandel (Hyperplasie) mit weiteren Beschwerden.
Akute Entzündung der Gaumenmandeln
: Halsschmerzen, die auf die Ohren übergehen können, Schluckbeschwerden, Fieber, kloßige Sprache, je nach Ursache
schmerzende, geschwollene Lymphknoten im Kieferwinkel, im Nacken und in anderen Körperbereichen; einseitige Beschwerden können auf einen sogenannten Peritonsillarabszess als Komplikation hinweisen. Bei wiederholten Infekten Vergrößerung der Mandeln (Hyperplasie) mit verschiedenen Folgebeschwerden möglich. Mehr dazu auch im Kapitel "Ohrenschmerzen – Therapie und Selbsthilfe" in diesem Beitrag.

Außerdem informiert der Ratgeber "Mandelentzündung (Angina tonsillaris)" über das  Krankheitsbild:

Pfeiffersches Drüsenfieber

Jugendliche und Erwachsene unter 30 Jahren erkranken besonders häufig an dieser Infektion durch das sogenannte Epstein-Barr-Virus, das zu den Herpes-Viren gehört. Die Erreger der "Kusskrankheit" werden hauptsächlich über Speichelkontakt übertragen und befallen Mund-, Rachen- und Nasenschleimhaut, anschließend über die Lymphbahnen auch die Rachenmandeln, Lymphknoten, die Milz und die Leber.

Symptome: Halsschmerzen, Schluckbeschwerden (häufig kommt es zu einer Mandelentzündung), Kopf-, Ohr- und Gliederschmerzen, schmerzhafte Schwellungen am Hals, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber. Kinder zeigen dagegen oft kaum Symptome.

Zu Ursachen, Verlauf, Diagnose und Therapie informiert der Ratgeber "Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose)":

2. Krankheiten im Nasenraum und weiteren Kopfbereichen als Auslöser für Ohrenschmerzen

Nasennebenhöhlenentzündung

Eine akute oder chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) kann auf unterschiedliche Weise das Ohr in Mitleidenschaft ziehen. Die Entzündung in den Nasennebenhöhlen greift entweder auf das Mittelohr über (siehe Kapitel "Ohrerkrankungen (– Übersicht)") oder sie stört die Belüftung in der eustachischen Röhre. Damit verursacht sie möglicherweise einen Unter- oder Überdruck im Mittelohr. Zudem reizen die Entzündungsvorgänge manchmal Nervenbahnen, die mit dem Ohr verbunden sind oder in seiner Nähe verlaufen.

Symptome: Kopfschmerzen, oft im Bereich von Stirn, Augen und Nase, ein Druckgefühl, das sich verstärkt beim Bücken bemerkbar macht. Dazu kommen eine verstopfte Nase, mitunter Fieber, Abgeschlagenheit. Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen stellen sich auch aufgrund der gleichzeitig bestehenden Erkältung bei einer akuten Rhinosinusitis ein.

Zu Ursachen, Diagnose und Therapiemaßnahmen informiert der Ratgeber "Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)":

Mumps

Bei Mumps (Parotitis epidemica) sind die großen Kopfspeicheldrüsen mit den Ohrspeicheldrüsen entzündet. Erreger dieser Infektionskrankheit, an denen zumeist Kinder, aber mitunter auch Erwachsene erkranken, ist das Mumpsvirus. Dank der empfohlenen Impfung für Säuglinge und Kleinkinder sind die Krankheit und mögliche Spätfolgen selten geworden.

Symptome: Schmerzhaft geschwollene Speicheldrüsen mit dicken Backen und durch die Schwellungen abstehenden Ohrläppchen, Kau- und Schluckbeschwerden, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Mumps" auf baby-und-familie.de.

3. Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Raum oder Kehlkopf: Oft mit Ohrenschmerzen verbunden

Mund- und Rachenkrebs

Bösartige Veränderungen (Oropharynxkarzinome) sind hauptsächlich die Folge von jahrelangem Tabakrauchen und Alkoholmissbrauch. Ohrenschmerzen und weitere Symptome treten häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf, wenn der Tumor auf Nerven drückt oder in umgebendes Gewebe, etwa Muskeln in diesem Bereich, vorgedrungen ist.

Symptome: Mitunter anfangs keine Beschwerden, möglich sind Schluckbeschwerden, blutiger Speichel, Mundgeruch; später Schmerzen beim Schlucken, Ohrenschmerzen, Kieferblockade, Atemnot, Heiserkeit.

Diagnose und Therapie: Die Untersuchung des Rachenraums gibt dem Arzt meist wichtige Hinweise. Bildgebende Verfahren wie Computertomografie und Magnetresonanztomografie zeigen dann mehr über Art und Ausmaß des Tumors.

Die Therapie richtet sich nach den individuellen Gegebenheiten. In der Regel entfernt der Spezialist den Tumor operativ. An die Operation schließt sich meist Strahlentherapie an, gegebenenfalls kombiniert mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie). Auch Therapien mit speziellen Antikörpern sind nach europäischen Empfehlungen (ESMO 2018) in fortgeschrittenen Erkrankungsphasen möglich.

Informationen zum Thema finden Sie auch im Ratgeber "Rachenkrebs (Pharynxkarzinom)":

Kehlkopfkrebs

Männer erkranken häufiger als Frauen an bösartigen Kehlkopftumoren, und dann meist im Alter zwischen Mitte 50 und Mitte 60. Tabakrauch und Alkoholmissbrauch sind hier maßgebliche Risikofaktoren. Ebenso können Giftstoffe aus der Arbeitswelt wie Asbest, Teer, Ruß oder starke Hitzeeinwirkung krebsfördernd sein. Zu Ohrenschmerzen kommt es vor allem, wenn der Tumor den Vagus-Nerv im Kehlkopf- und Rachenbereich reizt.

Symptome: Heiserkeit, Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen, Kloßgefühl im Hals, Schluckbeschwerden.

Diagnose und Therapie: Aufschluss geben die eingehende Untersuchung des Halsbereichs, eine Spiegeluntersuchung des Kehlkopfs, eine Laryngoskopie. Infrage kommen hier möglicherweise auch eine Mikrolaryngoskopie, bei der der Arzt meist Gewebe zur feingeweblichen Untersuchung entnimmt, sowie Ultraschallaufnahmen. Häufig folgen noch eine Computertomografie und/oder eine Magnetresonanztomografie.

Die Behandlung ist immer individuell abgestimmt auf Patient und Tumorart und besteht meist aus chirurgischen Maßnahmen mit Strahlentherapie und eventuell Chemotherapie, gegebenenfalls auch mit speziellen Antikörpern (siehe oben: Therapie bei Rachenkrebs).

Ausführliche Informationen gibt der Ratgeber "Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom)":


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