Morbus Menière: Symptome und Verlauf

Massive Schwindelanfälle, dazu Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit und Druckgefühl in einem Ohr – typische Beschwerden bei Morbus Menière

aktualisiert am 29.03.2017
Ohrenschmerzen

Ihnen ist plötzlich schwindelig, Sie hören nur noch rauschende Geräusche oder Brummen in einem Ohr? Hinter solchen Anzeichen kann ein Morbus-Menière stecken


Mit welchen Symptomen macht sich ein Morbus Menière bemerkbar? Im klassischen Fall schildern Betroffene drei typische Beschwerden (sogenannte Symptom-Trias, Menière'sche Trias):

1) Drehschwindel-Anfälle: "Mir wird immer wieder total schwindelig und schlecht"

Mit nur kleiner Vorwarnung wird den Betroffenen extrem schwindelig. Es scheint sich alles um sie herum zu drehen, als säßen sie in einem Karussell. Vielen wird schlecht, manche müssen sich sogar übergeben. Der Schwindel kann so stark sein, dass der Betroffene sich nicht mehr auf den Beinen halten kann und hinfällt. Mediziner nennen einen solchen Sturz Drop-Attack.

Die Schwindelanfälle halten oft über Stunden an und kehren in unvorhersehbaren Abständen wieder. Zwischen den Attacken können wenige Tage oder aber viele Monate liegen. In diesem Intervall leiden die Betroffenen üblicherweise nicht an Schwindel.

2) Ohrgeräusche: "Es rauscht und brummt in meinem Ohr"

Ohrgeräusche wechselnder Intensität begleiten typischerweise die Schwindelattacken. Vor allem bei längerer Krankheitsdauer kann das Ohrensausen (der Tinnitus) aber auch darüber hinaus anhalten. Eventuell wird es zwischen den Attacken leiser und beim nächsten Schwindelanfall wieder lauter.

Andere Menschen können diese Ohrgeräusche nicht wahrnehmen, nur der Betroffene selbst hört sie. Tinnitus kann verschiedene Ursachen haben und völlig unterschiedliche Höreindrücke hervorrufen – von Zischen, Summen über Pfeifen bis Knattern. Bei Morbus Menière hören die Betroffenen eher tiefe Töne, zum Beispiel ein dumpfes Brummen oder ein Rauschen.

Üblicherweise ist nur ein Ohr betroffen. Auf diesem Ohr bemerken die Betroffen im typischen Fall auch eine Hörstörung:

3) Hörstörungen: "Ich höre auf einem Ohr nicht mehr richtig"

Ein Ohr scheint den Dienst zu versagen: Die Betroffenen hören auf einmal schlechter, vor allem Sprache klingt verzerrt. Eventuell bemerken sie diese einseitige Schwerhörigkeit erstmals während einer Schwindelattacke. Mit fortschreitender Krankheit kann die Hörminderung – genauso wie der Tinnitus – aber auch andauern. Oft wechselt dabei die Intensität. Während der Anfälle verschlechtert sich die Schwerhörigkeit zum Beispiel bis hin zum vorübergehenden Hörverlust. Im Intervall hören die Betroffenen dann wieder etwas besser.

Selten kommt das Gegenteil vor: Die Betroffenen hören auf einmal besser, wenn es zu einem Schwindelanfall kommt. Mediziner nennen diese Konstellation Lermoyez-Syndrom. Ob es sich dabei um eine eigene Krankheit oder eine Variante des Morbus Menière handelt, ist nicht eindeutig geklärt.

Krankheitsverlauf: Ein Leben mit ständigen Schwindelattacken?

Die plötzlichen Menière-Attacken verunsichern Betroffene mitunter stark. Schließlich müssen sie theoretisch zu jeder Gelegenheit mit Schwindel, Übelkeit und womöglich auch Erbrechen rechnen. Wann die nächste Schwindelepisode kommt, weiß niemand. Der Krankheitsverlauf ist nicht vorhersehbar.

Die Symptome treten meist nur mit kurzer Vorwarnung auf. Manche spüren allenfalls noch, dass eine Attacke kurz bevorsteht – weil der Druck im Ohr zunimmt oder das Rauschen im Ohr auf einmal lauter wird. Eine belastende Situation. Alleine die Angst vor dem nächsten Anfall kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

Wie häufig die Menière-Attacken auftreten werden, ist ebenfalls ungewiss. Die Häufigkeit reicht von wenigen Anfällen im Jahr bis hin zu täglichen Beschwerden. Letzteres ist jedoch eher die Ausnahme.

Immerhin tröstlich: Mit der Zeit nehmen die Schwindelbeschwerden – die oft besonders belasten – bei den meisten Patienten tendenziell eher ab. Bei etlichen Betroffenen verschlimmert sich allerdings die Schwerhörigkeit. Manche hören schließlich kaum noch oder gar nichts mehr auf dem betroffenen Ohr.

Mit geeigneten Therapien kommen viele Menière-Patienten im Alltag gut zurecht. Sie können den Krankheitsverlauf auch selbst günstig beeinflussen, indem sie auf eine gesunde Lebensweise achten. Welche Behandlungsmöglichkeiten es bei Morbus Menière gibt, lesen Sie im Kapitel Therapie.

Wer sehr stark unter den Menière-Beschwerden leidet, findet eventuell Zuspruch und hilfreiche Alltagstipps in einer Selbsthilfegruppe (Links am unteren Seitenrand). Im individuellen Fall kann auch eine psychologische Unterstützung sinnvoll sein.

Wichtig: Schwindel, Ohrgeräusche und Schwerhörigkeit können zahlreiche andere Ursachen haben. Nicht immer ist ein Morbus Menière der Auslöser. Wer solche Symptome spürt, sollte immer medizinischen Rat einholen!