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Ohrenschmalz richtig entfernen

Der Gehörgang reinigt sich in der Regel von selbst. Wattestäbchen bleiben besser draußen. Nur bei einer gestörten Selbstreinigung des Gehörgangs kommt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt ins Spiel

von Marlen Schernbeck, aktualisiert am 10.02.2020
Mann hat Finger im Ohr

Normalerweise reicht es, den Gehörgang nur so weit zu säubern, wie man mit den Fingern eindringen kann. Wattestäbchen sind hingegen gefährlich für das Trommelfell


Bei der Pflege ihrer Ohren kommen viele Menschen auf besonders kreative Ideen: Haarnadeln, Streichhölzer oder aufgebogene Büroklammern werden kurzerhand zu Reinigungswerk­zeugen erklärt, erzählt der HNO-Arzt Dr. Joachim Wichmann. Das beliebteste Ohreninstrument aber ist das Wattestäbchen. Doch nichts davon gehört ins Ohr, warnt Wichmann.

Das Ohr reinigt sich selbst

Zum einen können die kleinen, spitzen Gegenstände Gehörgang und Trommelfell verletzen oder im Ohr haften bleiben. "Ich habe in den Ohren meiner Patienten schon vieles entdeckt", sagt Wichmann. "Etwa Wattereste, um die sich eine Entzündung gebildet hatte." Zum anderen drücken vor allem Wattestäbchen das Schmalz oft noch tiefer in den Gehörgang.

Mediziner Wichmann rät: nur die Stellen säubern, die der kleine Finger erreicht. Alles andere regelt das Ohr von allein. Kleinste Flimmerhärchen im Gehörgang transportieren über­­schüssiges Schmalz in Richtung Ohrmuschel. Mit lauwarmem Wasser
und einem Waschlappen oder Wattepad kann man es von dort entfernen. Auch die Haut hinter den Ohren ­regelmäßig mit Wasser reinigen, damit sie sich nicht entzündet.

Infografik Ohr Gehörgang Innenohr Trommelfell

Probleme nach Operationen

Manchmal ist die Selbstreinigung des Gehörgangs jedoch gestört, etwa nach einer Mittelohroperation. Auch bei älteren Menschen und Schwimmern sammelt sich häufig mehr Ohrenschmalz an. Mit der Zeit bildet sich dann ein fester Klumpen, ein sogenannter Pfropf.

Mögliche Folgen: Man hört schlechter, das Ohr schmerzt, Druck entsteht. "Bei älteren Menschen verschärft sich dadurch Schwerhörigkeit. Oft erkennt aber keiner, dass es an ­einem Pfropf liegt", weiß Wichmann.

Hilfe beim HNO-Arzt

Betroffene sollten die Ohren regelmäßig – mindestens ein- bis zweimal im Jahr, bei Bedarf auch alle drei Monate – von einem HNO-Arzt säubern lassen. Der Pfropf wird dabei mit feinen Instrumenten abgesaugt oder mit Wasser ausgespült.

Auf keinen Fall aber selbst einen harten Wasserstrahl unkontrolliert direkt in den Gehörgang richten. "Das Trommelfell ist empfindlich, im schlimmsten Fall spült man ein Loch hinein", warnt Wichmann.

Ohrenschmalz ist nicht unhygienisch

Sprüche wie "Da muss sich wohl mal jemand die Ohren putzen" ärgern den ­­Mediziner. Übertriebenes Waschen sei totaler Unsinn. Ohrenschmalz habe nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Im Gegenteil: Es befeuchtet den Gehörgang und verhindert, dass Keime tiefer hineingelangen.

Also nicht aus falscher Scham, etwa vor dem Arzttermin, noch schnell im Ohr herumstochern. So etwas bleibt ohnehin nicht unentdeckt: "Ich kann die Abdrücke von Wattestäbchen im Ohrenschmalz erkennen", sagt Wichmann.


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